Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2015 (24.9.1924)
- Date
- 1924-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[Polen 20nroszy| Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1*3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) mopatl. K 40.000 Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien v Oesterr. monatl. K 40.001 Ts cliecho* Slowakei Mon. K 20. Jugoslawien Mon. DinaröO. Polen: Mon 31/* Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, F rankr., Belgien: Mon. Frcs. 15 MT Nachzahl un gen '3BQ bei Prdierhöhungen vorbehaHcr WMMWMWM sie.-- JAHRES' ABONNENT PRÄMIE | Preis K I4QO | England: Mon, 4 Schilling, Italien: MoaaH. 15 Ute, Ünma hie n'Mon.lSOUit Bulgarien Mon. 80 Lewa, Sc Üweiz und das übrige Ausland, monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II , taborstr. 1-8 Telepnone: 44-0-38,43*3-19, AbSUhr abds. 21-102,25-282 IX. Uhiversitätsatrasse 6-r8 (Druckerei Steirimann) Oesterreichisches Postsparlassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2015 Wien. Mittwoch, 24. September 1924 6. Jahrgang Palästinaaufbaufond s (Keven Häjeffod) in Wien «weilt. Bei seiner Ankunft auf dem Westbahnhofe wurde Einstein vom geschäfts führenden Präsidenten des Komitees, Herrn Direktor Siegmund Epler, empfangen und iFn einem hochgelegenen Zimmer des Hotels „Astovia" hat Mlbert Ei<n!stein für die zwei Tage feines Wiener AUfenthalltes .s«W Heim auifgefchlagen. Er ist hier aber kaum anzutreffen. Er verbringt die Zeit mit Konferenzen und Besprechungen, deren Inhalt ganz seiner zionistischen >Aust gabe gewidmet ist, am Wiederaufbau der Mischen Heimat mitzuwrÄen. Dsr Interviewer, dem die BevufsMcht zu chm führt, tM chm mit einiger Befangenheit gegnMer., Er ist doch der Mann, der die Wissenschaft von Zeit und Raum m ganz'neue Bahnen geführt, der die Gesetze des Muvwiffenschafililchen Denkens ganz neu formuliert hat. Der Mann, dessen Name von den geistigen Menschen von London bis ToÄo mit Ehrfurcht genannt wird. Ein kräftiger Mann in ornfachem Gportanyug, brauner Schnurrbart, leicht angegrautes Haupthaar, tiefe, braune Augen unter einer mächtig gewöWen Stirn. Es Aegbt für jeden, der mit dem GÄchrtsn kns Gespräch kommt, ein Augenblick stanken Evleibens. Die ersten Fragen, sozusagen die Generalien, sind rasch absolviert. Mit der ruhigen Liebens- WürdigNeit des Weltmannes gilbt der Forscher Auskunft, wobei chn die Hinze englische Pfeife stark beschäftigt. Er spricht heute albeM in einem geschlossenen Kreis (im ^Grand Hotel")Mer dve >Palastmafvage, reist morgen nach Innsbruck zum Kongreß der .deutschen Naturforscher und muß anfangs Oktober. nach Z u r i ch, ' wohin ihn die BsrufsMcht ruft. Er kommt zuerst auf den Bö l kerb und gu sprechen, dessen IntellÄtnellenikom- Miffion er Vekanntttch angehört. Er rühmt den günstigen EMrnck, den die ibishevigen Arbeiten und Sitzungen dieser Körperschaft ihm vermittelt haben. Es sind dort Menschen Ms allen LäudMtbeis^ hauptsächlich GÄchrie, die ßo sehr von der internationalen Bedeutung der zu erfüllenden Aufgabe durchdrmigen waren, daß die besonderen nationalen Interessen der- Länder, aus denendie einzelnen ikcmöm, durchaus in: den Hintergrund getreten sind. „Statt dem, was ich. dort Mehen habe, habe ich di« Ueberzeugung gewonnen, daß, abgesehen von der positiven Arbeit, die. dort geleistet worden ist, schon die einzige Tatsache der Bereinigung von Deuten mit höheren Gesichtspunkten lu einer Jnstitukionvou hoher Bedeutung für die Entwicklung der politischen VerMtNiiffe 'der'Zukunft werden kann." Dann lenkt das GesipvÄH zur Pa lä st in a f r a ge Liber. Einstein ist wie verwandelt. Mt allem Eifer seines kräftigen Temperaments verweilt er bei dem Thema, das für ihn d a s Thema P,' dem' er sich doll' hing,A.' ' Mie ich - v, die Palastinafrage sehe? Ich sehe sie von Zwei Seiten. Erstens handelt es sich um das Problem der Siedlung, das nur durch großangelegte Hilfe v o u a u ß en gelöst werden kann? und zu dessen Gelingest die materiellen Kräfte aller Juden herangeiz,ogen werden muffen, zweitens nm die Wecktmg der'Privatinitiative lhchWsächliich für Werke der Industrie und des Handels." ,-Welche Eindrücke haben.Sie/aus Palästina mitge- Wommen?" ^Den tiefsten Eindruck. >hat auf mich' die entsagungsvolle Arbeit der jungen. Deute genracht,. die: aus ^hen',verschiedensten-.Gegenden züsammengekommm, es verstanden Mter der Wirkung einer gememfamen Sehnsucht sich in ganz engen Gemeinschaften zusa'Minenzufinden.und «Archaus einheitliche und planvolle Arbeit zu, Iciftcni Besonders beim Besu ch von N a h ala t hat. es mich tief' ei- SÄ'ffen, wie diese, jungen Menschen, abgesehen... von i den schwierigen Bechältniffen, die sich Lei. jeder Siedlung ans neuem Boden ergeben, unter einem Kapitailsniangel zu leiden haben,; ri (l.. unter einer lächerlich geringen Schuld, welche diese Deute so schwer bedrückt hat.'Wie 'leicht wäre es eigentlich, diesen Menschen zu helfest und wie sehr verdienten sie esl Ich Klaube, daß niemand das Loben dieser : Menschen sehen kann, ohne, die Pflicht zu. suhlen, für sie alles zu tun, was in der Macht liegt. Außerdem hat aufmich einen erfreulichen und guten Eindruck, die Stärke 'des- Unternehmungsgeist e s gemacht,. der sich bei der stad tisch e n B a tätigt eit zeigt; es ist der Eindruck, daß da eben eine ^Entwicklung vor sich geht, die einen, fast lawinenartigen Charakter annimmt. Man fühlt, daß dieses Werk von dem starken Gefühl einer Nation getragen ist. Sonst würde man die rapide Entwicklung, besonders an der KW bei Tel-Awiw, 'kaum verstehen. Ich 'habe niemas den Eindruck gewonnen, daß die arabische Frage -die Entwicklungsmöglichkeit des Palästinaprojektes bedrohen Könnte. Ich glaube vielmehr, daß 'besonders zwischen dm 'unteren Klassen der Juden und der Araber im ganzen ein gutes Einvernehmen geherrscht hat. Die sozusagen in her Natur, liegenden Schwierigkeiten kommen einem nicht -zum Bewußtsein, wenn man an Ort und Stelle ist. .Unvergleichlich schwerer erscheint, eistem vielmehr die Frage her Rekonstruierung und der Sanierung des Vaterlandes.. - Der Standpunkt, den die meisten Menschen bezüglich. idsr Palästinaftage bei uns einnehmen, ist. ungefähr der: ' Was geht , das uns. an? Man könnte die Frage aufwerfen, welche große -Bedeutung es' für .eist, zerstreutes Volk von . so und. so viel Millionen MmschMhaMr Mute, ob mast' eine öder' anderthA 'WMnen., 'von ihnen in' Palästina. untevbringt. .Ich> sehe wenigstens die große Wichtigkeit'der ganzen zionistischen Arbeit gerade in der Wirkung, auf diejenigen, welche nicht in diesem Lande wohnen werden. Es ist da die Wirkung nach innen und nach außen festzustellen. Die Wirkung nach , innen liegt, nach meiner Meinung,. in einer sozialen Gesundung der Juden in dem Sinne eines freudigen Gemeinschaftsgefühles des Sichselbstgenügms,' die das gemeinsame Ziel in den Menschen heworrnstn muß, und die die neue junge Generation — nicht Mr unter der zionistischen Jugend außerordentlich vorteilhaft unterscheidet von der früheren Generation, deren Bemühen, in der ui chtjüdi scheu Gesellschaft aufzugehen, zu einer fast tragisch zu nennenden Haltlosigkeit geführt 'hat. Das ist die Wirkung mach innen. Die Wirkung nach außen sche ich. in der Haltung,' dieeine menschliche Gemeinschaft "" nur durch Wtchtive, PrydWvst Mstung geloinnen kann. Ich'glaube, daß die Existenz eines jüdischen kulturellen Zentrums die moralische und'politische Stellung der-.Juden inder ganzen Welt festigen wird, eben dadurch, daß eine Instanzda - ist, welche die Interessen des ganzen jüdischen'Volkes ^ewiMmaßen verkörpert. ' l - Um < dieses Werk « zu: vollführen, ist es notwendig, daß die große ' Arbeit; nicht auf den: Schulternder Zionisten Mein ruht'Sie muß immer wehr' ' ' auf die Schulten der Gesamtheit. . verweist; werden^ M:ist^ erfreulichr zu,-sehen,: daß!dieser Prjozeß in den 'letzten Jahrengroße iFovtschrjtte gemacht hat, besonders in Amerika, . England: und DeutschlaM Das allerschwierigste ist-von den - Zionisten geleistet worden« Das Werk hat'Dimensionen angenommen, die es zu e^in er A ng eleg e nhe-it der.Md ifchen Ge sa mt- ist ^erfreulich, daß W: Verständnis für den Hohen Wert dieser WMbe in der jüdischen Gesamtheit immer - weiter., fortschreitef." . , : | Damit: ist: dsts Gespräch beendet. . Am Abend sprach, . chie schon erwDttt, .Professor Ei nst ei n -im-einem' Kreise -führender jüdischer ^.PeMylichkeitew- Wiens - über das Auf-';Äauüverk in .Erez^. Israel.-^Zu, der Veraustältung waren alle hervorvagnchens-MitgAeder...-der .jüdischen 'Gesellschaft^ -geladen. Der VortMg fandim. Grandhvtel 'statt und war ...chißerordentlich' stark besucht. ..Der Redüer übte eine tiefe!; -Hetlte:- wird er feine Konferenzeu fortsttzen mnd'-abends 'Wch-JnnOrM abreisen.' - ' : v' Vj-:' M/; : Zu unserem! '^estrigSnv' Berichte - über-"'das'.Eintreffen Einsteius haben wir zu bemerken, daß der Geehrte als Gast des österrerKijchen Kymitees für drN ZeutschlMd und der Die Besprechungen noch nicht äbgeschloffeüj ' - Berlin, 23. 'September. (Wolfs.)' /Unter dem Vorsitze des Reichspräsidenten /'wurde heute ein ^Wnistevrat abge'halten. Nach eingehender Prazisiemng. der Frage -des Eintrittes Deutschlands in .den BÄkerbnnd ergab sich Ei nmütigkei't darüber, daß die Keichsregievung d^e'n alsb a l big e n E r n t r i t t D e u t s ch 'la nb §■ in den Völkerbund erstrebt. Sie geht dabei, von der Eri.väguyg aus, .daß die vom Völkerbund bchandelten Fragen, insbesondere 'die des Schutzes de r M i n d e r h e i t e n und' der Pegelung der VerMtnisse des Saavgebietes, die Frage der allgemeinen Ä b r it ft u n g iy Verbindung mit der Durch-. führung -er M i l i t ä r k o n t, r ö l l e sowie die Äfung,'dov giößerr Frage der Sicherung, jeglichen Zusammenärbeüens der Völker nur u nter Mitwirk,ung '.De.ut'schlands in befriedigender Weise geregelt werden. .Müen. Selbstverständlich kann Deutschlands. Mitwirlkung. nnr die einer gleichberechtigten Haupt mach t fein. Nachdem die ans der Londoner Konferenz'. erzielte Losung der RepäraLionSfrage nach. Ausfassturg der,hanptsächlich beteiligten Mächte . den Weg pr . ei.yex,ak tita:.e n: B'eh an h l u n g der Frage ' des Eintrittes ^DeütschlaMs W* den' BMerbünd für die^ Re'ichsregierung^chchffnet.hllttd, sind' im- ANfch'-lü sse an' d re.-Kpnf er e-NA.' B'e-. spr'echungen in diesem Sinne, aufgenöm< m e n w ö r d e n. Das Ergebnis. dieser Sondierungen bildete eine Wesentliche Grundlage fsir die. heutige Entschließung der ReichSregierung. . . ' : In Ausfühmng dieser Entschließung, wird die Reichsregierung durch',das Auswärtige. Amt bei den imWÜerbundrat vertretenen Mächte abschließend feststellen, ob' die für die Stellung des deutschen Antrages evfordcylichen Garantien, d ie sich sowohl auf'.Deutschlands' Stellung im Völkerbünde wie auf bestimmte archere damit, untrennbar zusammenhängende Fragen^ ''Leziehen,' gewährlerstet sind. : Kmlsereuze« Herrkots. Paris, 23. -Schtember.; (HchaS.). Wie der' Matni" i-m - Zusammenhang mit der Frage der Zulassung Deutschlands zum.Völkerbund, meldet, hat Ministerpräsident Herr io t gestern. , vormittags den englischen Botschafter'empfangen und fodann telephon ifch e n Rückspra che mit. der.französischen Delegation in Genf gchälwn, die hierauf Meimal. unter dein Böchtz Bria nds - zusammentrat. ' ' ' - In dem heute vormittags in Ramb.ourllet ahgehaltenen Mnistevrat berichtete.H e r r i ö L über die äußere Lage - Mb insbesondere' über die A r b. eiten 3) e r Volk e r-b u n d tz e r sam.ml ü n g. ' 'Der Fina n z m i n ist er erstattete ein eirrgeh e n d e s Expose über' die Herstellhug des. budgetören Gleichgewichtes. ' ' ' Nach der Sitzung des Ministerrates. erklärte der M- ' nisterpräsident auf - Anfragen' betreffend ' die Haltung der französischen Regieruug gegenüber der Frage des Eintrittes Deutschlands m' den Völkerbund,- er halte.sich an die Erklärungen^ die er in Genf abgegeben' 'habe. Ir. Nanse« vermMk weiter (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".)- Genf, 23. September..Dr. Rause».hatte heute eine:. -Besprechung mit der französischen Pölkevbunddelegation,- der alle Mitglieder dieser Delegation beiwohnten. Doktor Nansen-erkundigte sich im Aufträge verschiedener Delegationen über die Stellung, die die französ i sch e D e l e g a t i o n gegenüber - einem eben tu e ll e n Au f.n ahm e g.e s u ch D eit t s ch l an d s ein-, nehmen würde. Im Namen der fmnzösischen.Delegaiipü. >anit.vortete Briand, daß die Frage in erster Linie von den Regier ungen zu beantworten sei und daß deshalb -einepräzise'Antwort'am besten in B e r l in, Paris und Lio n d o n erhalten werden könne.