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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-22 · Heft 2013 (22.9.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2013 (22.9.1924)
Date
1924-09-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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s Wien, Montag Wiener Morgenreitung. 22. SeptenGer iü! I<notbS die Erlaubnis erteilt, leere Ländereien in Südrußland zu hesetzen und zu bebauen und dort einen jüdischen. Bauevnstaat ^u gründen! Großartig. Hochherziger kann man nicht sein. Sie haben nur eine ganz kleine Bedingung mit diesem großartigen Beginnen verknüpft. Die Juden müssen die Kosten dieser Stüatengrünoung selbst tragen, die Sowjetregierststg gibt keine Kopeke her. Nun entsteht für die jüdischen Menschen in Rußland ein eigenartiges Problem. Man schenkt ihnen rüM mehr und nicht weniger als einen daat! Da man ihnen aber vorher die. Kleider vom Leibe und die Schuhe von den Wißen gerissen hat, da sie nicht wissen, was sie ihren Kindern in den nächsten Stunden zu essen geben sollen, wissen sie Mit diesem geschenkten Staate nichts anzufangen. Jeder wäre gern bereit, seinen Besitztitel in Südrußland für einen Laib Brot zu verkaufen. Gräßlicher , wurden jüdische Menschen noch me gemartert. Die Herrker der spanischen Inquisition, welche die Juden mit raffiniertester Kunst quälten, sind harmlose Stümper gegen Trotzky und seine Genossen. Die reißen den Juden keine Zungen aus, braten sie nicht aus langsamem Feuer und zerschlagen ihnen mcht die Knochen mit dem Rade. Sie machen die Sache einfacher und wirksamer. Sie schenken den Juden einen .Staat!. f> Ganz große Staaten können vom kleinen Oesterreich noch lernen. Vor allem die Kunst, wie man Korruptionskrisen überwindet. Das mächtige Frankreich hat unter dem Panamafkandal Jahrzehnte hindurch gelitten. In Wollersdorf, welches dem österreichischen Staate gehört und unter christlichsozialer Verwaltung steht, hat man hundertmal mehr gestohlen als beim Panamakanal und doch hat der Skandal nur wenige Monate gedauert. Wurden die Täter so schnell gefaßt und zur Gutmachung des Schadens gezwungen? Keine Idee! Man hat.einfach nachgewiefen, daß im Arsenal, welches gleichfalls dem österreichischen Staate gehört, aber unter sozialdemokratischer Verwaltung steht, ebensoviel gestohlen wurde. Das gleicht sich aus. Im österreichischen BlätterwaDe ist es ruhig geworden. Kein Mensch spricht mehr von Wollersdorf und vom Arsenal. Wo alles stiehlt, wer soll da noch hassen? Wer soll sich da' noch aufregen? Vielleicht das österreichische Volk, welches jetzt doppelt so viel Steuern zahlen muß? Ja, wer ist schon das Voll? Wozu Ms da, wenn nicht zum Steuerzahlen! Das Voll ist ein Dreck, die Partei ist alles. Wenn der Ehriftlichsozrale und der Sozialdemokrat gleich diel stehlen, ist alles fe$ Wtzster Ordnung, Es lebe die .Gleichheit! _ rf: >>' 8röffml«g der Lhelltenmsftellung. Gestern mittags wurde durch Bürgermeister Seitz die .Ausstellung „Das volkstümliche Theater Wiens seit 180 Iahten" eröffnet. Sie ist. irr den städtischen Sammlungen im Neuen Wiener Rathaus untergebracht und, vom Leiter derselben, Oberamtsrat Hermann -Reuth er mit Hilfe eines ganzen .Stabes von Mitarbeitern zusammengestellt worden. '! 1 ' 1 - ’• Reuther begrüßte den Bürgermeister in einer längeren Ansprache, in. der er die Gesichtspunkts aufzeigte, nach denen die Einteilung der überaus zahlreichen Ausstellungsobjekte getroffen worden war. Bürgermeister Seitz bemerkte zuerst in seiner Antwort, daß das Musik- und Theatersest der Stadt Wien einen glänzenden Erfolg erzielt hat. Er würde sicher auch dieser Ausstellung treu bleiben, denn sie beweise, daß der Kunstsinn der Wiener Bevölkerung durch' alle Jahrzehnte unverändert geblieben sei und immer den für das Kunstwerk und den Künstler günstigen Nährboden geschaffen habe. Mit eivM Dank an alle, die sich um die Ausstellung verdient gemacht haben, erklärte er die Ausstellung für geöffnet.;{ ••;**! ■: Srwllhelms Stubenmädchen. ' Berlin, 21. September. Die vor einiger Zeit unter der Beschuldigung, ihre drei Männer ermordet zu haben, verhaftete Frau Krüger scheint ein weiblicher Haarmann zu sein. ->V Die bisherigen polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß sie noch eine größere Anzahl anderer Männer umgebracht haben mutz. Frau Krüger war übrigens früher einmal im kaiserlichen Schloß als Stubenmädchen des Exkaisers Wilhelm beschäftigt.. ArbeUennasieMndgrbimg auf der Hohen Warte. Auf der Hohen Warte fand gestern zur Feier der vor sechzig Jahren erfolgten Gründung der Internationale eine Massenkundgebung statt. Die Zahl det Teilnehmer wird ans 10 0.000 geschätzt. Es wurden Roden gegen d e n K r r e g und für den W e t t f r i e d e n gehalten. ■ ‘0: ’ Die Mutter ermordet — das Kiud fitzt zwei Lage neben der Leiche. Berlin, 21. September. Heute mittags wurde her Friedrichshagen ein Arbeiter durch das Weinen Es Kindes an eine Stelle gerufen, wo er neben dem Kind eine erwürgte Frau darfand. Die Untersuchung ergab, daß der etwa drei Jahre alte Knabe zwei Tage neben der fraget DEk A ■"—. 111 TO 1 Lk fe . ll Leiche der crmordeteü Muttergef» heute zufällig sein Wdmmevn gehört wuirde. Das' Äind'war fast v e r Hunger t. Der Mörder der etwa dreißigjährigen Frau ist noch nicht eruiert. eine khetragödie. 0m Mann und Frau zum Fenster hinqusgesprungw. --" Der Selbstmotd der Drechstertneistersgäitiü,.8ofifine Wohnung, Arbeiiergasse 21,' drei^ StollwerEe tief gestürzt Wd „bald darauf; -gestorben. ist§ führte, ^wir berichtet, Samstag -' nachmittags zu ' aüstegenden . Straßenfzentn. Gestern war nun .vom.. Kommissariat Margareten ein Wachebeamter in die Whnüng des Gatten der Toten des 43jährigen Drechflermiisters -Franz' 8 i l d, entsendet, worden, um ihn zu befragen, für wann er die Leichenfeier für seine Frauangesetzt habe, damit die nötigen Maßnahmen zu seinem Schutze getroffen werden könnten. Wild gab keine Antwort und machte den Eindruck eines Verwirrten.; .;• Plötzlich eilte er zum Fenster und sprang, ehe es verhindert werden konnte vom d r i t te n Stockwerk in den Hof. Er erlitt furchtbare Verletzungen : einen Stirnbeinbruch, einest Bruch d e 8 Schädelgrundes, einen offenen Bruch, des rechten Ellbogens, einen Bruch derWirbelsäuleund Brüche beider Unterschenkel. Er ist im Spital seinen Verletzungen erlegen, M dem Rasiermesser gegen die Nebenbuhlerin. Vorgestern nachts um dreivievtvl 11 Uhr wurde die 29jährige Hilfsarbeiterin Marianne Gründonner, 21. Bez., Frömmlgasse 33 wohnhaft, von der 31jährigen Hilfsarbeitersgattin LeopMine Buchmann. Brünnerstraße 52 wohnhaft, vor ihrem Wohnhause überfallen und durch Schnitte mit einem Rasiermesserschwer verletzt. Sie erlitt mehrere Schnittwunden und wußte auf die Unsallstatcon gebracht werden. Die Täterin Leopoldine Buch- Mann stellte sich selbst heimKoMüssariateFlövidsdürf. Sie gah 'bei der Cinvernahm«?än, .sie habe der Gründonner, nur einen Derckzeitel gehen sollen. Ihre Ehe, erzählte die . Büchmann, sei in der letzten Zeit sehr unglücklich gewesen; sie habe sich vernachlässigt gefühlt und erfahren, daß ihr Mann eine Liebschaft mit einer Frau, die „Marianne" heiße, unterhalte. Samstag abends wollte sie ihrer Nebenbuhlerin aufbauern und nahm sich ihre Schwester mit, allerdings ohne ihr zu sagen-, daß sie blutige Rache nehmen wolle. Ihr sagte sie nur, daß sie der Frau ihre Meinung sagen werde. Die Schwestern trafen vor dem Haufe Frömmlgasfe 33 eine Frau, auf die Frau Buchmann sogleich zutrat. Sie fragte, ob sie die „Marianne" sei. Als die Frau bejahte, gab ihr die Buchmann eine Ohrfeige. Die Gmndonner Wug zurück und alsbald lagen sich die beiden Frauen in den Haaren. Die Schwester der Buchmann wollte sie trennen, allein in diesem Augenblicke versetzte die Buchmann ihrer Gegnerin in blinder Wut die Schnittwunden. Die Täterin wurde in Haft behaltenihr Gatte. bestreitet, mit der Gründonner Beziehungen unterhalten zu haben und behauptete anfänglich, sie nicht einmal zu kennen. :;;;; 59S Jüdische Mahler! JA , Bis zum 28. d. müßt ihr euer Wahlrecht für die jüdische Gemeinde reklamieren! Das Wahlrecht haben alle großjährigen Steuerträger, welche mindestens in den dem Jahre dev Wahl vorausgegangenen zwei Verwaltungsjahren in Kultusfteuervorschreibnng gestanden sind Und die ihnen für das Jahr der Wahl oder däS vorattgegattgene Berwaltungsjahr statutengemäß vorgeschriebene KultuSfteuer bis zum Ablaufe der Reklamat'i.onssrist entrichtet haben. Nehmet Einsicht in die Wählerlisten (täglich außer Samstag von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr) an einer der folgenden Stellen: - - yjr Taborstratze) 1. Bezirk: Seitenstettengasse 4, 2. Bezirk: (rechts von der Tempelgasse 3, 2. Bezirk: (links von der Malzgasse 16, 3. u. 11. Bezirk: 3. Bez., Untere BiadUktgässe 13, 4.,5.u. 10. Bezirk: 5. Bez., Siebenbrünnengasse 1, . 6. u. 7. Bezirk: 6. Bez., Schmalzhofgasse 3, . ' 8. u. 9. Bezirk: 9. Bez., Seegasse 9, , 12. bis 15. Bezirk: 15. Bez^ TüLNttßaffs 22, 16. n. 17. Bezirk: 16. Bez./ Hubergasse 8, 18. u. 19. Bezirk: 18. Bez., Schopenhauerstraße 39, 20. Bezirk: Ktuekygasse 11, 21. Bezirk: Holzmeistergasse 12. Bor allem aber: zahlt die rückstä digen KultussteuerU! Reklamationen sind biS spätestens Sonntag den 28. d. schriftlich nt der Kanzlei der Kultusgemeinde, Wien, l.T Seitenstettengasse 4, einznbringett. U- Na Loknment rum ältesten Fudeupogrom. Durch dieDeriHte pe's jüdischen Hiftorikers! AosWüß Flavius und zwei, IWhaMungen 'des Phillvfdpihm von Mb wir Mr ^en Mest!en' U* MnMÄöordenen H-ü.d.e«Pogrom unterrichtet,,her iü Mlle^aM'v r-ta' kupz'mach der im Jahre 3^ der Heute ^HbEn Zeitrechnung stattgefundmm E?nestrm^.7'W. terödes-Gp'ke-ls^A gri p pa zu-m Köwig von JMa borm. Ein Erlaß des damällgen römischen Präfekten Fl accus, in welchem die Juden als „Fremde" und „Eindringlinge" bezeichnet wurden, gab dem alexandrinischen Pöbel das Signal zu den Exzessen gegen die Juden, welche als Bilanz die Plünderung von 400 jüdi->. scheu Häusern sowie zahlreiche Tote ergaben. Josephu's Flavins berichtet zu diesen Erergniflen, daß der Mchfplger. W. römischen Kaisers Eagigula, Kaiser C l, a udiuS, im Zusammenhang mit diesem Pogrom den S chutz der Juden und ihrer Religio« innerhalb des römischen Reiches verbrieft habe. Diese Stelle im Josephus ivurde vielfach anMweifelt und als tendenziöse Erfindung bezeichnet. Sie erhält Mr durch einen Fund, der im Jahre 1921 bei Darb el Gerza Mlich von Kairo in den Ruinen des antiken Dorfes Philadelphia gemacht wurde, volle Bestätigung. Unter den dortsckbst gefundenen Papyri aus dem ersten Jahchundert nach Christus, von denen der größte Teil sich jetzt im britischen Museum in London befindet, hat H. I. Bell die Kopie eines Erlasses Claudius' an die Alexandriner mit dem Auftrag an den Nachfolger des erwähnten Flaccus, hen Präfekten Lucius Ae melius Rectus, diesen Erlaß zu verossentlichen, gesunden. In diesem Erlaß heißt es unter anderem: ,/Was die Frage betrifft, ob ihr (d. h. die Griechen in Alexandria) für den Aufstand und die Fehde (oder, um die Wahrheit zu sagen, den Krieg) gegen die Juden verantwortlich seid, bin ich nicht geneigt, ein endgültiges Urteil zu fällen, obgleich eure Gesandten und besonders Dionysius, der Sohn des Dheon, eure Sache mit viel Eifer bei der Konfrontierung (offenbar mit der jüdischen Gesandtschaft, die bekanntlich sehr lange in Rom blieb), vertreten hat. Und muß mir die schärfste MißbiMgung für diejenigen Vorbehalten, die den neuen Ausbruch der Feindseligkeiten verursachten; aber ich erkläre euch ohne' Umschweife, daß, wen« ihr nicht von der verderblichen und hartnäckigen gegenseitigen Feindschaft ablüßt, ich gezflvstngen sein werde, euch zu zeigen, wie ein wohlwollender Füvst sein kann, p>enn er von gerechtem Untwillen erfüllt ist. Deshalb beschwör ich euch nochmals, daß einerseits die Alexandviner sich duldsam und gütig gegen die Juden zeigen möge«, die so viele Jahre in derselben Süä>t gewohnt haben, und chnen keine Gewalt antun bei Ausübung ihres überkommenen Gottesdienstes, sondern ihnen erlauben sollen, ihre Gebräuche zu beobachten wie zu den Zeiten des Kaisers Augustus, Gebrauche, die auch ich nach Anhörung beider Seiten bestätigt habe. Andererseits bitte ich die Juden, sich nicht mit Dingen zu beschäftigen, außer denen, die sie bisher betrieben haben, und künftig nicht zwei Gesandt-; schäften zu schicken, als ob ihr und sie in zwei Städten lebten — was bisher nie vorgekommen — und nicht zu wetteifern in turnerischen oder Schönheitsspielen, sondern das zu nutzen, was sie besitzen, und in einer Stadt, die doch Nicht chve eigene ist, den Aobevfluß an allen guten Dingen zu gervießen. Sie sollen auch keine Juden einlladen oder einführen, von Syrien oder Aegypten nach Mexandvia zn segeln, darnit ich nicht gezwungen wöch-e, größeren Verdacht gegen sie zu hegen. Sonst werde ich. sie mit allen Mitteln strafen, wie wenn sie eine allgemeine Plage für die ganze Welt grohziehen wollten. Mfo, wem ihr beidevseiits von derartigem Verfahren abilaßt und gewillt seid, in gegenseitiger Duldung und Freundschaft zu leben, wM ich meinerseits die durch lange Zeit gchoAigte Sorge für das Wohl eurer Stadt weiter fovtsetzen, Mit de« Familie Me alMe^Mmepf Freurchschaft hegt." Aus dem DoAimenL ist gn ersehen, daß' tatsächlich der Kaiser seinem Staatshalter und den Alexandrinern die ReligioussreihL-it der Juden nahelegt,. aber auch, daß er — und das ist besonders interessant -- sichgegen eine Beteiligung der Juden an den BölKs festen der Griechen wendet. Die Stelle des CrlaW, welche aus die Herantzichung von> Juden aus Syrien . oder Aegypten Bezug hat, scheint sich darauf zu beziehen, daß die Inden in Alexandria, um sich gegen neue Ucherfälle zu schützen, bewaffnete Stammesgenossen aus änderen Ländern bezogen, um eine Art Selbstwehr zu bilden. Das Dokument gewährt also intevessanten Einblick in die Bychältmsse der großen Jnldengemeinde von FEINSTE und k o n f « k t i onie r t sowie sämtliche : -r j (Herrenwäsche, Krawatten etc»> HE R R E NP ELZE "fffff"" in jeder Grösse und Ausführung; zu besonders billigen Einführungspreisen! 7WW i A-BorensSeSn, Wliin, ILHollandstr.lO

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