Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-09-17 · Heft 2008 (17.9.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2008 (17.9.1924)
Date
1924-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981091--20470-3007701
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

j J § TT-r-rr:— . ■ .r r, '-"V-J'1-';; tPoien 20groggyi Wien: 2um Abholen in der Expedition, II. Taboratr. 1-3, oder in emerVerschleisstelle fTrafik) monatl. K 40.000 Strassenverkaüf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Poatversand für Wien n. Oeaterr. monatl. K 40.000 ititer Ts ob e e h o-S 1 owa lcei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. 3*/v Zloty. Deutschland: Mon. Gold mark 4, Franko Belgien: Mon. Fre«. 12 Naehx ab langen bei PraleerbShanvea vcibebalte» Rk. 2008 Wien. Mittwoch, 17. September 1024 Verschärfung Teilweise Ausschaltung der Lichtleitungen. — kmgreisen der Regierung mehr die Frage zur Diskussion, ob es gelänge, die Be WOWDWWMÄ^ 1 Prei^ K 14001 England: Mon.4 Schilling. Ital ien: Vona-'< Vl l ire, Rnmünien Man.!50lei, Bulgarien Mbn. 80 lewe, Schweiz nhd das übrig® Ausland Monatlich Freß. 4 Redaktion u. Administration Wien, fl;. Taborstrasse 1i—3 Teleohone: 44*0-38.43-3-19, *b 6 Uhr abds. 2t -.102,25-282 IX. Üni versHitsstr, 6—8 (Druckerei Steirimanm Oesterreichisehes Postspat - lcas«en- Konto Nr. 130.693 imMMMWlIMDW 8. sifidrßang Om Lause des gestrigen Abends ist eine Stockung in den Verhandlungen zur Beilegung des Konfliktes in der Metallindustrie eingetreten. Die nächste Folge davon war, daß gegen hakb 8 Uhr abends städtische Elektrizitätsmon-- teure die Lichtleitungen i'n der Inneren Stadt und in den angrenzenden Bezirks- Heilen ab schalteten. Die Maßregel, die entgegen einem gestern früh in der „Arbeiterzeitung" publizierten Appell erfolgte, wurde nicht von der Leitung des Metall-- vübeiterverbandes verfugt, da eine solche Handlung nicht als Streik, sondern als Sabotage austzefaßt wird. Die Mschaltung sollte bloß die Vergnügungslokale betreffen, legte aber eine ganze Reihe von gewerblichen Betrieben lochm. Auch der Betrieb der Miener Morgenzeitung" ge- Äet für die Dauer von einer Stunde ins Stocken. Asber die Verhandlungen des gestrigen Tages erlfahftett wir» Me beiderseitigen Unterhändler der Industriellen And der Metallarbeiterschast setzten sich gestern um Wb Uhr vormittags an den Beratungstisch, um« die am Montag begonnenen meritovrschen PechanNungen fortzusetzen, und zwar! in dem Bewußtsein, daß' sich diese Ver- 'handlungen n i ch t ' gl a t t' vollziehen werden. Immerhin rechnete man damit, daß es doch zu einer möglichsten An- Ackherung' in den HäuptdfffereWmnkten kommen werde. Mein tm Saufe der Beratungen tauchten derartige lAHwierigkeiten auf,. daß Äe VerWMungen ins Stocken Beriete» Mid Wießlich . i auf dem toten Pnnkt vnlangte«.?. .:. . Die IMHriellervvertreter hatten zu Beginn der Bettungen eilte» Vorschlag aus Erhöhung 'der MindeMhne und einer generellen ErP-hung unterbreitet. Daraus zogen sich die Vertreter der Arbeiterschaft zu einer separaten Besprechung zurück, deren Ergebnis Iwar, daß sie e.ttc ''^reffend die Lohnerhöhungen unterbreiteten. Heber diese beiden Vorschläge wurde dann eine Debatte geführt, die um 1 Uhr mittags unterbrochen wuvde. Nach einer ^einstüiidigen Mittagspause wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen, in deren Verlause es sich zeigte,' daß die Vertreter her Unternehmer den Vorschlag der tzlrbeitevvertreter. und' diese , wiÄer Pen -Vorschlag der Industriellen ' ' ' nicht als geeignete Grundlage für die LohnverhandlMgen betrachteten. - . - Forderung der Metallarbeiterschast abweiche, die aber'die. Metall industriellen nicht erfüllen können. Die industriellen 'Unterhändler müßten, an ihrem Vorschlag fefthalten und könnten über «seinen Inhalt nicht hmalUÄgehen, weil eine: solche finanzielle Belastung, wie sie die Forderungen der Metallarbeitersast bringen lwürde, kein Unternehmer 'tragen könne. Würde das Lohnkomitee der Industriellen dennoch mehr zugestchen a!ls in seinem Vorschläge angeboten ist, dann wüvde es zweifellos von der Vollversammlung der. Industriellen desavouiert werden. Daraufhin, machten die Vertreter der! Metaltarbeiterschast ihren Standpunkt geltend und 'gezeichneten das Anbot des Lohnkomitees als zu gering, so daß sie es bei der streikenden Arbeiterschaft nicht. vertreten könnten. Im Lause der weiteren Verhandlungen wurden zwar sowohl von dem Lohnkomitee als auch von den Vertretern der Metallarbeiterschaft einige Konzessionen gemacht, doch waren diüse nicht ausreichend, um eine Annäherung in den beiden Standpunkten herbeiMführen, so daß schlieWch die. VevhaMungen ins Stocke» gerieten. Um die . Verhandlungen wieder flott zu machen, ersuchte das Lohnkomitee telephonisch die beiden Präsidenten 'Urban und Hauser, zu den Beratungen zu erscheinen. Infolge der kritischen Wendung, welche die Vechandltmigen genomtmn haben, stand ryn 5 Uhr nachmittags »ur ratungen fortzu s etzen. Präsident Urban, der um 5 Uhr im Verhandlungssaal des Jndnstrrehausts erschien, konnte sich tat:ent. überzeugen, daß unter den obwaltenden Umständen eine Fortführung der Verhandlungen unmöglich sei. Bald darauf erkundigte sich Vizekanzler Dr. Frank im Industrie- Hause am Schwarzenbergplatz telephonisch nach dem Stand der Verhandlungen. Es wurde ihm niilgett-ilt, daß diese nunmehr an den toten Punkt angelangt seien und daß momentan keine Aussicht bestehe, sie wieder fortzuführen. Darauf lud der Vizekanzler die beiderseitigen Unterhändler für halb 7 Uhr abends in das BundskanlLevamt zu-, einer gemeinsamen Aussprache ein. Die Vertreter der Industriellen und der Arbeiterschaft . folgten sodann dieser Einladung. . Das Emgr^fen der Regierung rennzeichnet den Ernst der-' Situation und beweist wie auch diestz'.bernWiifftdie Verhandlungen, vor einem Abbruch. nich^ in 'dem yioch: eine .scharflrng.. eintvitt^die eine Perständi^iing nur erschweren PAche. ' . V-;; ■■■' >; v"; Die Bevhanblitngen resaltatlos. In später Abendstunde wurden Berha'Mmvgen im Iüdustviehause von engeren Komitee. der.beiden Par-. Leien wieder ausgenommen. Sie bezweckten, wenigstens über ein Provisorium eine Einigung zu erzielen. Doch konnte kein Ergebnis erzielt werden'und. um 12 Uhr abends, wurden die Verhandlungen resultatlos abgebrochen. Es sind Bemühungen im-Gange, die Teilnehmer wicdrr an den Verhandlungstisch zn bringen?. Kommt'dies 'Nicht zu- . stände. und gelingt es nicht, noch im l e tz't e n. A u g e nbl i ck. wenigstenszu einer provisorischen Vereinbarung zu kyrnrnen, so treten, heute um 6 Uhr morgens,- gemäßdem : gestrigen Beschluß des Bierzigerausschysses, die -V e rschärfuLgek in Kraft; .r, > Straßenbahn, elektrisches Licht und Kraft loerden' abge- r / - schaltet. - Damit wird in Wieu die StreHituat'wk erheblich verschlechtert wÄden. Von 7 Uhr,abends an -begannen in der Inneren S t a d t und' rk.einigen angrenzenden Megirken die: A bs.chal.t.ungett'des elektrischen Stromes. Die Mkirizitätsarbeiter fuhren in Gruppen vor: 6 bis 8 Mann in Autos die Straßen ab und führten gemäß den Ve.rzeichn'isse.n :d^er Hausanschlüsse, die sie bei sich hatten, die Mschaltnng durch. Die Lokale und Betriebe . standen bäld . ohne elektrische Beleuchtung da; die Kaffeehäuser ’ und. i^rgMgMigMchWeu^ in der Inneren Stadt wurden vielfach g e s ch l o s s e n, wenn sie nicht Ersatzdeleuchtung durch Kerzen aufstellten. Das Bild verdüsterte' sich zusehends; aus den Straßen der Inneren Stadt wurde der Verkehr immer schwächer und erstarb schließlich ganz.' v .Die Abschaltung des Stromes hat auch einzelne Tageszestu-ngen, deren Druckereien in den von der AuZsckMung beiröffene'n Regionen liegen, an der -Fertigstellung gehindert.. Die Vereittigung der Wiener Tageszeitungen verlautbart: Infolge der Abschaltung des elektrischen Stromes im 1. Bezirk sind folgende. Wiener Zeitungen verhindert, ihre Morgenausgabe vom Mittwoch den 17. d. erscheinen zu lassen: „Reue. Freie Presse", „Neues Wiener Tagbla.tt", „Neues Wiener Journal", „Bolkszeitung" und „Illustriertes Wie»er Ertrablat^. Zer lustige Mus. — y. W i e it,-17. - «epuruver.- Marx und Stresemann — also' verkündet das offi» ziöse Wolff-Bureau — sind einig. Es ist ihnen von Gegensätzen nichts-bekannt; die SLresemannschen Zusagen an die Deütschnationalen über die Revozierüng der Kriegsschulderklärung sind im Einvernehmen 'des gesamten Kabinetts' abgegeben worden; in der'Frage der Notifizierung dieser Erklärung und -bezüglich, des- Eintritts in den Völkerbund besteht keine Meinungsverschiedenheit Mischen dem Kanzler -und -dem Außenminister. Das ist ein heiteres Durcheinander von.Ja und Nein, von links und rechts, ein - Changernent, düs^ den seligen Bosco vor Neid erblassen läßt. In London hatten Marx und Stresemann dank ' der' geschickten Führung Mac Donalds die Annahme' - des l Dawes- Planes zugestanden. Dieser Plan, der' sicherlich große Härten in der Kontrolle der deutschen Reichswirtschaft aufweist, ist trotzdem der 'Weg zürn Frieden :und zur Erholung. Er stellt-die Berkehrseinheit'wiederher, hÄt die Zollgrenze zwischen' dem' besetzten undunbesetzten Gebiet auf und rückt das -.Ende der militärischen .Okkupation in greisbare Nähe. Das 'sind Vorteile/ dievor allem moralisch wirken und die Stimmung der breiten Volksm-assen verbessern müssen.^ Für ' die. deutschen - Kriegsdurchhalter ist dies aber nicht maßgebend, .nämlich insolange sie nicht in . der Negierung sitzen. Die forderten d:e Lossage von der „Kriegsschuldlü-ge", der bekannten Grundlage des Versailler Vertrages: Da aber Frankreich und England an.' diesem Vertrag -festhalteu und'auch die letzten Londoner Beschlüsse sichvauf der ' politischen Linie Äeses Verrrages halten, l so '.wäre. eine ' Erklärung-dieser Art -nichtsweniger -denn ein ^Desaveu der gesamten' Londoner Konferenz. Das. Kabinett gab Nach und: sagte eine solche Note zu. Darob' Befremden bei den Alliierten.. Herriot .und' Mac Donald hielten zornige Reden. Resultat: Das deutsche Kabinett -berät nochmals und ist einig. Es war's. vorher und rst's jetzt wieder. Es wird die Note „vorläufig" nicht übergeben. Woran ist man nun? Daß sich der so wandlungsfähige Außenminister selbst dementiert, ist nicht von. so hoher Bedeutung für die Wclt außerhalb Deutschlands, die deM Diktat der radikalen und derministrablen Ludendorffe nicht untersteht. Wer der possenhafte Einschlag, der in die PolW des großen europäischen Zentralstaates geraten ist, darf doch'nicht als. interne Angelegenheit gewertet werden. Die zuki'mftige Einstellung der Mächte zu Deutschland . und nicht minder der Ausbau des Völkerbundes, zu einer gefestigten überstaatlichen Autorität sind davon bedingt, : ob in Deutschland die' Vertragstreue sich durchsetzt oder nicht, ob die Politik der Vorbehatte — man. kann auch Dolchstoß sägen — zum System wird, wenn die Deutsch- : nationalen in die Regierung kommen^ was' sie so sehnlich! anstreben. Für dieses Ziel opfern sie alles, auch ihre patriotisch-radikalen Prinzipien, nach dem Auerschen Ausspruch, daßjeder 'Esel konsequent sei: Vor der entscheidenden Absttmmüng über die Dawes-Gesetze ^fragten sie sich bescheiden an, ob ein aar Mmisterfauteuils zu haben wären. Als ihnen dies mit Nein beantwortet wurde, halfen sie trotzdem dem wichtigsten . Gesetz, dem Eisenbahngesetz, zur Annahme, wohl ln der Hoffnung auf künftige Belohnung für güte' Sitten. Man ist nun einmal staatsechaltende Partei ürtfc, muß, , wie. das so schön gesagt wurde, das Vaterland über.das Programm : stellen. Daneben freilich geht , der Kampf wider den inneren Frieden, wider die Verfasiung, die.Demokraten und Juden als autoritätszerstörende. Elemente, lustig weiter. Der Hypernationalismus ist immer .korrupt und verlogen. Er ist es ganz besonders in Deutschland, dessen gesellschaftliches Gefüge durch die rechtsradikalen Wühlereien unterminiert wordenist und - dessen.. politisches -Leben so verwildert ist, .daß män nirgends .an die Aufrichtigkeit und . Selbstsicherheit -der Volksvertretüng glauben will. Wenn eine so starke Partei wte die . deutschnationale Volkspartei mit dem'; moralischen Kredit ' spielen kann, ohne von der Demokratie ernsthaft zurückgewiesen zu werden so! kann es nicht wundernehmen, Ivenn der Kriegsverlierer Ludendorfst das Zentrum, die Sozialdemokraten und die Demokraten, also. so . ziemlich die Hälfte der politisch interessierten Bevölkerung Deutschlands, Bluthunde nennen kann, da sie es verhindert hätten, daß Deutschland den Krieg gevxmn. Sie hätten die Mische Auswirkung der allgemeinen Wvhr- Die Industrtellerwertreter erklärten, daß der Vorschlag der ArberterveEeter für sie unan n ehmbar sei, weil er nur um ein Gevingstigiges von-der-ursprünglichen ' EMgungr ,. .-^öchen,^!dWreu..wir,/-aß.',.d.ie. Berha-ndlmrgen neu äufgeinühlMen würden; eine Einigüng ist i^n denwich-tigsten Punkten erzielt worden. Das Stvatzenbill» bei Nacht. £

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.