Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2007 (16.9.1924)
- Date
- 1924-09-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M. 2007 Men, DrenZkag *P"' .'■■■'"■l .. i" - --- - ... i. ... iwtlsch'chäuPtlrM, SB a f f i 'I e to mb Athanasow sowie das kommunistische Solbva'tzjenüMed Hadschimosfermorden ließen. Die beiden zuerst Genannten waren die Häupter eines Putschversuches, den die Föderalisten (die Anhänger einer Balkansöderation) gegen die der ZauLow-Rogievung ergebenen AutonMiisten unternahmen. Das sichtbare ' Evgchnis ' dieses Komi tatsch i- Putsches ist die E r m o rdu n g des Autonoinistensührers A-lexandro w. Nun spielen sich in der Nähe der griechisch-buNrischen Grenze blutige Kämpfe zwischen den Komltatschibanden der beiden politischen Richtungen alb, welche den Nachbarn Bulgariens, vor allem Jugoslawien und Griechenland, Anlaß zu „GrenzschutzmaHnahmen" geben. Wie ans B e I g r a d gemeldet wird, hat der Ällinisterrat mit Rücksicht aus diese Vorgängeund zur.Wiederherstellung der Ruhe und Ordnungin Südserbien die notwendigen militärischen Maßnahmen beschlossen, vm die Grenze wirklich zu sichern. Ae Gemetndewahlen in Miihüsch'Zßmn. Mährisch-Ostrau, 15. September. 'Das Innenministerium hat den Tag für die Durchführung her Gerne ind ewah len in Mährisch-Ostrau auf den November angesetzt. Mä'hrisch-Ostrau besitzt insgesamt 55.000 Wähler, davon 63 Prozent Frauen. Es gelangen 60 Mandate zur Besetzung. Es werden dies die ersten Ge meind ewahlen in M<i hrisch-Ostra u seit dem Umstürze sein. Sämtliche Ostrauer Gemeinden, sowohl die mährischen, als auch die angrenzenden schlesischen, waren bislang von ernannten Verwaltungskommissionen verwaltet worden. Der Bürgerkrieg in Wim. (Eigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) London, 15. September. „Daily Telegraph" meldet aus Schanghai, daß ein weitverbreiteter Bürgerkrieg in Vorbereitung sei. Tsangtsolins Sohn Tschengliang habe mit großer Truppenmacht den Marsch gegen Wupeifu angetreten. Der P r o v i n z i a l k o u s l i k t entwickelt sich zu weiteren Kämpfen der Tschilipartei gegen die Anfupartei. Man gaubt. daß Tsangtsolin 100.000 Marin ins ' Feld bringen wolle. Auch die Tschilipartei verfügt über 100.000 rinschließlich 25.000 christlicher Chinesen. Die Rekrutierung und andere militärische Vorbereitungen machen auf die Bevölkerung den Eindruck, daß die Lage an der Front sehr ernst sei. — Nach einer Reuter-Meldung hat Tsangtsolin ünen wichtigen Ort in der Provinz Tschili genommen, der Vormarsch auf. S u t s ch a u und N a n k i n g wird vrtgesetzt. Japan hat durch den Generalkonsul von llukdm protestiert und Aroht mit m i l i. 1 a r i scher sntervention. Gandhi Prösident des indischen Rationalkongresser. Belgaum (Bombay), 14. September. (Reuter.) Der lusschuß des indischen Nationalkongresses hat einstimmig Sandhi zum Präsidenten gewählt. •fc. a Wiener MoMstzeltuyü. wummmmmimmmmimm Juden! Neklamieret euer Wahlrecht zur Kultusgemeinde bis zum 28. September! Nehmet Einsicht in die Wählerliste n, welche bereits in den Bezirksamtslokalen drr jüdischen Gemeinde aufliegeu! m Kenkk mmm* Mtm W. Sep^mber 1224 t .* ES' VSstitionüN Arbeit schafseü soll, wird gewiß dazu bei< tragen, UM die Industrie- und Handelskrise leichter zu überwinden. Daß dev Völkerbund Oesterreich durch Begrenzung des Budgetrahmens mit 495 Millionen Goldkronen zur Sparsamkeit in der staatlichen Gebarung zwingt, mag hart erscheinen, ist aber sicherlich von der Erwägung diktiert, daß dieser kleine Staat endlich seine staatlichen Funktionen auf das seinen geringen Mitteln, seinem Gebietsumfang und seiner Bevölkerungszahl entsprechende Mas; Herabsetzen mutz. - Da voraussichtlich am Donnerstag die österreichische Angelegenheit vom Völkerbund für die laufende Saison erledigt sein wird, wird Dr. Seipel wahr sch ein l ich Freitag mit der österreichischen Delegation nach Wie" zurückkeyren. ■ \ reich. Ein 495-Millionen-Budget. — 50 Millionen für Investitionen. Das Kontrollkomitee für Oesterreich hat gestern nachmittags den Bericht des Finanzkomitees des Völkerbundes genehmigt. Der Bericht wird nunmehr heute vormittags das österreichische Komitee des Völkerbundrates beschäftigen und, falls er auch dort genehmigt wird, nachmittags in öffentlicher Sitzung des Völkerbundrates behandelt werden. Der Bericht, dessen wesentlicher Inhalt schon bekannt ist, schlägt vor, das österreichische Budget für 1925 mit 495 Millionen Goldkronen zu limitieren. Da die Negierung die voraussichtlichen Eingänge mit einem weit höheren Betrage in Aussicht nimmt, kann ein Betrag von 50 Millionen Goldkronen für Jnvestitionszwecke verwendet werden. Sollte sich wegen dieses Jnvestitionsauswandes, der weit über 700MilliardenPapierkrönen ausmacht, ein Abgang im Bundeshaushalt ergeben, so wäre der Fehlbetrag vom Generalkommissär aus den Kreditresten, die sich noch immer auf 15 Millionen Dollar belaufen, zu ergänzen. An der bisherigen Form der Kontrolle wird im Jahre 1925 nichts Wesentliches geändert; nur sollen die Monatsberichte des Generalkommissärs noch vor ihrer Äbsendung nach Genf von Dr. Z i m m e r m a n ein jedesmal der österreichischen Regierung zur Kenntnisnahme übermittelt werden. Ueberdies sollen diese Berichte in Hinkunft rascher fertig gestellt werden. Eine Lockerung der Budgetkontrolle und der Gesamtgebarung könnte erst eintreten, wenn der Bundesvorschlag für 1926 die Gewähr bietet, daß die Ziffer von 495 Millionen Goldkronen tatsächlich der dauernden Leistungsfähigkeit des österreichischen Staats- ■ Haushaltes und der österreichischen Steuerzahler angepaßt ist. In diesem Falle würde das Finanzkomitee eine Abänderung der Kontrolle in dern Sinne Vorschlägen, daß diese auf die Gebarung mit den noch etwa vorhandenen Kreditresten und auf die Sicherung des Zinsendienstes der Völkerbundanleihe beschränkt wäre. Der Bericht des Finanzkomitees urgiert schließlich die Durchführung der Verwaltungsreform und die Ermäßigung der Banken- und V a l u t e n u m s a tz st e u e r. Oesterreich kann mit dem Erreichten zufrieden sein. Ter Betrag von 700 Milliarden, der in Form von In- Der Besuch Benesch' in Meu. Wie wir erfahren, ist die Ankunft des tschechoslowakischen Außenministers Dr. B e n e s ch in W i e n für den 20. d. vorgesehen. Falls sich aber die Notwendigkeit ergeben sollte, daß Dr. Benesch noch weiter in Genf verbleiben müßte, dürfte der Wiener Besuch Dr. Benesch' um einige Tage verschoben werden. Der Besuch des tschecho-slowakischen Außenministers ist nicht nur als Höflichkeitsbesuch' gedacht, vielmehr sollen zwischen Doktor * Benesch und Bundeskanzler Dr. Seipel mehrere, beide Staaten betreffende wichtige volkswirtschaftliche Frage n, vor allem solche, die den Handelsvertrag zwischen der Tschecho-Slowakei und Oester reich betreffen, besprochen werden. Der Zndex unverändert. Amtlich keine Aenderung der Preise festgestellt. Amtlich wird gemeldet: Die auf Grund des Abbaugesetzes eingesetzte Kommission hat in ihrer gestrigen Sitzung den Index gemäß der hiefür festgelegten Methode nach Einvernahme der Sachverständigen berechnet und die Aeußerung abgegeben, daß in den Kosten der Lebenshaltung gegenüber dem- Stande vom 14. August eine Aenderung nicht fest ge stellt w ivd. Nach den Feststellungen der Jndexkommission sind bloß die Kosten der Bekleidung gestieMi, dagegen weisen die Gruppen Ernährung und Beheizung kleine Preissenkungen auf. Der W-ohnungsaufwand ist unverändert geblieben. In der Gruppe Ernährung zeigen sich nicht wesentliche Verteuerungen von Mehl, Brot, Reis, Pflanzenfett und Zucker, während Kartoffeln und Rindfleisch billiger geworden sind. Gemäß der Verteilung der Rationen der einzelnen Lebensmittel ergibt sich daraus eine Senkung um 0,19 Prozent. - In der Gruppe Bekleidung sind fast alle Artikel teurer geworden, und es mußte hier eine Steigerung von 2,47 Prozent eingestellt werden. . In der Gruppe Beheizung und Be leu chtung ist eine Senkung.um 1,71 Prozent vorgenommen worden, die ausschließlich auf die V e r b i l l i g u n g d e r Kohle zurückzuführen ist. Die Steigerung der Kosten der Lebenshaltung beträgt sohin 0,15 Prozent, was nach der Gepflogenheit der Jndexkommission zur Festsetzung des Index mit null führte. IfflKirWWWB „Der Myrtenkranz." Ein französisches Lustspiel in der Josefstadt. * Welche Ueberraschung! Reinhardt hat sich als der Timer tveier Herren entpuppt: des literarisch-diktatorischen, der wohlrmperierte Langeweile verheißt und des bedenkenlos-lvichbechwingten, dem ein dankbares, unversnobteS Publikum zuiichelt. So ward er der Herr zweier Diener, eine Rolle, die hin Wohl am nbeisten zusagt.. Die erste Novität des Spielayrcs ist eine heitere Komödie mit Mißverständnissen, Vernlungen, Shawismen. Ein regelrechtes, französisches Lustspiel, as sich infeingespitzrcn Dialogen und Pointen auslebt, mit iner gelungenen, wennauch nicht besonders originellen Fabel, der einer Fabel, die den Ausblick.ans eine Idee, sagen wir, uf eine Weltanschauung gestattet. Sie enthält in ihrem Kern ine Moral, ohne moralisch zu sein, eine Lehre, ohne den Geuch einer Doktrin zu besitzen. Diese Moral ist es, die das Nstspiel in eine höhere Atmosphäre versetzt und dadurch die Illusion von Geist, Kultur, Lebensweisheit, Ueberlegenheit mchrust: Elemente, die dem deutschen Lustspiel fehlen. Es heint sich in der französischen Lustspielfabrikation eine Abkehr or der Alltagsfrivolität zu vollziehen: die Pointen bekoinmen Nveau, die Figuren Schamgefühl, die' Dichter Chance ans öhere Rangordnung, die Zuhörer Anrecht auf Würde auch it Lachen. Reinhardt vergab nichts seiner Würde. Das Recht | uf Lachen sei heilig.'. .P „Du liebst mich zu wenig zärtlich", sagt schmollend die sattln zum Gatter,. „Du machst mir nichr den Hof. Du belerkst keine Veränderungen in unserem Heim!" Und der Gatte esteht ihr, daß ihm nichts so sehr wider den Strich gehe wie heliche Sentimentalitäten und daß er glücklich sei, um den vnigmond der V-erlobungszeit herum-gekonmren/zu sein. Und un führen die Autoren die Fabel, bis dieses Paar, im Alltagsafen der Ehe herirmplätschernd, zu einer wenn auch errungenen, i darum nicht minder süßen Verlobungskur sich ndet, zärtliche Wort spricht, as Ehepaar sich den Höf macht, l Liebe zwitschert'und Stunden von Seligkeit auskostet, die »m das Schicksal, wären die Autoren Biraboau und Dolley . litte Dichter, gewiß versagt hätte. Die junge Frau hat den schrtenkranz aufgesetzt: ein zartes, mit allen Finessen von jnmut und Heiterkeit ausgestattetes Symbol, beglückend und im Lächeln Tränen auslösend; Dust von Poesie und Herzenswärme, wenn nach Leiden und Kämpfen der Mur des Herzens belohnt wird. * Frau Berta Zuckerk a n d l, die rührige verständnisvolle Mittlerin, hat'das französische Lustspiel für die deutsche Bühne erobert. Sie versteht den französischen Geist und hat ' auch Sinn für den gallischen Humor, der in dem Stück steckt. Schade, daß Sprachschnitzer stören. Oder liegt das an der inangelnden Sorgfalt der Schauspieler? Die Menschen gehen stets „fort" statt „weg" — 'das tut weh, ein Beispiel für viele. Man darf nicht über Leichtigkeiten holpern und stolpern. Wo. blieb der Dramaturg' wo der Regisseur? Dagny S c r v a e s, sirup-süß und männlich-stark, wie die Dichter befohlen; eine Tenne, die sich für ihre „Vergangenheit" rehabilitiert. Der junge Hermann Thimig im gutsitzeirderr Sakko lieb, nett, Herzenswärme' aüsstrahlend, naiv und doch ein ganzer Mann. Ho molk a'in einer Pallenberg- Rolle unausstchlich, aber mit weichem Kern unter einer harten Schale, die sich zum Schluß (zärtlich lächelnd) öffnet. Und ein Wunder an Einfachheit und WcltfremÄheit, als wäre eine jener ^wunderlichen Äranpassant-Gestalten. lebendig geworden, ein heiliger Tor,' Karl Götz. Altenberg hätte, ihn geliebt. Man . darf also bei Reinhardt lachen. Adieu Barvckliteratur! Gott sei Dank! ' Oskar Rosenseld: „Das Kamel geht durch das ÄndeVhr.". Deutsches Volkstheater. — Gastspiel Pepi Glöckner-Kramer. Der Theaterkassier dürfte längere Zeit in guter Laune bleiben. Dieses- Lustspiel des tschechischen Autors Franz Langer schwebt wohl auf' den vertrauten Bolksstuckgeleisen vorbei, aber man ist sehr angenehm amüsiert und hat sich seiner Heiterkeit nicht zn schämen. Ein Schriftsteller von. Geschmack und bemerkcnwert tiefem Einblick in die menschliche Seele setzt bekannte Volksstückt)tpen in Bewegung, als da sind: Das Pfiffige, auf Kosten der modernen Wöhltäterei lebende ArMeleutpaar,' das hochanständige, bildsanbere Mädel aus'dem^ Volke, welches sich ein Plätzchen an der Sonne erobert und auf einwandfreiem Wege eine Fabrikantensgattin wird, die Dame aus der Gesellschaft, die zwischen Lunch und Fünfuhrtee das Elend bekämpft, die Gefallenen aufrichtet und zu diesem Behufe, den Fragebogen in der Hand, sich in Kellerwohnungen hinabläßt, der Grotzkaufmann vom Grund, der die Traditionen der Firma und des Geschlechtes hochhält usw. Aber, wie gesagt, jede einzelne dieser Schablonenfiguren ist vortrefflich verwendet und hat doch auch von des Autors Gnaden ein Fünkchen Leben mitbekommen. Ja, eine der Gestalten, der dummes gute Junge aus reichem Hause, den die lebenskräftige, frische Susi zu einem Menschen macht, ist eine eigenartige und ihr Auftretmi in diesem Volks stück wird zur Quelle nicht bloß heiterer, sondern auch rührender Ereignungen. Wenn daS Stück auch importiert ist, so kann doch dies« Ausführung den Gästen ^3 Wiener Musik- und Theatermonats aus das beste empfohlen werden. ES wurde sehr glücklich auf das Wienerische umgestimmt und ein. EnseMle von Wiener Künstlern, das seinesgleichen kaum finden dürfte, ruft alle guten Geister des Wiener Humors, der ursprünglichen, herben Frische, wie sie in den Vorstädten noch immer lebt, auf die Szene deS Deutscher: Volkstheaters. Kornelius K i r sch n e r stellt einen gehauten, aus sein Bäucherl und Rauscher! bedachten Triukgeldnchmer auf zwei rheumatische Beine, daß es höher nicht mehr geht. Frau Pepi G l ö ck n e r - K r a m c r — sie kam ja nicht als Gast mis Prag, sondern aus der Fremde nach Hause — überträgt die alte.Wulfs'm ans Hanplmanns „Biberpelz" aus das ergötzlichste in das 'Ottakringer Idiom, und das; Hedwig Keller der Inbegriff und die Hachziindung rvesenhafteL Wiener Volkskunst ist, bestätigt sich an jedem Abend, der das Glück vermittelt, sie ein Wiener Mädchen gestalten zu sehen. In der schwierigen, wortkargen Rolle des Liebhabers zeigt Anton Cdthofer eine neue Seite seines ungewöhnlichen Tale-nts. Wie liebenswürdig und'charrpanr ist die Unselbständigkeit uub Blödheit dieses jüngsten Sprossen einer alten, reichen Kränrerfamilie! Alle übrigen, insbesondere der geschmeidige Herr Karl Günther, voll Berdicnst, nu.r das lrefsliche Fräulein Witzma.un hat zu wenig Witz fürs. Parodieren einer hysterischen Jungfrau. Es war ein überaus starker und fröhlicher Premierenersolg, für den der verdiente Spielleiter des Abends, HairL Homma, namens deö Autors dankte.