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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-14 · Heft 2005 (14.9.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2005 (14.9.1924)
Date
1924-09-14
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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TT mmw* f i MS Wiener MorftenzetttMA. ■pnwi?""— nfl ». «tyMfo im •'"■■"■W. S-Kk» Die 7. Wiener Messe. . I« Meffepalast. Obwohl das Ende der Messe nahegerückt ist fast in sämtlichen Branchen nicht nur durchaus keine Nvschwächung' deS Geschäftsverkchrs zu beobachten, sondern .dies« hat v-ekfach noch an Intensität zugenommen. In Reiserequffiten und feinen Lederwaren wurden -größere Bestellungen aufgegeben, In RAcksäcken und Sportartikeln ent-. - wickelt« sich ein'ziemlich starkes Geschäft. Stark gefragt sind verschiedene neuartige Reklameartikel und Reklameapparate, von welchen große Mengen verkauft wurden. ' In der Päpiermesse liegen verschiedene Anfragen vor. Leider wild der Geschäftsalbschluß durch das Fehlen von Handelsverträgen mit jenen Staaten, welche als .Hauptabnehmer für die österreichische Papiermduftrie in Betracht kommen, stark Mrnträchtitzt. In der Hofburg herrscht in der Schuhindustrie fast durchwegs Befriedigung über die eingr-laufenen Orders und Wer die Neuanknichfung zahlreicher aussichtsreicher Geschäfts» derbindun-gen. Gtsie Erfolge konnten auch die Spinnereien und Buntwebereien verzeichnen. In der Rotunde. Der Besuch war gestern besonders stark. Meder sind ernste Käufer in großer Zahl erschienen. In den meisten Branchen entwickelte sich ein reges Geschäft, so daß die; betreffenden Aussteller schon in den ersten Vormittagsstunden erklärten, einen größeren Umsatz als zur Frühjahrsmesse ge« macht zu haben. — Die Lebensmittelbranche verzeichnet durchaus gesteigerten Absatz. Auf dem freien Gelände herrschte guter Besuch. Die Nachfrage und der Absatz bei den führenden Ausstellern der Kohlenmesse ist anhaltend gut. — In Maschinen und Motorrädern treten Ungarn als Käufer in den Vordergrund. — Für Motoren aller Art ist das Jnlaud Hauptkcmfer. Flucht einer Sauvaffierr. Gestem fft im Wiener Sicherheitsbureau von der Kriminalpolizei in Nürnberg eine Depesche eingelangt, die besagt, daß der Bankbeamte Hans Rnldoff Hurt Na-Hufen, im ahre 1897 zu Bergen geboren, der sich auch fälschlich Hans Korfs nannte, nach Unterschlagung eines Scheckbuches der deutschen Reichdbankfiliale Husum und Verübung einer Scheckfälschung mit einem Schaden von 18.600 Goldmark seit dem 13. d. aus Nürnberg geflüchtet sei. Das Scheckbuch hat die Nummern 7,101.000 bis 7,101.650 und die einzelnen Schecks tragen bereits die Stampiglie der Reichsbank Husum, so daß drr Guuner nur einen lc'.'.klwcn Bctra; o,«f das Hlankett zu Netzen hat und d:r Scheck ansta ndslos ein gelöst Zrvd. ••‘r-T ^5"" ViTTr "i iTIMMIW BILLIGSTE EINKAUF-SQWELIE ZTeppich hay$ Möbelhaus I., Bauernmarkt Nr. 12-14. Echte Perseru. Smyrnateppiche, Zimmeru. Laufteppiche aller Arten ln allen Farben u. Breiten. Spitzenvorhänge n.-doppeldecken, Bettu. Tischdecken. Ottomane-Überwürfe. Möbelstoffe, Flanell- und Steppdecken. Besichtigen Sie die 31 Sehaufenaler! Mut und Matzka II. Warga und Setth. Außer dem mit Zeitungsmakill-atur an-gesüllten Koffer, den das Hochstapilevpaar Warga und Set-ty hinterlietz, -fehlt' jede Spur von den Gaunern. Bon ihren ausgegebenen ungedeckten Schecks sind bloß zwei anfgetaucht. Im Bangerem soll sich «her eine größere Zahl von Personen, v ' -ch Geschädigte, um das Konto Settys erkundigt haben .u wurde erhoben, daß bei einem Mtpapi-echändler in de-.. Leopoldftadt zwei elegant gekleidete Herren am 4. d. 20 Kilogramm Makülaturpapier erstanden halben. Setty hatte auch bei der Inhaberin eines Wirkwarengoschäftes Vorgesprächen und wollte dort eine größere Post Waren einkaufen. Als es zum Zahlen kam, folgte er der Frau einen der wertlosen Schecks ein, die Geschäftsfrau war aber so vorsichtig, zu erklären, die Waren erst zu liefern, bis sie den Scheck eingelöst hätte. Daraufhin verlangte Setty seinen Scheck wieder zurück und ging fort. Setty macht den Eindruck eines SnÄslaioen, Warga den eines amerikanisierten Ungarn. limtnerittf fo «udavest. Ein unentschiedenes Tresselieferten die Simm-ermger in Blldapest gegen den F. C. T. Sie spielten nämlich 1:1 (0:1). In der ersten Halbzeit kann F. T. C. durch Zälay zum führenden Treffer gelangen und nach der Pause in der 13. Minute gleicht Pulpittl nach einem gut kombiüierten' Sololauf aus. Wie eitt Schuh entsteht. Wir leben im Zeitalter der Technik. Was unermüdlicher Forschergeist, rastlose Erfinderphantasie und genialer Einfall ersinnen, formen großzügiger Unternehmersinn und emsiger Jttd'ustriellenfleiß unter Mitarbeit tüchtiger Arbeitskräfte zum praktischen Zwecke des täglichen Lebens. Nicht jeder Fortschritt auf technischem Gebiete fällt so sinnfällig ins Auge wie beispielsweise die Entwicklung der Eisenbahn, die 'jetzt ihren hundertsten Geburtstag in Oesterreich feiert: Der Weg von der Postkutsche zum sausenden Expreßzug..mit allen seinen Bequemlichkeiten, muß groß und eindrucksvoll wirken. Die kleinen Dinge des kleinen Alltags, die immerfort verbesierten Gebranchsgegenstände des Lebens, treten als Produkte schöpferischer Arbeit ihren Siegeszug an, ohne daß die Menschen ihrer besonders gewahr würden oder sie recht würdigten. Wir leben im Zeitalter der Technik, aber das grotz Publikum weiß wenig Von der Werkstatt seiner Bequem lichkeiten. Und darum ist es gut, daß da die richtige Propaganda einsetzt. Die Messe als Ausschnitt des sich immer erneuernden Produttionsfleißes wirkt d.a in ungeahnter Weise belehrend und vermittelt den Einblick in die Ge> Heimnisse des Zusammenwirkens von Mensch und Ma. schine, deren Vorteile jeder . täglich genießt. I)ie E v f i n d e r a u s si e l l u n g der Messe, die Heuer zum erste» Male auf den Plan getreten ist, hat. die bisher gleich, gültigen Beziehungen des Publikums zum schaffender Menschen in günstigem Sinne beeinflußt. Aber wo handgreifliche Demonstration zum vollen Verständnis nichr ausreicht, da stellt zur rechten Zeit der — Film sich ein „Vom Leder zum Schuh" heißt die Bilderserie, die uns den Werdegang eines maschinell erzeugten B e k a- Schuhes greifbar und plastisch vor Augen führt: Man sieht die imposante Fabriksanlage in Mödling. Am kleinsten Anfängen ist sie in den 53 Jahren ihres Be-; standes zu einer der größten und modernsten Unternehmungen geworden. Die Betriebe mit ihren ckompliziertev Maschinen werden gezeigt. Die Entwicklung vom nackten Leder bis zum fertigen Schuh in der Verkaufsstelle. Di« Stanzerei verfertigt die Sohlen und Absätze. Sie werden für. die spätere Zusammenfrigung mit dem Schuhoberteil hergerichtet. Das Oberleder wird nicht nur mit der Hand zugeschnitten, sondern ebenfalls ausgestanzt. Das Futter wird mit Bandsägen zugeschnitten. Hierauf bekommt jeder Teil eine Nummer, damit Sie Zusammensetzung richtig erfolgt. Ober- und Futterteile werden durch nicht weniger als 24 Schärf-, Näh- und Oesmaschinen geführt, bis der Oberteil fertig zusammengenäht die Stepperei verläßt, um in der Zwick erei mit den Brandsohlen und schließlich mit den Sohlen verbunden zu werden. Eine der dazu nötigen Maschinen, welche bloß sechs Nägel eintreibt, besteht aus 2000 Bestandteilen. Der Oberteil, wird durch weitere Nagel faltenlos über den Leisten gespannt. Bei den Goodyear-Schuhen wird der Oberteil mit der Brandsohle und einem Lederstreifen, dem sogenannten „R ahme n" (daher der Ausdruck r a hm eng e n ä h t e r Schuh), gleichzeitig zusammengenäht. Dann wird erst die Sohle, durch schwere Nähmaschinen an dem Rahmen befestigt. Der Schuh verläßt den Maschinensaal bereits geschwärzt, beziehungsweise gefärbt. Er wird noch appretiert, gebügelt und geschnürt und zuletzt genau kontrolliert. Dann wird auf der Sohle die Fabriksmarke eingebrannt und der Schuh tritt verpackt' seinen Weg in die Welt an. Ein Orignal Goodhear-Welt-Schuh läuft durch 373 Maschinen. Ueberwindung und Ausschaltung des Menschen durch die Maschine? Ruin des Handwerkers? Nein! Ueberwindüng des spröden Materials und Erfüllung des Bedarfes durch, die exakte Maschine des menschlichen Geistes. Die Beka-Fabrik hat im Jahre 1871 mit fünf Arbeitern 2000 P a a r i m I a h r e erzeugt. Heute stehen 550 Arbeiter und Beamte in dem Unternehmen und 2000 Paar Schuhe sind das Erzeugnis, eines Einzigen Arbeitstages. Die Maschine ist wunderbar und kalt. Erst der Mensch, der neben ihr steht, macht sie genial und wirksam. Er schafft den lebendigen Puls der Werkstatt, in die uns dieser lehrreiche Film führt. a. s. Lamm' „Gfnntenmg des Judentums". ' Bon S. Weisels. Hat cm ciiticm Gedenktag Kritik zu schweigen? Wenn es sich um einen bedeutenden Menschen handelt, der die Wahrheit suchte, um' einen Philosophen, dessen Tugend Aufrichtigkeit war, so ist ein aufrichtiges, sachliches Urteil über eine seiner Schriften auch an einem Godeirktag zulässig. Dies vorausgeschickt,'möchte ich hier aus. Anlaß der 100. Wiederkehr von Moritz Lazarus'. Geburtstag auf eure wenig bekannte poschuime Schrift.des Philosophen Hinweisen. Die Schrift betitelt sich „D i e E r n -c it e r u n g des I u d e n i n -m s. Ein Ausvus von Moritz Lazarus", und ist im Jahre 1909 als des Philosophen „Vermächtnis an seine Glaubensgenossen" der OelffenÄlichkeit übergeben worden. Diese nachgelassen Schrift von Moritz Lazarus besitzt zunächst zwei Vorzüge: -den nchaltsschweven, violvecheißenden Titel und den rühmlichst bekannten Namen ihres Borfassers. Diese Vorzüge eines Buches halben eine suggestive Kraft, der sich selbst der selbständig denkende Leser, mli-t-un-t-er auch der objektiv Prüftnde Kritikr nicht ganz zu entziehen vermag. Dank dieser Titelblatbsuggestion wird es sicherlich nicht ap solchen fehlen, die dem Buche „Erneuerung des Judentums" einen Wert verleihen, den ihm eine unpersönliche und vorausfttzimgSlvse Kritik. nicht zuerkemKn kann. Wer aber dem im Vorwort ausgesprochen«» Wunsch des Verfassers willfahrt und die im Buche ni-edergelegten Gedanken, ,chon dem Nachteil aller persönlichen. Beziehungen befreit, für sich allem durch den Inhalt wirken" läßt, erlebt — eine Enttäuschung. Zunächst macht man die ein wenig seltsE amiruteude Whtnehmu-ng, daß die Schrift von allem tnö glichen handelt, Mtr nicht von der . Emeuenung des Judentums. Das Buch ist mchts mehr. als - eine Kampfschrist gegen den Rabbinismus im Judentum und di« darin entwickelten Gedanken sind weder - neu -noch •. besonders' überzeugend. Seit den Tagen David Friedländers bis aus die Gegenwart hat das sogenannte, liberale Judentum mit ähnlichen Argumenten gegen de« Rabbmismius gekämpft und in dem vorliegenden Buche hat die alte Kampfmechode durch den dialektisch feinigelschliffenen Lazarusschen Stil nur etwas mehr an Schärfe gewonnen. Allerdings muß es zugestanden werden, daß Lazarus mit Ernst und Begeisterung für das Jlldentlnu den Kampfplatz betritt; er macht sich die Sache durchaus nicht leicht; er Hilst sich nicht, wie viel« seiner Kampfgenossen, m-rt dem Wörtchen „unzeitgemäß", um ein« religionsgesetzliche Vorschrift in die Rumpelkammer -u werfen. Er ftcht da, um das Gesetz zu unterifuchen, zu erforschen, um den Geist, des Gesetzes zu ergnündsn. Er will — und das besitzt einigermaßen den Reiz der Neuheit — .das Gesetz durch den Geist des Gesetzes aushckben. An drei Beispielen demonstriert Lcvzarus die Verknöcherung des Rabbinismus und seinen gedankenträgen Buchstabenkult. Erstens: Das Schreiben am Sabbat — sagt der Rabbinismus — ist eine Arbeit, das Fcchren oder Reiten am Sabbat kann eine werktägliche Tätigkeit zur Fvbge haben; beides ist daher religionsgchetzlich verboten. An der Hand des Gutachterls eines „ungarischen orthodoxen Rabbiners" sder „im strengsten - Sinne der Orthckvxie" erklärt, daß das Schreiben am Sabbat zwar verboten ist, aber nur in hebräischer und griechischer Schrift, alle, anderen Schriftarten sind nicht verboten) sucht Lazarus nachzuweiserr, daß das Schreiben überhaupt keine Arbeit und daher nicht vM-gionsiges«tzlich verboten sei. Zweitens: Die Errichtung von Denkmälern, erklären die R-cibb'inen, fei den Jrchen nach -den religiösen Satzungen nicht erlaubt. Lazarus bezeichnet dieses Verbot als eine beschränkende Erschw^rrmg, wolbei nur „die Knechtschaft des überlieferten Wortes, der Götzendienst des Buchstabens, zur Geltung kommt". Drittens: Das orthodoxe Judentum vertritt den Standpunkt, daß > die Feuerbestattung nach jüdischem Gesetz absolut verboten sei. „Dar Ralbbinat in Livorno hatte seinerzeit ein Verbot cvlassen, dem sich Dr. Jellinek in Wien yugeWossen hatte.. Der edle Denker Ben Amozegh in Livorno hat «in« hebräische Schrift zur Begründung des Verbotes hevansgegeben. Be-n Amozecch basiert seinen Bescheid auf die einschlägige Mhandlung im Tvaktat Synelbrium 46 und 47 und beruft sich auf das B.ilbelwort Genesis 3, 19: „Stäub bist du und -u Staub wirst du zumckkehren." Darau knüpft Lazarus die sarkastische BmnerSung: „Allein Mvaham. der Erzvater, sagt (1. B. M. 13, 27): ,Jch bin Staub und Äsche.- Ei! Wenn einer nicht verbrannt wird, wie soll er denn zur Asche werben?... Schließlich wirb noch «in« Reihe von Paragraphen des Schukchan Amch als veMtet «Märt.. Es ist hier rächt der Ort, dies« Fragen rein habachischer Natur näher zu erörtern. Ob man Moritz Lazarus zustimmt oder den geyenteNgen Standpunkt vertritt — -m dem «men wie in dem anderen o.tle kommt für die Erneuemn'g der Judentums -nicht viel heraus. Sslbst wenn wir alle unsere Loten Vechvmnen ließen und eine gvM denvmalgesüllte SiegeSallee (gleich der wWhelmin'öschen m Berliner Trer« gmden) braßen, so wäre das Judentum dadurch noch lauge nicht ernerrert. Wer die Erneuerung des Judentums anstrÄbt, der muß' uns mit «twas Neuem kommen, aber' nicht mit dem „alten" Geist des Gesetzes. Der Geist des Gesetzes läßt sich nicht mit mathematischer Sicherheit ftststellen. Wer kann beweisen, baß der Philosoph Lazams den Geilst des Gesetzes erfaßt habe und nicht ,cher Me Denker" Ben ÄmoAeph? Ich bin kein Anwalt des rabibinischm Judentums; tveder Neigung noch Gesinnung ermächtigt Mich dazu. Wer die Geschichte mit der „Dedtnöcherung" scheint mir historisch nicht ganz wahr zu sein. Heißt bauen, immer weiter bauen, Paragraphen häufen, das Gesetz mchren, in vwigvrn Fluß hätten — Berknvchem-rvg? Den RaMinen war das Judentum ein teurer Garten, deshalb hoben sie es hundertfach «MHMmt. Die „Rckfovm" dayegon hat nichts Positives geschaffen, sie hat nur fortwährend subtrahiert; sie subtrahierte so lange, bis sie beinahe bei Mll angelanyt ist. „Wer nicht mehrt, Mindert", zitiert Lazarus. Unfo ott anderer Stelle schreibt er: „Was ich hckkampfe, ist das Bestvebvn, «ine neue ,Halacha" zu schaffen." Hier verkennt LazavuS, der den Gefft des Gesetzes keünt, den Gefft der Zoit. Edn« große, stark«, seWstbewußte Jugend,- die tr en und frei am Judentum hängt, wartet auf die neue .Hwlacha", auf die neue Mchtschmw". — Mchin ich sehe, rjnyt eS m der Judenheit üM des' Judentums willen nach . nach^ Befreiung... wir noch nie!" o

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