Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2004 (13.9.1924)
- Date
- 1924-09-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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/^, ..... anderer Faktoren die Beschafstuig billiger Industriekredite zu fordern. Wenn fortgesetzt ans der Industrie Geld in überflüssig hohemMaße heransgezogen, angefammclt und einer alles eher als sozialistischen Finanzpolitik dienstbar gemacht wird, werden Lohnkristn auf der Tagesordnung bleiben. Der österreichische Arbeiter wird vergeblich eine entspreche,ydi Entlohnung forderst^ Die Wucherzinsen für die der VdWchirMaft. durch dies Wiener Gemeindeverwaltung. entzogenen 'Billiöne,u.s zahlt schließlich niemand ariderer , als der ' Wiener Arbeiter. .-vV-V‘-r" Der zweite Faktor, welcher die Produktionskosten in > die Höhe treibt, ist die verringerte Intensität der Arbeit. Es genügt, wenn der Mensch acht Stunden arbeitet. Aber während dieser Zeit muß er intensiv arbeiten, innerhalb der Grenzen, welche^die Erhaltung seiner Gesundheit vorschreibt, aber mit voller Änsnütziuig seiner Fähigkeiten und Kräfte. Es genügt nicht eine dem lurfähigsten und schwächsten Arbeiter angepaßte Durchschnittsleistung als Norm aufzustellen. Das muß dazu sichren, daß die Intensität der Arbeit herabsinkt. Wohl - muß. dem Arbeiter, welcher nicht über den Durchschnitt hinausragt, ein ausreichender Mindestlohn gesichert werden. Aber es muß die Möglichkeit gegeben sein, den Fähigeren zur Mehrleistung gegen höhere Entlehnung anzueifern. Eine Wirtschaft wie die österreichische kann es sich nicht leisten, auf die Mehrleistung der befähigteren und fleißigeren Arbeiter zu verzichten. Man kann fick) etwa noch vorstellen, daß in einer sozialistisch organisierten Gesellschaft, wo der ganze ' Gewinn aus der Arbeit, der Allgemeinheit zuMt, der Arbeiter aus freien Stucken mcd ohne besondere Entlohnung fein Bestes hergibt. Die Erfahrungen in Sowjetrüßland sprechen allerdings dagegen. Dort wurde wieder die Akkordarbeit emgeftchrt. Aber ganz ausgeschlossen erscheint es, daß in einen: kapitalistisch wirtschaftenden Staate, und ein solcher ist; doch Oesterreich noch, ohne den Anreiz höherer Entlohnung, aus der Arbeiterschaft Leistungen über, dem Minimum zu erzielen sind. Ohne Akkord ist eine intensivere/' Produktion nicht zu erzielen. Die österreichische Sozialdemokratie muß aus die Weitersi'chrung der ungeheuerlichen Finanzpolitik der von ihr veralteten Wiener Gemeinde und auf, den starren Widerstand gegen die Einführung der Mkordarbeit, bei Sicherung ausreichen- , der Mindestlöhne, verzichten. Wenn sie das tut, kann sie, gewiß sein, daß ihr die überwiegende Majorität der Bevölkerung tätig zur Seite stehen wird, wenn es. gilt, die sozialen Errungenschaften gegen die Gelüste profit- und machtgieriger Jndustrieritter und Finanzbarona zu schützen. Tut sie das nicht, dann arbeitet sie der sozialen Reaktion in die Hände. Eine.durch Streik und Rot der' Arbeiterschaft zermürbte Wirtschaft führt zur Beseitigung des Achtstuickentages und Preisgabe aller sozialen Errungenschaften. Die Generaldebatte in -er VölkerLundkommifsiou. (Eigendimst der „Wiener Morgenzeitung".) ' Gens, 12; September. In Fortsetzung der Generaldebatte der dritten Kommission legte zunächst Guani (Uruguay) die Gründe dar, warum seine Regierung den Garantievertrag für gänzlich unwirksam und für eine gefährlicbe Illusion halte,.aber dennoch grundsätzlich ihre Zustimmung zu einem derartigen Vertrage gegeben habe. Le: rumänische Außenminister Duca erklärte,-der Garantiepakt biete zwar den Unterzeichnern keine genügende Sicherheit, Rumänien wolle aber an jedem Plan, der zur Abrüstung führen könne, Mitarbeiten. Ein Schiedsgerichtssystem ohne Sanktionen sei wertlos. Den Ausgangspunkt, jedes Vertrages müsse der Pakt des - Völker-. bundes bilden, dem aber leider noch nicht alle Staaten angehören. „Während wir uns hier bemühen, eine internationale Atmosphäre zu schaffen,. gibt es Faktoren der internaüonälen Lage, die heimlich große Luftflotten Hersteller und sich auf Linftige! Kriege mit Giftgasen vorbereiten!" Trotz alledem hoffe er, daß der Völkerbund- Erfolg haben werde. Der. frühere dänische Land'esverteidigungsmmister Munch möchte die Abrüstung, im wesentlichen auf der Grundlage der den besiegten Staaten auserlegten Abrüstungsvcrpflichtungen durchgeführt wissen. 'Rach einer Rede des australischen Delegierten Jü i t tlet » n G r o o m erklärte Brant i n g, Schweden könne sich' dm: Garantiepakt nicht anschließen. Schweden habe mit dem Beitritt züm Völkerbund, gewünscht, sich einem Bunde anzuschließen, der künftige Kriege verhindern könnte. Der Garantiepakt gehe nun weit Wer denVolkerbundsvertrag hinaus. ' Nachdem der brasilianische Delegierte Clark die Schiedsgerlchtsbarkeit als ein nach Ansicht der meisten südamerikanischen Staaten geeignetes Mittel zur Losung internationaler Streitigkeiten beleuchtet hatte, sprach der franzöWe Delegierte Jouhaux. Die dritte Kommission müsse , sich ernstlich bemühen, auf dem Wege der Abrüstung einen Schritt vorwärts zu machen, denn ein , Versagen in dieser Frage würde von den, Arbeitern als ein Versagen, des Völkerbundes überhaupt angesehen werden. , Die Sitzung wurde hierauf g e schlössen. ' Der Zeitpunkt der nächsten Sitzung ist noch Nicht bestimmt.., Der rumänische Außenminister'.D u c a, der Vorsitzende der dritten Kommission für' Abrüstungsfragen, wird morgen Genf verlassen und erst gegen Ende der Völkerbundtagung wieder, zurückkehren. An seiner Stelle Wreükü MorgenzeÜMB^ ’ v- 4' - 8-'' 12. SeWmber. dr^i hns' Bflyern" S-ta atsaug ehv Hg e, .kommenden DorMdämpfer ln « LanduNig-' verhaftet. wurden re'rchSdeüts che mit dcknr von Wien gten, bei Ihr Gepäck und die Sie Beziehungen zwischen den bahNschen und ungarischen RafseMiitzlern und Pntschkftrn (Eigendienst dtt .Mener Morgenzeitnng".) P e n ung a x i scheu '.Rasse n s ch ü tz l e r « w ke,d 1t ft nfgen p ökWem. Die Aufgabe der drei Emissäre war, wie sie «ünM'MÜg.mit einer Reihe von-Peivfoüen' .in BWpest in Berührung zu treten, die ihnen in München «namhaft gemacht «worden -ivaren, und den ‘ Bodensitr direkte V e v h a u >1^,1 u «n g t .n vorzubere-iten. ' Bei dem Verhör der drei Verhafteten wurde auch fcfN Schellt, daß nach dem MiWngen des Hitker-Nllaiu- Putsches sich eine Anzahl von HakeNkreuWrn'ans Bayern, in den kleinen Dörfern um Budapest vecheckt hielt.^ Die Budapester ObvvsMhauM«M«ivschast hat ÄealM'lib -sämtkiche Pvl-i-zeibe.hövden „in der...UmgMng von Budapest an,ge wiesen, die auf ihren Gebieten övbhnenden Reichsdentsthen zur Ausweisleiftung. zu Verhalten und Personen, die-sich n^cht ausweifen.köMen oder aus irge-nd einem anderen «ÄvnM verdächtig sind, der Öberstadt-Haupimannschaft zu überstellen.. - Budapest, 12. September.. (Ung. -Te«l.-Ko-rr.-Bur.) Wie die Mittler melden, «hat die Polizei drei in Budapest'sich aushaltende Bayern« namens Abel Werne r, Arnold Bartl und .Karl Thürmanu, die Mitglieder der Organisation „C" sind,und vor einigen Tagen ans- Müst ch«e n öpach B u d a p e st g e k o m -m e n lv-aren >itm mit rechtsradMen Kreisen Fühlung zu suchen, i-n Hast -genommen. Die Untersuchungist im Zuge.- Nach einer weiteren Aäelduug wunde a-uch derin zu . den ungarischen MchtsraWalen entsendet wurden. Ndünchen gebürtige 26jährige Otto Brau n stellig gemacht, Ln-de-ndorfs und Hirtler, welche ihre Aktionen der von den deavtschen Behörden wegen zweisachrn fortsetzen wollen, hätten die Beziehungen zu Mordes verfolgt ,wird. Schriften, wÄche ste bei sich trugen, .wurden fäilsievt.- Unter den Schriften befanden sich Pläne für ein Zusamme n- «wirken der -reich-deutschen und öLUgarifcheu Rechtsradikalen, unter anderem auch Briefe Lndendorffs >an verschiedene Personen aus .den ungarischen Rafftnschützlerparteien. Die drei Verhafteten, -^WÄche ans die QbevstaÄhaupt- Männschaft gaöracht wurden, gaben zuerst an, sie . seien Studenten und zum Besuche -von Verwandten nach Buda- 'pest gekontmen. W wurde jedoch se-stgestellt. -daß die drei Festgenowmmen Mitglieder der Organisation Consul sind; >der eine soll ein Oberleutnant sein, - der beim Hitler^-Putsch beteiligt - war (seinen Namen verschweigt-die Bndapester ObeHadthauptmannfchaft in' rücksichtsvoller -Werse); seine beiden Genossen wurden ihm als Kontrollore aus.M ü n 'ch e u beigegebeu. -- Im Verlaufe des Verhörs gestanden di-e drei Bayern, daß -sie von der Organisation Consul ans München als wird der griechische Delegierte Politik, der Vizepräsident der Kommission, die-Verhandlungen leiten. Die Unt ert.ommission sür Abrüstungsfragen zur S e e hat in ihrer heutigen Sitzung eine neue Sachderstandigenkonferenz fiir überflüssig erklärt. Diese Frage sei in die allgemeine Abrüstungssrage einzubegreifen, mit der sich die von der fünften Völkerbündversammlung in Aussicht genommene internationale Konferenz zu beschäftigen haben werde. Se«ffchlo«d und drr BSlkerbtmd. Bernpovff in Genf. Genf, 12. September. Zn den. Persönlichkeiten, die IxMchsrseits mit den Delelgationen des BAkevbundeS FiMnng nehmen^- ist--nunmehr mich Bernstorff getreten; «der sich sSUMtern. üv-G e n f aufhiUt. /Mje-' ^vek- «la-utet, würden die VertreMp der Mie-rten Staaten, «um D^Wand dey GmtM in den Völkerbund zn aMchtevn, mchtverlangen,-daß-es «noch emmak den Vortrag' von VersaAes «uirüerschreibe, sondern sie würden sich «mit der «UnteMichmmg des PölkerbMiLpocktes allein begnüg^tr. MMckte Nevoluüon in Psrtusal. Die Ruhe wieder hergestellt. Lissabon, 12. September. Radikals lbürgerliche und militärische Elemente unternähmen «den Bev« such einer neuen RevolutroM .und, gvrfsendas'. Kriegs Ministerium svwie die Tel egraphew',. zentrale au. Ihr Untevnchmen ist gescheitert. Die Angreifer wurden verhaftet und die Ruh« ist wieder hergestellt. . . Lewa« wird mfgegebe«. Der Rückzug der Spanier aus Marokko. Paris, 12.' September. Wie dem Metit Journal" berichtet wild, sind-die von Primo de Ribera nnternomvrenen Versuche, THuan freizumachen und die Äauflußlinie zu.befestigen, nicht glücklich gewesen. Gegenwärtig hätten die Spanier die Stellungen, welche sie aus den den Muß bchervscheiwen Höhen innegehÄbt hatten, geräumt, .Aus der Straße nach Tetuan hätten sich die Rif- Leute der SHIüsielstellung von Sub el Arba bemächtigt, so daß die 8069 Mann starke Besatzung von Te-t.uan wahrscheinlich den Rückzug nach der Küst^ werde anttet-en müflen, bevor der Rückzug unmöglich werde. Aunahme des Kriesranleihegesehes im Prager Parlament. Prag,, '12. Schiember. Das MgevPMteichaus hat heule die Kriegsanleihegesetznovelle in erster Lesung ang'e nomm e-n. Die Zwischen der Regierung und den Deutschen geführten BerhaMnuM hatten den Erfolg, daß die Regierung einer Reihe der von -den Deutschen ver- ' langten B e r!bess e r u n gs a n t r ä y e n z u stimmte. Diese MändevunMutvaige wnvden bei der Mstimumng ’ im Hause von sämtlichsn anwesenden Wgsordüöten an- . genomme.«.- Die wesentlichen' AenderMgen betveffeu die; HeMetzung der Bewertuug füv die VermögeuSalbtzabe von 40 auf 30 Prozent, die Mau>Metz!W Mchiedenor zur Einlösung gelangender HoGbeträge und den UMtand- - daß die Titres statt-un-verlosbar vom Jahre 1933 in neunzig-'Jahren veelos'bar sind. Die zweite Lesung findet - Dienstag statt. - - Sin indischer SinhettÄaMdat in z«aim. Znaim, 12. September. Für die im nächsten Monat stattfindende NMwahl in den Gemeinderat der Freistadt Znaim ist von allen jüdischen Gruppen-die Aufstellung des Rechtsanwaltes Dr. Ludwig Barth als gemein s a m e r Kandidat beschlossenworden. Die Räumung des besetzte« Gebieter. Berlin, 12. September. Nach den aus dem besetzten Gebiet vorliegendell Meldungen sind seit der Londoner Konferenz. 48 Prozent der Gebiete, die seit dem 11. Jänner 1923 besetzt wurden, totede'r geräü«mt. Baden und Hesscu sind von französischen und belgischen Truppen jetzt vol«lständig frei, so daß sich das EmbmchsgMet. nur noch auf Preußen erstreckt. - r Bor der Entscheidung rn Gens. Die abschließenden Beratungen über die von den österreichischen Delegierten dem VMerbnndrat unterbvoiteteni Wünsche werden nicht mehr 'Lauge auf sich warten ^lassen. Die Schlutzvedaktion de's Berichtes, den das Finanzhomvbee dem osterwichischen ^Komitee zunritteftl -w-ir-d, ist beendet.- Das i^terverchische - Kom-ite.e «wird sich bereits heute mit der'MfÄUtion des Finanzkomite.eH Hsfasscn, und, wenn die Mnge i'hven pvogra-mmäßigen La-u>f u-chmeir, wird schon MoWg. ,M...Roft!Mm de-.. .FiMuzkomitees und des österveiDschen «Komitees im Völke-rbundrate - z-ur Bechandtlung ikommertz. Die au's Genf doMegienden MeVuirgen -wirken «Änigermaßm desiWsionierend. Man hatte sich in Wien -. vrelstrch nubegrücheten Erwartungen hinsichtlich der «beider Böl-kerbundtagung zrr erzielenden Erfolge hingegebelli Uebeveinstimmend wird nun berichtet, daß-der BöNerbnudvat die Geifarntausgahen des österreichischen - Bundesvo>ranschlages für 1925 mit rund einer -, halben Milliarde Goldkronen ftstgesetzt hat, das ist um etwa 30 MMionen weniger, als «den -oster- re-ichischtzn Parteien zur. Wetterführung. der staatlichen - FuiMionen m dem beiläuftgen Umfa>nge des letztere Jahres-. Notwendig erschien. Die Verwendung der Kreditreste wird in der laufenden Session des BökkeMmdes überhaupt nicht zur Erörterung.kommen, da die - Delegierten noch ein werteres Jahr'«den Gang der öfter- ' «veichischen StawA «und Volkswirtschaft beobachten -wollen ' und eine Sicherheitsreserve zur Ausgleichnng . eines etwaigen Budgeddeftziis noch imnrer für notwendig > erachten. Die Völkerbundkontroille selbst .soll äb 1985 geringfügige Modifikaitionen unter-.., «worftn werden; bis gnm Ende dieses Jahres wird , sw wie bisher fortgeDhrt werden. Nach 1924-sollen die Erleichtc- «rnngett der Kmvtvolle nur gewährt werden, wenn > i-e ungestörte Stabilisilörung d«er Dinge',- in ' Oester r e ich den MAerLunddelegierten ünbezwe-ifeiLar- ' erscheinen Wird. -! Meses voraiusftchMche Ergebni's «als Erfolg vider Miß- - erfolg Oesterreichs in Gens zu deuten^ wäre sin.müßiges Unterfangen. Wird doch^ der Spruch des VMerbumdrateS von de>m Gesichtspunkt cmS gewertet werden müsfden, daß Oesterreichs Gläubiger Md Garanten vor allem- -den- Knfendienst und die Amortisierung > der - VMeOnnda>nlöihe für alle Fälle si ch er st sl len ^wollen. Staatskredite - «werden oben nicht allein als Vertrauensbevoeift für, füh^ - rende PoliMer gewährt, es muß vielmshr über oio «Distanz --her leitenden Pevsonen hinaus die des Aedidnehmenden