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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-12 · Heft 2003 (12.9.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2003 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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CMM - . Dlm. KveWag /*-—--—- mb Handschuhen und le.qten europäische Gesinnung <m; komm a$kt hatten sie ihren -Fuß wieder auf heirnat- Kchen Baden gesetzt,. tzertauscheu sie den Frack mit dem Attffa und die europäische Gesinnung mit der Politik des Fokosch und des Gummiknüttels, Graf. Bethlen sowohl wie Gras Apponyi. Der eine, sudventionierte' die Reaktion, versah die Erwachenden'Ungarn mit Waffen und Sprengmitteln und der „Europäer" Apponyi sreute sich und schwieg dazu, in einer Heit, als sein Wort in Ungarn noch mehr Gewicht hatte, als, er zu besitzen fet AüslaO vorgab. ' Die Majorität der Bölker'bundmitglieder hat sich den Versuch Apponyis, aus ihre Unkenntnis der tatiachlichert Verhältnisse zu bauen, gründlich verbeten. ES hat wohl lange gedauert, bis man im Völlerbund 0U dieser EkSenntnis gelangt ist, aber es ist noch nicht zu spat. .Ungarn verdient noch immer die wachsamste Aufmerksamkeit aller Freunde des Völkersriedens und der Demokratie. In der Zeit vom 2 4. bis zum 2 9. September d. I. werden in Transdanubien ..M i l i t ä r m u si e r u n g e n v o r g enommen werden. Wir haben in einen Geheimerlaß des königlich ungarischen Landesverteidignngsministeriums an die MlitarkomMandanten der Komitate Sopran (Oedenbuvg) und Bas (Eisenburg) Einblick genommen, in dem die Kommandanten den Befehl erhalten, die Ortsvorsteher der aus ihrem Kommandogebiete befindlichen Ortschaften sowie die Assentkommiffionen entsprechend zu instruieren, cntf welche Weise die bei den Musterungen geeignet befundenen Per? sonen gezwungen werden sollen, auch dann den sogenannten „Freiwilligenrevers" zu unterschreiben, wenn die Betreffenden erklären sollten, daß sie nicht gewillt seien, freiwillig in die Nationalavmee einzutreten. Diese Musterungen werden also nach allen Regeln magyarischer „Ueberredungskunst" Zwangsmusterungen sein, was der Friedensvertrag von Trianon ausdrück- 8ch veMetet. Es wäre lohnende Friedensarbeit firr die Bölkevbnndvertreter in Ungarn, einmal solche „fteiwillige" Musterungen in Ungarn von der Konslribierung der Einundzwanzigjährigen bis zu ihrer Musterung und der Erzwingung ihrer Freiwilligenerklärung aus eigener Anschauung kennen zu lernen und sich auch dafür zu interessieren, was mit einem solchen armen Leusel geschieht,.der ddn Mut aufbringt, sich der UeberredungÄuwst des*Ortsrichters, des Assentierungsleiters und des Gendarmen zu widersetzen. Diese naiven, unwissenden Bauernjungen und qualifizierten Arbeiter, nach denen die Assentkommissionen hauptsächlich fahnden, stehen doch schließlich unter dem Schutze des Friehensdertrages, der die Zwangsmusterungen verbietet, besonders da in Ungarn der im Friedensvertrag. b-grenzte Militärstatus schon längst vertragswidrig Äbevschritten ist. Welche Abfuhr hätten erst Apponyi und die übrigen Delegierten Ungarns erleiden müssen, wäre der Völkerbund über diese und nöch andere Vorgänge in Ungarn gut informiert gewesen! ■ Jas jüdische Minderheltsprodlem. Die Behandlung auf der interparlamentarischen Konferenz. Gin Vertreter unseres Blattes hatte Gelegenheit, den Abgeordneten des lettländifchen PalLamentS, Rabbiner Nnrok, «der die BehaMrmg des Mischen Problems auf der vor kurzem abgehaltenen Konferenz der interparlamentarische Mion zu befragen. Es waren besonderdie Deutschen auS der LHche cho-Slowakei, aus Italien und Jugoslawien, welche vor dem Forum der Konferenz vre Mnoritätensrage M-frolltett. Von jüdischen Parlamentariern nahm außer Abgeordneten Nurok nur noch der Abgeordnete des pol« nffchen Sejm Dr. R e i ch an der Tagung teil. Abgeordneter Nurok hatte Gelegenheit, in einer Rede über die Mischen Mindecheitensrage auf die besondere Situation der jüdischen Minoritäten in den euro« päi scheu Ost ländern hrnzuw eisen und begründete bk Forderung nach Gewährung der nationalen Autonomie. Weiters forderte er, daß die interparlamentarische Union sich für die Ermöglichung der Erwerbung der Staat8Zugehörigkeit in jenen Ländern ernsetze, in welchen durch vre Anwendung vevschiedemr Klauseln den Juden diesbezüglich Schwierigkeiten bereitet werden. Ferner solle die Union für die Erleichterung der Rückkehr, von Kriegsflüchtlingen eiutreten. Dä nach' dem Statut - der Union, die aus der Konferenz gestellten Anträge dem „Eonseil" (Rai) übergeben werden, der sie auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz setzt, erklärte der Präsident der Union, Baron Ade l sw a r t (Schweden), daß die Anträge des Abgeordneten Nurok der n ä ch st e n S i. tz u n g d e r Minderheitskommission zur Beschlußfassung unteri breitet werden sollen. In der Kommission für soziale Politik behandele Abgeordneter Nurok das Emigrationsproblem und die Frage der jüdischen Staatslosen, und es gelang ihm, die Zustimmung der Kommission zu seinen Forderungen zu erlangen. Bekanntlich erklärte der Vertreter der Vereinigten Staaten, daß es in Südamerika Staaten gebe, welche jüdische A u S w a U d e r e r aufzunehmen bereit wären, und eS wurde ein besonderer Ausschuß zur BehaMung dieser Frage eingefetzt. ■ ' j Was die Haltung der Konferenz zur Judenfrage anlangt. sei mit Befriedigung sestzustellen, daß fast sämtliche, j Wiener Morgenzektun$. Teilnehmer dieser Frage wohWollend Menüber gestanden sind. Es sei klar, .daß die jüdischen Minderheiten im engsten .Kontakte nrrt den 40 Millionen der a n d e r e n europäischen MinderhertsVölker stehen müssest. Es. liege durchaus im Interesse der jüdischen Minderheiten, an den Arbeiten der interpärlamentärischett Union, , deren Bedeutung man nicht unterschätzest dürfe, aktiver teilzunehmen, und es sei zu bedauern, daß die Mischen Parlamentarier in einer so verschwindenden Anzahl an der Tagung tellgenonemeu haben. Man müsse bedenken, daß an per Anton bedeutende Politiker und Staatsmänner teilnehmen, die im Völkerbund eine große Rolle spielen. Ander Deputation der Minderheitenvertreter auf der inierparlamentar'ischen Konferenz beim Chef «der Minoritätenabteilung beim Völkerbund Mr. Colban nahm von den Mischen Abgeordneten auch Rabbiner Nurok teil. Im Verlause der Unterredung, in welcher sämtliche Minderheitensragen gründlich besprochen wurden, erklärte Mr. Cokbaw-daß der Völkerbund für die' Mnderheiteil fragen ein besonderes Interesse bekunde und es sei zu hoffen, daß «S ihm gelingen werde, auf diesem Gebiete, dem eine besondere' Bedeutung bei-- zumessen sei, in Hinkruist tim nochersprießlicheve Tätigkeit zu entfalten. g—-r. Am die obllggtorische Schiedsgerichtsbarkeit. Die Beratungen der ersten VölkerbuMommisfion. lEigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Genf, 11. September. Die erste Kommission begann 'heute nachmittag die Generaldebatte über die 'beiden ihr Angewiesenen Aufgaben, erstens, die verschiedenen Artikel des Paktes ^daraufhin zu prüfen, welche Ergänzungen notwendig wären, wenn man die obligat ovische Schiedsgerichtsbarkeit eir,führte, zweitens die fakultative Klausel der ordentlichen Gerichtsbarkeit des internationalen Gerichtshofes laut Artikel 36, Absatz 2, des Statuts des internationalen Gerichtshofes klarer zu fassen, uw ihre allgenreine Annahme zu erleichtern. Der erste Redner Fernandes (BraifMen)' erklärte, daß die Aufgabe, die Frankreich und England durch ihre gemeinsame Entschließung gestellt hätten, wicht genügend präzis gefaßt sei. So 'hätte man offenbar nicht die Absicht gehabt, die Rechtsprechung des internationalen Gerichts. Hofes cmfzrcheben, wenn man die Gerichtsbarkeit «imfühve; Schiedsgerichtsbarkeit und Rechtsprechung seien zwei ganz verschi-odem Dinge, die man auseinanderhalten müste. Der englische Delegierte Eeerl Hurst erklärte, .daß England gegen die AueÄsimung der ordenÄichett Gerichtsbarkeit nach Artikel 36, .Paragraph S, des StatM des Gerichtshofes nichts einzuwerchen habe. Der Gerichtshof müsse natürlich das Völkerrecht, soweit es errtwiMt sei, anwenden. England befürchte, daß hei dom Unterschied zwdschon der kontinentalen RechtSausfasiung vnd dem englischen Recht bei einem Kriege dev Unterschied zwischen 'Land- und Seekrieg, der nach der englischen Auffassung unmugänglich sei, nicht gemacht werden würde. England müsse bei einem Kriege vor allem darauf auSgchen, den Handel des Gegners zu vernichten, der Gerichtshof werde a'ber der kontinentalen Auffassung zuneigen. Darum wünsche England, die Rechtssprechung des Gerichtshofes auszuschalten, wenn es sich um einen Krieg handle, der in llebereinstimmung mit dem Völkerbund geführt werde «der der nach Entscheidung des VölkoMndvates zulässig sei oder gemäß Artikel 17 des VAkerbundpakteS Msbreche. Der französische Delegierts Loucheur erklärte, er werde seiner Regierung die Auslegung Cecll MvstS M Anerkennung empfehlien, .... , ^.{j, ' Ungarn vor dem Völkerbund. (Eigendienst der -,Wiener Morgenzeitung".)' Gens, 11. September. Auf dev Tagesordnung dev heutigen Vollsitzung, welcher der üstevveichische Bundeskanzler Dr. Seipel mit dem Außenminister Dr. ^türo* berger. berwchntestand die Sanierung Usvg a r n s. Miniistorpräisident G e t h l e u, welcher zur Vev- 'Handlung über die ungarische Frage eingetroffen ist, wurde - vom Präsidenten der VÄterbundversamMmg Motta begrüßt. Sodann erstattete der italienische Delogierte Cavazzoni den Bericht der zweiten Kommission über die ungarische Sanierung. Der Bericht sieht die Mitarbeit der ungarischen Regierung bv'v der lleberwiirixlng der Schwierigkeiten, die der Sanierung Ungar ns e n t g e g e n st e h e n, vor, und betont, daß in Ungarn zum erstenmal zwei bisher unvereinbar erscheinende Aufgaben, der Wiederanfba,n und die Repamtionsleistungen mit einander in UicbereinstiimmilMg gebracht werden Sonnten, wie dies ähnlich später in Ändon geschehen sei. Sodann ergriff Gras Bethlen das Wort >' '' 'ic, die Aktion. des Völkerbundes. >habe in Ungarn > . ästige Abrüstung gefördert uni» eine B e r u h . d ,a n g herbe-igesührt, die der ganzen Welt im Interesse bet materiellen Abrüstung zu wünschen wäre. Obwohl der V-Ußeribunh eine sehr strenge Kom trolle emgeführt habe, soim die SanielMlgsgesttze m ungarischen Parlament uvit.großer MehrlM genchnsigt iworden, weil mau erkannt ha'be, ivelche wohltätligen Wirkungen die Arbeit des Völkerbundes 'häben würde. Nachdem noch der südafrikanische Delegierte Sir Henry Strak-o sch als Mitglied deS MnanzkoiMiteeS einen Ueberbl'ick über den 'bisherigen Verlauf der Mgavi- .zA. SeOemVer 'V9SS& < Nr. 2008 schen SanievungZaktion gegeben Hatte,. wurde die von Berichterstatter beantragte Resolnkion der zipeiten Kam Mission, die sieben Punkte unffaßt, allgenom'men. Die Leiden der Georgier. ' --Die engÄsch^ fparHsische und belgische Delegation legten gemeinsam fölgepde Msolntion vor: ' ■: ,Me BolkerbunWersam Mlung errdmevt die.ResMr. tivn der fcfehteit Versaminlnug' vom 2. September IW Wer Geovtzieu und fordert den Rat auf, die EreiglNiss' -in diesem Te-il-e der W>Ät aufmorksam zu verfol gen und mit friedlichen Mitteln dazu beizutragen, dys dieses Land wieder zu normalen Berhältnrßser znrückkchve." Zur Begründung führte 'der - sranzMsche Deiliegierb Paul Boneourt aus: Tie Ereignisse geben dieiser Re. foMon einen nur 'zu traurigen Kommentar. - Wd alle fi'chlen hier das Paradoxe des SchauspieilS, daß während wir hier als Vertreter des Fviedend irn der Web versa nrmelt sind, an einem anderen Punkte der Web Krieg gesicht wich, mit all der blutigen Grausam keit, die dem Kriegs nun einmal eigen ist. Die Berhälb nis^e liegen in diesem' Falle' allerdings besonders.schwievig well lder Krieg von zwei Staaten geführt.wird/die .beidl dem.Völkerbünde Nicht angehören. Wer auck diese Mlle sinh irtt Dölkevbündspakt berücksichtigt. Die Re solntion sei bereits -mit dem englischen Ministerpräsidenten Mae Donald und dem französischen Mnsiterpvasidew ten Herriot vor der Abreis?vereinbart worden und si» üvolle keinerlei Erniedrigung für einen der beiden krieg- .führenden Staaten bedeuten. Der Böllerbuud müsst sick aber mit einem tatsächlich bestehenden KriegSzu>stand be. schäftigen.. Die Aiussühvurrgen Boneourts fanden lebhaften Beifall. Die Resolution wurde der TagesordnungKLoMMtstiori zugewiesen. Die SAerreWM Fräse vor dem Fkvanrkomitee. Genf, 14. Septmvber. Die Sitzung des FinarH komidees am heutigen Vornüttag war rein formeller Natur und dauerte nur kurze Zeit. Indessen hatten sowohl Bundeshäuser Dr. Seipel als auch die Minister Dr. Grüuberger und Dr. Kienböck den ganM Tag über Unterredungen und Eingelbesprechungen mit den verschiedenen maßgebenden Persönlichkeiten des Völkevbunldes, in deren Verlauf alle einzelnen schwelbenden Fragen durchgespmchen wurden. - Mir. F i l e n e hakte zu Ehren der österreichischen' Minister die amerikanische Kolonie in Genf zu einer Ausspwche eingeladen. Die Mnister Dr. Gründe rge-r und Dr. Kienböck sowie Sektionschef Dr, Sch ü l' be r legten den amerikanischen Gästen die Wirtschaftliche Lage Oesterreichs eingehend dar. Mr. Filenr und der gewesene amerikanische Botschafter in Konstantinopel Morgenthau ergänzten diese Riittellungen durch ihr« eigenen Wahrnehmungen. Nachmittags empfingen Bundeskanzler Dr. Seipel und Minister des Aeußern Dr. Grünberger dsn Besuch des rumänischen Aichenministers Du ca sowie den des Mlgorischen Mönisterprüsidenten Grafen Be t h l e n. «e Froze der Ausnahme reuMaads. Genf, 11. September. Hinter den Kulissen der öffentlichen 'Beratungen des Völkerbundes beschäftigt man sich eingehend mitder Möglichkeit und -den näheren Bedingungen der Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund. Diel besprochen wird eine Sülle in der gestrigen Rede Branüngs, die dieser bei einer Vera>nstaltung hielt, an der auch der hier weilende Gras Keßler und der deutsche sozialdemvkratffche Reichstagsabge e vd ne.te Breit scheid teilmihinen. Branting erklärte, er hoffe, daß die AuifnahMe Deutschlands noch während der gegenwärtigen Tagung des WUeMmdes werde echolgm VMM». Dieser AöuherUng wird deshalb Bedeutung beigeMesien, weil Branting Mitglied des VölkerbundrateS ist. Bei de« nichtoffiziellen Besprechungen, die Wer den EintM Deutschlands m den Völkerbund geführt werden, betont man deutscherseits, daß eine Bedingung, von der man keinesfalls abgehen könnte, die Zusicherung eines permanenten Sitzes im .Völkerbnndrate sei. Eine große Rolle ffüM, Me hewerkt wird, die Vorfrage, ob in^ dem bövorstchenden deutschen Mnisterrat darauf verzichtet wird, die Note in der Schuldsrag e abzusenden, und ob Deutschland sich entschließt, um die Aufnahme in dein Völkerbund offiziell an zu such an. Breslau, 11. September. In der ,MMwacht" richtet der soziaBemokratische Abgeordnete Loebe an Minister des Äeußeren Dr. Slresemann eine erneute Aufforderung wegen des Eintrittes Deutsche land s in den VvlkerbtMd, wobei er unter anderem bemerkt: Wir müssen so viel Zutrauen zum Einfluß, zur Bedeutung und zur Kraft unserer Nation haberc, daß, uns der Ratssitz nicht dauernd vorenthalten werden kann, auch wenn er MS nicht vorher ausdrücklich zugssichert worden ist. - ■ ” Levtsch'ielsische -andelivertragsvertzMlunaen. 11. Siptrmbsr. Mel. der Mt. M>«geM. taug".) Kommenden Montag trifft hier eine belgische Kommission zur rlufnahme von HM-delsvertwWer^N'dklugen «in. Die Beratungen dürften 10 bis 14 Tage dmeml»

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