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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-11 · Heft 2002 (11.9.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2002 (11.9.1924)
Date
1924-09-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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\ - .: d ' -;.- ' '■■■■■’: - * ■ 'V‘V ■ *.■:"■ .^ .' ' '' V ' .., ■ '' ';‘ " ' ," "'" '"'V ' ', '' '\ MEN, Donn-erskag Wiener Morgen^eltungs. '11'. September IM 4r;'9Ö02 )rt werden, da die Fürsorgeaögabe eine der tzüWMn,.EinMhwsquellen der Stadt Wien ist. tirrb so MÄ, ohne daß es ernstlich beabsichtigt ist, das ganze PvWay m gewiffer Hinsicht mit der städtischen VerwävuM und der Müschen Abgabenpolitik in Znsmnwenhang gebracht. . , Aus diesem Umstandest es ltzfcht erklärlich, daß her Bürgermeister der Stadt %t Me guten Dienste yngehown hat, um möglichst Md Me Keendigung dieses Streiks und einen Ausgleich Wischest beiden kämpfenden Teilen heröei^uführestLMrst..,Bürgermeister wird aroße Geschicklichkeit in solchen Verhandlungen nachgestsgt und es ist KveiMos, datz er alle Minen seiner Parlamentarllchen Kunstfertigkeit wird springen lassen, um tatsächlich Erfolge zu erzielen; denn die Gefahr ist heute.nicht nur auf Seite der Produzenten, sondern auch auf Seite derjenigen, 'die als Lohnempfänger an dem Wahl und Wehe der Produktion ebenso stark inter- «sftert.stnd. . .,. Sie fünfte Völlerbunddersammlnug. (Eigendienst der.„Wiener Morgenzeitung") Genf, 10. September. In 'der heutigen Sitzung ergriffder belgische Außenminister H hm ans das Wort, der als derzeitiger Präsident des Völkerbundrates mit besonderer Schürfe gegen die gestrige Rede des Grasen Appouhi polemisierte. Ein Ausbau des M i nderheitenschutzes könne nur im Rahmeu der b estehenden Verträge vom Völkerbunde durchgesührt werden. Der bulgarisch.- Autzenministrr Kal soff führte sodann Klage darüber, daß man. Bulgarien über das. Mindestmaß hinaus entwaffnet habrM, daß die bulgarische' Regierung nicht einmal mt >n destruktmen Kräften im eigenen Lande s-rftg werden könne. Politia und d?r belgische Delegierte London kritisierten dir Antwort des Just'zkiomitees über die Interpretation des Paktes, werk darin den kl.e inen Staaten da's R'.cht a >g:'v-.ichm werde, in fragen der M ilitarkontrol'e on den Berhrndluagen d.s Ra:s teilzunehMen. Die Auslegung des Paktes gehört in die Kompetenz all:r Mitgliedsstaaten und nur der intcr-, nationale G : r: chtshof könntein Rechtsgutachten Satzung der' Abrüstungskommission. In der Nachmittagssitzuing der dritten Kom- Mission erklärt«? zunächst der' jugoslawische Außen-. minister Marin ko die, daß die jugoflawrsche Regierung den Gedanken deS amerikanischen Entwurfes akzeptiep^Me^ Lord P a r m o o r gab sodann eine längere Erklärung' ab, in d^r er für die Beibehaltung des Völkerb-undPaktes als Gwndlage der Abrüstung und SchiedSgerichtsbaickeit «cntrat. Im BöAerbUlndpakte verpflichten sich alle Staaten, nich zum Kriege zu schreiten. ' Nur lasst de; Pakt noch eine T ür zum Kriege offen. Die Konflikt die zum Kriege führen könnten, seien entweder solche, die unmittelbar für die Schiedsgerichtsbarkeit in Betracht kämen, oder Streitigkeiten rechtlicher Art, die durch eine präzisere Fassung der Klausel über die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit ersaßt werden könnten, oder ‘ endlich solche, in denen der V öll k e r b u n d r a t die Rolle eines Unterfuch-ungsrichters spielen könne. Alle diese Konflikte aber unterständen ausschließlich dem V ö lk erb und Pakt. Das Kriterium, wer Angreifer.sti, fei• nunmchr gesu nden. Es müßten no ch Sa nfr tio nen geschaffen werden, die es gestatten, dem Augreiser gegenüber den Frieden der Welt zu erhallten. In dam Maße, als die Sicherheit sich erhöht, werde sich, die Möglichkeit der Abrüstung erweitern. So-> lange aber Deutschland, nicht im Völkerbünde sei, müsse jeder Abrüstungsplan unvollkommen bleiben. Für den Gintritt Deutschlands in den Völkerbund habe der Völkerbund und Deutschland das gleiche Interesse. Man /könne -heute -noch nicht sagen, ob Deutschland noch im Laufe dieser Tagung au den Verhandlungen dÄ'Völkerbundes werde teilnehmen können, die britische Delegation werde aber jeden Vorschlag im Sinne' der Erklärungen Mae Donalds unterstützen und behalte sich kor, Hu geeigneter Zeit selbst einen Vorschalg zu maciM. Lord Parmo o r schloß unter lebhaftem Beifall. Sofort echob sich Paul Boneour, der Vorsitzender des Landesverteidigungsausschusies der französischen .stammer ist, zuir EvwidevWg. Er erklärte, Frankreich könne sich den Argumenten der englischen Antwort auf den GarqMepakt sowie den übrigen Einwänden, die gegen ihn vorgebracht wurden, -nicht verschließe n. Die Bestimmung des Angreifers sei schwierig; darum: habe hie fmNzösffche Delegation seinerzeit beantragt, sie in einen! -besonderen An'hang zu verweisen. Bone-our erklärte' sich durchaus mit Lord Parmv-or darin einverstanden, daß hie Sicherheit so lange nicht vollständig sein werde, bis nicht, alle Nationen, einschließlich Deutsch-' la nds,. sich zu einem solchen Pakt vereinigt haben. (Lebhafter Beifall.) .Nur-durch die materielle Unmöglichkeit, einen Krieg zu führen, werde man den „srischfröhlich^y- K r i e g" eichgültig verhindern können. Der Bölkevbundpakt müsse aber anpassungsfähig an die Wirk- ÄhW.MMcht und.ß msißten.soWhl w Dlitärrsche'Sänktsochetz er?' ÄWstWMMjr/' M' imMch die Atnwsphäre, die der Mlkerbuich geschaffen habe, von selbst die'Sw-airn zur AL- _. _ --1 ' MK'Vtfi j,x *" » - Me W WOsrieden gestchett werden sM. Lügs. Belajuulich.hat hcr amerikanische Philauthrpv Edward F i l e n e in England, Frankreich Italien Md Deutschland ein PreisausWeiben, für Bor- ' Wägecjwt Sich e:iuna diWUtf,rlebe Jt| -erlassen. Dnü: fraäWschen PretögerichtgchöW' ...unter änderest an'?Paul. Ap p'Ul-, Mtor m. '.Pariser Universität; B orFl pön der Ak-adestste' der Wissenschaften, George G o h a u . Von der Akadenffe^francaise und Madame Hnieie. Die Prüfung der Vorschläge ist soeben beendet worden. 5319 vorgelcgte Arbeiten wurden geprüft. Die drei ersten erzielten Preise von 109.000, 30.000 und 20.000 Franken, weitere 15 je 2000 und weitere 20 je 1000 Franken. Die mit dem erst en Pr« iS ausgezeichnete^ Arbeit gibt einleitend eine Dätstellung der Kvistn, welche nach dem Weltkriege über Europa herein, gebrochen sind, und bespricht die.Möglichkeit Hver Lösung durch internationale Zusammenarbeit. «x: ^yWchst dw R? P a ra t i o n s- und H ch ül d e w. f rag e anlangt, so. hat Deutschland seine ReParationS* Verpflichtungen _ prinzipiell. anerkannt. 'Die Durchführung der Vorschläge des 'Sachverständigengutachtens, das mst Zst-, stimnlung Oller Beteiligten als geeignete. Pasis angenvm-' men wurde, ist aber nur mit Hilfe gewisser internationaler Organe Nl'öglich. die ihre Verfügungen durch Jahre hin-. durch gewissermaßen ohne Berufung treffen müßten und deren Autorität durch eine allgemein anerkannte inb'rnitiena'le Organisation verbürgt wird, durch'die Gesellschaft der europäischen Nationen. Dieser würde es auch obliegen, einen alle Beteiligten gleichermaßen befriedigetk'den Plan zur gegenseitig en S chuld e n ti lg u n g aUszüarbeiten uich 'Amerika gegenüber, von dem letzten Endes die Lösung des Problems abhängt, als Mandatarin Europas aufzutreten. Sie hätte, nach Len'Vorschlägen des Autors für die Stabtl-ist«- r u n g der Währung e n, für die Behebung der A r b e i t s (o f i -g! c i t. zu sorgen uut) auch der gesellschaftlichen Krise namentlich unter den Intellektuellen ihre AnsmerksänMt zu schenken, die bei Fortdauer der heutigen Lebensbedlngnngen Pessimismus und llngerechtiigkeit unausrottbar befestigen würde. Die wirtschaftliche Unsicherheit soll .durch Schaffung .esn-es i nt er nationalen Arbeitsstalnts äbgeschwächt werden. '; Die politische Unsicherheit soll.nach Ansicht des preis- > gekrönten - Versasstrs folgendermaßen bekämpft werden: 1. sind in die Gesellschaft der europäischen Nationen s a mt-. (Von unserem Pariser Korvespyn^nchn.)' Versuchen Sie unseren * ieSdenttrumpf Her Bundeskanzler in der BAkerbundverfammlnng. Ovationen für Dr. Seipel. — Eine Ansprache des Präsidenten Motta. Genf, 10. September. Bnüdeskanzler Dr. Seipel Nohnr in Begleitung des Außenministers Dr. Grünberger und der österreichischen Volkevbuttdde-legierten M e n s d o r f f und Pflüg! an -der heutigen B o l l v e rsammlung des Völkerbundes teil. Vor dem Sitzungs- 'beginn trat eine Reihe von Mitgliedern der Versammlung auf -den Bundeskanzler zu, um ihre Genugtuung über da-s Erscheinen des BundeMnzlevs in Genf und seine Wiedergenesung auszndrücken. Auch der greise Bourgeoi's ließ sich von seinem Platze zur österreichischen Delegation führen und' 'versicherte -wiedevhobt,, welch herzliche Freude es ihm bereite, den Bundeskanzler persönlich begrüßen zu können. Nach Eröffnung der Sitzung richtete Präsident Motta an dm Bundeskanzler eine offiz ielle Ansprache, in der er au'ssührte, er beglückwünsche 'den Bundeskanzlser im Namen der Völkepbundversammlunig zu seiner Gen'estlng nach dem gegen ihn verübten Atstwtgt, das den Abs chm der gesamten gesitteten Welt erweckt habe. Er wünsche, daß es dem Bundeskanzler noch lange gegönnt sei, im Interesse des österreichischen Volkes zu wirken und auf der Grundlage des von Oesterreich im Verein mit dem Völkerbünde unter-nommemn Wiederaufbauwerkes den ferneren . Wohlstand Oesterreichs aufzubauen. Präsident Motta schloß, Bundeskanzler Dr. Seipel ha-be ein großes Beispiel gegeben im Verzeihen erlittener Unbill, in Seelenstärke .und im Ausharren, wo es sich um-das Wohl des Landes.Handelt, und durch nie erlahmende Arbeit. Schon während der.Rede Maltas war Bundeskanzler Dr. Seipel . wiederholt Gegenstand -lebhafter O v a-. tionen. Tie Rede wurde mehrmals vo-n Beifall unterhrochen und nach ihrem Ende, wurde Dr. Seipel noch, lange äkklamiert. Der Bundsskanzler verneigte sich wiederholt 'dankend an s-einem Platze. . ... ... l ich e europäischen Nationen aufzunehmen, 8.'ist die Gr» sellfchaft mit asten Befugnissen - zur Vermeidung, bezic- -hnngMeifr.Müntz, von KostflMen auSzustatten, 3. müßten diese BefugMe stealer Natur sein, um der Gesellschaft ^HOjusHÄM, 'Mey.HDHen zrr ermöglichen^ die Wirren und Aufruhr U'NderstützsN. Solange europäische Völker der Gesellschaft 'der Nationen nicht angehören, sollen sich -jem Befugnisse.auch auf das - .! - - Recht zur Ausübung von Waffengewalt erstrecken, in welchem Falle der MereMlid. der Gesellschaft g p -,ßchH,.seH.müßw-;-^als»dwMreiwWenMrM Gesellschaft nicht angehörerchen Nationen'-oder solcher Nationen, die weder die materielle noch die moralische Abrüstung völlig durchgeführt 'haben. Nach der völligen . Abrüstung der europäischen Staaten rüstet auch die Gesellschaft unter Berücksichtigung per Bewaffnung dev/auß'-ereuropäischdn. Staaten Wenweife ä>b und heschräsikt sich auf die Anwendung wirksame«, aber üMutiger Waffttr (kMmerzielle und smanzielle Blockade), .!,. - » ■ Die geistige Erneuerung Europas soll durch eine s vst e m a tische Kampagne; der Gesellschaft > der ein- Päischen Nationen ., > für dir Belebung des Friedenswillens, des. Idealismus, und der. gegenseitigen Achtung der Völker in die Wege geleitet und so eine internationale geistig« 'Atmosphäre gschaffen werden. Der Verfasser gelangt zu den Schlußfoly-srungen, daß nur der ernsthafte und artsrichtige Wille zur Genesung, wie er sich bei allen internationalen Konferenzen, her letzten Zeit gezeigt halbe, die politische, wirtschaftliche, soziale, intellektuelle und.moralische Krise losen könne, welche die Sicherheit Europas, bedrohen.. Seine Vorschläge sollen eine geeigucte'Methode zeigen, das ausführende Organ könne aber nur eine dem B ölkerb und angehörende Gesellschaft der europäischen Nationen sein, die jedoch besser au'sgerüste't'sein und größere 'Ma'chtvoMoMn>enheiten haben müsse M jener. SelbstverstäMich -Mißte auch- R u ßla n d der Gesellschaft a-ngehören, ebenso wie die vorgeschlagenen Mittel nur unter Mitarbeit der Bereinigten Staat.»tt. zu« vollen Auswirkung MlNgeN köMien, die jedoch zu erivarlen sei, wenn diesen präzise und pra-ktisch durchführbare Vorschläge' - zu« Lösung der europäischen Krise gemacht würden. Dr. Seipel über vie Völkerbun-tagU-ftg. -Nach der Sitzung dev ^llversMmLungdes VMr» bunde's empfing der Bundesjanzler die in Genf Mvwesenden Vertreter der Pveßagenturen. Der Kanzler fichrteaus, 'durch die freundliche BogvützuW ' und. Ehrung m der Bölkerbundversammlung Äe er sich überaus zu Dank verpflichtet. Ich «mpfi-nde diese Ehwng so stark — fuhr Dr. Seipel fort —, weil sie vom Völkerbund, de-m -v o r- 'nehmsten Organ der Völkerversöhnung und der Menschenberbrüderunü kommt, war allem aber, weil. ich mir nicht denken kann, daß diese Begrüßung nicht auch'ein Beweis der fortdauernden Sympathien für mein Vaterland Oesterreich sei. 2)iese Sympathien kommen daher, daß Oesterreich vor zwei Jahren unter die. Sorgenltin-der des Völkerbundes, das heißt unter die Nationen aufgenommen wurde, für die der Völkerbund^ werWtig' sorgt. Me ich,, zum Völkerbund stehe und welche B-eLeutung ich ihm zuschreibe, sehen sie daraus, daß ich gerade mit der Arbeit im Völkerbund meine Wiederkehr in die Oef.fen-1lichkeit beginne. Meine Gesundheit hat mir - bisher nicht erlaubt, alle übrigen Amtsgeschäfte wieder aufzwnehnleu. Aber zu den Dolegierten des Völkerbundes mußte ich nach Wien kommen, um mit ihnen Persönlich über die Angelegenheiten, die Oesterreich und den V ö l k e rbund gemeinsam angchen, zu beraten, und ich hielt .es für meine Pflicht, hicher nach Genf zu kommen, um diese Beratungen abzusWeßen und die Angelegenheiten, meines Landes im VAkerbundrat persönlich zu vertreten. Beratung über die üstrrretchische Frage. Genf, 10. September. Das Finanzko m i tee. des Völkerbund e S' hat feine Arbeiten . betreffend die ö st e r reich i f ch e Frag e heute v o r m i t t a g s ä u fgenommen. Uvsprünglich war für Heute vormittags die griechische Frage auf die Tagesordnung gestellt, doch liegt es im Bestreben des Fi-nanzkomitees, die österreichische Angelegenheit so rasch als möglich zu fördern und einem Abschluß Mufühven, damit sich das österreichische Komitee schon in wenigen Tagen mit den Ergebnissen dieser Beratungen befassen kann und in die Lage komnrt, an den Völkerbundrat zu berichten. Mtzerdem wird die Bölkerbundversammlu-ng von den Ergebnissen dieser Berat>cngen Kenntnis nehmen. Hieraus ist der gestrige Beschluß der zweiten Kommission Kurückzufüh-ren, einen Referenten für die österreichische Frage zu bestellen., Dieser Berichterstatter ist der französische Abgeordnete Georges B o n n e t, Diese Berichterlstattuug a,n die VMeMndvevjammkiug, die -von ihrem zlweiten Ausschuß vorbereitet wird, läuft parallel zu den Verhandlungen des Expertenkomitees, hcziehungsweise des österreichischen Komitees, die im BMerbundrat -ihren, endgültigen Abschluß finden. Das Interesse deS Expertenkomiiees kam auch dadurch zum Andruck, daß -heute alle Staaten bei den Verha-ndlnügen vertreten waven; ES fand eine, me h r st ü ndige P l e n a r° A

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