Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2001 (10.9.1924)
- Date
- 1924-09-10
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Und nun gar die Musik mit ihrer ehten „Lohengriu"-Feie.rrllchLoit, .der TodesdeM-rwigung und den Schicksals- 'motiden wirkt heute wie eine gelungene^ Borstudie zu Richard Wagner. Die junge ^neiMMi-wt meint freilich Wagner bereits ab« ge-ia-ll Zu haben und will „Hans Helling" nur noch hören, wen« feine mächtigen GeftonigsPa.Men von mächtigen Sängern getragen werden. Di« Dckbksvper besitzt in dem neu engagierten Herrn Nowak, der uns vom Olmützer OpernensenMe her noch in angenehmer Erinnerung ist, einen ansehnlichen Helling, dessen su-nge, imposante Stimme technisch noch in voller Ent» Wicklung begriffen ist. Auch sein Spiel sucht nach der rechten Wirkung gleich dem blauen magischen . Lichte, das sich zaghaft über die Bühne tastet« und den Geister,fürsten leider nur selten erreichte. Dämonie mit Hindernissen!- Im übrigen hatte die BoKsopar ihre besten Kräfte aufge-boten: Frau Rantzau als Geisterkönigin, gchanglich vorzüglich, doch mehr puppeichast als geisterhaft, Frau Ursuleac als Anna, in der Leuchtkraft ihrer hohen Tone eine werdende Jeritza, mchr kokett als naiv. Warmherzig, natuvburfcheichast sang Herr Dr. K ro kgl e r den Konrad, brav und hausmütterlich Frau Sulinger die Mutter Gertrude. .. , ' . Der beste Solist der ixm Herrn P) ittm a u n einfach und geschmackvoll iMe märten A-uWührung war si^llich Herr Direktor Dr. FritzStiedry, welcher das Orchester machtvoll beherrschte und in der. lebendigen Durchfühlung der -Mtzsff ein VchrckbeKpisl dafür erbrachte, wie em modern empfindender Muqtker eine, verstaubte Oper — auch ohne diesonst üblichen MM-n'gen — neu auf den Glanz hervichten kann. .. . flh. . Rar Lieder««« alr S-riftsteS«. Nichts spürt man in Liebermanns Werken intensiver Äs die Reaktion gegen di« verlogen« Romantik seiner . Zeit urw die.Aktion im Sinne der Natur. Äickbermanus Bilder sind mit dem Auge und'dem Berständ Malt: SachlichkO, Einfachheit, der Haltung und L^gik^des BildauMues. Mltbürgerliche GeistiwMt waltet in seinem MMN Schössen und diese GeistWeit ist es, die ihn auch M einem Denkewdkn ge-! macht hat, zu.einem Kämpfer auch mit der Feder. Jn seinen schriftlichen Aeußeruntzen ist Liftbkrmann nicht primitiv. Er' liebt das Partwoxon und die Anttthese, er spielt mit Witzen und Pftnten, allerdings in. durchmvs; nÄhrer und - tWr WHse. Sein Hieb 'sitzt, da ein schärft,-VeHand -ihn ffchrt. Ja/man kann behaupten, LieberMmst ware/Me' die Malerei ihn nicht überwÄtigt, vin grotzer KunstschrW^ geworden. Seme Schrift über .Josef Uraels, seine Gedanken über „Die Phantaste in der Malerei"..seine Anfta^.Mer.Menzel-und Manet find Zeugnisse starker kritischer Kraft, Ausbrüche Lines Wh. nen, di« Logik niemals überschreitenden, dabei aber hinrysenden Temperaments. Der Desphi-n-Ve rlag in Mn-: chen hat soeben unter dem PtÄ: ,Max Lieb er mann, Gedanken und Bilder,, ausgewählt und eingeleitet von Alfred Kuhn", ein mit- 33 Bichern.geschmücktes Bändchen herausgebracht, daS'den'.^Äststeller'.LiMr'Myn. charakterisiert. Ein paar Proben mögen den StA des großen Malers veranschaulichen: . - - ' „Ein Z^tnstzler, der daraus. dorgWet, das Unsichtbare, >' das was hinterher ErschÄnung liegt nMen"wir es Seele, Gemüt, Leben —, vermittelst sein«: Darstelkrng der Wirklich- , keii auszuwirken, ist kein Künstler.'Aber der.Künstler,.der:M): die Darstellung der Erscheinung vechichten wollte, zuWnsten' einer stärkeren Auswirkung seines Empfindens,^ ist ein — Idiot. Denn wie soll das UeberftnnÜch^ ohne, das Sinnliche, begriffen werden?" (Ucher ',^Je 'vatr»«iWifchev' L«ie> Malerei ist, dcho phantasievoller muß sie sein, denn die.Wtft»-' t-chie des Maklers liegt .nicht — wie noch ein Leffing ämlaihM" — in der.'Vorstellung von'der 'Jdee/^mideick-'in 'der.: Bopststluug von der Wirklichkeit 'oder, wie^Goethe es treffend ausdrückt: „Der Gkjst des WirNicheu ist^das wahrhaft Jlbeelle." iDie Phantasie in der Malerei.) „Alle Krmst ist Form und alle Form: Vereinfachung." sPebsönlichkeiiten.) * Das vorliegende Liebermann-Buch gehört in die Serie der Kleinen DelHin-Kunstbücher, die. den Mamteindruck 'vom Schaffen jedes einzelnen Künstlers vermitteln. , o.. r. Ws dep HWern. B u^r g t - e a t e r. Morgen, Nnds, „G. efch'ift. Ist Geschäft".. x... Akademietheater. Morgen, V*8 Uhr abends, „D e r Schwan". '' . - . I« W teuer B ü r g e r t h'e a t e r wird dasl ow a k i s'ch e B allst t e n s e m b l e avs Bratislava im Rahmen von Nychtvorftellungw gastieren. Er sollen die S l rw t-s.ch^u..T.L.L»e . .bo« .D.w:e r sch a k unttr. versSnttcher Lttlung Oskar Red - als zur Aufführung gelangen. ' - Wiener KunfümSstellun-en. Die Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst eröffnet morgen um 11 Uhr vormittags M' iden Räunren der Sezession eine Internat to n a.l-Z Au SKer lu n g, die 180 Werke umfaßt. Die Vorbesichttgung hat Mern,stattaefunden. Das 'graphische.Kabinett Hugo Heller- (Buküm-Ä.-G.) bringt in seiner 6. Ansstellüng Graphik von Mopp (Mar Oppenheimer). Denmächst wiÄ> Mopp auch eme Reihe seiner Oelgemälve in einer Ausstellung vorMren. Nettbelebnng. alter Opernwerke. Zwei interessante „Premieren" bereitet--daS Mannheimer Stadttheater vor. „Orpheo" von Mouteverdi. in deutscher Neugestaltung vwr Karl Orff, und „Die j.«nge Gräfln" von Florian Leopold Gaß m.a-n n, bearbeitet von Ludwig Karl,Mayer. Mouteverdi gehört bekanntlich zu den Schöpfern der Oper, ,/Ochheo" ist sein Meisterwett, dessen dramatische Kraft in dreix Jahrhunderten, die. seit seiner Entstehung verflossen sind,, ünve-vbraucht ist.. Florian Leopold Gaß mann, ein deutsch-«' böhmischer Komponist des, 18. Jahrhunderts, bat in seinem Werke „Die junge Gräfin" eine reizende komische Oper geschafferl, die in der neuen Fassung tm Frühjahr am Stadt, thvater zu Klagenfurt ihre Uraufführung erlebt hat., All« hohe zinsen. 7'-^>Ei»' -bMerkenSwertes Urteil fällte -ein Senat des Han- - delstze-richtes in einem Zidilprozeß, welchen die Firina Ge- - Wllsch^u. Sckhn gegen die Pelzfivma Soffer ans Bezahlung, einer rückständigen Warenschnld im Betrage von 46 Millionen Kronen angestrengt Halle. In der Klage wurde nebst der Klage- , summe 'das Begkliren gestellt, die Beklagte auch zur Bezahlung der-Zinsen vom Zeitpunkt der Fälligkeit der Schuld, und zwar inl Ausmaß von 36 Prozent jährlich, zu verurteilen. Den hohen,. dasWsetzfiche Pt aß weit übersteigenden Zinsfuß suchte die klägerische Firmadamit zu begründen, daß sie selbst, wenn sie sich -her Banken Geld aufnehmen müsse, «inen weit höheren Z'inSsyß als den in der Klage angeführten bezahlen müsse. Die beksrsgte Firma hatte in der Klagebeantwortung erklärt, daß sie'tzw Schuld von 46 Millionen Kronen nicht bestreite un-d nie bestritten habe, daß sie sich jedoch mit Recht gegen den verlangten Zinsfuß von 36 Prozent jährlich getvehrt habe und wehren müsse. Eine Zinsenvereinbarung sei mit der Klägerin nre^getroffen worden und sei letztere daher berechtigt, nur den gesetzlichen Zinsfuß zu verla.ngen. In der VevhaMung vor dem.'HandelSgericht hatte der Klagevertreter zur Begründung der - angefochtenen Zinsenhöhe einen Kontoauszug der D e p os'itenba.nE vorgelegt, laut welchem der Nägerischen Firma für ^geschäftliche Geldtransaktionen angeblich sin Zinsstlß in derHöhe .von 4.7 Prr^ent jährlich berechnet wurde. Nach kürzer Beratung Mte der Senatdas' Urteil,.mit -welchem.die-Peschmliüg ettcmnt wuche, dir Klägerin den Betrag-von D Millionen Kronen samt, Z-lysen von 6 Prozent jährlich: bis mtd von 12 Prozent seit dem 1. August zu bezahlen. In'der Urteilsbegründung wurde auSgeführt, daß der vander Beffagben geförderte Zinsfuß von 36. Prozent unbe-re chii gt sei, vkvvrl-ein« Vereinbarung bezüglich der Zinsen nicht stättgeftmden höbe und weil die kkagerische Firma hätte Nachweisen [ müssen, daß sie im Zusammenhang mit der beklagten FoMerung höheren Zinsfuß habe zahlen müssen, i . <’.% \■ . ’ v:'®<jW| der Frauenehre. Die Arbeitersgattin Mgrie K o t, - t'y5a r' trat gestern beim Strafbezirksgericht 1 als Privat- ' ikkäKrin - gegen ' die Handarbeiterin Rosa K r a k a u e r auf. Nach Anhalt der Klage hatte die Beschuldigte im Verlaufe.eines Wortwechsels.mit dem. Manne.der.Klägerin diesem'Mgerüfen.:.; ,-Bost- Mrr Frau -weiß .ich auch' so manches. .Ich) die ich -Pro? stiKM« bin, habe mehr Charakter als ihre Fra«?- Bör.'G«- ^nchtuerKärte. gestern die Angeklagte, daß der Manu der M« gexist/sie wörtlich beleidigt habe, worauf sie ihm'gesagt habe, i eb.'splle nur ruhig sein, denn sie könne von seiner Frau-so z mayches sagen.' Auf die Frage'des Richters, ob. sie der KK \ '^chnsnicht Abbitte leisten wolle, sägte sie: „Das . kaün ich sticht? istn^.denn. ich habe.trotz meines Berufes einen CharMer."'Auf? die^-Eeitere Fräge'-des Richters,'ob sie einen Wahrheitsbe-veis f ist'.der-Richtung'aptreten wolle', daß die Klägerin charakterlos 'fei.^Hvjderte.die Angeklagte:. „Ich könnte 'einen,.Wähvheits-" j ÜMN-erbrinhen,- wjll es ober. nH't, weil gn-dem Wyfts Wh -I viel^EMenzen hängen.'" Auf den Vorhalt , des Richters.')daß ) M'Wgen der unter Anklage gestellten Beleidigimg eine empi- > fjnWhe Arreststrof« bekommen -könne, erklärte die Angeklagte,- ' fcfcfrJte nunmehr einen Wahrheitsbeweis führen werde.) --- i R'^ch_te r: Wodurch wollen Sie die. Wä'hrhei: Ihrer Beschull digstchg eribriwgen?'—A n ge k'l-.-: Durch Briese' der-Klätzemn., die^ i sökch<8"nicht in. meinen Händen-sind. — -R ich < r-r: Wer ist in .Besitz, dieser -Brief«?- —-'Ang'ekl.: Ein .Herr, dessen' Näm^st . ich unter'keinen Umständest .nennen will' ustd. wetde^ — Mrch t e r: Sie verzichten also auf die -Führung des WährheMÄvweises? — Ang-ekl.: Ich mstß aus verschiedenen TrisrKen auf Beweis' verzichtest. Der als Zeuge vernommene Mann'.der Kläaerin. bestätigte vollinhaltlich die Angaben.der 'Klage» Der Richter verurteilte die Beschuldigte wegen Ghren- ‘ MeWgung zu einem Monat Arre st. In der. Urte'klsi bögrundung führte der Richter aus, daß die Ängeklagte völlig; «stimdlos die Frauenehre dev Klägerin aufs schwerste beleidigt sMbe;'> däß r dasVotgehen der.' Angeklagten : geeignetwar,'-- die!Che der Klägerin zu zerstören. Nachdem die Angeklagte Weder bkveit war, sich zu entschuldigen noch auch einen. WchcheitsbÄvtzis angetreren har, wurde, über, sie tue geringste gesetzliche Strafe im Ausmaß von einem Monat Arrest verhängt. Die Verurteilte meldete gegen Schuld und Strafe die Berufung S ch ö n b r u n n e r, S ch l o ß t h e ater. Mörgtti, Uhr abends, i e K inh er"., V o l k r o p e r. Heute ' M a dam e: B «e°r f l y", egen „Der fliegende 'Holländer". Im W i e n e r K o. m ö d t * n h ä u s: wird Mfrep r a s ch in dem Schauspiel „A l t- Heide l h e r a",?.daS . für - -- -- - ' Im L u ft s pi.e'l t h e a t t v 0T... te, 7*8 Uhr abends, ihr Gastspiel in dem Schwank ,,D ld ihrer Traume" im Emil rrstd SM Atz! .. ,. . . M. r : : Drohung der geschiedenen Gatti». Frau Karie^M. D:'Ävn-.ihrem. Gotten geschunden.; dieser hat. in. Meitzer sMe festK jetzige Frau Iosefine gcheivätet. Am 6. Julr kam die «rste Gattin in das Haus, in dem ihr Gatte wohnte, und stieß Dro- MiMn gegen Frau Josefine . M. aus, die geeignet wären, diefe ist: Augst und Schrecken zu versehen. Frau Iosefiue M/ erstzttetL die Anzeige...-Kürzlich --fartzd die Bechandlung vor-dem. Bezirksgericht Fünfhaus statt. Jn-kriminiert war auch unter.' chMtstm:Sie hat mir de» Mann, genommen, jetzt will sie mir auch" die Kinder nehmen." Herr M. hat nämlich Schtzstt« unter«- mststmen, üm bre'Kmder zu sich zu nehmen.. Da die Beschuldigte schchr wrZeu der gleiche» Uebertvetung vorbestraft ist, vevurteilte V zu «Mm . 10. SüMstbsr 1N4' Jg. iWfe "■ Sie krSffuung der Lemberger L mmeile. (ißoit unserem Lemberger M. S.-Bevichteristatter.) Die vierte Lemberger Ostmesse lvuÄde vom Präsidenten der polnischen RepMik Wojciechowski in besonders feierlicher Weife eröffnet. Der Präsident der Stadt Lemberg, Ne u ma n n, hielt eine .längere Ansprache, nach ihm der Handelsmimster K icdron, welcher auf die Bedeutung hiuwies, welche di« Regierung dev Lemberger Ostmesse bermesse. Die Zahl der Aussteller ist Heuer bedeutend gestiegen. Nicht nur aus dem Inland, sondern auch aus dem Ausland sind zahlreiche Aussteller eingelangt. Das Inland repräsentiert die gesamte polnische Industrie. Nur die Lodzer Textilindustrie 'ist schwach vertreten. Die Zahl der Aussteller aus Deutschland ist viermal, aus Danzig zweimal größer wie im Barjähre. Die Ausstellungsstäche ist auf 30.000 Quadratmeter gestiegen. Mben Maschinen und technischen Artikeln, welche sehr stark vertreten sind, ist die Zahl der Lebensmiltelfabrikeu, der Papier-, Textil- und Schuhfabriken als Aussteller sehr groß. Bon den ausländischen Ausstellern stellen aus Frankreich 55 Firmen,, die hauptsächlich Galanterie-, Bijouterie-, Strümpfe und Kosmetik repräsentieren, aus. Die Schtvei;' bildet eine besondere Gruppe' von 22 Firmen, welche Automobile, Uhren ufw ausstellen. Jugoslawien wird durch den Konzern der Gavska Banka vertreten, welcher Wein. Oel, Südfrüchte und Leder auHcllt. Sehr zahlreich ist der Anteil rumänischer Firmen, welche Kelims, Stickereien. Konserven ufw.. zur Schau bringen. England wird durch zwei Handelskonzerne repräsentiert; durch die Vereinigung der Maschinenfabriken und durch das Britischpolnische Jndustriesyndikat. Auch Ungarn ist heuer stark vertreteu. Stark ist die Teilnachnre Deutschlands, Oesterreichs und der Tschecho-Slowakei, welche heute noch nicht vollkommen ansgestellt haben. . Das Geschäft läßt sich 'heute noch nicht beurteilen, .da sich noch nicht alle angesagten Besucher eingestellt haben. Jedenfalls sei festgestellt, daß der Besuch jenen des Vorjahres stark übertreffen wird. Zahlreiche Besuche wirtschaftlicher Vereine und Organisationen aus dem Auslande sind angemeldet. Alle Donderausstellungen dev vierten Ostmesse, wie die Agrarausstellung, die Hopfen» und Leinmesse erfreuen sich des gvößten Evfolges, und werden zur Hebung dieser Zweige in-Polen vieles beitragen. Im allgemeinen dürfte die heurige Qbstmefse einen vollen Erfolg erzielen und sowohl!!ie Ausstellend«en 'wie auch die Käufer vollauf befriedigen. Diez ist - um so erfreulicher, als die . gleichzeitig in Wien, Danzig und Konstantin opel stattfindenden Mesien eine' starke Konkurrenz iür Lombera sind. Re dltmmtümalea NmmmSrkte. Wachsende Zuversicht auf den Effekt««- urch Valutenmärtt«» Das gleiche, überraschende Phänomen, das nach dem erfolgreichen Abschluß der Londoner Konferenz feftzustellen war, kennzeichnte di« internationale Börsenlage auch nach der 'Unterzeichnu-rvg des neuen Reparationsplanes durch Deutschland: Weder in Now-Yo'Ä noch in London oder Paris trat an. der Borst eine starke Geschäftsbelebimg ein; man hatte die Annahme des Tawes-Gutachtens bereits -eskomptiert. -Die günstige Aufnahme des Politisch und wirtschaftlich bedeutsamen Ereignisses drückte sich aber dennoch in der Tendenz sowie in interessanten Vorgängen an den Devisenmärkten deutlich aus. Namenlich in New-Dork - und London war an der Börse die Tendenz sehr fest. Zweifellos wäre unmittMar eine lebhafte Hauss-sbewegimg ausgslöst worden, wenn nicht, umfangreiche Gewiunrealisationen der Spekulation die Kursbowsgirng beeinträchtigt hätten. An den Effektenmärkten zeigte , sich steigendes Vertraue» in die wirtschaftliche Gesundung namentlich durch «ine günstigere Disposition der Jndustriewerte. Besonders in England bestehen zwar starke Mfürchtungen Äber ein Modererstarke» der/deutschen Jndustriekonkurrenz; sie habet! auch zu einer lebhaften. Kampatzne gegen das Dawes-Gutachten geführt. Urlbertriebenen Bedenken tritt aber die groß«' etiglische - Haudelspresse mit aller Deutlichkeit entgegen. Denn mit der Rückkchr zu' stabilen"ValutaverhAtUiffen.werden.die großen Preisdifferenzen zwischen der. 'enMchen'.:(-miid.-fchwetzevischen)' Joduftvie! einerseits.' und den: Betrieben -in' Länder«-." mit. entwerteten SWhmngen mehr, und mehr verschwinden, so daß. der 'Wettbewerb unter iwrmaleren BedinglMgen. wieder eintreten kann. Besonders zuversichtlich, zeigt man sich M den Vereinigten Staaten, wo' man von der lvirtschaftlichen- PesundMg Epropas eine ^bedeutende Steigerung der Kaufkraft der' breiten^ Schichten und dniirit eine Steigerung des Absatzes industvieller Pro- - idükte erwartet. Solche Hoffnungen werden aber: auch i» Eng- - land genährt. Sv 'schrieb has be^nte-FinanWatl.;ßbax",-haß sich unter dem Einfluß des Dawes-GutachtepS. speziell in der -. Schiffahrt, in. der TeM-and in der.KmrffchMndystrie eine Geschäftsbalebung erwarten lasse, von dex. später auch die Banken, die Versicherungsgesellschaften, die Kohlen^ und Ma-; schinenmdustrie ^profitieren würden. . : '; Das bedeutsamste'Ereignis ist jedoch di« ruhige Gttmi mung, die au den Valutamärkten . eingetr«t«n ist. Die am »reisten diskutierte Wahrung,, der französische Franken, scheint das Interesse der Spekulation berlown zst häben. Di« Pariser. Großbanken konstatieren, daß die Kausarders' ausländischer Provenieniz aufgehört haben. Di« wachsend«./Zuversicht drücktsich auch in den Kursb essevunge,^ der - franMifchen Schatz» - scheine aus. Di« am 27. September 1625 mit.800 Fwrcken rück-» gahlbaren Bons du-Tresor notierten im April an der Pariser Börse 460 FvaMn, während sie am 4. ßjDb«Me. mst