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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-10 · Heft 2001 (10.9.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2001 (10.9.1924)
Date
1924-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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iPolen 20gro8zyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Tabor atr. 1*3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40 000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wolizeile 11 ' . Mit Postversand für Wien o. Oesterr, monatl. K 40 000 Ts ch e c h o-S I owakc i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 37t Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr ankr,, Belgien: Mon. Frca. 12 oar Naetisahlnatren’^MI bei Preiierbohunren ' vorbeiiaUe» j pi»el3 K 14001 England: Mon.4Sdiilling, lt a I l en : Monatl. 12 Tire. Ru m a n i e n Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. B0 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II.,,Tabprstrassel— 3 ' Telcnhone: 44-0-38,43-3-19, »h 6 Uhr abdß. 21 -102,25-282 IX. Uni versitätsstr. 6—8 (Druckerei Steimnannl Oesterr.eiohisches Postspar ^«sen.-.Kon,lo -Nri 150.69N Nr. 2001 Wie«. Mittwoch. 10. September 1924 8. MM«» Zer Konflikt in der Resuttattüse Verhandlungen. — Heute bntscheidung über den Streik. Obwohl der gestrige Tag, eine weitere Ausdehnung der l wilden Streiks brachte und nachmittags schon mehr als 20.000 Metallarbeiter im Ausstand waren, scheint der Höhepunkt des Konfliktes bereits überschritten zu sein. Die bis heute mittags von den Metallarbeitern ultimativ -befristete Antwort, der Unternehmer wurde in den gestrigen Mendstunden bekannt. Sie enthält den Passus, daß die Unternehmer zur Lösung des Streites einen je de n b rauchb a r e n V o r sch lag akzeptieren werden, der eine Erhöhung des Lohneinkommens ohne Steigerung der Produktionskosten ermöglicht. Damit ist der Weg für neue Verhandlungen fveigemacht,." um so mehr als auch von seiten der Arbeitevvertreter eine gewisse steuerliche Entlastung der Industrie als wünschenswert bezeichnet worden ist. Heute nachmittags wird das Berhandlungskomitee' der Metallarbeiter' die Antwort, des AnternöhmervevbaUdes prüfen. AusvVeitrmg der wilden Streiks. Die vom 20. Bezirk ausgegangenen '' wilden Streiks lhckben sich - auf nahezu s amt l i ch e W i e n e r G emeinde'bezirke' ausgedehnt. Besonders, stark scheint die Bewegung im 12. Bezirk zu sei», wo nahezu' in s ä m tlichen große rem Be trieben der Metallindustrie im Lause des Vomrittags ' die, Arbeit e i n g eftellt wurde.' Auchbeider Firma, Simiens u,-Halske im 3. ' BchfÄk würde die stellt, - ebenso ' bei' der StarWömfabi^Mown/ Bove.rirm 10. Bezirk, so daß, diemeisten 'und -SHMchströMfirmen und s ä m t l r ch e Stark st r o mb e t r i e b e stillgelegt sind. Von der Automobilindustrie sind vorläufig nur die Saurer-Wetke in Simmering in die Bewegurtg einbezogen worden. In nahezu allen Fällen gingen der Arbeitseinstellung Fabriksversammlungen ' der Arbeiter voraus, in denen der Streikbeschluß gefaßt wurde. In vereinzelten Fällen stimmte zunächst nur eine Minorität für die sofortige Arbeitsniederlegung, jedoch scheint es dann irgend welchen Bemühungen - außenstehender Elemente gelungen zu sein' die MajorM de'r Arbeiter für den Anschluß an die Streiköeiwegung zu gewinnen. Auch außechaW von Wien, in Liesing,-ist es in zwei-größeren Betrieben zum Streik der gesamten Belegschaft gekommen. Aus den übrigen Teilen von Nieder-- österreich.liegt' keine Nachricht übßr Anschlußhewegung an den StrÄ vor. . ■ ■ Insgesamt steshen derzeit mehr als 20.000 Meta llarb ei te-r im Streik. ,! Die Drohung mit dem Generalstreik. Die Vovstäudekonfevenz der Gewerkschaften versammelte sich vormittags und beschloß eine Resolution, in der es unter anderem heißt, daß.es sich in dem gegen-, wärtigen Konflikt nicht. mehr um Lohnsra.gen, sondern um . einen Angriff aus die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse , handle. . „Sollten die Unternehmer, auf ihrem Willen'beharren,' so würde' der Kamps der. Metallarbeiter zu einem Kamps, aller organisierten A r b e i t e rü n d A n g e st e l lten Oesterreichs werden.-' Seine Erweiterung würde schwere soziale und wirtschaftliche . Gefahren im Gefolge haben. Die Vorständekonserenz spricht den Metallarbeitern' /ihre volle Sympathie aus .' und beauftragt' die Gelverkschastskommifsion, in Bekundung. dieser- Solidarität l'le'"erftor-, d e r l i ch e n M aßnahmen raschestenszu treffen, um, wenn notwendig, diesen Kamps, entscheidend jtt: gestalten. Die Metallarbeiter - mögen wissen, ' daß ' hinter ihnen die. freien, gewerkschaftlich organisierten Arbeiter- und Angeltellten wohlgerüstet bereit stehen." ' . >' Der Beschluß der Unternehmer. . . Um 4 Uhr nachmittags' trat-das Präsidium des Wiener' -Industriellenverbandes' zusammen- Md. faßte. folgenden Beschluß: - > . „Die Vollversammlungdes Wiener Industriellenver- Landes ist gleich der Delegiertenversammlung der Auffassung, daß eine Lohnerh öhungvon der Metall- .Industrie - in -der derzeitigen schweren Krise n.i ch t e r t r agen werden kann. Ein Bestreben, die materielle Lage der Arbeiterschaft wirklich zu verbessern, kann nur-von der Grundidee ausgehen, das L oh n ei n k omm e n z u e rh ö h e n, ohn e d i e P r o d u k t i o n s k oft e n z u st e i- 1 ge r n. Aus diesem Gründe und in d i e s e.m S i n ne hat ., die Delegiertenversammlung. mehrere Vorschläge gemacht, die - diesem, Zweckedienen sollen. Ohne das Lohnkomitee auf * Einzelheiten dieser BorschWge sssizülegen, ermächtigt die ) Vollversammlung dasselbe, auf dieser Grundlage in V e r-! Handlungem mit dem Metal'larbeiterver- > ha nd sofort ein zu treten und. ermächtigt es auch, , jeden anderen brauchbaren Vorschlag in Berhandlüng zu ziehen,. der zu dem Ziele führt, , daß man das Lohnübereinkommen'zu erhöhen tra chtet, oh.ne daß dre Produ.ktio nskosten gesteigert werden."" -- > . - ■ -; Dse letzte Sitzung des Vierzigerausschusses. , ./Gestern nachmittags um 5 Uhr trat der Vierzigerausfchtch der. Metallarbeiter zum letztenmab zu einer Konferenz .zusamnien,. .in^vwlcher die Berichte^ Wer.die' Situiftion - erjstatte't',wyrden. An dieser Konferenz -. nahAN- Zekl.tei lt).ox st a nd,. der Vorstarch■ den Ortsgruppe Wien,' .'die'-MMoryteü^.-E.BeziÄ^--M^' Branchenäktions^- . komiMs, die -.WMeHiömönW/; aHA.. Genossenschäftey ünddre^ Setzetare 'und. OhntaNner her; Hezirksleittzngen der Provinz teil. Äa die. Vertrauensmänner der Metall» «Heiter: für 6 'UP' in das Indüstriehaus ^u^Verhandftingen mit'dem Indüstviellenverband telephonisch'7-berüsen wurden, würdedie' Versammlung bis, zu ihrer. Mckkünst unterbrochen. -. Zu den Verhandlungen waren del-egiert die Abgeordneten - D o.mes bnd Wiedenh oser, GemeiWerat^Stein und Sekretär Äre.chsler. Der Versammlungdie streng vertraulich war, . wurde über das E r g e b n i s d e r Verhandluugen Bericht e rstattet und hierbei hervorgehoben, daß sie endgültig a l s" res u l t'a't l o s a b g e b r o ch e n w o rd e n s i u d. Die entscheidenden Beschlüsse über den Streik blieben einer sjir Mittwoch; emberusenen Obmännerkonserenz Vorbehalten. -' - -. -- ' " ’; Die ablehnende Haltung des . Arbeitgeberverbandes M' zu' der Befürchtung Anlaß, daß die. Arbeiterschaft im Laufe des Vormittags, ohne die Beschlüsse der Obmännerkonserenz abzü!warten„ scharenweise die Arbeit einstellen , werden. - - - Die Verhandlungen mil den Jndustrre- . angestellten., - Gestern :-wurden, auch' die'Verhandlungen'über-die Forderungen'des Bundes der Industrieantzestellten mch der Et ihm. koalierten' Angeistelltenorganisationen (ReichJverem der Prvvatbeamten, Gewerkschaft der Ingeuieuveim- Privatdäxnst): fortgesetzt/ jetzo ch - n i'ch't a bg e s' ch l o s s'e n.' Die Verhandlungen -werden in den nächsten Tagen - fortgesetzt uW sollen - lä-ng'steND.' :20. d.- .-.gU-m: Äbschl-M ho-mmem;. - - ■■ ■ Eetreldezoll in Pole«: Warschau, 9. September. (Tel der „Wiener Morgenz^itung".).. Das -Wirtschaftskomitee - des Minister-; rotes hat mit Rücksicht auf die schlechten- Er nteer'gebnisse eine Ausftchväbgabe für. Roggen in der.Höhe von einem Zloty für die Tonne und die Aufhebung des Emsthrzolles auf Mehl' beschlossen. W 3usamme«lunst Mac Jonald-zaglul. j / / London,: 9. September. Däs Foreign' Office teilt 'in seiner: Note mit, daß .Mac Do wall d und Za gl ul!Pascha am 25. d. in London eine Mterredung:haben.?werden. '-' : .-.■v'.., Die „UMu)ds"'WWrorl. .. .; —scb. Wi en, iol September. In Genf haben Mac Donald.und'-Herriot - die sittliche. Kraft der Nationen .zum Frieden! aufgernsen. .Ueber die -Wege, aus denen das wünschenswerteste Ziel der Menschheit, der:Frieden/!zü'erreichen -.ist,;sind die beiden Staatsmänner nicht'ganz eines Sinnes; aber beide und mit ihnen ein' großer Teil der Staaten und ihrer Lenker sind überzeugt, daß nur? die überstaatliche Bereinigung aller Nationen im ’ Völkerbund die Garantien für den Weltfrieden schaffen kann. 'Nür ex .— darüber sind sich alle Staatsmänner einig kann das Instrument. sein, das künftige »Kriege -. verhindert. und die Frage der Abrüstung aus der. Atmosphäre diplomatischer Hinterhältigkeit in die. des V'erwanens der Völker zueinander hebt. Wesentliche^ Voraussetzung ist natürlich/ daß' alle Staaten dem 'Völkerbunde, ängehören und gerade die jetzt tagende Völkerbundversammlung, auf-welcher in so glücklicher Weise eine Stimmnng der -Offenheit -in der: Politik angebahnt 'wurde/ gibt -fite die noch außerhalb des Völkerbundes stehenden Ssaaten die Möglichkeit des Anschlusses? . In -erster Linie.gilt'dies für - Deutschland/ dessen Ausnahme: in' den '.Völkerbund heute keinen Widerständen mehr begegnen wird.;'. Aber die deutsche Politik,'welche in' denentscheidenden Momenten sich stets als unglückselig bewährt hat, verscherztsich auch '.jetzt wieder, den günstigen Augenblick. Die politischen Parteien Deutschlands,, ^auf-.der Rechten wie auf der Linkeu/die'Demokraten ebenso wie die' 'Deutschnä'Liönalen, roll-en in der Frage.' des - trittes'.-Deutschlands' zum Völkerbund. gerade jetzt die abgehattsten^nndicheuteMgsl 'Wliteierten.. Prestige-- - büW, . k-ennung des ' Vertrages ' von' ^Versailles' Notwendig Machen,i die gegettwärtrg' unmöglich.'sei. :Die'. Hinfälligkeit' einer? solchen Argümentation und. die. - poliüsche Kurzsichtigkeit, aus 'der sie: entspringt, weche.n offenbar, . wenn man sich vor Augen hält, haß dieselben deutschen Parteien, einschließlich des, größten. Teiles der deutschnationalen' „Verräter^ vor kurzem erst die Dawes-Gesetze 'akzeptiert' hüben,' welche aus dem Versailler: Vertrag Lasieren. Es ist klar/ daß! der Versailler- Vertrag, welcher unter' Voraussetzungen geschlossen' wurde,- - .die heute' zum großen Teil.überwunden: sind, im Lause der Zeit sicher Veränderungen ersahrenwird; diese -aber lassen sich nicht durch Demonstrationen -aus - Prestigerücksichtenerreichen, sondern, ausschließlich durch jenen aus -gegenseitigem.Vertrauen -gegründeten. Friedenswillen,' welcher die gegebenen'Möglichkeiten abwägt und so an Stelle diktierter Verpflichtungen fteiwillige Vertragsbesümmungen.setzt. . .. ' . , ' Diese politische Einstellung ist. aber bei keiner der politischen Parteien, welche heute in Deutschland das. Port führen, zu-finden-Ücherall hewscht nur der Wille zur Unaufrichtigkeit, überall.wird.Mion und.Gegenaktion von dem Wunsche geleitet, - übernommenen Verpflichtungen zu ' entschlüpfen.; Vor wenigen Tagen hat das 'deutsche Parlament den Dawes-Plan.: ratifiziert. Aber schon wird' der Versuch gemacht, ein Hinterpförtchen zu öffnen, um die'Formel für eine Anfechtung des Wen unterschriebenen'Vertrages zu finden. Der Reichskanzler hat sich - den Deutschnationalen gegenüber verpflichtet/ - den- 'am Londoner .Uebereinkommen beteiligten-Mächten in einer-Note darzulegen, daß-Deutschland jsde Kriegsschuld ablchne,.und macht, sich jetzt daran, diese - Verpflichtu ngeinzulösen. Dwser. Streich ist so ungeschickt inszeniert, baß er den schlecht^ ste-n' Eindruck machen .muß-- . Frankreich .hat dies auch durch seinen Gesandten im Berliner Auslvärtigen Amte därlegen lassen und ähnliche - Warnungen bekam man Ün der Wilhelmsträße.vom Kritischen, belgischen und italienischen. Gesandten zu. hören. - -- . .. - Der Grund > für diese Nervosität -der Londoner- Vertvagsmä'chte liegt darin, daß? die Note, mit welcher Herr Stresemann seit etlichen Tagen, in der Luft herümfuchtelt, trotz - der: scheinbaren - Harmlosigkeit, welche die deutschen Regierungsbiedexmänner innner wieder betonen, eben '' durch - die- - Mlchnuirg ' der deutschen Kriegsschuld den Vorbehalt' enthält,: welchen Deutschlaich braucht, um sich den in London übernommenen vm für den Einkauf von Stoffen: für-die Herbst-und Wintersaison Damen- und* Herrenwäsche, Bett-' und .Hauswäsche, Sirickwaren, Teppichen,' ..Vorhängen usw. nur das bekannt verlässliche Und billige Warenhaus II. Taborstraße 48 Tslwhbn 47*1*7S

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