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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-09 · Heft 2000 (9.9.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2000 (9.9.1924)
Date
1924-09-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2000 Wien, Dienstag Mission beschloß der heutigen.Konferenz der Vorstände der Gewerkschaften einen eingehenden Bericht über die Situation zu erstatten. Ausdehnung der wilden Streiks. Jim Verlaust des gestrigen Tages Haiden die Streiks t" den Wiene. merallvoravdcilterridsn Betrieben, wie der Indnstrietlenveroand mitteilt, neuerlich an Ausdehn uy.Lewo n n e n. So sind die Arbeiter der Pauker- We-vl-e (Floridsdorf) in den Streit getreten, ferner die Arbeiier der A. E. G. Union in St-adlau, der Firrna Warchatr-ivski, Eißler u. Co. >n Ottakring und der Tele» pho-n-salbvik I. Berliner im 13. Bezirk. Die Arbeiter der Bröeb'nban.anstatt R. PH. Waogner, die nach kurzem Streik am Freitag die Arbeit wieder ausgenommen hatten, find gestern nach einer Berstrmmilung und Abstimmung neue r! i ch i n >d c n Streik getreten.. Die Arbeiter in der Gießerei deests Unternehrnens haben sich dem Streik mark a umschlossen. In der Karosseriestbrik Weiser in Töbiing ist die Arbeit wieder auifgerrounmen worden. Zie 7. Wmtt ileffe. Evsolgreichsr Begrün. — Stergendes Interesse. Der Messcb-cginn hat vielversprechend eingesetzt. Die wunderschöne Spätsommerstimmung der ersten zwei Taue förderte den Besuch ungemein. Aus der ganzen Welt sind Interessenten und Käufer eingetrofstn. Die österreichischen Bundesländer selbst stellen ein schr großes Koniingettt. Das lebhafte Treiben des ersten Tages verstärkte sich gestern noch mehr. Im Messepalast ist cs fast in allen Branchen bereits zu nennenswert e n A >b s ch llü >s s e n gekommen. Wie immer weist die L c d e rgala nterie- und T asch ne rb rau ch e c\%i erhebliche Zahl von Käufern auf, die sich zum Teil 'ms den österreichi- Ischen Bundesländern, zum Teile aus der Dsch?cho-Slowakei, Ungarn, Polen und Jugoslawien, zum Teile aber anch aus dem Mtauslande, .insbesondere aus Italien, Holland und Schweden zusammensetzen. Leibhaftes Interesse wird der kunstgewerblichen Abteilung eutgegengsbracht, mSbssoudere Puppen wuvden stark nach Amerika, Frankreich «ud der «Nhwch abgesetzt. In kunstgewerblichen Bronzen wurde« seitens Ilnga-vn und Polen umfangreiche Aufträge ertM. In Gla S- und Kristallwaren traten die östcr- «Kch^chm Bmtdeslünder, Rumänien und die Türkei als Ein- S«che, «f. Befriedigend war auch der Geschäftsgang in Sp<rt<artikel« und Rucksäckieu. Hier erteilten Pea^ch«, Schwoiyer und .schwedische Einkäufer Orders. In der v«d Schtrmbiranche entwickelte sich ein beträcht- Hch« lKeischöftsverkrhr. In der Hofburg Wüwbwwt sich in der Schuh- und Led erb ran che bereits M» «g» Geschastslverkehr. Seiden tri ko tagen wurden;j0Mt DkbLmevckanern bestellt. Erhebliche Nachfrage herrschte Mch «ach Blauernjanker und Pysamas. In Strickgatttttt* Häckelgarn und Schlingwolle tvnrden Geschäfte abgeschlossen. Auch für Teppiche und Vorhänge zeigte sich ilwchhaWges Interesse. In der Rotunde. Die Geschäftslüft hat zugeuonnnen, aus einzelnen Branchen kommen Berichte über erfolgreiche, auch auf größere Beträge lautende Abschlüsse. Im Maschinenbau wurden Bestellungen in größerer Zähl vorgeuommen, die besonders Werkzeugmaschinen und Motoren beträfen. Ein großer Teil wurde im Julaudc ausgenommen, aber auch das Altausland nahm regen Anteil am Kaufe. In der Automobilbrauche wurden stärkere Fahrzeuge für den Personenverkehr verkauft und auch ernste Abschlüsse für Lieferungen im nächsten Frühjahr getätigt. Besonders begehrt wurden Motorräder. Die metallverarbeitende I u d u st r i e konnte ebenfalls eine Anzahl größerer Aufträge übernehmen, wobei auch die Nachfolgestaaten als Besteller auftraten. Zufriedenstellend ist der Geschäftsgang in der e l e l t r o t e ch u i s ch e >r B r a n ch e, naiuentlich die R a d i o a b t e i l u n g verzeichnet zahlreiche Kaufa-ufträge. Chemische Erzeugnisse waren im allgemeinen weniger gefragt. Haus- und Küchengeräte wurden für das flache Land angcschafft. Ziemliche Stille herrschte noch auf dem Gebiete der Luxusinöbel; von Geb r a uch s möb el n gelangten mäßige Posten zur Abgabe, auch Korb waren wurden bestellt. Die N ah r uu gs- und G« u it ß mi ttela. n s st ell u n g ist ständig sehr stark besucht. Außer einem erfreulichem D'etailadsatz sind namhafte Verkäufe getätigt worden, nament- 'ich Konierven verschiedener Art, Obst Produkte in 'ed.'r Aufbereitung, dann Spirituosen. hem freien tßrlände. Dos Gelände bot iiu gläugenden Sonnenschein vom s'.'ühen Morgen an ein ungemein belobtes Bild. Die Stände, welche Bedarfsartikeln und Maschinen für die Landwirtschaft führen, und die landwirtschaftliche Muster- und Tierschau waren überfüllt von ländlichen Besuchern. Landwirtschaftliche Ai aschinen gingen sehr gut, ebenso schwere Magen, dann Molkereimaschinen und Neuheiten, wie zum Beispiel Kvnservenbüchsennläschinen. Der Vertreter einer führenden landwirtschaftlichen Maschinenfabrik bezeichnet die Messe schau jetzt für diese Branche als glänzend. Auch andere Erzeugnisse, wie Waschmaschinen, finden guten Markt. Die Aaillercimaschinenindustrie hatte eine Reihe von Abschlüssen. Wiener Morgenzeitung. Die preisgekrönLe : Der von Edward A. F i l e n e in Boston gestiftete Friedenspreis von je. 10.000 Dollar für Frankreich, E n g I a n d, I t ct l i c tt und Deutschlan v hat außerordentliches Interesse erweckt. Die F r a it 3 u f c tt hatten nahezu 5000 Bewerbungen um den Friedenspreis, die Engländer 4700, die Deutsche n 4200, während die Italiener nicht ganz 2000 Bewerber aufweisen. Da die Veröffentlichung der Preisgewinner in England und Frankreich mit der Tagung des Völkerbundes in Genf zeitlich zusammenfällt und der Stifter des Preises, Herr Edward Filene, sich ebenfalls in Genf aufhält, sei hcrvorgehoben, daß sämtliche Lösungsversuche, die bisher eingegangen sind, den Völkerbund in den Mittelpunkt stellen. In Berlin hat bereits die Jury des Deutschen Friedenspreises getagt. Das Resultat der Bewerbungen wird aber erst Ende dieses Monats veröffentlicht werden. Indes kann heute schon berichtet werden, daß das deutsche Preisgericht, dessen Vorsitzender der ehemalige Außenminister und jetzige Reichsgerichtspräsident Dr. Walter S i m 0 n s ist, einen ersten Preis nicht erteilen, und dafür die weiteren Preise erhöhen wird. Im englischen'Wettbewerb wurde der erste Preis einer Arbeit von Dr. H. Heaton zuerteilt, der folgende Grundsätze aufstellt: 1. Der Genfer Völkerbund muß wirksamer a u s g e st a l t e t werden, zum Teil reorganisiert, zumal er doch das wichtigste Instrument für die Wiederherstellung der Welt und eines dauernden Friedens ist. 2. Tie finanziellen Probleme der Nachkriegszeit müssen eine endgültige Regelung erfahren. 3. Maßnahmen zur Herstellung von politischen Sicherheiten sind zu ergreifen unb der wirtschaftliche Fortschritt irr Europa' ist mit allen Machtmitteln zu fördern. Der Völkerbund kann dadurch gefestigt werden, daß die Ministerpräsidenten der verschiedenen Länder in Genf bei der nächsten Tagung erscheinen und dort durch ihre Versöhnlichkeit dem Genfer Friedcnsbnnd vor aller Welt Nachdruck verleihen. Ferner soll Deutschland nicht bloß bei der nächsten Vollversammlung bereits vertreten sein, sondern auch dein Obersten Rate des Völkerbundes angehören. Endlich sei die Herbei- 0. September 1924 . Sette »^ englische Arbeit. führung einer Mitwirkung der Vereinigtes Staaten und Rußlands anzustrebei», .A-ichgültig, ob diese Mitwirkung begrenzt oder bedingt etfolgt, wenn sie nur überhaupt eintritt. Wirksamer würde dä7 Völkerbund dadurch werden, daß sich innerhalb desselben regionale Gruppen als Sorrderkommisfionen für rein lokale Probleme konstituieren würden. Es sei beispielsweise Persien oder Paraguay nicht znznmuten, an der Frage Danzigs oder der albanischen Grenze interessiert zu sein. Dagegen würden Regionale Gruppen mit lokalem Charakter unvergleichlich besser die Interessen ihrer Länder zu wahren wissen. Der englische Preisträger tritt für eine unbedingte Annahme des Dawes-Gutachtens ein, ferner WM er die Summe der von Deutschland zu zahlenden R eparationen ein für allemal pauschnliter begrenzt haben, und zwar auf eine, erträgliche Anzahl von Jahren verteilt. Gedacht ist an eine Summe von 1.760,000.000 Pfund Sterling, auf 16 Jahre verteilt. Ferner seien die internationalen Schulden des Krieges zu fundieren und entsprechend herabzusetzen. ' Zur Herstellung der Sicherheit und zur Forderung des wirtschaftlichen Fortschrittes in Europa schlägt der englische Preisträger folgendes vor: 1. Ein Vertrag der gegenseitigen . Unterst ü tz u n g oder ein ähnlicher Pakt sollte von der ganzen europäischen Gruppe der Staaten vorher geschlossen werden. . \ 2. Die europäischen Mitglieder des britischen Imperiums sollten diesem Pakte beitreten unter Zustimmung der Dominions. 3. Die Behandlung der Minoritäten bedarf einer gründlichen Revision' und Verbesserung. 4. Durchgreifende H e r a L s e tz u n g d e r R ü st u ngen. 5. Feststellung einer für ganz 'Europa gültigen Valutareform auf einer neuen Basis. 6. Die europäische Gruppe hat Hindernissen des Handels in Europa entgegenzuwirken und Tr a n s p 0 r t e r l e i ch t e r u n g e n der europäischen Eisenbahnen und Wasserwege zu fördern. Die G a t i t n -a u a n § ft t i l u n g war an den beiden ersten Messetagen ein AnzichungspunkL der ganzen. Messe. Besonders m der Blumeiihalle konnte man schwer weiterkommen und auch im Freien drängten sich die Besucher. Große AufmerVsamkeit erregten die Bundesgärten, welche ihre ivertivollen exotischen Pflanzenschätze in einem Glashause zur Schau stellten. Auch die Exposition der Gemeinde St«u mit ihren herrlichen Palmen und .den Plänen und Lichtblldern der Wiener Gartenanlagen war von Neugierigen mnlagert. Verbot des Zutrittes von Kindern und Jugendlichen zur Messe. Die Messeleitung bringt zur Kenntnis, das so wie bei den früheren Messen, Kindern und Jngeudlichen unter 16 Jahrelt der Zutritt zur Messe unbedingt verboten ist. Aus-' nahmen von dieser Bestimmung können in keinem Falle gemacht werden. Ausgabe von Tageskarten der Wiener Meffe für Sonntag den 14. September 1924. Es wird neuerlich darauf anfmerVsant gemacht, daß die in Wien gelösten Messe-ausweise (Färbe rot) nur bis rnMswe Sainstag den 13. d. Gültigkeit haben. Für Sonntag den 14. d. tvevden eigene Tageskarten zum Preise von 25.600 K. ausgvgvbeu. Die kisenbahnjahrhundertfeier. Sonntag wltrde die hundertjährige Wiederkehr des Tages festlich begangen, alt dent die österreichische Regierung 'das Privileg zur Errichruug der ersten öffentlichen Eisenbahn Don Budweis nach Linz erteilte, die zlrgleich die ' erste öffentliche Eifeltbahn des Festlandes toar. Die, Feier begann mit einer. Feftiversammlnitg, die vormittags tu der Akademie der Wissenschaften stattfattd, zu der zahlreiche diplomatische Vertreter, die oberstett Vertreter der Burtdesregiernug, die ehemaligen österreichi-schen EiseltbaItu-nd Verkehrsutiniftcr sowie zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens erschienen waren. Sektionschef Dr. Kepka, als der Vertreter des am Erscheinen vechntderten Eisenbahmninisters der Tschecho-flowakisch-tt Ropubli?, überbrach!- der Versammlung die Fest grüße seines Ministers. Ferner begrüßte der ReichsbahndirEonspräsident Dr. Weihrauch als Vertreter des' Vereines Deutscher Eisenbahnverwaltungcu die Festversawmlung. ' Die Festrede hielt Eiseubahnmiuister a. D. Dr. Heinrich - Wittek. Sodann sprach Sektionschef a. D. Jllgenieur Enderes über den Bau der ersten österreichischen^Eisenbahn und seine Wirk.ltng auf die Entwicklung der österreichischen EiseMahntcchnik. . Am Nachmittag besuchten die Festsäste das. historische Attlseum der österreichischen Eisenbahnen, wo ihnen an Halvd der int Museum befindlichen Objekte die Entwicklung des österreichischen Eisenbahirwescns vorgeführt wurde. Den' Abschluß ■ der Feierlichkeiten bildete ein Empfang «beim Haudclnrinister Dr. Achür^ Der SrienteMreb soll nmgeleitet verd-«. Paris, 7. September. Die Verhandlinrgen zivIheir den Eisenbahrwerwaltungen F r a n k r ei ch s, O c st e rr e i ch s, Deutschlands und . der; S .ch w e i z über die. Führung des Orie.utexpreß P a,ris-Bukarest sind in Paris abgeschlossen worden. Uebrr die 'Umleitui'.g des Orientexpreß, der gegenwärtig über Basel-Birchs ver>- kehrt, auf die süddeutsche Konkurrenzlütie von Straßbürg nach Kehl-Nücnberg ist noch keine definitive Entscheidung getroffen tvorden. Der Orientexpreß verkehrt also.vorläufig rveiterhin durch die Schweiz. Sollte eine Umleitung eintreten, so würden n.e u e,Z ü 0 Paris-Wien via B.asel eingelegt werden. Napoleons Wiederkehr. Von einer überraschenden Prophezeiuttg weiß der römisch- Berichterstatter des Pariser „Eclair" seinem'Blatte Mitteilung zu machen. „Napoleon der Erste", telegraphiert der Korrespondent der Pariser Zeitung, „wirdtt iu zw.ei tausend I ähre tt wieder einwal auf Erden erscheinen, unt den Nordpol zu erobern, der zu dieser Zeit das. Eigentum einer großen amerikanischen Industriegesellschcift bilden Wird." Wer dieser Sensationsnachricht - keinen Glauben schenkt, möge sich an das Medium Luigi Belatti, den Urheber' der. Prophezeiung, ivenden, dem, anläßlich einer okkultistischen Seance, im Trancrzv.stände der große Eroberer erschien und i ihm persönlich seine Rückkehr in - ztveitausend Jahren verkündete.. . Das M tdinm scheint auch, sonst in .nnmittelbarster Verbindung mit dem großen Imperator zu stehen^ da feine Mutterwenn man dem Kontrollgeist Leopold, der über jenseitige. Dinge beso.tders informiert zu sein scheint, Glauben schenken.darf —.eilte Inkarnation der schönen Torta de Rohan, der Geliebten Napoleons, sein soll. Das begabte Medium hat übrigens lticht nur mit Napoleon, sondern auch.mit B 0 c c acci 0 und dem loeisell Diogenes lange Gespräche über die.-Zukunft des Menscher»- geschlechtes gepflogen. Allerdings scheint der findige DeÄti 'ein. äußerst vorstchtiger und praktischer Meitsch zu sein.'Seine..Prophezeiungen beziehen sich ausschließlich auf das vierte und fünfte Jahrtausend. Wer sie nicht glaubt, der möge r >. Erfüllung gegen »der nicht. Für seine'Prognosen sich das Medium jedenfalls"schon jetzt von einer iV ened i ger Natnrforsch'ergLs'ellschaft glänzend ''bezahlen und frndet. sonderbar gering,' selbst unter ernsten Gelehrkeri Zahlreiche Althänger und Bewunderer. ..... «roß« kinbruch in Brün«. In Brünn haben unbekannte Täter in der Nacht zu» 7. d. die Räumlichkeiten der'Firma D r n cke r. erbrochen und darin eine eiserne Kasse aufgeisprengt. Sie . erbeuteten verschiedene Aktien, zusammen im Kurswerte von 190.000 tschech. Krönen, ustd Schmück im Werte von ' etwa 130.000 tschech. Kvonen.

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