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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-05 · Heft 1997 (5.9.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1997 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Veite S Wien, Freitsg Wiener Morgenrettung. 8. September IM- . _Nr. IM Film md Mo. „Moderne Ehen." In der Auffassungdes vmevrkanischen Autors sind diese ttotz ihrer moralischen Mannet schr amüsant fiir alle Beteiligten und tragen den Keim für ein gutes Ende schon von allem Anfang an in sich. Dküßte man dieses Buch gedruckt lesen oder in einer anderen. Form ansnehmen, man könnte schwer mit einem schlechten Urteil zurückhalten. In dieser Form aber ist dieser Film nicht nur absolut genießbar, sondern sogar, trotzdem man nach den. ersten zwanzig Bildern alles, was noch kommen mutz, unbedingt. Voraussagen kann, auch imstande, zu fesseln und . wirklich zu untechalten. Der Titel droht Mar Ml der Ausrollung von Problemen und tendenziösen Lehren, über, der FAm begnügt sich damit, eine harmlose Komödie zu bringen, die auch durch einen Todesfall nichts von ihrem Charakter verliert, und der Sturz des älteren Ehegatten durch den Stiegen« schacht ist eine Angelegenheit, die auch aus eine andere Art und Weise völlig befriedigend hätte gelöst werden können. Die Regie ist in erster Linie bestrebt, eine Folge von schönen Bildern zu schaffen und nicht dieser unter der Oberfläche des modernen Gesellschaftslebens zu schürfen, als das Buch es tut. Dies gelang ihr auch vollkommen und die einzelnen Szenen sind, sehr geschickt ans Effekte hin herausgear- 'beitet. die auch vollständig ähre Schuldigkeit tun: Sie lassen vergessen, daß hier eventuell auch ein Problem gelöst werden, etwas Wertvolleres geschaffen werden könnte, als reine Befriedigung der Schaulust des Publikums. 2 .s Resultat langjähriger kommerzieller Erfahrungen scheint aber Kr Amerika nichts Ernsteres zu gestatten. Sehr gut ist das ausgesuchte Darstellerenijemble. Bebe Daniels spielt ihre verschämt« Arme mit sehr viel Charme mrd weiß sich sehr vorteilhaft gegen Rita Naldi zu stellen, deren südliche und pompöse Fülle noch gerade zwischen den Limen, die die Diode dorschreibt, Platz findet. Zwischen diesen LsidenFrauen stellt sich David Powell.s mit sehr viel Liebenswürdigkeit und seine Routine läßt ihn auch hier eine Leistung bieten,, die eben einem amerikanischen. Star angemessen ist, der Anspruch darauf erhebt, von seinem Publikum verhätschelt zu werden. Die übrigen hier vorkommenden Darsteller in kleineren Rollen geben ebenfalls das gute Mittelmaß m ihren Leistungen, die man von ihresgleichen seit Mei Jahren gewohnt ist. Ausgezeichnet wie bei allen „Paramount"-Filmen sin-o auch hier Ausstattung. Beleuchtung und Photographie. „Durch Feuer und Wasser." Zunächst, werde von diesem Film verzeichnet: Es stirbt eines natürlichen Todes: Ein alter Intrigant. Es werden erschossen: Ein junger Intrigant, sein Ge- HAse und ein Pveisboxer. Es wird vergiftet: Ein treuer Hund. Das grosse Sittenta!! aus Dem Artistenu. Zirküs’^sn Unter Gauklern and Bestien mit Joe Stöckl Lotte loniiß erscheint! Vom A. bis 8. September im: L5wen~Kino, Hl. Lövvengasse 33 Zentral-Kino, II. Taborstrass'e 8 b Astoria-Kino, XVII. Hernalser Hauptstrasse 15h Vom 9. bis 11, September fyn: Lichtspiele Wienzeile, VI. Linke Wienzele 4 Kino Schwarzenberg piatz, III. Schwarzen bergplatz 6 Schottenring-Kino, I. Schottenring 5 |FRIELA-FILM G. m. b. H., WIEN, VI! Die American-Film-Co. bringt ab heute DieReiseumdieWelt in achtzehn Tagen im: Rotenturm-Klno, I. Fleischmarkt 1 Kreuz-Kino, I. Wollzeile 17 Maria-Theresien-Klno, VII. Mariahilferstrasse 70 Votivpark-Kino, lX. Währingerstrasse 12 Es wird schwer verwundet: Der jugendliche Liebhaber. Es bleibt übrig: Die Liebhaberin. Diesen Film so reich an „Mnritaten" erzeugt die G r a n d Ideal-Produktion in London, nicht etwa eine irrsimug gewordene, wilde Filmge>e!l>chati in Menke Auch ist dies;"' Film nicht älter als ein Jahr und gibt in Hinsicht der Technik, der Regie und der Darstellung so manches, das die Auswahl dieses - blutrünstigen Buches lehr bedauern läßt. Die Engländer haben hier mit viel stutzen den Amerikanern so manches abgeschaut, haben es auch zu verwenden gewußt, verfehlten aber leider, das Milieu über das Schaubudenniveau zu heben, und;o entstono ein Film, dessen oben angraeb/..te Resultate an einen Jahresbericht krimineller Fälle aus einer mittleren Stadt g:- mahnen. Interessant wäre auch ein Ausweis über verschossene Munition in dieser Greueltat einer aufstrebenden Filmindustrie', aber leider sind die unzähligen hier gewechselten Schüsse nickt genau zu registrieren. Die Darstellung ist durchwegs'lehr nett und erinnert stark m ihrer Art an die der Amerikaa-r. Der Held ist nicht tur liebenswürdig, sondern auch ent gut.'r Boxer, welchen Borz >g er übrigens mit den hier ver-.e:chne.-:n Toten teilt. Tie bcsche'.- dene weibliche Rolle wird von einer älteren Preisschwimmer'n nich. schlecht dargestellt, obzwar die .üeigung des Helden zu ch". in seiner Leidenschaftlichkeit eh-'r eure Perversität als eine natürliche Neigung genannt werden muß In ihrem Aeußern und dem Gang der Handlung nach gibt sie für letzteres keine erfindlichen Gründe. Recht gut, wenn auch durch d'e häusioe^Btragierung sonderbar, ist die Photographie, eine Lcheußlichlett sondergleich'n eine yandkolorierte Brandszene. „Unter Gauklern und Bestien." Sehr spannend und überaus fesselnd ist dieser große Zivkusfilm, der auch eines kriminellen Einschlages nickt ermangelt. Sensationen in basier A-usRhrung reihen sich aneinander und entrollen verschiedene effektvolle Bilder aus dem Artistenleben, die reichan •erntet Milieuschilderung sind. Es ist dies beinahe zum. ersten Male, daß cs einer deutschen Produktion gelang, hier ein Merk zu schaffen, das in diesem Milieu in seiner GroßKgiakeii und sorgfältigen A-usKhrung an die der Amerikaner heranreicht. Die Regie versteht es sehr gut, die hier in reichem Ausmaße gebotene Gelegenheit, überaus spannende Bilder zu schaffen, voll und ganz auszunützen tlnd hält hier auch ein überaus flottes Tempo ein. Reiche Ausstattung gibt diesem Werke, einen weiteren Anreiz, der sicherlich auch aus das Publikum seine Wirkung ausüben wird. Sehr gut ist vor allem die Darstellung. Wir siuden hier in den tragenden Rollen Joe S t ö ck l, Lotte L o r r i n g, Jllona Matth a s ow s f h und Wilhelm D i e g e l m a n n. die durchwegs ihr Bestes geben und außerordentliche Leistungen bieten. Auch in Hinsicht der technischen Belange, wie anch in allen anderen Teilen muß man dieses Werk als erstklassig bezeichnen. Hennh Porten erteilt Autogramme. Hennh Porten hat während ihres bisherigen Wiener Ausemhaltes so viele schriftliche und mündliche Bitten -um Autogramme erhalten, daß sie sich gezwungen gesehen -Hai. die Autogrammerteilung zu zentralisieren. Sie ist gerne bereit, jedermann ein Autogramm zu geben; sämtliche diesbezügliche Zuschriften und Bilder sind unter Beilage von 10.000 K. für die Rettung,sgesellschaft an „Die Filmwelt". Wjen, 7. Bez., Hermanngasse 5, zu richten. Reise um die Welt in 18 Tagen." Eine ausgezeichnete Jules Berniade des Aumiziasten Jahrhunderts ist dieser von der ,,-ll nt Versal" in Amerrta hergestellte Film, der mit Ausnützung der modernsten Verkehrsmittel um dre ganze Erde führt und prachtvolle Billder aus allen Welttetlen bringt. In der Hauptrolle finden wir William D e s m o n d, einen äbenso sympachischen wie Mentierten Darsteller. Dieser Film dürfte auch hier' — wie. bereits schon überall im Ausland — beim Publikum volle Erfolge erringen. Die Filme der Woche. „Dr. Jack." — „Die Reise um die Welt in 18 Tagen? — „Der Sohn des Polizisten." — „Die Buddenbrocks." — „Unter den Rädern des Gesetzes." — „Stürzende Berge." — „Unter Gauklern und Bestien." — „Die Straße der Leidenschaften." — „Das Fünf-Dollar-Babh." — ,Mumen. die nm einmal blühen." — „Die gelbe Schande " — „Alprne Majestäten." — „Meyer, der Wüstling." _ ROTENTURM-KINO WIEN, l FLEISCEMÄBKT 1 t HEUTE: 0 Die Bei Eine Jules-Verniade des XX. Jahrhunderts I. Teil und das übrige Programm Beginn der Vorstellungen: 4. ty.6, s/»8 und 8/,9 Uhr Becleitmesik einer erstklassigen Künstlerkapells BUR@-KSHO, ins 19- HEUTE: Das Sensations -Doppelprogramm! Mayer,.-der Wüstling die Lustspiel-Weltsensation! Alpina Maiestäten der schönste Berg- und Sportfilm!. Beginn der Vorstellungen: y45. */A 7*8, s/40 ' AUCsftRTEN-KINO II. UNTERE AUGARTENSTRASSE Nr. 28 HEUTE den 5. und MSrgSN den 6. September Theodor Herzl Der Bannenträger des jüdischen Volkes und das Lustspiel Das ludantnSdel CENTRAL-KINO 11. Taborstrasse 8 Direktion: T. Schulz HEUTE: Un er Oauklern und Bestien Sensationelles Zirkus- und Variet6drama iii 6 Akten und das übrige Programm Beginn: 726, 7, 7a9 Uhr. — Sonntag ab 4 Uhr -WELT- SsöCift APH IX ALSERBACHSTRASSE 39 pST SLWLll s W ^»8 Sensationsdrama mit HARRY PIEL in der Hauptrolle und ein Schlagerlustspiel Beginn der Vorstellungen: 5, VJ, */,9, Sonntag 4 Uhr Copyright Oefterfjrti) & Co. Verlaq, Berlin. 18. Fortsetzung. Das Mädchen im Mel. Kriminalroman. Von Josef Gollomb. Fünf Minuten hatte sein grausames Werk gedauert. Da Köpfte es an die Tür. Hutch schlüpfte hinaus, schloß von außen ab und steckte den Schlüssel in die Tasche. Dann rannte er zur Haustür, wo die beiden anderen ihn erwarteten. Sie hörten, wie jemand von außen einen Schlüsse irr die Haustür gesteckt hatte. Die drei rissen die Türe von innen auf und stürzten hinaus, zur großen Ueberraschung be§ Hausbesitzers, der eben vom Markt zurückkehrte. Als das Weib an ihm vorbeiellte, blieb ihr Schal an dem Marktkorb hängen, den der Alte am Arm trug. Dadurch konnte der Mann einen Augenblick ihr Gesicht sehen, das chm einen furchtbaren Schreck einjagK. Im nächsten Augenblick .waren die 'drei die Straße hrnuutevgevannt, bestiegen ein Meines Auto und fuhren davon. Elftes Kapitel. Naida. Als Naida Eileen verlassen HMe, klag sie -mit geschlossenen Augen -da; nach dem Fieber tat chr die Ruhe tzwchl. Am späten Nachmittag erwachte sie. Die Pflegerin Äherte sich-ihr. ,ßBk geht es lJh-nen, Liebe? ftagte sie. „Ausgeruht, danke. Bitten Sie doch Naida herein- Aukormnen." Verlegen glättete die Schwester die Bettücher. .-Gruben Sie nicht, es wäre besser für heulte . . Eikeen schüttelte den Kopf. ,/Jch -habe keine Ruhe, ehe ich mit ihr gesprochen habe." „Doktor Rameh empfahl . . ,/AH, er ist ein lieber Mensch — aber ein Mann! Manchmal verstehen die Männer nicht . . . bitte!" //Ich ivill ihn anrufen", sagte die Schwester und verließ das Zimmer. Nach einer Weile kam sie zurück. ,/Doktor Rameh hat streng befohlen ..." Eileen richtete sich mit Mühe aus. ,/Ich muß leider daraus bestehen", sag'te sie ruhig. Mitte, wollen Sie so gut sein, mir meine Kleider zu geben." Unentschlossen, 'wagte die Schwester doch nicht länger zu widersprechen. ,^Jch will Fräulein Sangree vuftn", sägte sie und gi'ng wi«ä>er hmaus. Eileen 'lchnte sich in die Kissen zurück; ihr Herz schlug heftig. Nach wenigen Minuten kam Naida herein; bi's ans den Schal um ihren Kopf war sie ganz in Schwarz gekleidet. Wartend blieb sie in der Mitte des Zimmers stehen. „Naida," flüsterte Eileen, die Hand ausstveckend, „willst du mir verzeihen? Du weißt, wie aufgeregt ich .war, nicht?" „Hoffentlich fühffT du dich wohler?" sagte Naida gefühllos. ,Fdo-mm und hilf mir", bat da's Mädchen. Naida blieb unbeweglich. „Die Pflegerin meint, du dürftest heute keinen Besuch mehr ewpst'ngen." Eileens Hand fiel zurück. Ein qualvoller Seufzer entrang sich ihr. „Du kannst nicht verzeihen — aber — ich verstehe dich", muvme-Ke sie. Die dunkle Gestalt wandte sich zur Tür. , E'leen richtete sich auf und schrie: „Fch kann es nicht aushalten, wenn du gehst." Die Frau ging weiter bis zur Schwelle, dort drehte sie sich um und sagte dumpf: ,-Fmu Teiller wird 'das Haus besorgen. Deine geschäftlichen Angelegenheiten 'werden von Dlewellhn und Ehlltou geordnet werden. Ich habe ihnen Vollmacht erteilt, an meiner Stelle die Vormundschaft zu übernehmen." „.Naida," stöhnte 'das Mädchen, „was willst du tun?" „Dein Vater", sagte sie, ,/gab mir Vollmacht, bis zu deinem zw'eiun'dzwanzigsten Jahr als Vormund über beim Angelegenheiten.zu 'Wachen. Gestern vormittags ging ich zu Mvwellyn ins Bureau, um ihm die Vormundschaft zu übertragen. Ich sagte ihnr, daß ich sie ablehnen müsse; ich Will nur dein Bestes." Sie hatte die Tür geöffnet und war b'ereiis aus >de-MW Zimmer, als EileenS Schrei sie zurückhielt. ,/Du willst nicht mein Bestes! Du willst mich verrückt machen!" Naida kchrte langsam um, schloß 'die Tür und näherte sich dem Mädchen. ,/Sag' mir, .was du damit meinst." Ihre Stinnne war feindlich, und sie sah Eileen durchdringend in die Augen. Eileen richtete sich auf und schleppte sich mühsam aus dem Bett. Sie hielt sich an den Möbeln fest and schwankte zu Naida Sangree. lFort'-'h'.UüZ folgt-"

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