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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-05 · Heft 1997 (5.9.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1997 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPolen 2DBi,oszy| Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000. Strassenverkauf in Wien durch' die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u. öesterr. monatl. K 40.000 Preis R 1400 teuer Tschecho-SIowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 31/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F rankr„ Belgien: Mon. Frcs. 12 HP* N eh x ah I u ngr eB *HI hei PreiaerhShoBven - voiWialtm England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 12 Lire, R u m a n i e n Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa. 8 ch w ei z. und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, IIh Taborstrassei—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhr abds.21-102,25-282 lX.Unlversitätsstr. 6-8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar» hassen - Konto Nr: 150.698 «k. 1997 Wien. Frettag. 5. September 1994 Mac Donald fthte arofie Rödt bot dem Böllktdund. 5> »ÜK i« °i° ««AK - (Eigeudlenst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 4. September. Dve erste Sensation der diesfahvigein VöMMndversammlung: Eime gvoßangelegte Mae Do na lös. Schm das äußerliche Bild wies auf das große Ereignis Hin. Eine vieltaufeMöPftge Dcenschemnenge staute sich früh morgens vor dem Bölkerhnndpalaist. Ms der Einlaß gewährt wurde, kam es zu einem IMnsgesÄhrlichen Gedränge, so. daß die Schutzmannschaften eingreifen mußten. Die Zuschauertribünen waren im Nu überfüllt, und es schien, als ob jeden Moment der so überaus imposante alte Reformationssaal Schauplatz einer Panik werden würde. Man diskutierte lebhaft über das bevorstehende Evvigui's, und je näher die - Zeit der Eröffnung der Sitzung heranrückte, desto mehr steigerte sich die Aufregung. PünMch um 11 Uhr gibt Präsident Motta das Glockenzeichen unh erteilt sofort dem englischen Premierminister das, Wort. Unter lebhaftem Beifall und, herzlichen Zurufen besteigt Mac Donald die Rednertribüne. Er bedankt sich für die ihm darMbrachjen rMm- «r stch leicht verbeugt und .beginnt dann) zuerst^ Ä iva s ' Langsam, dann immer rascher 'und; . Seine Redeist ein kleines Kunstwerk. .Und. Je weiter, er kommt, und je tiefer sich feine Ausführungen verbreiten, desto häufiger wird er von Beifall u n te rbr o che n, von einem Beifall, an dem; sich a I l e A n w e s^e n d e n ohne Ausnahme, hie und -da ein Telegatimsführer sogar demonstrativ, >betei'l'igen. Mae Donald ftilbst läßt sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. UeberMaend Mugen seine Worte, man sieht ihm an, daß er ein Bekenntnis niedrrlegt. Markante Stellen' unterstreicht er durch Aufschlagen feiner Hand aus das Rednerpult. Und aks er nach mehr als einstündiger Dauer seine Rede beendet, steht , alles unter dem Eindruck seiner Worte. Tief hat es ' alle gepackt, sie sind zunächst überwältigt, dann aber bricht.es mit einem Male los: Minutenlang widerhallt der.Saal vott den tosenden Beifallsstürmen, die sich immer -wieder erneuern. Mac Donalds Rede war ein Ereignis... Mae Donald begann zunächst damit,.daß er seiner: Freude darüber Ausdruck gab,.persönlich nach Gens kommen zu können, um am. Werke des Völkerbundes selbst mitzuavbeiten. Er versicherte, daß die englische Regierung nichts nnterlasien werde, um das Ansehen und den Einfluß des Völkerbundes zu kräftigen und zu v e.r.t i e f.e n. Daher müsse man zunächst jene Arbeiten.internationalen Charakters fördern, die gleichermaßen für alle Staaten ^bindend, und . verpflichtend seien, um dadurch deren. Bevölkerung.für gemeinschaftliches Wirken heranzuziehen. Um' dies zu erreichen, sei es zunächst notwendig, die bestchenden Lücken im Völkerbund auszufüllen. Amerika wird auf die Dauer nicht abseits stehen können. Die Zusammenhänge der Welt weisen auch Amerika aus seinen Platz hin, und die Londoner Konferenz hat bereits gezeigt, daß Amerika seine Splendid Isolation aufzugeben beginne. Auch Deutschland wird nicht mehr, lange außerhalb des Völkerbundes stehen können. Europa darf sich nicht den Luxus leisten, einen Staat wie Deutschland außerhalb des Völkerbundes' zu belassen. Der leere Sitz für diesen Staat in unserer Mitte wird uns immer ein drohendes Zeichen sein. Schon die Londoner Konferenz hat uns und der Welt die Vorteile einer direkten Zusammenarbeit gezeigt. Ein weiterer Schritt zur internationalen Zusammenarbeit wird-dann die Zulassung Sowjeirutzlauds bilden. ' Sodm-.i ging Mac Donald aus das Hnip benra über, die Abriistungsfrage. Er gab zunächst ein Bild über die abgemeine Lage und erklärte, -daß mir eine allgem-en'e und -eind.ernehmliche Lösung der Garantiefrage eine friedliche Entwicklung in der Welt tverde aufkommen lassen können, die den Anfang zu einer allgemeinen Abrüstung geben werde.' Das ' , Sicherheitsproblem . dürfe nicht bloß -vom m ist istähEfch an Sstasti dpunkti betrachtet werden. Die Rühe, iweM-auft Grund der MilitäraMommen eintrete, wirke täuschend. Wir sind, erklärte der Premier, nicht mit.fertigen Lösungen nach Genf gekommen. Nur durch g e m e i n f a m e Arb e i t wird eine Lösung der Probleme gesunden werden. Die britische Regierung ist fest entschlossen, alle aus dem Völkerbundpaft sich ergebenden Perpflichtungen bis zum äußersten zu erfüllen. Die britische Regierung verlangt die nochmalige Prüfung des ganzen Problems der Sicherheit und der. Beschränkung der Rüstungen.; Die Versammlung' solle trachten, in den nächsten drei bis vier Wochen die noch bestehenden technischen Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen'. Das Abrüstungsproblem sei eng verbunden mit dem Sicherheitsproblem. Dänemark habe allen Nationen der Welt das Beispiel für die militä-' rische Abrüstung gegeben. Auf dem Gebiete der ' ' I Beschränkung der maritimen Rüstungen sei Amerika vorangegangen. Zur Beschränkung der Abrül stung zu Lande sei eine internationale, in Europai abzuhaltende Konferenz erforderlich, woran alleStaaten der'Welt teilnehmen sollen. Die britische Regierung müsse den Garantie Pakt in der gegenwärtigen Form ablehnen.. Die Ablehnung geschehe, weil, der Garantrepakt im Widerspruch zum Völkerbundpakt, stehei. Der Garan-. .tiepakt mit seinem System von Sonderabkommen müßte notweMgerweise' zu Zuständen wie vor dem Weltkrieg..führen. Redner trete-für. . Schiedsgerichtsbarkeit durch den internationalen. Gerichtshof ein. Wer die .Schiedsgerichtsbarkeit nicht' annehme, b r e ch e den Friedenspakt. In der Nachmiitagssitzung ergriffen ein Australier und ein Pole sowie der belgische Ministerpräsident Thenni s das-Wort, die im allgemeinen zum Gedanken der Schiedsgerichtsbarkeit ihre Zustimmung anssprachen. Der Australier ' Charlton wünscht, daß diese neue Abrüstungskonferenz sofort eiuberusen - werde, da die Atmosphäre gegenwärtig günstig sei. Der Völkerbund soll die notwendigen Einladungen j sofort ergehen lassen. Siebenfache Veberzeichaang der deutschen Anleihe in Amerika. (Eigenbienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Aork, 4. September. Die 30-Millionen-Dollar- Auleihe für Dmt'chland ist sichenfach'Überzeichnet worden. Es liefen Subskriptionen in der Höhe von 200 Millionen Dollar auf die Anleihe ein.. Swe« Vom» in Berlin. Berlin, 4. September. Der amerikanische Agent für die Reparationen, Owen 8)oun g, ist heute abends mit den Herren Gutl, Mae Faydjea« zM RuW Dawes'im Bahnhof Friedrichsstraße eingetroffen. Im Aufträge des .Reichskanzlers hatte'sich Oberregierungsrat Dr. Mayer znm Empfange eingefunden. Straßenkamps in Brüssel. . Brüssel, 4. September.. (Tel. der „Wiener Morgenzeitäng".) -Gestern-abends kam es in . Brüssel zu einem sDveren Zusammenstoß zwischen f l ä m i s ch e n Ak t ivisten und der Menge. Ein Aktivist,.der sich bedroht glaubte, feuerte auf die Menge und verletzte drei Personen schwer. Eine derselben ist bereits gestorben. Der Angreifer ist ein Angestellter des Jnu»u«nMtermms. Unter der Kontrolle der Nationen. b. d. Wie n, 5. September. Die Völkerbundexpertise ist beendet. Die, Abgesandten der Gesellischaft der Nationen schicken sich zur Rückreise nach Genf an, um dort dem österreichischen Komitee ihren Bericht über die von ihnen in Wien vorgenommene Untersuchung vorzulegen. Die österreichische Delegation, bestehend aus den AMinistern Dr. Grünberger und Dr. Kienböck und dem Sektionsches Doktor Schüller, hält sich bereit, des Rufes aus Genf gewärtig, damit sie dort persönlich den Vertrauensmännern der Gläubiger Oesterreichs. Rede und Antwort stehen und Aufklärungen erteilen kann. Ob auch noch der berufene Sachwalter der Sanierung, Dr. Seipel, selbst die Fahrt zum Forum der Nationen antreten wivd, steht noch dahin. Seine pevsönliche Fühlungnahme mit den Abgesandten des Völkerbundes und die günstigen Eindrücke, welche diese von Wien aus mit auf die. Reise nehmen, werden ihn voraussichtlich dieser Mühe überhe!ben, zumal ja auch Oesterreich.für seine ' Anliegen überzeugte und wohineinende Fürsprecher in Genf finden wird. Zwei miteinander innig verknüpfte Bitten ließ Oesterreich bei der jüngsten Tagung des Völkerbundes vortragen: Die Genehmigung. . eines. Rahmenbudgets, das weit über, die ziffernmäßigen Grenzen, die im ursprünglichen. Reform- und SaÄeyüngWöWtmtn-- gezogen waren, tzmÄNsgW^chiesAnertennungMsesi Budgets' Äs'den Beweis für den erlangten Gleichgewichts-' zustand in der staatlichen . Finanzgebavung, und. die Bitte, die noch unverbrauchtsn Kreditreste für produktive Zwecke und für die AbbürLung der Schulden des.Bundes an die Notenbank verwenden zu dürfen. Der Völkerbund sandle daraufhin feine Vertrauensmänner nach Wien, die sich ein Bild darüber machen sollten, ob denn die staatliche und Private Wirtschaft in Oesterreich so weit gesundet sei, daß sie als dauernd geheilt betrachtet werden und der Sicherheitsreserve der Kreditreste entraten könne. Nach allem, was man hört, sind die Eindrücke, die die Bertramnsmänner des Völkerbundes hier empfingen, nicht ungünstig, urcd ihren Widerhall kann man nicht mit Unrecht m den Stimmen englischer Blätter finden, denen, auch die City.Gewicht beilegt. . Was Oesterreich. vom Genfer Aeropag. erwarten kann, wird durchaus nicht eine Erfüllung irgendwelcher Politischer Wünsche sein, , wie etwa die Beseitigung der Kontrolle. Dies steht nicht zur Deibatte. Die Gläubiger Oesterreichs haben vor Mallem das.Interesse, daß die^ Zusicherungen, die ihnen in. den. Anleiheprospetten seinerzeit gemacht wurden, eingehalten werden, daß der Zinsendlenst.und.die Amortisierung. des Volkerbundkrchiies über allem Zweisei erhaben bleibe. Die politische Gutstchung der Garantieftaaten genügt nicht. Wohl deckt der Ertrag des Tabakmonopols und der Zölle den Anleihedienst vielfach^ aber die Stetigkeit der Einnahmen ist wesentlich bedingt von der wirtschaftlichen Prosperität, das heißt" von der Konsumkraft der Bevölkerung. .Ein katastrophaler Rückgang des Inlandkonsums, hervorgerusen durch eine Katastrophe der Staats- oder Privallnirtschaft würde diese Einnahmen bedeutend reduzieren. Darum verlangen sie Nolls Gewibbsit Vm",!lW .h«* ♦» (Vi-wyv lll seien. Die Gewähr hierfür kann ihnen nur. eine Sw Wirtschaft bieten, die mit der Gewissenhaftigkeit e redlichen Kaufmannes zu Werke geht, die nicht r 'ausgibt als sie. einnimmt, und eine Privatwirtfc die sich nach der ihr. zugemessenen Decke streckt. Dar hinaus wollen die Garantiestaaten die Gewißheit ha daß der Staat nicht .nur Lebenswillen hat, sondern c daß dieses Volk seinen Lebenswillen betätigt und d eigene Arbeit existieren kann. Die Lösung der Frage Verwendung der Völkerbundkredite wird sich aus Beurteilung des Standes der . Staats- und Privaü schast darum von selbst ergeben. Haben -die Völker^ delegierten die Ueberzeugnng gewonnen, daß die ö reichstck)e Volkswirtschaft tragfähig genug ist, dauernd die Steuerlasten, die ihr ausgeladen wo sind, aus sich zu nehmen, und daß die staatliche Fin gebaruug die Gölvähr für eine ungestörte Swbi bietet, dann wird d-^s F" r ' ' -'-e Kon/.üe Hundes sich gewii- -tu Wn ,»i uv.,

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