Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1996 (4.9.1924)
- Date
- 1924-09-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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, , f M-ngüjwm .‘W'—wjWTfK ■> ■ v ’ i'J 4* * fjjm» - ./ ' ’ »'' S^AWSkM»?^ Nr. im Wien. Donnerstag Wiener MorgenzeiLung. 4. September 1924 Seite 9 vSu brauchst nur ja zu sagen nnd ich schieße!" Eine dramatische Revolvevszene zwischen Ehegatten bildete den Gegenstand einer gestern vor dem Oberlamdesgerichte als Berufungsgericht durchgefichrten EhetrennuttgsverlMd-!ung. Beim Zivillaudesgerichte hatte der Fabrcks'bejrtzer Richard H e t s ch i' N k gegen seine Gattin Klara eine Chetrennungsklage eingebracht, in der .er angab, er habe seine derzeitige Frau alS Büfettdame im Etablissement Ronacher kennen gelernt. Seine Frau habe sich aber sehr eigensinnig sie mutzte immer ihren Willen durchsetzen — und als überaus eifersüchtig gezeigt. Ihr Eigensinn ging so weit, daß sie, als er auf seinem Landsitz bei Teplitz eine Billa anfführte, Demolierungsaustrage gab, wenn ihr dieS oder jenes nicht patzte. Das Betragen seiner Frau habe ihn nervenkrank gemacht, so daß er wieder- HM Sanatorien aufsuchen mutzte. In ihrer maßlosen Eifersucht habe sie ihn durch einen Privatdetektiv überwachen lassen, und als dieser die Kosten der Ueberwachung, die die Gattin nicht bezahlen wollte, im Prozetzwege verlangte, sei die Frau eines TctgeS in größter Äyfrogung im Comptoir seiner Fabrik in Floridsdorf erschienen und habe die Kosten seiner eigenen Ueberwachung verlangt, die er dann a-uch bezahlte. Als sie darauf fragte, warum er nicht zu ihr zurückkshre, und er darauf zur Antwort gab, lMer wolle er Steine klopfen, bevor er zu ihr zurückkehre, das Leben freue ihn ohnehin nicht mehr, er möchte lieber heute als morgen aus dem Leben scheiden, hübe sie einen Revolver aus der Lasche gezogen uM> mit der Bemerkung: „Diesen Äefallenkann ich dir erweisen", auf ihn gezielt. „Du br auch st nur ja zu sagen und ich schieße. Soll ich schießen?" Da ihm tatsächlich das Leben gleichgültig gewesen sei, habe er ' sie in ihrem Vorhaben nicht gehindert, er sei ruhig dagestandett, den Schuß erwartend. Sie habe aber den Revolver wieder in die Tasche gesteckt. Diese Bedrohung mit dem Revolver rechtfertige aber das Verlangen auf Ehetrennung wegen gefährlicher Nachstellungen. Die Gattin gab zu, daß sie ihren Mann „über den Hauseng es ch offen" hätte, wenn er ihre Frage „Soll ich schießen?" mit „Ja" beantwortet hätte. Sie rechtfertigte sich mit ihrer hochgradigen Aufregung und bezeichnet es als unwahr, daß der Kläger ihretwegen nervenkrank geworden sei. Die Wahrheit sei, daß er nach dem Umsturz sich vor dem Kommunismus fürchtete und aus Furcht, fehle Fabrik uud sein ganzes Vermögen werde den Kommunisten zum . Opfer fallen, in eine Nervenkrankheit verfiel. Das Zivillandesgericht sprach di« Trennung der Ehe aus dem alleinigen Verschulden der Frau aus, da ihre Absicht gegen den Gatten sowohl aus der Mitnahme des geladenen Revolvers als auch aus ihrer Erklärung, sie hatte ihn ohneweiters über den Hausen geschossen, wenn er „Ja" geisagt hatte, klar hervorgehe. Diese Rechtsanschauung wurde bei der < gestrigen Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgerichte sowohl von dem Ehebandsverteidiger als auch von dem Geklagtenvertveter bestritten. Beide vertraten den Standpunkt, daß zu gefährlichen Nachstellungen mehr als ein« Nachstellung gehöre. Der Berufungssenat gab bekannt, daß das Urteil im s ch r i s t l i ch e n . W eg e ergehen werde. Der Offizier mit 19 Auszeichnungen als Betrüger. Gestern hatte sich der ehemalige Hauptmann in der deutschen Armee, der ZOjäyrige Eduard Bunge, vor einem Schössen« jettüt wegen Betruges. Diebstahls mw Veruntreuung zu verantworten. Der Beschuldigte war im Jahre 1923 nach Wien gekommen, um hier ein Exportunterrrehmen zu gründen. Schließlich trat ex bei einer Handelsgesellschaft als Korrespondent eine 0teile au. Sein Gehalt von 6 Millionen Kronen Reichte aber für sein flottes Leben nicht aus, so daß er sich eine Reihe von Unredlichkeiten zuschulden kommen ließ. Er kassierte fremde Gelder ein und verwendete sie für sich. Außerdem lockte er verschiedenen Personen Gebrauchsgegenstände heraus und verkaufte unter anderem ein seiner Quartievgeberin gehöriges Klavier im Werte von 10 Millionen. Der Angeklagte gab än, er habe während des Krieges 19 Auszeichnungen erhalten. Während der Verhandlung kam cs zu einem ZwriMüfall. Ein Mithäftling Bunges hatte angezeigt, daß ihm in bet Nacht ein Paar goldene Manscheliettkuölpse enllvendet worden seien. Sein Verdacht richx sich gegen, feinett Zellengenossen Bunge. Der Vorsitzende, Hvfrcft Wüstinger, ließ den Angeklagten einer genauen Untersuchung unterziehen. Die Manschettenknöpfe wurden bei. ihm nicht gefunden, doch entdeckte man in seinem Äcrmelaufschlag am Rock mehrere Briefe von Häftlingen, die ihm diese zur Besörderuug an Angehörige anvertrant hatten. Bunge hatte nämlich in der . Zelle erzählt, er werde nach der Verhandlung sreigehen. Der Angeklagte hatte sich aber verrechnet. Er wurde zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt und hat noch vier Monete zu verbüßen. Die Briefe aus der Zelle könnten Natürlich nicht befördert werden. Der Äcohrselgte zahlt hundert KrölM Straft. E-lMssLnr und Fahrgast im Wortwechsel Wer den Fährlohn, Führ gast: „Wettn Sie mit mir schreien bekommen Sie Sine Watschen". Chauffeur: „(Sitte Watschen wollen Sie mir ätbSn, Sit Hund?" (Chütt-sfenr erhält eine ordentliche Ohrfeige, Er klagt über nicht, weil er „köitts Zeit fürs Gericht" hat. Der Fährgast klagt wegen des „Hundes". Der Richter verurteilt den Chauffeur, der nach dem rückständigen Ä-öfttz als tätlich Angegriffener noch.geklagt werden kann, zu der Strafe von 160 Krönen, mn dem Bemerken, daß zum Messen der Kräfte in Wien im Prater der „Watschenmann" vorhanden sei.)' Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Willi, I. Süttcrgsne 4 Alle Arten von Bankgeschäften v»vvww>wwt’wwwvy«» Telephon: 22-5-90 Serie 10465 (Ecke Bognergasse beim Graben) Telegrammadresse: Frapobank Kredit- und Warengeschäfte WWWtlUlIfWfBI Sin Prozeß auf lUlttjalUma der BorlrirsrprkorMtsanleihen. Hofrat Dr. Nsdelkovie beim Bezirksgericht Innere Stadt beschäftigte sich gestern m't emer Klag?, welche der Photograph Gu'ta.' Schindler in Graz als Beisitzer einer AüzM von 4prozeni!gen Priorität'sünleihen dar Vorarlberger Bahn vom Jahre 1884 gegen das Bundesärar, beziehungsweise gegen dos Bnndesministerium für Finanzen, aus Zahlung der Zittsensche i Ne in effektivem Silber im Betrage von 352 Gulden österreichischer Währung erhöben hat. Begründet wird der Klageanspruch damit, daß diese Prioritäten vom Staate zur Selbstzachlung übernommen wurden und der Text im Mantel Zahlung der Zinsenscheine und der verlosten Prioritäten in effektiver Gllbermünze in Aussicht stellt. Der Wert der Anleihe ist m der Gisenbnhnankage sichergestellt. Die Regierung will nun die Zinsen in Papisrkr-onen bezahlen und weigert sich, Zahlung in klingender Münze entgegen döttt Versprechen zu leisten, doch erklärt der Kläger sich bereit, falls klingende Mün-e nicht vorhanden sei, den entsprechenden Wert von 5.068.800 Papierkronen anzunehmen. In einem Mahnschreiben, welches einen integrierenden TM der Klage bildet, wurde an der Hand der österreichischen FmanMschichte der Anspruch rechtlich begründet. Dem Einwand des Mangels «der Klageleaitimation wird 'begegnet mit dein Hinweis, daß die Vorarlberger Bahn sich ausschließlich ans Boden dc's Bundesstaates befinde -und daß die Wiederautmachungskonuiiission daher auch erkannt hat, 'daß diese Prioritäten zu 100 Prozent von Oesterreich einzulösen find. Dr. Mittler ersuchtschließlich tim Stgt-t-gebung der Klage. Der Vertreter des Äerars. Hosrot Löw,' erklärte: Im November 1923 ift die ReMraiionskommission sich darüber schlüssig geworden, wie die Schulden d'r österreichischen Monarchie dieser Art zwischen Oesterreich uttd den Nachfolgestaaten aufaeteilt werden. ,.uud es wurden auch die Vorarlberger Eisenbahnen zur Gänze zur Zahlung der Republik Oesterreich überwiesen. Es liegt in bent bezüglichen Communigue der Re Pa ra t i o ns kc mn r iss i o n rein RechtStitel für den Klager und ist ande'."er>sei'ts von -er österreichischen Regierung nicht ein er förderlicher Akt zur Anerkennung dieser Verpflichtung, w^der in Form eines Gesetzes, noch einer Verordnung, noch auch nach Artikel 50 des BundeHverfossungSgesetzeS gegeben, so -daß die passive Klagelegitimation mangle. Dr. Mittler sucht dagegen darzulegen: Der Friedens- Vertrag von Saint-Gcrntam sei im BundM? setzblatt Lundgvmacht und nachdem die Wiedergutmamungsirm- Mission die Einlösung der Vorarlberger Prioritäten zur Gänze an Oesterreich gewiesen habe, bedürfe es keines weiteren So-nstituüonellen Aktes. Zudem habe die Regiernng sMst die auf Kronen lautenden Staatsschnldverschreib'.mgen der Vorarllerger Bahn mit 1. Juli d. I. zur Einlösung aufgekündlgt, worin ebenfalls ein konstitutioneller Akt der Selbstherrlichkeit des Bundes bezüglich der Vorarlberger Bahn gelegen scheint. Dr. Mittler verweist darauf, -daß bezüglich der in Silber zahlbaren Titres der Wen—-Pöttendörfer Bahn ein Ausgleich auf Grund dev SilöerzahluNg erfolgt sei und daß auch bezüglich der Vorarlberger Prioritäten ein derartiger Vergleich Nunmehr dfl billig wäre. Jedenfalls sei der Eittwand des Mangels der KlagbaMt nicht gegeben und bittet Dr. Mittler, diesen ahzuweissn und in der Sache selbst zu entscheiden. Der Richter vertagte nach diesen Äusführungen die Verhandlüng auf unbestimmte Zeit. Wliilschrr MMaMrief. Steigende Nachfrage nach Peirslemnwerten. — Tie neuen Levisettbestimmrtügen. sBon unserem Warschauer M- S.Eerichterstatter.) Die in dee Dorwoche^ eingetreieite Äbschwächung aus den polnischen Effektenplähen bouectc mcch zu Begiim der BecichtSwoche M. Schon am ztveiten Börsentage wurde der AbbröckiSlungsprozeß zum Stillstände gebracht und der kürz»- lich emgelevtete Auswektuiigslirozeß nah Nr seinen Fortgang. Die Effekten konnten ihre Verluste wcttmachen. mit Aus» nähme der Bankaktien, die noch immer .gänzlich vernachlässigt sind. Dagegen laßt sich eine stärkere Nachfrage nach Petroleumwerten bemerken, die allem Anscheine nach mit dem steigenden Interesse des Auslandes für diese Industrie im Zusammenhangs zu bringen ist. Zur Belebung des Geschäftes trug auch die leichte Entspannung der Wirtschaftskrise und die Belebung des Geschäftes im Handel und bei der Industrie bei. Die Ergebnisse der 'Londoner Konferenz konnten nicht ohne Wirkung bleiben, zumal sie auch auf die anderen europäischen Börsen einen günstigen Eindruck ausübten. Bon Bankaktien notiert Hypothekenbank 0,77, Jndustriebank 0,63, Malopolskibank 0,45, Warschauer Diskontobank 7,05 bis 8,15, Handelsbank 8, Westbank 2,50 Zloty. Die Arbitragewerte verzeichnen parallel zu den Erholungen auf dSm Wiener Platze die bedeutendsten Steigerungen. Zieleniewski erholte sich auf 14,25, Galizische Montan auf 7, Tepege auf 4,10 Zloty. Cegielski notiert 0,84, Trzebima 1,05, Gorka-Zement 23, Jaworzno pro Stück 28,25, bei ganzen Schlüssen 25,85 Zloty. Polska Rasta stieg auf 0,61, westliche Gazy ans 5, östliche auf 22 Zloty. Gebrüder Nobel 2,40, Rakszawa 4,50, Lembergcr Brau besonders fest bei 11 bis 12 Zloty. Zyrardower Werke 60, Zawiercie 3 Zloty. Zuckeraktien fester, Chodorow 7,40, Chybw 11 Zloty. ' " Anfangs September sollen die Aktien der Schlesischen 6)ruben- und Zinkhütten-Aktiengesellschaft auf den Börsen in Warschau und Krakau zur Kotierung gelangen/Die oberwähnte Gesellschaft besitzt eine Reihe von Steinkohlengruben, darunter „Anolalucsa" und „Zjednoczona Matylda" in Lipiua, Blei- und Zinkgruben „Cecylsa" in Szarlej, weiter Zinkhütten, Farbenfabriken usw. Gleichzeitig mit der Besserung der Lage ans den Poluinben Effektenplähen weist auch der Bruttomarkt der galizi'chen K oh ölgruben eine steigende Tendenz auf. Die produktiven Brnttoanteile weifen eine durchschnittliche Steigerung von 20 Prozent. Im Vordergründe der Haussebewe!- gung standeu Brnttoanwile des Lindenbaumblocks nnd der Silva Plana. Die Bruttopreise für Rohöl sind letztens auch gestiegen und wurden vom staatlichen Petroleum amt mit 680 Zloty pro Zisterne für Juli 1924 seftae'etzt. Bitküwer Brnttorohöl wird mit 1144 Zloty pro Juli gezahlt. Der Schacht „Silva Plana 3" hat Lei einer Tiefe von 1765 Meter seine Produktion auf zwei Zisternen täglich erhöht. Der Schacht „Jutrzenka" verbesserte seine Produktion aus eine nnd „Bertold 1" auf fünf Zisternen täglich. Zum Zwecke der Verbesserung der Absatzmöglichkeiten werden bekanntlich in Warschau zwischen den Vertretern aller polnischen Naffinerien parallel mit den Verhandlungen bezüglich der Gründung eines Kartells der Petroleilmgesellschaften Verhandlungen geführt. Es besteht, die dlbsicht, ein Syndikat zu gründen, das den Verkauf von Petroleum, Paraffin, Benzin und Gasöl im Jnlande durchführen soll. Tie neue Verordnung verbietet die Ausfuhr von Gold und Silber, wobei jedoch Silbermünzen bis zum Werte von 100 Zloty pro Person ausfnhrsrei sind. Ausreisende Personen dürfen die von ihnen getragenen Gold -und Silberwaren ausführen. Die Art und die Menge dieser Gegenstände wird durch eine spezielle Verordnunö geregelt jverden. Außerdem darf man eingeführbe Silber- und Goldschmuckstücke wieder ansführen, jedoch auch nur auf Grund der diesbezüglichen speziellen Bestimmungen. Die österreichischen Insolvenzen im August. Die Zahl der gerichtlichen Ausgleichsverfahren hat im August gegenüber dem Juli nur eine ganz geringe Abnahme erfahren. Im August wurden 275 gerichtliche Ausgleichsverfahren, im Juli 284 Ausgleichsansuchen angrmel'det. Die Zahl der Konkurse betrug im August 33 gegen 39 im Juli. Es haben also die Ansuchen um das Ausgleichsverfahren um trenn Fälle abgenommen, während sich die Anzahl der Konkurse um sechs verringert hat. Diese Verminderung der Ansgleichsfälle muß als minimal bezeichnet werben. Sie machen eine zirka dreiprozentige Abnahme ans, was für die Beurteilung der Situation fast gar nicht ins Gewicht fällt. Dabei muß in Berücksichtigung gezogen werden, daß regelntäßig die Sourirtermonate eine AWMme der Iusolvenzsälle aufweisen. Dies rührt davon her, daß gewöhnlich die Gläubiger infolge ihrer- Urlaube bei der Eintreibung der Forderungen nicht so rigoros Vorgehen, wie itt den übrigen Monaten. Darauf ist in erster Reihe auch düs geringe Abflanen im Monat August zurückzuführen. Betont muß werden, daß die Insolpenzfälle im August noch immer Viel höher sind, als die im Monat Juli, wo im ganzen 255 Ausgleichsverfahren angemeldet wurden. „Geschichte der 3«d 44 der „Wiener Morgenzeituftg", der U Vezttgsgebühr für 1 Außer her Jähresgeb ü h r sin Kahr Im vöMls btzahlt,^ erhält d für B e r j a n d s p e l e n de in 3 eleganten Halbleinenbänden gratis! ,1 { & e f n o ch ö. ff. 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