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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-03 · Heft 1995 (3.9.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1995 (3.9.1924)
Date
1924-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' I Pol en Züamlyi Wien: Zum Abholen W dei Expedition, II. Taborst*. 1-3, oder in einerVerschleissteUe (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile U > Mit Postversand für Wien u, Oesterr. monatl, SC 40.000 (f Ts ch e e h o-S I owa V e il M*n. K 18. lu^oslawien! Mon; Dinar60. Polen: Mon. 3*/, Zloty, Deutschland: Mon.GöIdiriark 4, F rankr, Belgien: Mon. Ftee. 12 n^T NaehviihiuDveii bei. Prel»erhobun"»r 'Vorbehalten | Preis K14001 England: Mon. 4 Schilling, 11a 1 ien: Monatl,12 Lire, RumanienMpn.150.Lei, > BuIgarten Mon/80 Lewa. Sch w e i r und das übrige Ausland monatlich F.res. 4,’ Redaktion u. Administration; Wien,!!., Tahoratrassel—3. Telephone: 44-0-38,43-3-19, | •b 6 Uhr abds, 21-1Q2,25-282 IX. UhiyersltRtssti*. 6—8 (Druckerei Steijnmanti> Oeaterreichisches Postspar* Waisen-Konto Nr. 150.693 9lr. 199S Mittwoch. 3. September 1924 K.Mrgan» und Herriot «ach Genf (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, I.September. Nach dersgestrigen formalen Eröffnungssitzung ging heute die Völkebbundv ersommlung zu den Beratungen über. Zunächst berichtete der Vorsitzende Bundes rat. M oi ta über die Ergebnisse der Wahlen in die sechs Kommissionen. Demnach setzen sich diese folgendermaßen zusammen:; Erste Kommission (Juristische und Verfassungsfragen), Präsident Sir Lyttlton. Groo m (Australien). Zweite Kommission (Technische Organisationen des ’ Völkerbundes), Präsident Garah, Außenminister der Republik Panama. - - Dritte Kommission (Llbrüstnugsfragen), Präsident Außenminister D u e a (Rumänien). * Vierte Kommission (Budgetfragen), Präsident Ä d ä t e i, japanischer Botschafter -in Brüssel. Fünfte Kommission (Humanitäre und soziale Angelegenheiten), Präsident Hevluf Z a h le, dänischer Gesandter in' Berlin. _ Sechste Kommission (Politische Fragen), Präsident MWKKWrlKn- ' :Da diese sechs Präsidenten zugleich Vizepräsidenten -der Völkerbundversammliung sind, diese Wut - -den-Satzungen aber deren z -w ö l f haben muß. schrittman sogleich an die Wahl der restlichen sechs Vizepräsidenten. " An der Abstimmung nahmen 4 7 Staate n teil. Es erhielten'Leon Bourgeois (Frankreich) 44, Lord Parmoor (England) 42, Salandra (Italien) 42, Urrutiä (Columbien) 42, Skrzhnski (Polen) 40, Ta ng-Tsai-Fu (China) 39 Stimmen. '' Sodann "wurde von der holländischen Delegation ein Antrag erngereicht, wonach für die Beschlüsse in den Kommissionen künftig nicht mehr Einstimmigkeit, sondern nur mehr eine Mehrheit erforderlich sein soll. Die griechische Delegation beantragte, daß . die Schaffung einer natio-nalen armenischen Heimstätteim Kaukasus auf die.Tagesordnung derVersammlung gesetzt, werde. Beide Anträge wurden her Tages-, ordnultgskommMon ubeüwiefen und die Vollversammlung geschlossen, um den Kommissionen Gelegenheit zur Aufnahme ihrer Arbeiten zu geben. Di^ nächste Vollversammlung findet morgen um 11 Uhr ^Mtittags statt. . Nachmittags trat sodann die erste Kommission zur Konstituierung zusammen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden Sir Groom wurden die Beratungen für öffentlich erklärt und hierauf ein Unterausschuß gebildet, Auch die so wichtige . dritte Kommission (Abrustungsfragen) trat nachmittags zu ihrer ersten Sitzung zusammen und wählte Außenminister Dr. Ben-esch zu ihrem Vizepräsidenten. M a.c D o nald ist, einem Londoner Telegramm zufolge, heute vormittags von London nach Gens abgereist. ' Mac Do na l d ist um 7 Uhr abends in Pa r i s a ngekommen. Er wurde vom interimistischen Außen-' minister.Da.1 l tzhMowi^Mn einigest,höheren BeMten des Qual dDrsay am Hahnhofbegrüßt und reifte nach: kurzem Aufenthalt nach G enf we ite r, /. Ferner ist die Ankunft H erri o t s und die Theunis' bereits avisiert. Mae Donald vevtraut auf den Völkevbund. . London, 2. September. Premierminister M a c D onald erklärte in einem Interview vor seiner Abreise nach' Genf, seine Teilnahme an der Tagung der Völkevbundversammlung bedeute, daß er Vertrauen in die Macht des Völkerbundes fetze, Gutes zu wirken. Der Premierminister gab ferner der Meinung Ausdruck, daß der S ch i e d s s p r u ch g e d a n k e eher als ein Pakt über g e g e n s e i t i g e V e r t e i d i g u n g die Grund-' läge der Lösung jedes internationalen Konflikts bilden sollte. Ae englischen Arbeiter und der BAkerbnnd. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 2. September. Das Programm des jetzt tagenden Gewerkschaftskongresses enthält eine Reihe von Veranstaltungen, welche dem Zweck dienen, die englische Arbeiterbewegung stärker an der Idee - des ' Völkerbundes zu interessieren, als es bisher der Fall war. Mehrere Massenversammlungen sinh, zu diesem Zwecke angesetzt. Die Kampagne soll nach dem Kongreß fortgesetzt werden und ist in dieser Richtung für eine Zusammenarbeit mit der englischen V ö l k.e r b u n d l i g a Vorsorge getroffen. Die Völkerbundliga wird hierbei durch den Vorsitzenden ihres Komitees für die Arbeiterfrage, Lord Bürnham, vertreten sein.' Die Arbeiterparteien des europäischen' Kontinents, wie die ruffische, französische, deutsche und österreichische, stehen dem Völkerbünde fei ndl i ch oder gleichgültig, gegenüber. Sie erblicken in ihm ein.. Instrument des Kapitalismus und verkennen seinen hohen Wert. Auch in Kreisen der englischen Arbeiterschaft waren bisher Anzeichen einer solchen Tendenz zu konstatieren. Nunmehr aber hat sich die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß es Pflicht der Arbeiterschaft ist, den Völkerbundgedanken voll und ganz zu akzeptieren und zusammen mit allen' Parteien und Klassen, welche auf dem Boden des Programms des Völkerbundes stehen, an seiner Förderung zu arbeiten. V- ■ Jet Bürgerkrieg i« Wrn. London, 2. September. Dem Neuterichrn Vurenu wird 4us Schanghai gemeldet; . Die ' Truppen. des CenernTs L u'y u n ch s i a n g haben ' die Geleise' der Eisenbahnlinie Schangha i—N a n k i n g, 15'Meilen von Schanghai, a u fg e r i.s s e n. Die A e r b i n d u N g e n tu t t Peking lind unterbrochen. Die-.Vorposteil der rivalisierenden Generale rekrutieren alle waffenfähigen Atänner. Die Soldaten üben überall, wo sie durchziehen, eine vollständige Ty ran net aus. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Die deutsche Regierung zahlt 20 Millionen Goldmark. Paris, 2. September. Die Reparationskommiffion hat den Bericht des Generalzahlungsagenten Owen T)oung über die Maßnahnren, die er zur. Durchführung seiner Mission getroffen hat und noch weiter in Aussicht nimmt, einmütig genehmigend zur Kenntnis genommen. D o u n g teilte mit, daß die deutsche Regierung gestern eine Zahlung von 20 Millionen Goldmark geleistet habe. Der Ruhrbertzbau liefert Kohle. Düsseldorf, 2. September. In der heutigen Verhandlung der Sechserkommission mit der M i e u m wurde über die noch ungeklärten Punkte U e b e r e i n st i m m u n g erzielt. Der Ruhrbergbau verpflichtet sich zur Fortsetzung der Reparationslieferungen an Kohle und Nebenprodukten nach dem von der Reparationskommission ausgestellten Programm. Die Bezahlung erfolgt zu denjenigen Preisen, die durch Verhandlungen der Reparationskommission mit der deutschen Regierung demnächst festgestellt werden. Beginn der Koblenzer Verhandlungen. 'Berlin,'3. September. Heute begannen in Koblenz Verhandlungen über die Durchführung des Londoner Abkommens. Diese erstrecken sich auf den ganzen Komplex der wirtschaftlichen und politischen Fragen der Räumung. Man nimmt an, - daß sie .längere Zeit dauern werden. Deutscherseits werden die Verhandlungen, vom R-sichsmimstermm für die besetzten Gebiete.und den Regierungen der beteiligten Länder, sranzösischerseits vom Vorsitzenden der Wirtschasiskommission der RheinlaMommissiM ArtMg . ■—ft. Wien, 3. September. Mit überraschender Schnelligkeit hat gestern die Nationakbcmk den Wochenausweis für Ende August per-/ öffentlicht. Sonst geschieht dies nicht mit solcher Raschheit und es vergehen gewöhnlich bis zur Publikation-des. betreffenden Ausweises sieben Tage. . Daß diesmal, der Ausweis schon nach zwei Tagen veröffentlicht wütdir^'hat, seinen besonderen Grund. Es tagt nämlich das Komitee des Völkerbundes, welches nicht nur über die Verwendung der ResftrÄite seine Entscheidung wessen soll,- son-. dern auch berufen, ist, Einblick in die gesamte Wirtschaft, Oesterreichs zu nehmen und erst dann ein".abschließendes Urteil darüber abzugeben, ob auf Grund der österreichischen Wwtschaftsverhältniffe die Aufrechterhaltun'g der Kontrolle des Völkerbundes weiterhin notwendig seil. Es ist bekannt, daß gerade in den letzten? zwei Wochen' eine heftige Fehde zwischen dem Vertreter des Völkerbundes Dr. Zimmerman und dem Präsidenten der Nationalbank Dr. Reisch ausgebrochen ist. Der General-' kommissär Dr. Zimmerman glaubte in seinem vpr kurzem veröfsentlichtm Bericht die Geldpolitik der Nationalbank bemängeln zu müssen/ und machte darüber einige Vorhalte. 'Der Präsident der Nätronalbank Dr. Reisch. wehrte sich dagegen und suchte nachzuweifen, daß seine Politik die einzige im Sinne der Wirtschaft' Oesterreichs . gerechtserLigte.sei. .Der größte Teil der österreichischen Presse hat sich selbsiverständlich uns die Seite des NationaGankPräsidenten gestellt.' Nicht, vielleicht ausschließlich deswegen, weil die Argumente ^des PräsidMen Reisch von so durchschlagender Kraft waren) - .-daß sie keine andere Stellungnahnte zuließen, sondern' einfach .aus dem Grurche,. weil es in der,, letzten Zeitz.-Webt. worden ist, bei jeder passenden und unpassenden Gf< legenheit dem GeneralkmnmissäL...etzvas am> Wen und weil sich, die Gelegenheit damals-so günstig darbot, daß man sie nichtaußer acht lassen konnte Die Völkerihundkontrolle ist von beidm parlamentarischen Parteien, ziemlich üngerne gesehen. Ein objektiver; auswärtiger Beobachter kann gewisse Mmachungen stören, die im Wege des gegenseitigen^ „Packelns" zum objektiven Schaden der österreichischen Wirtschaft, wohl aber. zum subjektiven Nutzen gewisser Parteien geschlossen werden können. In dieser Hinsicht sindet sich gewöhnlich in . Oesterreich die Rechte mit der Linken, und ein Kri- - tiker, der sich nur von objektiven Gesichtspunkten der Wirtschaft leiten läßt, und sogar imstande ist, seinem Urteil Gewicht zu verschaffen, ist zweifellos keine gern gesehene Persönlichkeit. Was ist nun naheliegender, als, eine solche Persönlichkeit, die ohne Zweifel das Beste will, unbedingt anzugreifen? Der Kamps um die Politik per Nationalbank hat die Gelegenheit^ dazu geboten, sie wurde beim Schopf erfaßt und gründlich ausgenutzt. Der eben erscheinende Notenausweis zeigt nun, daß Genevallkommiffär Dr. Zimmerman in seinem Bericht, den er vor zwei Monaten absaßte, et-ney ziemlichen , Scharfblick für die Vechältmsse bewiesen hat. Tatsächlich - ist der Notenumlauf Elwe August stark gestiegen und beträgt jetzt acht Billionen. Es ist eine ziemlich hohe Summe und die Oesterreichische Natronalbank will deren Hohe dadurch entschuldigen, daß sie in einem Communigue, welches die Gründe für die Erhöhung detailliert angcht, nachweist, daß diese Erhöhung eigentttch durch die .Vermehrung des B-arschatzes in gewisser Hinsicht vollkommen gerechtfertigt sei. Die Argumente der Nationalbank, die in diesem Communique geäußert werden, sind zweifellos vollkommen richtig. Trotzdem läßt sich aber die gelvaltrge Höhe, des Notenumlaufes, die auf den unbetetügten Dritten einen merkwürdigen Eindritck machen muß, nicht wegleugnen. Generalkommissär Dr. Zimmerman, >rvon einem in Geldfragen genau bewanderten Volkswirt beraten wttrde, hat sich von dem abstrakten Wäh-. rungsproblem als solchem leiten lassen imd hat seinerzeit in einer Betrachtung über die starke Inanspruchnahme des Noteninstitutes seinen Bedenken Ausdruck verliehen. Es mag wohl sein, daß sich seine Ausfassung nicht ganz mit den tatsächlichen Verhältnissen in Einklang befundell hat. Durch eine gewisse gegenseitige Aufilärung ließe sich hier der' Gegensatz, der stärker aufgentacht wurde als .er in Wahrheit bestand, nicht schwer überbrncken. .Der Präsident der Nationalbank Reisch hatte die Interessen der Sanierung der österreichischen Wirtschaft inr Auge, ein vollkommen begründetes Interesse, das > ihm als Oesterreicher alle Ehre macht. Er hat drtrch seine Abwesenheit von der letzten Grueralratssitzullg allem An- Meinung Ausdruck verliehen, daß er

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