Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1990 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1900’ Wlen, Freilag Wiener Morgenzeitung. ■MStetMUCCiMUlttKStWHA „M. Morgönzeitnnß" Erscheint jeden Areitag „Dsanin." ES war Miß kein geringes Wagnis. d!<en 'weltbekannten No man Avtzilbafchöws Milt allen fsinen ungehouren «Piischen Ausdehnungen ins ViliAe zu Übevtvalgen., gsvaide diesen Stoßdem Film, der eiigenMch eine vaviissan«te Honidluu>g und stächstes Tempo evfoitdwt, .zu überaniworien. Es muß aber gleich eingangs erwähnt werden.- -datzr -iqlses Wagnis. restlos, gelungen ist, daß zivar ein Werlr entstand, daß sich von den lanfcliru'fißett FMen, MeftrMch unkeaischeiildät, aber alles eher, >rs m NMünsti'gLN Sinn. , WC stehet! hier vor einem FMnepvs, das in feiner ganzen Breite vielleicht . wuchtiger, und eindrucksvoller in femer Wirkung ist, als so tnäncher andere Film, in dessen Richuton eilte .weit größere unfö lÄhastere- Handlung WeingszwäNigt wuude Was hier vielleicht an .Reichtum der Geschehnisse ifeWt, ersetzt das wundervoll heran sgeavbei'tste LokalkvloM das dem ganzen Film sein wnEiingsv olles GeprLye.!ö>:ht, voMommen mife g'Ht ihm aiußevdmn einen ganz eigsuen Reiz, der den Beschauer vollkommen in.seinen Bann. zu schlagen vermag und ihn von der ersten bis zur letzten Slzene zu fesseln weiß. In Manchen Bildern glan'bt man dM DM der unerMlcheN mssischen Sich Yen zu atmen, glWA dann Widder aus dm beißenden Weihrauch" wollten die gleich guMgen, albgeleieLten Geibetsformeln des Popen zu hören, denen noch der beißende Geruch des scharfen Beaumweins anhäftSt. Das alles verstand d'.e Regie Fvitz Feh er s hier sehr gut zum Ausdruck m bvingen. AuSgezemchet ist saist durchwegs, die Davstellung. Oskar B e r e gi schuf einen Sisuwin, dm man sich Wensiwahrer und besser nicht WLnischm könnte. Ein mächtiges KvaMswußlsei«, heiterer Gleichmut in allen Lelbenslagen Und emesomige llnvekümimernis allen kleinilichen Sargen des Alltags gegenüber, ließe?- hier durch ihn öPit-e prachtvolle Gestalt entstehen, die im wirklichsten Lüben wuvM und abermals bestes Zeugnis Kr die - große GestÄMwgslKunst dieses seltenen Darstellers abgelegi. Ebenbürtig.ist ihm/FM Wengerczpn in der Rolle des SariMn. dieses mAnnAcl)en Tierchens, das im Leiben nichts nutzer seiner Eitelksit und deren Beftiodigung könnt. Sonja bieiikt zwischen ditzsen außerordenUchen Mnsrlern seho schöne Leistungen und hat M'Mente, in denen sie hinreißend ist. A-usar^ichnri ,>st auch die KbenL'ppiÜhenlde Karssavrna'der Allegri m't itzrrm gcKnden, mvksmpliiziertrn Sinncshnnger, den!6r bre'i -n. Uw'.ßen Zahne zu dokumentären scheinen. Prachtvoll!: Loi-stung.'n in seiner CharMerrolle als Sselsweftisch/k bietet BÄür-F c a n z, sehr gut sind auch Richard Du schiinsky, Aico.'aus Lovr ig, Gim-ter Hadank und ttoch manche crndeve in klc'ikeren Rollen. ' Auch in Ansicht der Ansstattnug und der technischen Belang bietet, der Film nur Bestes. Wir dürfen an sein Erscheinen in dieser Saison die angenehmsten Hoffnungen .knüpfen. „WeiLllche Junggesellen." Echt" iM' Gegensatz , zu dem fraiMischen Faö -iMt „La Mrcoune" ist dieser Film absolut harmlos und die weiblichen Junggesellen sittd hier nicht übermäßig, interessante, junge Mädchen, die gezwungen sind, sich HrHrot.selbst zu verdienm. DaS Unrecht, das ihnen in ihren Berufen, widerfährt,, ihre he- . eidenen Sehusüchir und Wünsche geben den Stoff für dieses Filmwerk, das, Manchmal au das Tendenziöse strellmd, eigentlich immer seinen schauspielhaften Charakter bekü. hält. Die Regie zeigt sehr , viel Verständnis für Lokalkolorit und Milienschilderung, ist aber auch nicht - imstande/ans dem ziemlich zusammenhanglosen Buch ein einhr. iich. Ganzes zu formen; die einzelnen Szenen Höngen immer nur locker zusammen und zersplittern das Fnteresse des- Beschauers. Aber . trotz allem merkt Man Kraft uns Originalität in der Inszenierung und kaum jemand wird imstande sein, sich der Wirkung dieses Films entstehen zu können. Tora T-eje spielt hier die Hauptrolle. Wir sind heute durch die amerikanischen Filme unbedingt hübsche Darstellerinnen gewöhnt und es braucht daher einige Zeit, bis Man sich mit den herben Zügen und. der hageren Gestalt dieser ausgezeichneten Schauspielerin befreundet, sich an sie gewöhnt. Dann aber wird Man vön ihrer Gestaltungskunst und eigenen Auffassung gesungen genommen und folgt ihr widerspruchslos. Allerdings ist es nicht zu leugnen, daß man bei den schließlich lind endlich doch trotz allen fZungge'sellenrnms nicht ausbleibenden LlebLsszeNen etwas wi^ unsrerwilligen Humor empfindet. Die anderen Darstellerinnen halten sich durch die Reaieführung in einer gewissen RespeMvlstanz von diesem Star, bieten aber nsben nnbödinat fesselnderem Aenßeren durchwegs sehr gutes Spiel. Ziemliih unbedeutend sind die männlichen Darsteller, döch mag dies auch durch das geringe Ausmaß ihrer Rollen begründet sein. Mag es nun das nordische Milien und was damn znsammenhängt, oder irgend/ etwas anderes sein, däs hier zum Ausdruck kommt —- es bleibt hier immer ein nicht ganz zu definierendes Etwas bestehen, das uns. fremd scheint. ' und Nicht anHeimÄt. Man bleibt diesem Film gegenüber immer ans eine gewisse Distanz stehen, muß konstatieren, daß er nicht schlecht: ist/ kann sich aber nie für ihn erwärmen. — Und dies ist trotz seiner sonstigen Vorzüge em nicht abzustreitender Fehler, der nicht gering ins Gewicht fällt. p'tM' ReüdezvsuH ntii'frm Trde." Aenferst geschickt ist das Buch dieses schr spannend ge- .halte'ien 5'riminai-silms gemacht, das in jeder Szene die routinierte Technik der Amerikaner in diesen Angelegenheiten verrüt. Mit nicht minderer Kenntnis des Sensationshungers ihres 'Publikums arbeitet die Regie hier hinein und Dersteht es aber gleichzeitig doch B'rlöer zn schaffen, die auch vom künstlerischen Standpunkt ans gewertet und anerkannt werden müssen. Trotzdem das Thema, das dieser Film ans das Tapet bringt, weder , neu noch irgendwie nöerro^rnd ist, verirrt er sich nie in das ' Kitschige und behält trotz d/r verschiedenen Sensationen noch immer, den Charakter und den Wert-eines Schauspiels mit -wirklichen Qualitäten. - In der Darstellung fällt' zunächst der im Ausland schon sehr, bekannte und berühmt^' Japaner Sessue L a y a k a w a auf, den man allgemein als den besten-Tr-agödm seiner Heimat einschätzt. Sein Spiel ist außerordentlich lebenswahr und trotz seiner Wes-ensfremdheit, die seine Rasse, ja schließlich bedingt, versteht er es, außerordentlich sympathisch schon durch sein Aenßeres allein zu wirken> und fesselt durch seine durchdaw- und. kräftige Geftaltungsknnst jn der Darstellung. Als se>ine Partnerin. steht seine Fram Tsürn Aok.i, nicht hinter ihm izurück und'die beiden verstehen tzs niit Leichtigkeiii. dem Eurö- 29. Apgust 1984 9 päer einen nicht unbedeutenden Respekt vor'ihrer SchauspI kunst äbmringen,. . . . ' s Das übrige ^Ensemble setzt sich ans den bereits oMaa gsworÄenen ^.'-n sir dieses Genr-.- znirmmen. die nicht nW m ihren Lcptun-enw'.dern auch fast schon im Aussehen eiw anow vgllkommen gle-.:..)M, von wölchen PrödEtiouMmer drüben ste auch imnier sein nwgen. Die flirtende Bevbrecherin der MttüUS feM, K-'Mpllre- '>m.h der Detektiv mit deH menichenfreunduchen,Gesicht und den niemals fehlenden Handichcllen, die zuerst inuner den. Unrichtigen fesseln -?tn.d° zuw Schluß aoer doch zürn Symbol der ausaleichenden Gereckti-q. -keit werden, die das itnausbleiblich guie Ende schon von all-ew Anfang für den sechsten Akt voranssetzt. Recht aut ist hier auck übrigens ein Nhinefe, der eine größere Rolle inne hat. Sehr geschickt sind in diesem recht spannenden Film weiters die dwerse-n, Sensationen aus ge führt und ganz erstklassig die Photographie und die Beleuästungstechnik. Ditt Milme htt Woche. „Menschen und Mes^!'." — „Ihr schlechter Ruf." „Die Minderjährige." -r.8!oMan einer leichtsinnigen Frau." — „Lard Neg'ual'-'r l i tz-/rstt." — „Durch Feuer und' Wasser." - „Papas St ' - -E--:." — „Der Schrei aus der Moräne." — „Im Srhost: der Erde." -ROTEMTURM-KINO-, WIEN, 1. FLEISCBMARKT 1 Ab heule bis 1-September Dar Hornau -einer. iakMiimiigaii Frap Beginn der Vorstellungen: 4. l/-6| V*8 nnd Vt* Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Künstlerknpelle I.M fib beute bis 1. September Beginn der Vorstellungen: l/A */«6, __ CENTRAL KIMO__ ■II. Ta'bor strasse 8 . Direktion : J. S chnl z &b Besute bis Ü. September Der erste grosse Sensätionsfilm mit HÄRRY.P1EL in der Hauptrolle D®r falssSte linir’ Beginn: Va6, 7, ‘/29 Uhr. — Sonntag ab, 4 Uhr Copyright Otstrrhkld & So. Lttlag. tzertin. 11. AvtlschUüg. fm MVchm M Rekel. . Kriminalromau. Bon Fosef Gollomb. ,,Tars ich's wissen?" fragte sie.. Er lächelte schr verlegen. „Sieschön, daß bk Abdrücke auf der Photographie genau.Mit döNen im Mbum übewinstiMiNen?" „Ja!", vieß ste. ^- -; „Nun," sagte er verstört, „diese Fingerslpuren gehören George Helwick, eine in Eiubrcch-er von Beruf. Er wurde wegen schweren Mordes, den er bei einem Einbruch in High Holborü verübte, züstt Tv'de verurteilt und ins Pen-- tonwille-Aefänguis gebracht." „Er ist ausgcbrocheni" schrie Meen. „Nein", sagt- ^wwley langsam. tziMe es das Gesetz ldorschreiibt, sind diese Fingerabdrücke im Pentouville- GefäugniS gemacht woi'den -7-.vor fünf ÄlagHN — -gleich nach der Hinrichtung Holwicks!" Sechstes Kapitel. Eifrige Ilntersuchung. Eiicen sah diesen ernsten,-ruhigen.Menschen wie durch Mn NehAschltich an. Hawlch WH ihren Blicken aus. „Es ist gut§ Ierrh, wir branchen- Sie moOentast nicht Mhr", saW er..Dev Mann entfernte sich. „Das sieht eigentümlich an8, Nicht? wandte er sich verlegen an -Meen. ,Mir müssen weiter versuchen. Aber ich.glaube, daß Sid für heute genug Unsregungen 'erlebt haben. Es Ware bester für Sie,' sich jetzt ein wenig anszuruhen." ■-. ch ' " -■- ch - Sie sahtzchst tMurig^ an.. / . . »MäUbeü Sie Nicht, daß es bester wäre, Fräulein Natdä säh thu nicht an. und-schwieg, ^ie lvaudte sich jU Eileen. , „Jch glaubte zuerst, Scotland Wrd könnte nnZ'helsen, es scheint aber, daß matt'hier auch Nichts Miß. Eileett: —" . Sie schwieg und fixierte Eiken, Ns Ntzft werAe, daß Ra<dä' ihr etwas Wchtiges sagen wollte. ' „Eileen," fuhr Naida «rnsthast fort, „hier Obt es nur einen Weg,'der Licht schafft!" iE MM §Äi! WM>N.I^AOt.eR«AS«t-'-S UJefs-iN«76ÄS^ siita&iwi WM «n»3agnaiiiM»i«irr^T'jj^ijrt»i il.i iiiiiM/ j,Was denn?" fragte Eileen tonlos. Geist ist an der Schwelle und will mit dir reden. $d) kenne „Vater!" Hawley «blickte sie scharf an. Naidas Augen wurdrn. fvsMichev. als Gilecn schwieg. „Willst du ihn nicht fragen?" fuhr Rai da fort. „Raida," rief däs Mädchen flehend, „bitte, sprich nicht so! Du ölst Müde. Es ist nach all dem vielleicht bester, wir gehen nach Hause." „Wir werden dort keine Ruhe finden, Eileen, bevor wir nicht'deinen Vater fragten. Keine Zeit wird dafür so günstig sein wie. diese Mcht." ‘ Hawley blickte ängstlich nach Eileen. „Fraulein Goodrich will nach Hause", sagte er. „Ich will Mttett ein Äu-tv besorgen, -wenn Sie wollen. Es wird bester sein y „Eileen, willst du ihn-denn nicht fragen?" sagte Naida mH echMMv Stimme. Ms M-dchen versuchte ruhig zu bleibe-n. „Ich kann nicht, Liebe." „Du glaubst, er. sei wt?" sprach Rai da immer schneller. „Nichts sollte von dieftm wunderbaren Geist er- /halten bleiben? Was für ein furchtbarer Gedanke!" Eileen preßte ihre Hände an den Kopf und sank in einen Stuhl zurück. „Natürlich, Liebe", stöhnte sie. „Natür-- lich — aber ich kann jetzt nicht Wer diese. Dinge sprechtzn! Und Was häÜe es ünch fÜr einen Zweck? ,Höre zu, Eiken," fuhr Mida fort, „wenn er im Augenblicke seiner Ermordung durch dicke Steimuauern zu dir sprach, ivarum soll er jetzt nicht auch zu dir sprechen können?" Hawley unterbrach: „Wirklich- Fräulein Sangree, Sie sind beide zu Müde, Sie uttd Fräulein Goodrich..." Midä würdigte ihn keines Blickes. „Eileen, ob du es glauben willst -oder nicht, dein Vatsv Will mit dir Mechsn. Gerade jetzt wo du in Angst und Not bist, will er es. Er kann nicht direkt mit dir sprechen, wie im Augenblick seines Sterbens, aber sein st^euernirLtende Abonnenten eehalten die bisher erschienenen VorLsetzungen unseres spannenden Nomans „Das Vtädchen im Nebel" aus Berlangen g r a L i s nachgeliefert. eine Frau,-die ein gutes Medium ist; durch sie. wird dem Vater sprechen. Wenn wir gleich zu ihr gehen . . . jetzt gleich. . . wirst du von ihm Höven, du wirft überzeugt werden." ■ ■ ,/Aöer ich glaube nicht an Spiritismus . .. -und Vater glaubte auch nicht daran ... ." sagte- Eiken flehentlich. ■ Naida wurde unwillig. „Dein . Vater war ein großer Geist," sagte «ste- - kalh „abör schließlich nicht größer als die Geister Ö.liher LodgeS,' William Crcoks, Alfred Rüssel Wallaces und Madame" Curics, ohne deren Radiumentdeckung dein Vater :sein Lebeuswcrk nicht hätte vollenden können. Diese. Leute haben viele Jahre lang Erfahrungen gewacht, unddu, ein unreifes Mädchen ..." - . - Eileen «brach wimmernd zusammen. „Heute, nicht. ... ich bin ganz verwirrt ... ein anderes Mal . . „Ich verlange," fuhr Mida unnachgiebig -fort, ,Mß du mit zu diesem Medium kommst und deinen Vater anhöch." Hawley fuhr dazwischen. „Fräulein Sangree," sagte er streng, „dies ist nicht der Augenblick, Fränkin Goodrich noch mehr anfzüregen. Ich rate ihr, nicht dahin zu gehen." Raidas und Hawleys Augen fochten einen wütenden Zweikampf/ ,/Eileen," sag'e sie, „ich bin jetzt dein Vormunde Wern, willst du in einer Angelegenheit folgen, die ich von grösster Wichtigkeit haltediesem Mann oder mir?" „Du bist gvansaM, Mida", stöhnte das Mädchen. }y „Ich bitt nur grausam gegen deine Schwäche.' Denk .daran, daß ich auch gegen mich selbst grausam sein könnte,, als ich damals Gelegenheit hatte, dich zu retten." Mühsam erhob sich das junge Mädchen. „Ich denke daran", sagte -sie. > ' - „Htrr Hvwky" wandte sich Meen an ihn, „Sie waren sehr sveundl ch zu mir'; ich fürchte, ich mutz Ihre Hilft noch oss in Anspruch nehmen, a-ber 'ch muß tun, wak . Fräulein Sangr^ von mir verlangt." . (Tvov:ioi;u'.ia toiai.) 526