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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-27 · Heft 1988 (27.8.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1988 (27.8.1924)
Date
1924-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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J ' I Po len 20nro»zy| Wien: Zum Abholen in der Expedition, II, Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in. Wi e.n durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er.» Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 40.000 Ts eh e c h o-S I owa k e ir Mon, K 18. Jug-oslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 31/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r.» Belgien: Mon. Frcs. 12 Nach *«h 1 u n gea -WW bei Pr«l«erhöhtm?en Vorbehalten SICHERN SIE SICH S’#AI-+RES<. v: abonnentI PRÄMIE ( Preis K 18001 England: Mon.4 Schilling1, Italien: Monatl. 12 Lire, Ru mänien Mon. 150Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr asse 1 —3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.2l-102,25-282 IX. Uni veraltätsstr, 6—8 (Druckerei S<elntnann( Oesterreichisches Postspar* kessen-Konto Nr. 150.698 —WIIHIIIII IltllBWMHUilEBtliyilWBüllilU) t Nr. 1988 Wien, Mittwoch. 27. August 1924 «.Jahrgang WetterlMchten auf dem Balkan. : Ka. Wie«. 27. August- Aus allen Tellen des Balkans laufen Nachrichten Ein, die deutlich beweisen, daß die balkanische Krise neuerlich zur chronischen zu weäwn droht. Attentate und Bandenkämpfe stehen wieder auf der Tagesordnung, deren Ernst unter anderem auch durch die Nachricht illustriert wird, daß über Bulgarien, Teile Rumäniens und Albanien der'Ausnahmszustand verhängt worden sein soll. Die Wirren in diesen Staaten firdb teilweise auf die ungelösten Nationalitätenprobleme, teils auf die russisch-bolschewikische Propaganda, teils auf die italienische Wühlarbeit zurückzuführen. In Jugoslawien hat der . neue demokratische Kurs Davidovic' wohlaufdie nichtserbischen Elemente'Versöhnend gewirktandererseits aber-macht sich innerhalb der jetzigen Opposition Und früheren Regierungspartei unter der Führung Pvibicevic' eine stark chauvinistische '.Strömung bemerkbar, welche der jetzigen Regierung nationalen Verrat vorwirft und dadurch auch den nationalen Radikalismus' steigert. Wohin die Auspeitschung des nationalen Hasses in den verschiedenen Lagern führt, zeigen unter anderem quch die jüngsten Exzesse beim Sokölfeste in Agram. d - Noch unerfreulicher sind sine Verhältnisse in Rumänien, von wo. über. RWtzn.gett..gegen. Rußland und' irBer^c« 14 utig ifi S^aiuci:nf,d&^ft hMchtet wird. Der MlltelPüM Nr "Agrarischen.UnZufriÄen^ heit befindet sich jetzt irr Bulgäriemund^von.dort aüs^ verbreitet sich' die revolutionäre ProHganda Uach.Ällazedonien und Albanien und andererseits nach Jugoslawien. Während die russische HäNd sich vorwiegend in BeßaräbieN bemerkbar macht Und allmählich auch sin der ' Bukowina fühlbar wird, erstreckt sich die italienische Wühlarbeit vorwiegend auf Albanien und-Montenegro gegen das herrschende Belgrader Regime. Und speziell in Rumänien befürchtet man ein lieber greifen der bolschewikischen Propaganda unter der' nichtrumänischen Bevölkerung von . seiten der rumänischen Opposition unter der Führung des Dr. Maniu, wenn nicht das Ministerium Brätianu im Sinne des Kabinetts. Davidovic' einem Kabinett der nationalen Versöhnung und der Bekämpfung der Korruption Platz macht. Die rumänische Opposition erinnert daran, daß Dr. Alexander Vajda und die übrigen siebenbürgisch-rumänischen. Führer anläßlich der Annexion der Bukowina und Siebenbürgens durch Rumänien die Gleichberechtigung aller Nationalitäten und Konfessionen, proklamierten und energisch gegen den Antisemitismus Front machten. Nachdem nun in Belgrad das stark zentralistische großserbische Regime einem nationalen Versöhnungsministerium Platz gemacht hat, glaubt die rumänische Opposition, daß auch in Rumänien ein solcher Shstemwechsel unvermeidlich sei, da im entgegengesetzten Falle die Verschärfung der nationalen und sozialen Gegensätze nur der bolschewikischen Propaganda in Rumänien und am ganzen Balkan die Wege ebne. Wohl verweist man in Bukarest, auf das Bündnis mit Polen und auf die Freundschaft Frankreichs, während, andere rumänische. Kreise die Ansicht vertreten, weder Frankreich noch England würden für Rumänien oder, Polen, die Kastanien aus dem'Feuer holen, wenn man an Bukarest und'.Warschau durch eine unrichtige Nationälitätenpölitik.Rußland - eine Intervention auf dem Balkan ermögliche. Einen solchen Anlaß kann Rußland leicht finden, ,da . sich nicht nur die Reibungspunkte, zwischen. Rumänien un.b Rußland, sondern . auch zwischen. Bulgarien einerseits und Runmnien, Jugoslawien und Griechenland andererseits mehren. In allen diesen Staaten werden .die natio-. m/len, konfessionellen und sozialen Gegensätze, die Gärung unter der Bauernschaft sowie die wachsende Arbeitslosigkeit von der bolschewikischen Propaganda mit Erfolg ausgenützt. Teilweise bewußt,'teilweise'unbewußt, geht damit die Propaganda des italienischen' Faszismus Hand in Hand, welche die Wiederherstellung Montenegros sowie die Hegemonie über ein vergrößertes -. Albanien erstrebt, ... ,' Rußland ist mit den jetzigen staatlichen Verhältnissen am'Balkan ::Ü.r unzufrieden.Es sieht sich,vosi den Dardanellen ..... .. .w" will keineswegs in Konstant'..:^-.. ,i,.r lärmig 'eines .englisch-französi- (Eigendienst der „Wiener Mvrgenzeltnng".) Paris, 26. August. Die Reparationskommifsion wird wahrscheinlich morgen nachmittags den Generalagenten für die ReparationSzahlungen, de» Treuhänder und Pen Kommissar für die Pf 8 » der bestellen. Wie es scheint, wird zunächst Owen Ionng diese drei Posten übirrnehm tu und eine amerikanische Persönlichkeit ihm beige gehen werden, die, sobald Aoung seine Funktion aus persönlichen Rücksichten aufgeben will, an f.ine Stelle treten soll. . Großer Sieg Hemots im Senat. , Die Londoner Uebereinkommen mit überwältigender Mehrheit angenommen. Paris, 26. August. Der Senat setzte heute nachmittags die Debatte über -die Interpellationen betreffend die Londoner Mkomrnen fort. Po-ineare. eMäÄe-, er werde, wenn Frankreich wirklich den wahren Frieden -vor sich habe, i das-Ergebnis nicht durch Erwägungen der Eigenliebe zu schmälern trachten. Alle Franzosenseien--darin einig, daß - der Krieg nicht wieder beginn^ Me; M»Weinungsver- -DiMühei1d'^lDn'Hchsi.nVb aus die .KrieA zu' verhindern. Redner zollte dem.- Mute-.')undder -Wests--.' leistung Herriots hohes LoL. '. . . . - * Bei der Frage des Arbitrage sh st e m s'- entspann sich eine scharfe Debatte zwischen Herriot und P o'i ne a r e. Darauf wird die -Sitzung unterbrochen. Nach der / Pause setzte Poincare seine Rede.fort. - Um 23 Uhr ergriff Herriot das Wort, um auf Poincares Aoußerungen zu antworten. Nachdem. Herriot seine Rede beendet hatte, beschloß der Senat,, die Debatte über die Londoner Konferenz abzuschließen. Unterdessen wurde von Luis Martin und D elac r o i t eine Tagesordnung eAngebracht, die folgenden Wortlaut hat: „Der Senat genehmigt die Erklärungen der Regierung, er spricht sein Vertrauen in das Kabinett Herriot aus, daß es die Durchführung der Londoner Beschlüsse sicherstellen, Frankreich die für seine Sicherheit notwendigen Garantien verschaffen und eine . zufriedenstellende Regelung der interalliierten Schulden Frankreichs erzielt und geht zur Tagesordnung über." Hierauf wird die Abstimmung vorgenommen. Sie ergibt folgendes Resultat: Für die Regierung stimmten 204 Senatoren, gegen die Regierung 44; der Stimme enthielten sich 60 Senatoren. Re Mette Lesung im Reichstag. Berlin, 26. August. Der Reichstag hat heute mittags mit der zweiten Lesung derDaw e s-G e s e tz e begonnen. Ta mit der zweiten Lesung die Einzelbera-?tung der Gesetze verbunden ist, ist das I n t e r e s se für die Vorgänge im Sitzungssaale sehr 'bald e r l a h m t, zumal. jetzt das Ringen zwischen den beiden Parteien von der öffentlichen Schaubühne hinter die Kulissen verlegt ist. Dir i ganze große Materie der Datwes-Gesetze ist in vier Gruppen .eingeteilt, und zwar: 1. Die Bankvorlage, 2. die Jndustriebelastung, 3. das MeichsbalMgesetz und ' 4. das'Mantelgesetz. Jede der einzelnen Fraktionen darf nicht langer als eineinhalb Stunden in dieser zweiten Lesung sprechen. Die Deutschnationalen schickten zur Beratung der Bankvorlage den Abg. Dietrich vor, der sich insbesondere in einer scharfen Kritik des Reichsbankprasidenten Dr. Schacht gefiel und zu dem Ergebnis kam, daß gerade der Gesetzentwurf über die Umgestaltung der Reichsbank den Deutschnationalen die Zustimmung zu dem Sachverständigengutachten nicht schmackhafter' mache. Ihm trat der sozialdemokratische Abg. Keil entgegen, der nachwies, daß gerade die Politik der Rechtsparteien Deutschland in die jetzige Lage gebracht habe und daß jetzt nichts anderes übrig bleibe^ als die Möglichkeit zu ergreifen, die Deutschland den Weg zu . einer besseren Währung zeige. Auch der Zentrumredner erklärte, daß eine neue Inflation unter allen Umständen verhindert werden müsse. Der' folgendeRedner,' der Kömmunist Katz, lehnte natürlich gemäßdem Endpunkte : seiner Partei die Vorlage glattwegsirb und aUch der-Nä-! tionalsoziälist Fed er schlug in dieselben Kerbe.- Er leistete 'sich aber auch -überdies die-FrechhM>- dsn-R2i'ch''sba p r-ä sideu t e n d e r >B e st e ch l i ch ke i t M zechen, weil; er M das Dawes-Gutachten üür^^ deshalb eingetreten - fei^ < weil er zum Präsidenten der GoLmoteErck aUSedsHen-sieß - Reichswirtschaftsminister Dr. H a ui m " nahM dtznckbi wesenden -Reichsbänkprästdenten' in'Schützt --'M»'tzeiß-elle. scharf die Aeußerungen ' des Mtiönüffpziali-stHhen - - Abgeordneten. Später wurde dieser -überdies wegen» dieser Angriffe vom Präsidenten - zur Ordnung g e r u -f ep.ll Der - Demokrat' Graf B e r n s d o r f f' vertrat -den Standpunkt, daß das viele Reden zw eck-^und'sinnlos .fte.i, weil man ja doch michts anderes tun könne, als die London er Ab ma chungen an zu nehmen öder, abz u lehnen. Seine Partei vernichtet deshalb auf'Einzelheiten einzugehen und begnüge sich damit, die Annahm e d e s g a n z en Paktes zu em p feh l e n. Die bahrffche Vvlkspartei und die Wirkschaftsvereinigung sprachen.sich ebenfalls firr die Bankvorlage aus, so daß die zweite Lesung dieser V o r l a g e b e e u d e t war. Man ging daun über zur zweiten Beratung der Jndustriebelastung. Auch hier brachten die einzelnen Redner ihren bekannten Standpunkt vor, ohne neue Wdomente aufzuz<igen. Der Bertrag von Lausanne von der Kamme« ratifiziert. (Eigendienst der „Wiener MovgenzeÄung^.) Paris, 26. August. Die Kammer hat in einer PaW sitzung, die bis 1 Uhr 40 Minuten morgens dauerte, den Lau sänne r Vertrag mit 405 gegen 171 Stimmen ratifiziert. Heute nachmittags wurde die Beratung der Vorlage über die behördliche Festsetzung des Mehlpreise'S fortgesetzt. Mindert — vrnrralinsvettor der volnychen Armee? .< - dienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Warschau, 26. August. Der GesetzenÄvurf über dll!Organlsierung der höchsten militärischen Stellen solidem Sejm zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Das Gesetz sieht, unter anderem die Betrauung des Marschalls. P i ls n d s k i mit dem Posten des G e n e r a l i n s p e k i o r s > d e r A r m e e vor. scheu Regimes zülässen und unter keinen Umständen die' Etablierung 'der italienischen Vorherrschaft im Adria- - tischen Meere chulden. Es unterstützt daher alle mit dein jetzigen Zustand am Balkan unzufriedenen Elemente. Aber sivi-e Aktivitätsbestrebun-gen Rußlands beschränken sich, nicht auf den Balkan, sondern sie machen sich auch wjrit über die Grenzen Europas hinaus geltend. Die Gärung in den Kolonialgebieten der - Entente, das neuerliche Auffl-ammeu des Gegensatzes der eingeborenen Bevölkerung gegen das herrschende Regime von England, Frankreich, Italien und Spanien wird vielfach auf russische Förderung zurückgeführt und läßt es begreiflich erscheinen, daß man weder in London noch -in Paris geneigt ist, neue balkanische Komplikationen zuzulassen.' Dämft rechnen auch die besonnenen-Elemente' in Belgrad und Bukarest, in Sofia und Athensches ish aber noch eine-offene Frage, ob sie oder die Ehauvinjstew der.verschiedenen Nationalitäten in den einzelnen balkanischen Landeshauptstädten Oberwasser behaupten werden. Davon häl^gt nicht in letzter Linie nicht bloß der balkanische, "sondern der gesamte europäische Brieden ab..

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