Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1987 (26.8.1924)
- Date
- 1924-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IKTten: Zum Abholen'in der ixpedition, II. Taborstr. 1*3, »der in einerV erschleisstelle 'Trafik) monatl., K 40.000 Strassenverkauf in Wien Jureh die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er.» + Wollreile 11 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Ts ch e ch o-S 1 owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien? Mon. Dinar60. Polen: Mon. 91/# Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Pr a n k r., Belgien: Mon. Pres. 12 Naehcahiimjren *UW bei PreiierhohuBfrea Vorbehalte» WERÖEliSIE ^'■TV fPö i en 20 groszy | lener | Preis K 18001 England: Mon,4Schilling, 11 a 1 i e n: Monatl. 12 Ute, Ru m a n i e n Mon. I50k»i, Bulgarien Mon. SQLewa, Schwe i r und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, lI.,Taborstraaselr—3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab6Uhrabds.21-102,25-282 IX. Universltätsstr.6—8 (Druckerei Stelnmann( Oesterreichisches Postspa, kassen-Konto Nr. 150.698 Nr: 1987 Wien. Dienstag. 26. August 1924 8. Jahrgang der Zeutschnationalen. — Die Mer — Bar der (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) und der Berlin» 25. Aug-ust. Wahrend des gsstrigen Sonntags Haiden die Mitglieder der Demtschen VoilksPardei und a-uch einige Zöntmnisaibgeordnete ans der Umgebung des Herrn StegerLva-ld den Versuch.gemacht, mit den Deutschnationalen eine Kotmpro-mißforim'el zn finden. Die Deutschnationalen scheinen dabei Wert darauf zu legen, auf irgend eine Art und Weise in das Kabinett einzutreten, wobei sie auf den Kanzler Posten reflektieren. Es ist ganz selbstverständlich, daß alle diese Versuche mißlingen müßten, da wÄer das Zentum noch die Demokraten eine solche Möglichkeit überhaupt w Erwägung ziehen. Me, verlautet, beabsichtigen die Deutschnationalen, k.e i n.e n ft t a k t i o n s-zwa n g bei der Abstimmung aus^ zuüben. .Es wäre dann damit zu .rechnen, daß ungefähr 25 bis 30 Deutschnationale dem Dawes-Geisetz , z ust i m m e. n /werden, doch dürfte diese Zahl nicht zu der evsovdeMchen Zweidrittelimehrheit genügen, so daß, die AuflSsung des Reichstages HöchMa!WchelMich.M Nachdem der Reichstag seit einer gaMn Woche nur Ansätze zur Erledigung des Londoner WommenZ gemacht und Bechandlungen gspWen'-Mke)^ Hgan«''heute endlich die meritorvfche Debatte. Der Chef der deutschnationalen BPWPartei, Hergt, welcher als evster Redner zu Worte kam, sagte weder ein Ja, noch ein Nein nnd glaubte die Situation dadurch zu betten, daß er einem unbequemen Zwifchennufer mit der Vertröstung - antwortete: „Warten Äe doch die Abstimmung am Donnerstag ab!" Diese Antwort ist charaAeriftisch und zeigt, wie man innerhalb der Partei immer noch nicht kn klaren ist, .was man tun werde. Im Verlauf seiner Rede appellierte Hergt noch einmal an die Kompromißler links von seiner -Partei, indem er sagte: „Gibt e's nicht Möglichkeiten eines innerpolitischen Zusammenkommens mit der nationalen Opposition? Wie dieses Zusammenkommen gedacht W, geht daraus.hervor, daß man erst in. die Regierung hinernkommen will. Neues brachte Hergts Rede nichts. Das Nein -wurde mit völkischer Offenheit weder klar noch unzweideutig ausgesprochen. Dafür aber machte Hergt der Regierung den Vorwurf des Umfalls, vor dem er. selbst mit seiner Partei jede Sekunde steht. Bis Donnerstag hoffen die Ludendorff-Politiker immer noch einen Ausweg .zu finden, der aber wohl schwerlich die Situation retten Wird. , Nach Hergt sprach der Redner der Sozialdemokraten Abg. Dr. H i l f e r d i n g, .der unter anderem ausführte: „Auch uns befriedigt die jetzige Lösung nicht. Die Ablehnung des Sachverständigengutachtens aber würde die Krise verschärfen. Zur Entscheidung muß es jetzt'kommen. .Kann, der Reichstag keine -positive Entscheidung .treffen, so ist er arbeitsunfähig und muß verschwindet - r In dem neuen Wahlkampf wird es sich um den Sieg der Demokratie handeln., Der Redner des Zentrums,. Abg.- K a a s, -sprach für die Annahme und Durchführung der Dawes-Gesetze. . ' Nach der kommunistischen Nednerin und dem Nationalsozialisten W u 11 £, die Propagandareden hielten, sprach der Vertreter der Deutschen Volkspartei Cu st i u s, der zum Ausdruck brachte, die deutsche Volkspartei sei der Auffassung, daß eine Ablehnung der Regierungsvorlage unmöglich sei und daßhaheriseine Pärfei^dre'Gesetze einst i m m i g annehmen werde. Schließlich sprach der Demokrat Erkelenz, der eine klarere Stellung der Reichsregierung zum : Völkerbund und zur Abrüstungsfrage verlangte. Sodann polemisierte der Reichskanzler Doktor Marx hauptsächlich gegen Hergt. Schließlich sprachen der Vertreter der bayrischen Volkspartei, der für das Gutachten eintrat, sowie Vertreter kleiner Fraktionen. Damit war die erste Lesung beendet. Im ganzen ist man also auch heute nicht weiter als bisher gekommen. Es steht fest, daß die Regierung das Londoner Abkommen ungeachtet her Abstimmung im Reichstag, durch den Reichspräsidenten auf Grund des Paragraph 45 der Reichsverfassung auf alle Falle unterzeichnen w^rde. Wie das „8-Uhr-AbenMaA" erfährt, habe man diese "Absicht der englisch en Regierung . mitgeteilt und sei von dort. verständigt worden, daß man eine solch- Unterzeichnung als aus re ich en d, ausdhen werde. Neuwahlen würdG^aher ^tMtzdem stattfinden. -- 'Der A.sttHenM'Äes'ReiMWsnaD^zjveistündlZer Sitzung beMossen, daß die zweite Lesun g morgen und' Mittwoch stattfinde. Donnerstäg wiÄ dann die dritte Lesung der Gesetze erfolgen. NaAMep'W.ng der Tawes-Gcsetze sollen dann noch die Wahlv orlage und dr- Zollvorlage beraten und beschlossen werden, Deutsche Handels- und. WirtfchaftsveMnde für da» Londoner Abkommen. Berlin, 25. August. Die Reichsregierüng hat von zahlreichen Handels- und W irisch afts verbänden telegraphische Aufforderungen erhalten, das Londoner Abkommen zu unterzeichnen. Gleichzeitig wird an den Reichstag appelliert, .bei seiner Entscheidung alle parteipolitischen Rücksichten beiseite zu lassen. In diesem Sinne hat sich unter anderem die Crefelder Handleskammer ausgesprochen. Der Oberbürgermeister von Düsseldorf hat. dem Reichskanzler telegraphisch den Dank ausgedrückt und her Hoffnung auf baldige Befreiung der Stadt Ausdruck gegeben. ' Der Vertrag vs» Lausanne vor der f^'^ndienst der „Wiener Movgenzeitung".) Paris, 25. August. Die Kammer hat heute die Diskussion über die Ratifikati o n des La usänne r V e r tr a g e s begonnen. Die Debatte dauerte den ganzen Nachmittag. Der Vertrag'von Lausanne, der bekanntlich außer von der Türkei von England, Italien, Japan, Frankreich, Griechenland und Rumänien unterzeichnet worden ist, wurde bisher vvn den erstgenannten drei Mächten ratifiziert. Für Frankreich stellt der Lausanner Vertrag ein Dokument von ganz besonderer Bedeutung dar, da er die Anleihen, welche von der Türkei vor dem Kriege im Ausland gemacht worden sind, regelt. Frankreich, das mit ungefähr neun Millio nen Goldfranken in der Türkei engagiert ist, hat ein ganz besonderes Interesse an der .Ratifikation des Lausanner Vertrages, Die Opposition , macht isidessen der Diskussion große Schwierigkeiten: Herriot wollte die Debatte im Laufe des heutigen Tages abschließen, um Morgen vor den Senat zu treten. Es besteht zur, Stunde wenig Aussicht, daß diese Hoffnung in 'Erfüllung geht, da m später Abendstunde noch zehn R ed n e r, meist aus den Oppositionsparteien, angemeldet' sind. in allen Abteilungen des Warenhauses Vebermenschentum. sch. Wie«, 26. August. Vor dem Gerichtshof in Chikago. stehen zwei jugendliche Individuen, des Mordes an einem Knaben angeklagt. Das Motiv der scheußlichen Tat ist nicht ganz klar. Habgier oder Gewinnsucht war es nicht. Die jugendlichen Mörder, die ihre Tat eingesianden haben, geben eine Erklärung dafür, welche eine seltsame Mischung von angelesener, jugeMicher Verschrobenheit und juveniler Demenz darstellt. Die Verteidigung sucht die beiden Halbwüchsigen als irrsinnig und von Jugend auf zum Verbrechen geneigt darzustellen. Das mag ihrgutes Recht sein, denn die Verteidigung hat die Aus- - gäbe, dem Beschuldigten, den sie vertritt, alle Rechts- Vorteile, deren Anwendung sie für möglich hält, zu verschaffen. Es ist Sache des Gerichtes, und einzig und allein des Gerichtes, zu entscheiden, ob das, was die Verteidigung vorbringt, dem Gesetz nach bei der Be« urteilung des Falles in Betracht kommt oder nicht. Noch bevor das Gericht in Chikago über diese Fragen entschied, brach mitten in der Rede des Verteidigers eine Menschenmenge in den Gerichtssaal ein und wollte die Justiz selbst in die Hand nehmen. In Amerika ist dies nichts Neues. Dort werden jährlich Taufende von Menschen für wirkliche oder angebliche Verbrechen gelyncht. Es sind Angehörige einer s Mertfchenkläffe/ der' man in Amerika, im Lande der Freiheit, 'alle Mesischenrechte abspricht, mit denen ein Weißer nicht an einem Tische sitzt, nicht in der/ Eisenbahn fäHrt,dieeP als Geschöpfe niedriger Kategorie ansieht. Diese LyüchjnstiA welche bisher nur an Negern geuht wurde, sollte diesmal art dm beiden jugendlichen Mördern. /vollstreckt' werden. Sie sind keine Neger, sondern^ jüdischer M-' stammung. Dies ist hervorzuheben. Die zwei Mörder sind Söhnevon reichen Eltern, Chikagoeb Millionären.' Die amerikanische Oeffentlichkeit hat bisher sehr geringe Austehnung gegen alles geübt, was in jener Schichtgeschah, die man als die „Oberen Tausend" (womit die reichsten Tausend, gemeint sind) bezeichnet. Ein Millio-- närssohn hat mit vollem Bewußtsein seinen Vater s erschossen und wurde in eine Irrenanstalt gesperrt. Eine ähnliche Mordtat, welche um einer Frau willen geschah, endete in gleicher Weise. Man hat nichts davon gehört, daß die amerikanische Oeffentlichkeit vor VeMndigMg des Urteils aus Furcht vor einer Rechtsbeugung durch das Lynchsystem dem bedrohten Recht hätte zu Hilfe kommen wollen. '' Jetzt aber ist das sonst so robuste Gewissen auf einmal erwacht, un^ nur mit Mühe konnte verhindert werden, daß sich ein Schauspiel wiederhole, das tauserwmal jährlich mit allen Mitteln der Grausamkeit und Bestialität an den Negern, exekutiert wird. Bis heute sind die Akte der Lynchjustiz in den Südstaaten geradezu Volksfeste, und was dabei der Freude an der Grausamkeit geboten wird, übersteigt weit die Phantasiegebilde der auf die kindliche Grausamkeit eingestellten Jndianerbücheln. Dieses Verfahren sollte an den zwei jugendlichen Bursä)en angewendet werden, die einen Mord begangen haben, über den der Spruch des Gerichtes zu entscheiden hat. Traut die amerikanische Oeffentlichkeit ihren Gerichten nicht, dann hat sie tausendfach Gelegenheit gehabt, dies zu-bekunden. Gerade in diesem-Fall mit der Reform einzusetzen, weist auf etwas anderes hin. Es ist nicht der Wunsch nach Gerechtigkeit, der.hier die Menge geführt hat, sondern der niedrige Instinkt, -der sich dort auslebt, wohin die Lehren der Gesellschaft weisen: Nach den Negern die Juden, nach den Judenbic Katholiken. Das ist, gesellschaftlich und politisch gekommen,. Ku-Klux-Klan-Programm. Diese Bewegung ist ein Merkmal des heutigen Amerika. . . Während der BerhaMung gegen die beiden jugendlichen Mörder fiel in der''Verantwortung der Angeklagten auch das Wort vom Ue'bermenschentum. Die beiden jugendlichen Gehirne haben dieses 'Wort aufgefaßt und für ihre verbrecherischen Zwecke zum Awtiv gemacht. Woher stammt^ dieses Wort, und woher II. Taborstraße 48 . Telenhon 47-1-70 ■n gros cn datall ——myuMsmrtin M»