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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-25 · Heft 1986 (25.8.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1986 (25.8.1924)
Date
1924-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Unlversitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Dösterreichisches Postsparkassen-Kontos Nr. 150.698 Rr. 1986 fflieit. Montag, 2|. ««M 1924 6. IWrgimg Nelv-Iork, 24. August. General Perf H i n g hat sich in einer Rede für die An nltXIierring der -Kriegsschulden und. für die Durchführung des.. DaweS-Plans ausgesprochen. Paris, 24. August. Der amerikanische Finan Minister Mellon ist Samstag in Paris eingetroffen, wo er sofort mit -politischen, und wirtschaftlichen Persönlichkeiten Ivogen der französ i scheu Sch ü l d c n in Unterhandlungen trat. Kalkutta, -24. August. Tie religiösen Zwistigkeiten in Indien nehmen zu. In der Gegend don Jarmashtami kam es zu Z u sa m m e n st ö ß e it. Tie Polizei machte von der Schuß was s e Gebrauch, wobei etwa 30 Per s o n e n Verletzungen erlitten. Khartum, 24. August. (Reuter.) Hier sind englische Verstärküngen, namentlich Flugzeuge, eingetroffen. J '; ' v Merlin, ^4>Äiigüst. Der heute in zchnstündiger üchmterbrötheuer Sitzung die Gesetzentwürfe übern d.ie. D'n-d.n st r i-ebela st u n g,. die Aufbringung dieser..Industriebelastung und die Reichsbahn. - Warschau. 2-1. .August. Minister des Aeußern Graf Skrzynski ist heute nach Paris abgereist, von wo er sich zur Teilnahme an der Bölkerbundversammlung nach Genf begibt. Reval, 23. August. Hier sindvier Personen verhaftet worden, die im Verdacht stehen, den sozialistischen Mgeordneten D a n i l s o n, der früher der koinmunistischen Partei angehört hatte, ermordet zu haben. Ae Ankmft der Böllerbmddelegierten. Erst morgen. Die 'Delegierten des Völkerbundes treffen Dienskag Len 26. d. in Wen ein, so daß bereits am kommenden Mittwoch die meritorischen Beratungen der Delegierten mit den Mitgliedern der Regierung und die Kvnfereitzen mit führenden Mitgliedern der Finanznnd Händelswelt beginnen können. Man rechnet in informierten Kreisen . mjt einer zirka 14 t ä g i g e n. B e r atnng der Delegierten, worauf diese nach Genf zu den Beratungen des Völkerbundes abreisen. Mit dem Ende der Wiener Konferenzen ist auch der Zeitpunkt für die Abreise der Vertreter der Regierung nach Genf gegeben. Wie verlautet, sind keine Einladungen an bestimmte Persönlichkeiten der hiesigen wirtschaftlichen Ä)elt ergangen, es wurden nur einzelne Korporationen ringe, laden, ihre Vertreter zu entsenden. Diesen Vertretern werden keine spezifizierten Fragen vorgelegi; es handelt sich vielmehr um eine allgemeine Besprechung der Wirtschaftslage, in der jedem Experten, der vor den Völkerbunddelegierten erscheint/ die Gelegenheit geboten wird, seine Ansichten Über die aktuellen wirtschaftlichen Probleme zu. entwickeln. Seipel fährt noch Genf. Wie heute in politischen Kreisen verlautet, wird Bundeskanzler Dr. Seipel, der am il September die Führung der Regierung wieder übernimmt, an den Beratungen der Völkerbunddelegierten, die etwa 14 Tage dauern dürften, bereits teilnehmen. Es heißt nun, daß er an der ircknitlelbar daraus folgen den Sitzung .des. Völkerbundes persönlich leiluehmen soll, um die österreichische Sache wieder in Gens zu vertreten. Gestern hielten die Kvmm-nniften in G r a'z unter freien Himmel eine Versammlung ab, wobei es -^u Alsämistrü'-! . stoßen mit .der Polizai kam. Mehcrere Wachlorte >utd Komnmnitzeni wurden peMt, - Ae Kammer für London. Ein großen Heg Herriots. (Eigendienst der .iWieüer Morgenzeitung".) . P a r i s, 25i August. Me große Aussprache, in der Kammer hat mit einem g r o tz e n S i e g H e r r i o t s geendet. Mit 336 gegen 204 Stimmen wurde nach siebenftündigeErachtsitzung folgende von Leon B l u m votgeschlagene-Tagesordnung angenommen: „Die Kammer beglückwünscht die Regierung dazu, daß sie dem S ch-i e d s g e r i ch t s - P r i nzip Eingang in die Londoner Abkommen verschafft, und es dadurch den Unterhändlern ermöglicht hat, zu praktischen, friedlichen Lösungen der Reparationsfrage im. großzügigen Geist« internationaler Zusammenarbeit nnd Eintracht zu gelangen. Die Kammer setzt Bertranen in die Regierung, daß sie ans der nächsten Konferenz zur Regelung der intrralliierten Schulden ebenso wie beim Völkerbünde das Werk der Gerechtigkeit ünd des Friedensfortführenwerde, das Äe Sicherheit. Frankreichs den ° Wederaüfbaü Europas gewährleisten soll. Sie billigt die Erklärung der Regierung.^ . : t ' Die ÄMmÄung .darüber^ war erst kurz vor 5 Uhr d-sK-Wnis verliiiidctc, erhob sich ein;; y minutenlanger Beifallssturm der gesamten Linken, wahrend die Rechte vollkommen ruhig blieb. Hierauf wurde die Sitzung geschloffen. Heute wird die Beratung über den Lansanner Vertrag ausgenommen. , Ueber die Nachtsitzung ist nur nachrutragen. daß Herriot in einer längeren Rede erklärte, daß es Pflicht d e r f r a n z ö s i s ch e n D e m o k r a t i c s e st den Militärismus Deutschlands zu zertrümmern, der deutschen Demokratie zu Hilfe zu komme», denn sonst würde Frankreich unter der schweren Verantwortung zusammenbrechen. Spaltung der Jeutschnatianalen? Ein Teil angeblich für das Londoner Abkommen. (Eigendienst der.,,Wiener Mopgenzellung".) Berlin, 2^. .August. Das Tägesgesprach in den PÄitischen Kreisen bildet nach wie vor -die Haltung der Derch'chnakianalLn/ Es ist bekannt, daß Vertreter -der Mitte l- Parteien mit den Deuts 6) n a U ona l e n -über. ein 'Kompromiß verhandeln,., um die DeuHchnatvo-nalen von ihrer ablehnenden Haltung London gegenüber a>bzjM-iygen. Autrieb hierzu ist. allgemein -bie Furcht vor — Neuwahlen. Ueber das Ergebnis dieser Verhandlungen ist noch nichts . .Mittlerweile spielen sich aber innerhalb der d e u t s ch n a t i o -n a l e n Par t -ei sMst merkwürdige Vorgänge ab. Ao verlautet, daß. in.der gestrigen Sitzung . der deutfchnationalen Reichs tag Fraktion T i rp itz, Walltaff und 'B.aziktle sich für - .di e- AnnahMe.d e r L o n-d.vn.e.r.: V <r-e i n b a r u n g - g u s g -e -spr o che-n Haiden. . -Ms" sich.ergab, daß die ühe-vwiegende Mchvheit Kr. die. Mlehnu-ng votieren wolle, verließen diese drei Wgeodireten!dgs -Beratunaszimmer. In Muex BersaNUNlung. der vaterländischen.- Verbände sollte -heute Gvotzadmival Tirpitz sprechen. Herr v. Tirpitz wurde durch den Grafen- Westarp vertreten. . M KmWAder RachfolsestaatM. Im Herbst im Rom. '"'Roast 'Au-gust. (Ttefani.) Die itÄieu'«sche Regie« /rMg.hätMM.ZMBH.d!er. Regeluyg einigep stoch in.Schwebe gHiHeuer wir t f ch a f t l i ch e r Frage» betreffend HiM den Fahime» 1921-1922 auf der Konferenz iu Vom (geEjHen^st'UjchMMMmen die Nu chfst l ge st aa t eurer ^österWchWungärWn Monarchie? ßu einer K o st f e r e »z eingeläden, die.wahrscheinlich im kommenden Herbst in R p O stattfinden ävird. Alle iu Betracht kommende» Staate» haben ihre Beteiligung zugesichert. 'safer Klosettschlüffel, Völkerbund und Nationalbank. — Dst Mörder Erzbergjers. ,.. or. Wie n.' 26. August. Nachdem der Völkerbund die Verkörperung deL edelsten Idee ist, .nachdem er nicht der Willkür eines gottbegnadeten Potentaten, - sondern dem Friedenswillen der Nationen sein 'Dasein - verdankt,.. n acbdem er kein Volk knechtet und knebelt, sondern allen helfen will und manchem schon' geholfen hat, nachdem'er aber speziell fü'x Oesterreich schon unendlichdiel getan, har, .ist es selbstverständlich,.daß. er von rechts und links und, von oben und unter verhöhnt unh beleibögt wird.-Es tst kern österreichischer' Paliti-ker / oder Zeitungsschreiber . so dumm, als daß er ittcCji. aut Völkerbund steinen Witz ühte, -und.keuier so feig, als baß er nicht dem BöMöbms> gegenüber'.frech würde. Der.Völkerhimd hat 'ein§n.' B.er- 4reter5in' Wien, - den .GeneralLommissär ZinimerMän. A)'em - letzten politischen 'Agenten -des. '. kleinsten' zentral-., amerikanischen .Räubernestes wird '. mehr Respekt 'erwiesen. Das Schimpfen auf.Zimmermän.ist ein alten Wiener .zustehendes Gewohnheitsrecht geworden, ' .wie etwa das Verfluchen des Telephons und das Ausspuckew» in der Elektrischen. In dieser Woche hat sich zweimal der Zorn reisiger Oesterreicher iiber ihn ergossen, einmal-von links und einmal von rechts her. Der Generalkommissär hatte eine Inspektionsreise durch Oesterreich unternommen. Die amtliche Korrespondenz berichtete nun, .wo. er überall abgestiegen ist. Die 'sozialdemokratische „Arbeiterzeitung" gerät über'diesen Byzantinismus" in helle Wut und schmettert: „Es ist-nur schade, daß nicht auch berichtet wird, wie,oft der Herr Generalkommissär den Klosettsch'lüssel benützt hat!" Geistreich und fein! Mannesstolz vor Königsthronen. Man weiß,-was-man seiner Gesinnung schuldig ist. Es ist ja nicht der aNamsche-Konsul, es ist ja--nur der Vertreter des BMerbundes. — Dann hat der Generalkommissär die Kühnheit an den Tag gelegt, in seinem Bericht an den Völkerbund..seine Meinung, über die Gebarung der Oesterreichischen Nationalbank, welche, ja mit Völkerbundgeld - - gestützt wird, zu - sagen. Unglücklicherweise ist diese Meinung nicht ganz, mit derjenigen des Herrn.Bankpräsidenten Dr. Reisch identisch. Sofort fährt ihm Dr. Reisch in einem Briefe, an alle Zeitungen über den dreisten Mund. Er würdigt ihn keiner direkten Aussprache, nein. in. der Zeitung nagelt er . ihn am Eine sonderbare. Art, diplomatisch, zu verkehren. Dabei ist Dr. Reisch sonst kein scharfer. Draufgänger, im Gegenteil, ein sehr gesetzter, vorsichtige Herr. Als Mnister ist er dem kleinsten Journalisten und unbedeutendsten Provinzvertreter konziliant entgegengekommen, hat sich bemüht.'alle Gegensätze in privater. Aussprache auszugleichen. Jetzt wird er räbiat. Es ist ja-nur der Zimgnerman, nur der Vertreter der. Völkerbundes, der Körperschaft, die man gestern anaeschnorrt hat..heute anschnauzt und morgen wieder anschnorren , wird. - Die Welt ist unberechenbar. Sie ist oft voll unbegreiflicher Milde, dann unvernünftig streng. Was hat sie den liehen Magyaren doch alles verziehen. Man hat 'das Mörder- und Ränbergesindel und seinen Oberbanditen Horchy sengen tinh brennen und - schänden lassen -nach-Herzenslüst und ist drüber hinwegge-gangen. . Erkennt das blutige'..Pack'' als Regierung, als gleich- ' wertigen Staat an Und tut nichts dergleichen^ Plötzlich fällt man über Mgärn'Her, weil es "die" Mörder^ Erz-' bergers schützt. Man kann über die hakenkr-euzlerischen Totschläger-änken wie man will, man kann sie für ausgepichte Scbandbubeu halten, ober ibr Verbrechen war hoch ein politisches ustd politische Verbrecher Wert niemand aus. Die Entrüstung iiber Ungarns HeMalten ist in diesem Falle eine reine Komödie. Man schm den Lumpen .ausgerechnet, wenn er sich einmal so benimmt.

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