Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1985 (24.8.1924)
- Date
- 1924-08-24
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, Svunkag Wetter MnrtieWeskttM. i 24. ätufluft 1924 Wh 1985 Professionalismus und jüdischer Sport. £un -Dr. Eugen Felix A., Kassier der Hakoah (Wien)'. Meine Freunde Dr. Körner und Artur Baar haben in btt „Morgenzeitung" an dieser Stelle zur Frage des Profes- «sionalismus in bezug auf die jüdische Sportbewegung Stellung genommen und'sind zu Schlüssen gelangt, denen ich mich vollinhaltlich anschließe. Tr. Körner ist cnrf die Ausführungen des Herrn Professor Vogel (Znaim), die am 17. d. in der „Wiener Morgenzeitung" erschienen sind, eingegangen und hat ihn sicherlich in den meisten Punkten widerlegt. Ich möchte einige Sätze aus dem Artikel des Herrn Professor Vogel her- Schwimmen. Ihre Tätigkeit begrüße ich aufs w ärmste. Aber zu ihrer Erhal tun g si nd keine ungeheuren Summen n ö t i g." t Dieser _ Satz zeigt deutlich, wie sehr Herr Professor Vogel in Theorien befangen .ist und die rauhe Wirklichkeit im Leben eines großen Vereines nicht kennt. Ich will mir im nachstehenden gestatten, die Sektionen der Reihe nach zu behandeln und in großen Umrissen .ihre Tätigkeit zu skizzieren und in knappen Zahlen die Summen aufzahlen, die jährlich von der Hakoah ansgebracht werden müen, um einen geregelten Betrieb ermöglichen zu können.^ 1. Schwimmsektion. Die Sektion umsaßt ungefähr 800 Mitglieder, davon sind 500 Zöglinge. Diese große Zahl von Jugendlichen erklärt sich daraus, daß jüdische Kinder, denen im' Elternhanse die Möglichkeit eines Bades-nur schwer geboten ist, auf Kosten der Hakoah gegen ganz minimale Beiträge oder gar kostenlos ihre Schwimmabende-besuchen. Die Sektion betreibt also im tiefsten Sinne des Wortes Massensport. Da, wie erwähnt, die Beiträge der einzelnen, angesichts ihrer B^ürstigken, nur sehr geringe sind, so hat die Sektion monatlich allein für Bäder den Betrag von zirka 7,000.000 K. aus eigenem auszubringen. Um talentierten Zöglingen den Besuch der alten Donau ermöglichen zu können, werden an die meisten sogar Fahrscheine ansgeteilt. Die Sektion hält einen ausgezeichneten Trainer, der im wesentlichen die schwimmerische Erziehungsarbeit leistet. Daß natürlich seine Kraft allein nicht ausreicht, um bei einer Besucheranzahl von 400 bis 500 Leuten, Ordnung zu halten, ist selbstverständlich, und so sind die Damen und Herren der Sektionsleitung an vier Abeichen der Woche genötigt, fest mitzuarbeiten, um einen geregelten Betrieb zu-, ermöglichen. Die Sektion hat noch eine Hakoah — Sportplatz Krieau Strassenbahnlinien A. Ak. 1.1. h. C-bis zum Sportplatz Sonnfeg, 24. August 1924, Mb 5 Uhr Wiener. Sportklub Meister von Nieder-Oesterreich gegen H 3 k 0 3!) Vorher: Sportklub Ulest seien HoKoob-Reseroen ganze Menge Ausgaben zu bestreiten, so z. B. werden alljährlich zwei Klnderjausen veranstaltet, bei denen den Kindern „entsprechende Vorträge, musikalische Darbietungen usw. geboten werden. Die -Sektion veranstaltet ferner, im Laufe eines jeden Jahres mehrere Vorträge von anerkannten Fachleuten über den Schwimmsport, zu denen die Zöglinge ebenfalls freien Eintritt haben, trotzdem die Spesen an Vergütung, Saalmiete usw. bedeutend sind. Das Defizit der Schwimmsektion, das jährlich aufgebracht werden muß. beläuft sich daher annähernd a uf 100,000.000 K. 2. L e i ch t a thl e t iks ek ti on. Der Zweck der Sektion besteht darin, jüdische Kinder durch systematische Körperausbildung zu kräftigen, widerstandsfähigen jungen Menschen heranzuziehen. Man muß aus unserem Sportplätze bei einem Training gewesen feiy, nur zu wissen, was da geleistet wird. Hunderte blasse, schmächtige, jüdische Kinder tummeln sich auf der Laufbahn und in den Anlagen des Sportplatzes in frischer Luft und Sonne. Die Sektion betreibt also ebenfalls Massensport, besitzt ungefähr 500 ausübende Mitglieder, davon 400 Zöglinge, die Mitgliedsbeiiräge sind minimale, Zöglinge zahlen in den meisten Fällen überhaupt nichts. Um die Ausübung des Sportes überhaupt zu ermöglichen, mußten zunächst leichtathletische Sportanlagen geschasst und erhalten werden. Das jährlich aufzubringende Defizit beträgt annähernd 5 0,000.000 K. 3. RingsLktiv«. Bei keiner Sektion kann man so deutlich die raschen Erfolge in der Erstarkung der jüdischen Jungen scheu, als bei dieser. Die Sektion hat vorläufig nur 60" Mitglieder, mehr können nicht ausgenommen werden, da das Trainingslokal nicht mehr faßt. Dieses Lokal dient aber nicht allein der TftmcjfeJtton, sondern alle Körpersport betreibenden Sektionen benutzen es, um dort. während der schlechten J-cchreszeit ihr Konditionstraining zu halten. Jahresdefizit 3 5,0 0 0.0 0 0 K. 4. Boxsekiion. Sie wurde vor einem Jahre gegründet und zählt ungefähr 40 aktive Boxer. Das jährliche Defizit beträgt annähernd 2 5,0 0 0.0 0 0 K. ■ 5. H o ck e y s e? t i o n. Die Sektion erhält sich selbst und zählt zirka 70 Mitglieder. Um die Möglichkeit zum Training zu schaffen, mußte der Klub im Vorjahre einen Platz bauen, ebenso Umkleideränme und Waschgelegenheiten. Die. Erhaltung dieser Anlagen geht ebenfalls zu Lasten des Klubs. 6. Fechten. Die Sektion hat zirka 40 Mitglieder, darunter einige hochtalentierte, die unter den zehn besten Fechtern Wiens figurieren. Der Klub honoriert einen Fechtmeister, der die Ausbildung der Fechter überwacht. Das jährliche Defizit dieser Sektion beläuft sich aus ungefähr 10,000.000 K. 7. Tennis. Diese Sektion, oie bei allen anderen Vereinen, wo sie längere Zeit besteht, dem Verein große Ein- SPORTKLUB „HAKOAH“ WIEN Heute Sonntag den 24. August 1924 halb 10 Uhr vormittags Ausserordentliche eneralversammlung TAGESORDNUNG: PROFESSIONALFRAGE nahmen schafft, war bis voriges Jahr auf einem fremden Platz eingemietet und hat sich nicht entfalten können. Die Klubleitung errichtete daher mit einem' Kostenaufwand von 260,000.000 K. sechs e r st k l a s s i g e Tennisplätze mtÜ» ein modernes Klubhaus auf dem Platze und hofft, in den nach» sten Jahren von dieser Sektion namhafte Beträge zu erhalten, um sie den anderen. massensportbetrcibenden Sektionen zuführen zu können. Die Sektion ist aber auch Üus dem Grunde für den Klub von großer Wichtigkeit, weil sie aus den konservativsten Kreisen der Wiener Juden Mitglieder für die Hakoah wirbt und neue Arbeitskräfte der jüdischen Sache zuführt. 8. Sektion für T o u r i st i k n n d Wintersport. Die Sektion besteht aus zirka 4 00 Mitgliedern, erhält sich aus eigenen Mitteln und gibt ein eigenes Nachrichtenblatt heraus. ' 9. Schachsektion. Diese Kultursektion hat zirka 300 Mitglieder, ist in einem Kaffeehaus eingemietet, erhält sich zwar aus eigenen Mitteln, benötigt aber für Miete mtd sonstiges jährlich zirka 8,0 0 0.0 0 0 K. vom Klub. 10. Orchestersektio n. Das Orchester der Hakoah, dessen Erfolge bekannt sind, und das-eigentlich^ben einzigen Mischen Orchcsterverein darstcllt, besteht ans zirka 80 Mitgliedern und ist im Konzerthuas eingemistet; für die Miete kommt die Klubleitung auf. Der Dirigent des Orchesters muß ebenfalls vom Klub honoriert werden und von den Mitgliedsbeiträgen werden nur Noten und iWstige Utensilien besorgt. Auf ^Kosten des Klubs werden ferner zeitweilig Mitglieder der Sektion für Blasinstrumente bei hervorragenden Lehrern ausge'bildet, damit alle. Instrumente im Orchester vertreten seist können. Ebenso sorgt der Klub dafür, daß alljährlich einige Konzerte auisgefi'rhrt Werder;. Die Klubleitung. Es ist nur natürlich, daß bei einem Klub. der 11 Sektionen besitzt, die ZeutralverwaAung und Organisation entsprechend ausgebaut soin muß, wenn es ihr gelingen soll, all die Mittel herbei zu schaffen, die zur Existenz der Sektionen notwendig sind. Das Defizit aber wird Uim größten Teil direkt und indirekt durch die Fußballsektion hereingebracht, direkt durch die Wettspieleinnahmen, indirekt dadurch, daß die F!iß'ballsekt.ion als Propagandaabteilung wirkt und der Hakoah neu^ opferwillige Mitglieder zr;führt. Die Evidenzhältuua der Mitglieder, die Erledigung von gemeinsamen Angelegenheiten und sonst all die Dinge, dH. eine Zentrale erledigen mnß. werden von einem Generalskretär, einem Sekretär und einem Bnroaufräülein besorgt, ferner werden ein Diener für das Sekretariat und zwei Platzmeister auf dem Sportplätze gehalten. An laufenden Spesen, die ziemlich beträchtlich sind, kommen in Betracht: Gehalte, Telephon. Beleuchtung und Beheizung des Sekretariats, Steuern, Krankenkastenbeiträge, Bnreauntensilien, Drucksorten. Briefporti, die manchmal bis zu 1,500.000 K. im Monat betragen, da die Korre,pondenz eine umfangreiche ist, Telogrammgebühren, und Wie schützt sich <e^r Sportsmann am sichersten gegen Unfälle jeder Art: Durch Versicherung gegen Unfall und Haftpflicht! Besonders wichtig bei Betreiben von Körpersport (auch Wintersport), Radfahren und Reiten. Für Autobeaitseri Auto-Ualversal-Verslcherung deckt alle für Automobilisten in Betracht kommende Risken in einer Polizze ".«»TÄ! Sun. Direktion: Wien, I., 8toeV-tm-EI«enpl»ti Nr. I Tel. Nr. 7*4«, 744«. Koatantoao Auskünfte be! dar Direktion des ANQIvO,"DANUB1AN-I.LOYD, Allgemeine Yeraichorunre-A.-d Wien, L, Aapernplet* 1. Tel. Nr. 6688, 8061. Copyright Orsterheld & Co. Beklag. 6. Fortsetzung. Das Mädchen im Nebel. Kriminalroman. „ Bon Joief Gollomb. ", ... Das Klirren zerbrechenden Glases schreckte sie antf. Es schien nicht aus dom Raum.seihst zu kommen, es war zu entfernt und doch deutlich genug. Oben war ein gläserner Lichtschacht mit reichen Ornamnten, aber Dein Sprung war darin sichtbar. Eileens Körper wurde Plötzlich ganz starr. Ebenso entfernt und deutlich als das Klirren des Glases, und anscheinend aus derselben Richtung, hörte sie eine schwache, beinahe geisterhafte Stimme, es war unzweifelhaft die Stimme ihres -Vaters in Not.- „Eileen! Kind! Sie haben mich ermordet, die Feinde! Ah—h!" - Der schwache Ruf scholl an und starb. Das Klirren 'des Glases ließ sich nicht mehr, vernehmen, man hörte nur noch das Murmeln des Brunnens. Langsam kehrte das Mut in ihr Gesicht zurück. Ihre Augen versuchten die Wirklichkeit zu seihen. Ein steifes Lächeln kämpfte sich durch ihre Lippen. Sie sah sich nach einer Erklärung dieser Geräusche um. Das'Glasdach war intakt. Die Tür zum Direktionszimmer war geschlossen, die zur 'Treppe ebenfalls.' Sie sah hinter den'Brunnen, .unter die Sessel, überall hin. Ein beschämter Ausdruck kam in ihr Gesicht. Etwas schwankend trat sie hinaus ans-den Flur, wo sie den Direktor mit einem Stoß Rechnungen guvückkommen sah. Er trat höflich beiseite. ,Haben Sie die Verbindung bekommen?" Ihren verstörten-Blick bemerkend, fragte er:- „Hoffentlich nichts Ernstes?" : ,, „Ich — nein," stotterte sie, „ich muH «ein wenig fchwind'lich -vom Tanzen sein, denke, ich, weil -- ,-Sie erzählte ihm kurz, was sie in dem Zimmer gehört hatte. „Aber um Gottes willen," rief er überrascht, „-niemand wird sich doch mit Ihnen einen schlechten Scherz erlaubt haben?" „Wenn Sie mit mir zurückkommen wollen; will ich einmal Nachsehen", sagte er. Eiken ging mit ihm zurück, ängstlich die Schwelle überschreitend. Er öffnete beide Türen -und sah sich überall um. „Wirklich", sagte er verlegen, „lvas kann das gewesen sein?" Sie streckte ihre Hände halb hoffnungslos, -halb komisch aus. ^Irgendein Blvsrnn, den ich mir embildete", lachte sie nervös. „Ich will deck Pagen fragen", bot er ihr an, „obgleich ich mir nicht ^denken kann, daß er sich erlaubt —" „Nein, nein", erwiderte sie, „natürlich weiß das Kind nichts davon. Es — es ist der Tag oder die — Hitze —" ,^Jch muß noch ein paar.Fenster in der Halle öffnen lassen", stimmte er freundlich bei. „Es ist. manchmal über zwanzig Grad,, wenn es voll ist, und wir wollten -den Nebel nicht -herein lassen. Ich will Sie zurückbegleiten." „Nein — bitte nicht! Es geht schon wieder besser, und tausend Dank." '' ' ' " ' '' Sie eilte zurück in den Ballsaäl und atmete tief auf beim Anblick der vielen Menschen. Nichts wünschte sie so sehr, als ihren -Vater und Malvin zusammenlznfehen. Niemand war da. Sie eilte an den Tisch. Der Kellner kam heran. „Der Herr hat bezahlt und ließ diese Garderobenmarke für Sie zurück, gnädiges Fräulein", sagte er mit der kalten Stimme eines gutgeschu'lten Dieners, der eine peinliche Bestellung zu wiederholen hat. „Er sagte, Sie würden^ sein Derschwinden verstehen, gnädiges Fräulein." „Aber ich versteh' es nicht", entfuhr es ihr. Der Kellner verbeugte sich und vermied, ihr nachzusehen, als. sie-eilends, blindlings aus dem Saale lies. Der Sensationsroman „Das Mädchen im Nebel" erscheint auch in unserer Montag sa n s g a b e (Sette 4). Neueintretende Abonnenten erhallen die bisher erschienenen Fortsetzungen unseres spannenden^ Romans „Das Mädchen im Nebel" auf Verlangen g r a t i s nachgeliefert. Drittes Kapitel. Die Schläfer. Hutch ging in betin unbeleuchteten Zimmer, in dem Dargau md Pete ihn zurückgelassen hatten, wie eine Katze auf und alb. Van Zeit zu Zeit blickte er aus seine selbstlmchteude Armbanduhr. Er war erstaunt, daß die Zeit fo lauigsanr vorwärtskriechen könne. Plötzlich hielt er inne, er witterte etwas Unibestimmtes in de-r Luft. Langsam schlich er zu den Telephonappavaten; er bemerkte, daß es. läutete. Sein Körper erstarrte. Zu diese« Stunde schien nur eine Erklärung für einen Anruf mögich_eine falsche Verbindung. Das Fräulein vom Amt würde sich überzeugen, daß hier wmiamd war, der aniüvovten könne. Einige Minuten Mckb es still. Hutch wollte sich gerade erleichtert abwenden, als es von neuem zu läuten begann. Jemand muhte darauf gedrungen.haben, die Verbindung zu. schalten, Hutchs Gesicht verzerrte sich. Das unaufhörliche Klingeln schien ihm imverständliich. Schließlich machte ihn das Geräusch so wütend,- daß er den Draht abrieß. Die Glocke schwileg. Hutch lehnte sich atemlos, sinnend an die Wand. Er starrte, als sich die Tür öffnete. Das Licht flammte auf, Dargan trat ein. Er riß feine nobelgetränikben Ober- Neider heMnter, a!ls ob sie ihn erstickten. Sein Gesicht war totenblaß, der ganze Körper zitterte. Hutch stierte ihn fmgend an, Dargan nickte langsam bejahend. „Kam Fehler?" sagten Hutchs Finger. „N—nein!" ließ Dargan von seinen Lippen lesen Hutch Lenierkte das Zögern. ,Hast du mich angerufen?" Wie ein Blitz wandte sich Dargan um: „Zum Teatfeh wie kannst du so Aöde fragen^'" „Weil jemand angerufen hat, während du weg warst." ,Mrs!"; ' „Wo ist Pete?" machte Hutch: Dargan wa>ndte sich nur. Durch die Tür schob sich die plumpe Gestalt Petes. Seine Augenquollen heraus Wie die eines Vollgefvessenen . Tieres; er sah keinen der beiden Männer ' an (imf seinem Wegins Nebenzimmer. Hutch sah ihm nach, bis sich .die Tür geMofsen hatte, dann wandte er sich zu dem zittevnden Dargan, - . (Fortsetzung folgt? 00^2