Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-08-22 · Heft 1983 (22.8.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1983 (22.8.1924)
Date
1924-08-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981066--20161-3007367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 1983 Wien, FrMatz Wiener Mor-enzettuirü 22. August ml Mm und Kunst .Parsisal" im altrömlschen Theater ru Bewna. Gin Lunftvevständiger Fvenrch unseres Blattes schreibt Uns, ans Bewna znrückgekehrt: Verona besitzt in seiner .berühmten ,Irena", dem im Jahre 290 n. Ch^. unter DiM-etian aus Marmor erbauten und für 22.OOO 'Zuschauer berechneten Amphitheater, das 1805 von Napoleon dem Ersten restauriert wurde, ein szenisches Milieu, wie es tm Zusammenhang mit der landschaftlichen Umgebung nicht geeigneter zu Fre'ilichtauMhrungen dramatischer Werke gedacht werden kann. Es sind nicht nur die historischen Erinnerungen, die der Anblick der gewaltigen, grauen Stoinmaslsen des Zyklopenbaues vor dem geistigen Auge des Beschauers erstehen läßt; die inmitten herrlicher Gärten gelegene Arena löst unter dem tiefblauen Nachthümmel eine Stimmung am§, die den. künstlerischen Eindruck des dargosteüten Werkes vertieft und über die Aufführung. den geheimnisvollen Zauber traumverlorener Mystik breitet. Für eine Freilichtaufführung des „Parsival" sind deshalb/hier ideale Bedingungen gegeben, wie. mau sie sich gerade für ein Bühnenweihfestspiel nicht vollkommener vorstellen kann. Aus diesen Erwägungen heraus hat es sich Bertolaso angelegen sein lassen, hier einer Freilichtaufführung des „Parsival" den Weg zu ebnen. Er fand für sein'Bemühen zunächst narr geringes Verständnis. Die meisten sahen in seinem Vorhaben eine Entweihung von Wagners BühnenwÄhfestspiel. Allen Eirrwänden zum Trotz hat Bertolaso seinen Willen durchgesetzt und der weihevolle Verlaus drr Freilichtaufführmrg von „Parsival", die kürzlich in der Arena zu Verona stattfaud, hat auch die strengsten Hüter der Dvaditwu eines Besseren belehren müssen. Das religiöse und mystische Milieu schuf hier an sich schon eine Atmosphäre verinnerlichter Woihestimmung, die die Tausende von Zuschauern mit suggestiver Gewallt in ihren Bann zog. Die italienische Presse höbt deshalb auch mit Genugtuung hervor, daß die Freilichtauiffühvung des „Pavsifal" keinen würdigeren Tempel und kein andächtigeres Publikum hätte finden können, als die Zuhörerschar, die dom musikalischen Opfer in der Arena beiwohnte. Aus de« Aeatem. Im Deutschen Volkstheater findet morgen (GamStag) die österreichische Uraufführung von Robert M usil S Komödie ^Vinzenz und die Freundin. bedeuteuderMLnner* statt. Im Theater in der Josef st adt wird die Winterspielzeit Montag den 1. September mit Carlo GoldoniS Lustspiel „Der Diener zweier Herren" eröffnet. JmJohannStranß-Theater eröffnen Raoul A S l a « und Erika W. a g n e r Montag den 1. September ein Gastspiel in der von Dr. Heinz Schulbaur inszenierten Novität „Phantom" von Norbert G a r a i, Musik von Max Niederberger. _ 16. Festanffiihmng „Aida". Infolge des schlechten Wetters mußte die für gestern anberaumt gewesene 16. Festaufführung der „Aida" auf der Hoher: Warte, welche zu Ehren Pietro Mascagnis stattfindet, ans heute verschoben werden. Die für gestern gelösten Karten behalten für diese Ersatzvorstellung ihre Gültigkeit. Anläßlich dieser festlichen Aufführung wird das Orchester bedeutend verstärkt und der Meister wiro. wie bereits mitgeteilt, zwischen dem zweiten unv dritten Akt der „Aida" die „Intermezzi" aus seinen Opern „Cavalleria rusticana" und „Freund Fritz" dirigieren. Beginn der Vorstellung halb 8 Uhr abends. Nach Schluß direkter Straßenbahnverkehr nach allen Richtungen. Burggartenkonzerte. Gestern fand im wunderschönen Burggarten ein überaus gelungener Tanz- und Gesangsäbend statt, dessen wienerische Note das zahlreiche Publikum entzückte. Frau Dürrigl - Schweiser sang Lieder und Lilly W i ed e n, eine Tänzerin von Rang und Eigenart, illustrierte den Gesang durch Tänze. Der „Dorfschwalben-Walzer" nrußte wiederholt werden. Mit stürmischem Beifall wurde auch Delibes „Bolero" ausgenommen. Im Solo tat sich Fräulein Wieden insbesondere durch den poetischen, mit wienerischer Grazie aüsgesührten Tanz, zu Gounods „Frühlingslied" hervor. Das Orchester unter der Leitung Rudolf P e h m s erfreute durch die treffliche Wiedergabe eines Strauß-Walzers und der Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit". Mißbrauch mit dem Wiener Musik- und Theatersest. Die Leitung bes Musik- und Theaterfestes ersucht um folgende Feststellung: Die Direktion des Bürgertbeaters hat den Tagesblättern mitgeteilt, daß sie aus Anlaß des Musik- und Theaterfestes „Das Dreimäderlha us" von Schubert aufführe. Es sei ausdrücklich festgestellt, daß das Musi ku n d T h e a t e r s e st mit der Aufführung dieses Werkes nicht das Geringste zu tun hat und daß mit dem Büvgertheater überhaupt keine Abmachung getroffen wurde. Das Stadttheater wird in diesem Jahre wieder Prosabühne sein. Neben Oberregisseur Stärk wurde Rudolf Zcisel als Spielleiter für diese Bühne gewonnen. Mizzi Günther und Magda Garden sind für'die neue Spielzeit engagiert, die am 6. September mit der Aufführung des Dramas „Der Sowjetkommissär" von Tschirikofs eröffnet wird. Nombergs Schriftstellerjubiläum. Aus Warschau wird uns geschrieben: Der Verband der jüdischen Schriftsteller und Journalisten veranstaltete anläßlich des 25jährigen Schriftstellerjübiläums H. D. Nombergs eine feierliche Jubiläumsakademie. Sämtliche führenden Persönlichkeiten des jüdischen Warschau und ein zahlreiches Publikum nahm an dieser Feier teil. Der bekannte jüdische Schriftsteller I. Heft mann eröffnete die Feier mit einer längeren Rede, in der er dieliterarische Tätigkeit Nombergs würdigte. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache Schalom Asch', der seinen Schriftstellerkollegen mit herzlichen Worten beglückwünschte, sprach Nomberg über den literarischen Kreis Perez', dem er seine schriftstellerische Laufbahn verdanke. Sodann folgten künstlerische Darbietungen, die den eindrucksvollen Abend beschlossen. Noch ein Jeanne d'Arc-Drama in Sicht. Die Dramen, die die Geschichte der Jungfrau von Orleans zum Gegenstand habe::, häufen sich ln der letzten Zeit. Nach Bernhard Sh a w s „Die heMge Johanna" und Georg Kaisers „Jilles und Jeanne" arbeitet jetzt der ungarische Dichter Desider S z oui ory an.einem Jeanne d'Äre-S'tück, das in der Herbstsaison i» Budapest zur Uraufführung konrmen soll. Neujahrsgratulationen in der Wiener Morgenzettung' Ihren Verwandten, Freunden, Gästen, Kunden in der Rümmer der Wmer Morgemeilung' am Sonntag den 28. September (29. Eiul) Die Neujahrsgratulationen. der „Wiener Morgenzeitung“ haben sich seit Jahren beim jüdischen Publikum bestens eingeführt. Um die grosse Fülle der einlaufenden Gratulationen unterbringen und günstigst placieren zu können, empfiehlt es sich, den anliegenden Bestellschein sofort auszuschneiden und umgehend an die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Der Betrag ist am besten in Noten der entsprechenden Landeswährung gleichzeitig mit dem Bestellschein in bar zu überweisen. Der Preis für das Elnheltslnserat (29 mm) betragt: Für Wien und Oesterreich . K 76.000 Für Polen.Zloty U — Für alle übrigen Länder Dollar 1.— beziehungsweise dessen Gegenwert in der Landeswährung Muster: J. M. Prost und Frau B II. Grosse Mohrengasse Nr. 47 gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten zum Neuen Jahre! Hier ausscHnelden! Bestellschein An die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“ Wien, 11. Taborstrasse 1—3 Ich bestelle für die Rösch- Haschanah-Nummer der „ Wiener Morgenzeitung“ .Neujahrsgratulationen) zum Preise von und sende den Betrag gleichzeitig mit diesem Bestellschein ein Text: (deutlich ausfüllen!) Name:.... Adresse: , den 1924 Gelte S Walter Riehl und „die Ablüfter des deutsche« Bottes". Das Strafbezirksgericht 1 hatte gestern über eine Ehrenbeleidigungsklage zu verhandelt:, welche der frühere Obmann der nationalsozialistischen Partei Dr. Walter Riehl gegen den Privatbeamten August S t e p a u erhoben hatte. Nach Inhalt der Klage hatte der Beschuldigte, der der nationalsozialistischen Partei angehört, am 20. Mai an den Kläger eine offene Karte geschickt, in welcher er heftige Angriffe gegen sein politisches Verhalten richtete, ihn insbesondere als einen ganz gewöhnlichen Mandatsjäger bezeichnte und ihm vorwarf, daß er mit jedem Lumpen spreche, wenn nnr ein Mandat hercrueschane. In der sehr ausführlich gehaltenen Klage yeißt es dann: Meine Tätigkeit in Oesterreich in zahllosen» sehr gefährdeten Versammlungen, von allem anderen abgesehen, ist der Öffentlichkeit und dem Gerichte bekannt. Die Erblaster des deutschen Volkes, Scheelsucht und besonders Neid, wirkten sich im Laufe der letzten zwei Jahre auch gegen mich aus. Zuerst * von einer kleinen Gruppe unverantwortlicher, halbgebildeter, jugendlicher Elemente ausgehend, wurde Mißtrauen gegen meine angeblich zu gemäßigte Führung laut, bis schließlich die Frage der Beteiligung an den letzten Nationalratswahlen zu einer großen Meinungsdifferenz, schließlich zum Bruche der jetzigen Machthaber in der Partei mit mir führte. Der Angeklagte gab zu, dir inkriminierte Karte geschrieben zu haben, und zwar einer momentanen Eingebung folgend, als er in der „Deutschen Tageszeitung" eine Notiz über die Gründung eines „Dr. Walter Richl-Bundes" gelesen hatte. Er sei über den Inhalt dieser Notiz sehr aufgeregt gewesen, da durch die Gründung eines derartigen Bundes Zwiespalt in die Partei gebracht werden mußte. Auf die Frage des Richters, ob er einen Wahrheitsbeweis in der Richtung antreten wolle, daß Dr. Riehl ein Mandatsjäger sei und, um ein Mandat zu erlangen, mit jedermann zu Packtieren bereit war, erwiderte der Angeklagte, daß ein solcher Beweis sehr schwer zu erbringen sei, daß er aber zur Zeit, als er die Karte geschrieben habe, das Gefühl hatte, daß seine Vorwürfe berechtigt seien. Nach Einvernahme der Zeugen kam über Anregung des Richters ein Ausgleich zustande. Der Kläger zog den Strafantrag zurück, worauf dar Verfahren gegen den Angeklagten eingestellt wurde. Das Gericht ist kein Versatzamt. Franz P. fft Chauffeur und soll in den nächsten Tagen znm Antritt eines Postens nach Klagenfurt abreisen. Gestern mußte er sich noch vor dem Bezirksgericht Fünfhaus wegen Uebertretnng des Waffenpatents verantworten. Er hatte nämlich einen Revolver im Besitz, den er in der Nacht abgeschossen hatte. Er trat dann zu einem Wachmann, den er fragte, ob er den Schuß gehört habe. Der Wachmann wurde erst dadurch auf ihn aufmerksam, daß er diese Frage an ihn stellte. Der Richter verurteilte ihn zu 100.060 K. Geldstrafe und sprach den Verfall der Waffe aus. — Nicht e r: „Nehmen Sie die Strafe an?" — „Jawohl, mit vielem Dank." — „Wann wollen Sie die Strafe zahlen?" — „Ich bitte um einen Aufschub, ich Hab' jetzt kein Gelo." — Richter: „Sie fahren doch von Wien weg, es wäre angezeigt. Sie würden die Sache noch vorher ordnen." — „Ich zahl 's, meiner Seel', Herr Richter. Ich lass' Ihnen als Pfand den goldenen Ring h:er." Der junge Mann streift einen Ring vom Finger und überreicht ihn dem Richter. Dieser reicht ihm den Ring zurück mit den , Worten: „Wir sind ja hier in keinem Versatzamt, das Gericht. kann solche Pfänder nicht annehmen. Stecken Sie den Ring wieder an. Sie bekommen einen 14tätigen Zahlungsaufschub." Bei Entgeltanspriichen von Angestellten während der Krankheit jst die Angabe der Krankheitsursache ersorderlich. Die Angestellte einer Wiener Aktiengesellschaft war vom. Betrieb fern geblieben und hatte als Grund hierfür „Erkrankung" angegeben. Die Gesellschaft forderte daraufhin die Angestellte unter Berufung auf das Angestelltengesetz auf, unverzüglich eine Bestätigung der Krankenkasse oder eines Amis- oder Gemeindearzies über die Ursache und Dauer der Arbeitsunfähigkeit vorzu'legen. Die Angestellte brachte hierauf eine Bestätiguirg der Krankenkasse, in der wohl die Arbeitsunfähigkeit angegeben. jedoch die Krankheitsursache nicht vermerkt war. Die Gesellschaft verweigerte daraufhin die Bezahlung der Entschädigung mit dem Hinweis darauf, daß sie einen gesetzlichen Anspruch auf die Bekanntgabe der Krankheitsursache habe und nur unter der Voraussetzung der Anführung dieser Ursache zur Zahlung der Krankheitsents'chädigung verpflichtet sei. Die Angestellte klagte die Firma auf Auszahlung der Krankheitseutschädigung. berief sich darauf, daß die Krankenkasse ihr die Ausstellung einer solchen Bestätigung verweigert hatte und ihr demnach die Beibringung unmöglich sei. Das Landesgericht Wien als Berufungsgericht in gewerblichen Rechtsstreitigkeiten hat nun entschieden, daß die Verweigerung der Entgeltzahlung für die Krankheitsdauer seitens des Unternehmens berechtigt war. Wer ist der Mörder? Ans Cluj berichtet I. T. A.: Seit März 1923 befindet sich der 32 Jahre alte Fleischer Josef Mittelmann im Gefängnis. Der Sachvechalt ist folgender: In einer Winterniacht fuhren Mittelmann und der Bich- Händler Kohn im Schlitten durch den Wald: sie wurden von Wegelagerern überfallen. Kohn wuvde durch einen Schuß g.et ö tet, Mittelmann gelang es zu entfliehen. Ex erschien bald darauf auf der Gendarmerie, um den Fall zur Anzeige zu 'bringen. Die Gendarmen nahmen ihn als des Mordes verdächtig in Haft. Als SchnMeweis wurde angenommen, daß e>v eine große Summe Geldes bei sich hatte. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt der Gendarmerie und Verurteilte Mittelmann zu 12 I a h r e n Z u ch t h a u 4. Sämtliche Einwohner der Gegend glaubten an die Unschuld Mittelmanns, dsr in einer großen Firma tätig war, wo Millionen durch seine Hmtde gingen und er sich nie etwas zuschulden kommen ließ. In der vorigen Woche geschah es nun, daß ein Mann, ein Nichljude, an demselben Stelle im Walde, an der damals der Mord an Kohn verübt wurde, überfallen und ausgeraubt wurde. Diesmal wunden gründliche Nachforschungen angestellt/ Es gelang dabei, zweier Räuber habhaft zu werden. Auf Wunsch des Rechtsanwaltes des Mittelmann wurden die Häftlinge ihn im Gefängnis ge-geunbergestellt. Mittelmann erkannte irr dein einen der Räuber denjenigen, der vor anderthalb Jahren den löblichen Schuß auf den Viehhändler Kohn Abgegeben hatte. Mann hofft nuimichr, daß Mittelmann bald auf freie» Ruh aeü'bt wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.