Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1981 (20.8.1924)
- Date
- 1924-08-20
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
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««. 1Ä81 M«. MMvocS Wiener Moroenzsitunü. Wiener. Moraenzsitunn. Mt. 1981 Mer PrsWirnalismus — abgeblafen? Ae Shielerimkg». - TmsEoneller Müzug der gratzen KvaMon. ' - Mach tst der Prüs-estioncrlismirs nicht recht zm Welt gekommen ' und schon, 'scheint eS,‘ wird' HO. der Atem ausgehlasen. Mes' war schon über das vorbereitende Stadium hinaus gediehen, , und-es sah so aus, als ob die Tatsache seiner Einführung in Oesterreich nur mehr eine glatte Formalität bedeuten-wlürde. Da waten es die Spieler, die auf den Plan traten. Die wollen nicht, daß über ihre Köpfe hinweg das Problem einseitig gelöst werde. Gine Spielerunion ist kn Mdung begriffen, die in eiNÄ Denkschrift - an den Verband ihre Stellungnahme zur Bernssspi-elerfrage vorlegen wird. Aber diese Spielerbewegnng, diesich -ja n i ch t gegen das ,Wesen" der Sache selbst richtet, hätte' im AuSg'leichKwege die Lösung der.Bevufsfpielerfrage doch kaum gefährdet. Nun hatsich im S ch o ß e der g roßen K o a l i t io ns v e r eine, wahrscheinlich wohl auch unter dem Eindrücke der Spielerbewegung, eine geradezu sensationelle Wen dung-ergeben,, die in folgenden Beschlüssen gipfelr, die heute dem Spielausjchuß der ersten Klasse als Anträge unterbreitet werden: , 1. Der Sp'elaüsschuß verwahrt sich dagegen, daß. das Berufsspiellertum unter Hintansetzung der zwischen Verband und Splel-.iusschuß in den 'gemeinsamen Beratungen vorgesehenen Autonomie.der zu schaffenden Prosestionalltgen -ein-gsführt wird. Ms'bHondere.M. der Spielausschuß mit 'der - gedachtes Zu-^ -Mmmrnwtznng der Ken:rr>Aköm-Mistisn' und 'des Exekutiv- > Komitees nicht einverstanden. ■ ~ ■ 2. Der. S-pielauLschuß hat sofort -den Verband ' anjyu-, fordern, daß Einvernehmen mit.den Spielern zu pflegen. Diese Fühlungnahme hat bis längsiens vor. der Generalversammlung des W. F. B. zu. erfolgen. -L. Die, Meisterschaft - hat spätestens am A- September zu beginnen. . 1 , . U’. Das Berufsspielertum' hat nur dann eingesÄhrt zu ' werden^ tvenn die NachbarstLaten, und zwar: Dschecho-iSlÄvakei, Ungarn, Deutschland und Italien, sich ebenfalls Mr den Pro-' festionalIsmus erklären. ' .'v 6. Den.Vereinen ist das Recht einzuräumen, Mann-schaften sowHl an der Professionalals auch' an der -Ämateurmeistersch'aft - teilnehmen -zu lassen.. Es . ist klar, daß ,die. neueste. Stellüngnahme ein ' vollkommenes Abschwenken bön der forcierten Bahn bedeutet. Die erstklassigen Vereine ^bezweckten mit der- EinMrung des Professionalismus eine Erleichterung ihrer Lage durch die Regelung deS Verhältnisses der Spieler'zum Verein und eine gewisse Unabhängigkeit seitens des Verbandes. Wenn sie die Autonomie nicht durchsetzen können, haben sie kein Jnt-er- 'esse daran, nur schwerw i egende V e r p f l i ch t u n g e n, die ihnen.der Professionalismus auferlegen würde, wie Gegengarantienusw., auf sich zu nehmen und dabei entrechtet zu bleiben. Wie die Dinge stehen, dürfte die große Trompete'der Wortführer des Prosessionälismns wieder, v erstummen. und . der MckKug angetreten werden. Da auch die kleineren Vereine eine rege Agitation gegen, das Berufs-' spielertum entfalten, ist zu erwarten, daß. alles beim alte« bleibt. Prsfsssiünalismus und jüdischer Sport. Bon Dr. I. H. Körner, Präsident der Hakoah. Bisher erschienen in d'-e'er Rubrikzwei Artikel,' der eine von dem SeWonslener der Hakoah-Fußballseiktim Artur' Baut, der ctitibm von Pros. Ernst BogeI. Herr Baar behandelte das Thema in zweievleii Richtung: a) von der sportlichen unld b) von der nationalen Seite. Her: - Prvf. Vogel nur vom nationalen Standpunkt. Zch. schätze meinen alten Freund Prof. Vogel als Kampfer für ->die Reinheit im jüdischnadionäkeri Sport. Et hatte aber nrr- 'trmlS Gelegerchsit, in einem großen Sportverein rang zu fein,..- hat also Eeine Erfahrung in der Praxis, wenn er uns auch imnver der beste Ratgeber und Lehrer in der Theorie ist. Artur Baar, feit -der-Gbü-ttdung der Hakoah stets einer - der promine-ntesten Führer, hat während des. Krieges ganz ' allein die Hakoah vor dem Un-tergang bewahrt, uua war der- - jenige, der nackt dem Zu's.am-menbruch die Hakoah zu der Hohe geführt hat, die dem jüdischen Verein . überall Anerkennung verschaffte. R-i-emand kann, wie ich, die Tätigkeit - meines Freundes und Mitkämpfers Artur Baar« beurtom, ' und niemand weiß so . genau, wie ich, daß Artur Baar >.e: .größte Erfahrung in der praktischen Führung eines Sv.r t-' . Vereines beisitzt. Pros. -Vogel, dev reine Theoretiker, und Artur Baar, der erfahrene -Dpo-rtsmann und Denker des Bei- ' eines, haben' M siner wichtigen Frage wtj 'einem GporGvsig? Stellung gen ommen, r> nd hzwar diametral. Ich will. n'cht ünbofcheiden fein, wenn ich -mir erlaube, 'mich zwischen beide . - zu stellen, denn.-die ältesten 'Sportsleute Wiens worden-wir. zulbillige-n, daß ich. im prultischen Sport'die nötige Er'ah- __ SO. August 19S4 Seite S rung habe, nnd die Gesinnungsgenossen können mir die genaue' Kenntnis unserer nationalen BostMungen wohl nicht albsprechen. ' - ' , ‘ Die ,,Fisa", die obetste Behörde des- Fußballsports, hat den Landesverbänden den Auftrag'erteilt, die Amateur- und Professi-onalfragL zu bereinigen, weil sie sich, darüber * 'klar war, daß die momentanen Verhältnisse -in den würschiedlneU Ländern eine einheitliche Instruktion vorläufig nicht zulassen und erst einige Probejahre für alle Länder die gleiche Regelung hertbeiführen werden. Die Stellungn-ahrne omgeln-rr -Länder zu dieser Frage.soll hier nicht behandeltwerdenaber auch die Auifsassnng - unserer obersten-' Behörde^ des '-We«r Fußballverlbandes, will ich nicht'beisprechen, weil sich der sicheren Ansicht bin, daß den berieitSgeif-aßten BeschlÄsfen' noch große Aendevung-on vi-ntveten müssen. -Die Leitung-des - Wiensr Verbandes, die ^derzeit in-ihrer Majorität aus Sozialbemvkriaten besteht, ist mit rühmensrvrrter Offenheit en die' Lösurvg dieses schwierigon Problems hevangetreten, 'doch es ist ihr etn jetzt-schon Mage tretender Fchler unterlaufen.. Sie hat-sich über den .ganzen Fragenkomplex nur mit-den Bereii nen aiuseinaudorgeis-etzt, also mit den --Arbeitgeber n", und hatdie,Spieler,!.die ,Mr.beitnehmer", die is-onlst.für Sozialdomokva-tsn. in Existenzfragen die MaßgÄbenhen sin!d, .b e>lfeite-gela-ssen. Da nun. die Späoler Bedenken gegen die Auffassung der Berbandsleitung kund'geben,, wrtd unbedingt. der Fchler korriigiert - werden müssen, weshalb die.' Beschläge für Ne Generalversammlung-des. WiEr Fußball- Verbandes wesentlich geändert dürften.. Erst „die-in.'dieser gefaßten Beschlüsse werden für, die.Wiener Fußballdereine maßgebend se!in, Nls'0 in der Hakoah für: eine , ihrer sls Seiktivnen, für die Fußballsektion. Was bedeutet nun. diese Sektion für die Hakoah? Sie hat die Hakoah gegründet, sie hat allmählich sinsvlwe Sektionen ins Leben -gerufen und sie hat lange Jahre ganz astem die Miitob zur Echaltung der DMionen - horlbeigeschafft.. Durch sie -bekam der Verein allmählich, . A^- . Hänger, die ihm zu neuen Mitteln vecha-lfM, die die Erpich-' tung eines-eigenen'Sportplatzes mit der FußbaMoktion fammen ermöglichten, die mit . ihr seinerzeit dg-s. Bch .in -der, Kuchelau erbauten, der LoichtathletWsekbi-on ihre sPorMchen^ Anlagen herstellten, der Ringselktion ihr herrliches Ringlokal, der Hockeysektion den besten Hockeyplatz von Wien und , der TennisMion zum Teil chr-e glänzenden sechs. Plätze.-er- .richteten.. ...Diesedurch.".Fußballpropagand-a^ .ge- :. wonnenen Anhänger waren, es, welche stets bereiit Waren^ mit größten..Geldbeträgen unserer Örganisiat-ion zu Msen, bei den' , Wahlen dem Wahlfonds zu spenden, viellelicht noch wicht aWr -sehr., alber immerhin für neugewonnene Anhänger .unserer 'Idee ziemliche Beträge am den Keren Ha-j-essob,aibzu- .führen mid schließlich gerade in letzter Zeit es .der . Hakoah ^ermöglichten, mit ihren Mitteln und den Abgaiben -der FußballsMq». M eigenes H eim mi-ttm in der» Leöpoldstajdt. M evvich'ten,. wnd,- was vielleicht -als größte Tat der Hakoah zu'werten ist, Ale jüdischeAeUPpherbewahr- .anstalten vor dem Untergang zu.reisten nrch' «rilN,i.AOi.E(|«AS«HI IM^NrTe^JS«' TmLrt**Hr762J5* MW riM 'C i.tSK Lachdrüik »'orvthalte». r .51. Fortsetzung. Margery K'nbby war schon immer eine begeisterte ' Dußballenchustastm gMesen, .jedoch njemals vorher war Hr dÄ'unerhörte.Zauber, mit welchem dieses große Spiel . die "Massen im Ba nne, hielt, so bewußt getvor-den.' wie stetztst :-Du ihrer Ueberraschung vernähm sie, wie die Leute um sie herum aus dem Kops Mer, Geiwicht uwd Größe fches . Äntzelnen '.MiMes -dtzs Hollywood-Teams angaben. Sie : errötete vop Stolz, als sie hinter'ihrem MGn Mcks Namen,- «vwähnen hörte: Mn. FnWaMmnder; ich 'habe G. O.' ' Smith zu seiner besten Zeibgsse'lM, <cher nicht eine - Idee besser als dieser wenn er überhaftlpt jo gut ' war!" . . .. Hollywood war nach der Pause zuerst auf dem Felde und der tiefe Mndrn^ den sie auf die Menge gemacht hatten, ,, zeigte.M sofort jn dem bransetchen - Beifall, mit dem sie begrüßt wurden. ' - '- Dann kam ^nstngton und der Spiel'bsginn und manfhövlich ivechselte> Hoffnung mit bitterer GnttäuschMg in den Herzen der großen Meng. - ' .Jedes Spörtereignie. ist voll dramatischer Einzelheiten, aber in diesem. Po.skalwetEamPf, den gröMN, welchen selbst die ältesten/anWWpen Fußbajlatchängep- Mchen hatten,^ , schien. -jeder' etuzelite Stoß die WeMtst zu ' eMvisieren.' ÄZöh.rend der.-nächsten,.-fünf Minuten^ nach Wiederausnahme des Spieles wvgte die Menge Mygeregt':hist und her und es war ein Anblick, nicht u-näbnlich-einem gigantischen Weizenfeld, das Vom^-Winde bswegt wird' . ■f ' , - -i,! . '■-*>* . *. j Jeder l enWlne Mann im Felde--leistete sein Bestes, dpch ^waren^ iß ■ die' .SpieVex int roten Jersey, auf die hcmpö-' .ha^'.HtgePNtz^.Hy Zuseher gerichtet Mr. Immer und immer wieder fegten sie mit unheimlicher Präzision über das Feld. Der dunkelhaarige, feine Junge im Zentrum ähnelte einem Kutscher, der vier feurige Pferde am Zügel-hatte, so vollkommenhatte Marr den Hollywood-Stuvm in. der Hand. Seine Kameraden folgten hem leisesten „Zug"; sie schienen seine verborgensten Gedanken zu kennen. Immer' wieder donnerte der Beifall der Menge, so oft er seine Sturmlinie mit einem nreisterhaften Paßball, der sM Fußhallgenie offenlbvrto, in Bewegung setzte. - Trotz allem Geschick, trotz aller -List und Entschlosienhe-it. des Hollywood-Teams kam kein weiterer zählbarer Erfolg. Me Querstänge erbebte, die Seitenpfosten zitiertes doch durch mehr als zehn Minuten gelang den Hollywood- SErmern alles, nur kein Soall Immer betrog sie das Glück um-den verdienten Endevfolg. Einmal lag sogar der Tormann, der ganzen Länge nach, auf dem Boden und ein Kensington-Back begegnete gleichzeitig mit dem Kopf einer Bombe, die ihn glatt in das Tor hineinwarf. Aber der Ball , ging nicht mit; er sprang vom Kopfe des Verteidigers ab mvh. rollte Mr das Dach! , Die Kensington-Backs arbeiteten wie Besessene. Sie schössen den Pall mit Mer Geschwindigkeit weg, als wenn - er rotglühend wäre. Der bloße Anblick eines anstürmenden Hollywood-Forwards genügte ihnen, um den Ball möglichst rasch ins Out' zu schießen. Als der rechte Back auf diese Weife zwei-mal abgewchvt hatte, erhöhen die Kohorten mit rot-weißen Armbinden vm erschütterndes Triumphgeheul. Es schien, als ob Hollywood den Gegner in Grund: und Boden spielen wollte. Aber es ist nicht immer dasselbe, hervorragerw FußWl zu spielen und Goals zu erzielen. . .. - Gin Goas am' Fußballftld ist Wie ein Mock out im PrizeMg «L: -ist das ei-llzW was die Wnge wirklich . befrrodigt. Die. Zfus^auer,. welche. M ohne -Widerspruch, ja ohne es . zu meMn, gegenseitig aus den Füßen standen, .srenwe Hüte schweEten,, schrieen nach einem Goal. Da HolsYvwod jetzt die-populäre Eff> war, verbanden sich jetzt, - die StMNen der Neutralen mit her großen - Menge mit denen, hex. Mnner aus. dem^Mrden. rn?de.m. wilden Be» gehlen, daß Hollywoods faszinierendes Spiel mit einem Goal bÄptznt weriW Mge. Dre Zunl-fe wirkten auf Marr und seine Leute wie -Peitschenhiebe aus feurige Roste. Meder begann er Men, Angriff; Wieder ging das Leder von Mann zu Mann' Mit' erstaunlicher - Geschicklichkeit und Präzision. Als"schl.ieMch . der Zenterball von rechts kam, schnappte ihn der Mittelstürmer, stürmte vorwärts und'sandte ihn an den ausge- . streckten Händen des Kensington-Tormannes vorhe-i . ins -Netz.- t.'': . . Die' Menge 'tobte vor wilder Begeistemng, ckber ffe dauerte nicht lange. Statt in die Fewnü-tte'M zeiM^ ord-' neteder-Schiedsrichter einen Freistoß an!' 1 ' . .-/Dü warst abseits, -mein J!unge, es tut mir-lerd!"' sagte der Mann mit der Pfeife und klopfte dem ©ftrcet auf den - Micken; als er an ihm Vovbeikam. Es war eine bittere Enttäuschung, aber tatsächlich, war Marr abseits gewesem In seiner Erregung hatte er nicht darauf.geachtet. Der Effekt war, daß der Appetit der Menge noch mehr gereizt wurde. Fünf Minuten, später wurde auf die und orlhergesehenste Weise ein Goal erzielt. Der. Vorgang war >foWnder: Hulme^ der linke Hals Kensingtons, schickttz'Wrc vor, Mrenlöck war nicht zu umge-hen und der Flügel-: mann gab infolgedesten mit der Ferse an Crosbh' zurück, der in nächster Nähe stand. Der Linksinnen hatte eine der-. Hältmsmäßig freie Bahn vor sich und schoß, bevor Bennet eingr^isen könnte. ' ' > Der Ball flog mit solcher Vchemenz und Geschwin- ' digkeit, - daß der rechte Back ihn nicht mehr- ''auMltcü konnte, aiber M Seufzer der Erleichterung entrang sich den Anhängern Hollywoods, 'als Tranfield, ' einer der -sichersten. Schützen der drei Ligaklastens Anstalten tpafsi um- ' den.gefährlichen Ball abzufangen. . . Man .sqh, wre Tvanfield.nttt dem Fuß ausholte. Eine Sekunde -später: Wurde -der Seufzer -der Evlerchj terung zu Menr Stöhnen der Verzwefflung,- AufJ'chsmbar 'uneEärliche Weise traf das Leder mit -der Seite des SchuH zusammen und sprang gegen das Hollywood-Goal ab. * ■ Wallis' versuchte mit vrchiveiMer Änstrengung 'noch : üM-«ette»>-' '-'>ccker-!''eS---'wavÄ-u^M'.,' Wahvend''-"ei«'.'"Deil^ bfa (Plötzlichem Schreck wie betäubt war, zeigt der Schiedsrichter schon mÄ der Pfeife zur Feldm-itte. Gortifetzung folgt.)