Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1980 (19.8.1924)
- Date
- 1924-08-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fe.1880 ®Wit, SWeitStoa M AÄwertunginllkgarn. . Budapest, 18. Augüft. (Tel.-Komp.) Der Finanzi minister hat die Verordnung über die Aufwertung der , Aktien von Bank- und Jndustrieunternehmungen vorgestern unterschrieben. Die Verordnung erscheint Sonntag im Amtsblatt. Die Verordnung sieht im wesentlichen vor, daß jedes Finanzinstitut und Industrieunternehmen seinen Reingewinn und das Stäinm- >kapital auf Goldkronen umrechnet. Die Besteuerung erfolgt nach Maßgabe des Gewinnzuwachses im! Vergleich zum vergangenen Geschäftsjahr. Je größer!der Gewinnzuwachs in Goldkronen ist, desto höher erfolgt die Steuerbemessung. In Finanz- und Jndustriekreisen wird die neue Aufwertungsverordnung sehr günstig aufgertommen. / Wiener Börse. Hoch anfänglicher getilgte» fchwäch-r. Die gestrige Börse eröffnet unter dem Eindrücke des günstigen Abschlusses der Londoner Konferenz iN sehr fester i Haltung. Gefördert wurde; bt-c freundliche Tendenz auch noch f durch die vorgelegenen Kauforders seitens der hiesigen Spe-! kulation und solcher für Prager Rechnung. Wenn sich die Spei ktÄatton Reserve auferlegte und das Geschäft nur auf einzelnen : Gebieten einen größeren ilmfang angenommen hatte, so war 'dies wegen der sich zuspitzenden Verhältnisse in Deutschland einerseits und der Verschlechterung des hiesigen Geldmarktes! andererseits. Dennoch war eine gewisse Widerstandsfähigkeit deS Marktes nicht zu verkennen. Nach Erledigung der ersten Kurse trat eine entschieden ruhigere Haftuüg in die Erscheinung und waren auch die anfangs stärker begehrt gewesenen österreichischen Kredit- und Hosherraktien schwächer. Im weiteren Verlaufe des Verkehrs trat Geschäftslosigkeit ein, die in Verbindung mit Gewinnsicherstellun gen ein Abbröckeln deS. KurSniveauS zur Folge hatte, so daß der Schluß in lustloser Haltung erfölgte. Auch vom Budapester und Prager Markte wurden niedrigere Notierungen gemeldet. Von den K n l i ss enwe r 1 e tt verloren Anglobank 13.000 K., Felten 5000 K., Krupp 3000 K., Sienreus 13.600 K., Timber 24.900 K. Hingegen verließen Tvifailer den Markt mit einer Steigerung um 20.000 K. und die übrigen Esfektengattungen Wiesen zumeist bchaupteten Preisstand auf. Sch ranken.sind Dynamit um 120.000 K., Nordbahn um 40.000 K., Pevlmoser um 26.000 K., Liesinger um . . WienerMorgenzeitung._ 30.000. K., Dampsschiff. um 20.000 K., Briixer Kohlen um! 40OVO K. gestiegen. Eine Kurserhöhung von 40.000 K. erzielten ferner Wiener LokomotwfäbrikSaktien und Denzinger Papierfabrik. Auch Galicia profitierten 40.000 K., Fanto sind um 17.000 K., Naphtha mm 15.000 K. gestiegen. Tarbouche erhöhten sich um 90.W K., Schoeller Zucker um 40.000 K., Jute um 15.000 K., Kafchau-Oderberger um 27.000 K., Trisster Gas mm 20.000 K., Nossitzer um 10.000 K., Golleschaner gewannen gleichfalls 10.000 K. Dagegen sind Königshofer um 50.000 St., iBrysche um 60.000 K., CoSmanos um 5000 K. niedriger gewesen als vorige Woche. Rothau-Neudeck erhöhten sich um , 13.000 K>, Braubank.'Um 10.000 K. Auf dem Anlagemarkte erfreuten sich Renten durch fortgesetzte ausländische Käufe gesteigerter Nachfrage. So ge- ) iDärtit die österreichische Goldrente' 1600 K. und die ungarische Goldvente 7000 K. Von den E x o t e n notierten: Knobloch 5000 K., Mraznica '62.000 bis 65.000 K., Tepogs 80.000 bis 66.000 K, Universale 22.000 bis 23.500 K. 19. August 1994 Wkt Internationale KunstgewerLeausstellung Paris 1825. Der Arbeitsausschuß für die österreichische Abteilung der Internationalen Kuttstgewerbeausstellung in Paris 1925 Macht, neuerdings darauf aufmer-lsamdaß die Anmeldungen zur Teilnähme an der Ausstellung bis 1. Septernber bei seiner Geschäftsstelle, Wien, 1, Vez., Stübenring 8—10, überreicht werden Müssen, da für die Berücksichtigung späterer Anmeldungen keine Gewähr geleistet werden kann. Jeder »KuustFLwerbetreibende, gleichgültig öb er vom Ausschuß direkt eingeladen wurde oder nicht, wird hiermit zur Teilnahme aufgesordert. Aumel- 'defsrmulare sind bei der genannten Stelle erhältlich, an die auch Me Anfragen gerichtet werden können. Betrieseinstellungen bei den ungarischLn Champagnerfabriken. Aus Budapest wird uns berichtet: Die!ungarischen Champagnerfabriken beabsichtigen in der nächsten Zeit bereits ihre Betriebe zu reduzieren und manche wollen die Produktion überhaupt elnzustellen. Die Ghampaguerverbrauch im Lande ist sehr zurückgcgangen uitlb wird infolge der schweren Wirtschaftskrise in der nächsten Zeit noch mehr reduziert werden, so daß es ausgeschlössen ist, daß die in Ungarn bestehenden neun Cihampagnerfabriken ihre Produkte absetzen köntwn. Die Pvoduktiön ist mit hohen Küsten verbunden und es wüsten hohe Steuerlasten getragen werden, außerdem Esten die ungarischen Fabriken die Flaschen, die besonders .stark sein müssen, da sie einen Druck von mehreren Athmosphären aus halten müssen. aus dem Auslände einMren. da diese Flaschensorten in Ungarn selbst nicht hergestellt werden. Do Export des ungarischen Champagners ist sehr schwer geworden da die Konkurrenz des französischen Ehampagners, der au allen Malten gut eingefuhrt ist, Merall fühlbar ist und b->- Absatz erschwert. Die Zukunft von Konstantinopel. Die erschreckend rasch Abnahme der Konstantinopeler Schiffahrt ruft in,,»den bei teiligten Kreisen und beider türkischen Regierung Besorgnit hervor. Die Tonnage der im Hafen von Konstantinopel ein und auslaufenden, beziehungsweise^ durchfahrenden Schiffe ha gegenüber. der Vorkriegszeit um wenigstens 50 Prozent abgo nommen. Teilweise ist die Entvölkerung des Landes, sodann der Zusammenbruch des normalen Handels mit SüdrußlaiiÄ die Ursache. Besonders unangenehm Mt auf, daß ein betracht« lichev Teil des Transithaudels von Konstantinopel nach Me« xandria und dem PyräuS abgewandert ist. Die kommerzieller Körperschaften Konstautinopels bemühen sich nün, etwas fm die Zurückgewinnung des Transichandels zu tun, doch scheitern viele Bemühungen an der Apathie der Regierung, die den Transithandel und die ausländische Schiffährt hareptsächlich als Einnahmsquelle ausnützt. Eine neue Währung in Argentinien. Der argentinische FiuanMnnister' uuter'bveitete dem Kongreß einen Plan zur Reform des argentinischen Geldwesens. Danach soll die Konversionskasse Mit dem Ganco de la Nacion durch Umwandlung der Kondersionskasse in eine NoteuMeilung der Bank verschmolzen und eine neue Währung geschaffen werden. Diese wird mit 80 Prozent gedeckt sein, davon 60 Prozent in Gold, 15 Prozent in Handelswechseln und 15 Prozent in diskontierten Schrtzscheinen der Regierung. Die neuen N^ten erhalten den Namen „Nacion-ales", der Wert des Papierpesos wivd 2,20 Raeionäles betragen. Diese Mertbasis soll auch die Grundlage der Konversion bilden. Insgesamt wird die Ausgabe von 3243 Millionen Nationales vorgeschlagen. Geschlifismöglichkeiten mit China. China ist in gewisser Beziehung das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das heißt es hat noch eine große Ausnahmsfähigkeit für europäische Jndlsttrirartikel. Im Jangtsedelta wohnen aus einer Fläche von 300 Quadratmeisen zirka 40 Millionen Einwohner. Es fehlt Noch schr an Verkehrsmitteln. In China existieren zurzeiit 7000 Meilen Eisenbahnen, während in den Vereinigten Staaten das Eisenbahnnetz über eine Viert^million Meilen umspannt. Auch gibt es Nur wenig Automobile und verhältnismäßig wenig Telephonapparate nfw. In Weftchma hat eine Bevölkerung von 100 Millionen weder Eisenbahnen noch Automobile eleganten Halbleinenbänden der „Wiener WMgeyzeitung", der die Bezugsgebühr für 1 A « ß e r - d e r 8 a hresge b ü h r s i it Jahr rm voraus bezahlt, erhält b f iirle r f ft tt b f p t s e n d t s r ft e tz" ttoch Ö. ft. 2&.ÖÖO z Ü entrichte» ft (So. Jas Mdchen im Mel Kriminalroman. Bon Josef Gollomb. Oh, du willst nicht?" svag.be er mit erheuchelter Ruhe. ,L>awf ich fvayer^ wüMM nicht?" „Weil meine Rierven dich nichts angchen." Die. Augen des anderen wurden tückisch. Hör' mal, ich riskiere meinen Hals Kwischen - demen Weiberhänden," sagte er gedehnt, „und wenn du tteroös W, geht mich das schr viel an!" Er konnte Nicht mehr an sich halten. . . Dargan blickte ihn von der Seite an, föiaxe Lippen verzogen sich bitter. . ».Na, Pete, wirst selbst sin bißchen nervös?" lachte er. Der Dicke breite sich getroffen um; seim harwff staifchigen Backen wurden rot. Cr ^ballte die Fauste, aber mit einem Blick au/m- Fenster hielt ct sich zurück. Dann streckte-er zwei nlächnge Aruw ins Licht und spreizte du dicken Finger, die uichr alo muskulös waren. Starr hiül er sic ausgestreckt. „Guck sie an," sagte n .stichst du sie zittern?" - Sie waren fest wie Stahl. Dargan betmchtete die Häßlichkeit seines Gesichts, i „Du hast keine Nerven, aber du bist trotzdem nervös", lspotliete er. . , Des anveven Geisicht wurde Knmer rötev, seine Augen blitzten. Zwischen diesen beiden MäNnchN war der Natürliche Gegensatz, dert diese forndlichen Typen immch stühlütn Sie besauden sich j'MnMs ln einer Lage äußerster gegensei-tigev Mhängigkeit, bie ihre schweigende Feindschaft bis zllm Zerreißen der Nerven sPa-Mte. > „Sag' das nochmals zu mir, W-te abänds, wem wir fertig!stud", sagte -Pete, 'höhnisch zu chm üufblickendr Äargan grinste. Petes Körper schwoll und spannte sich Danu brach rr lös. Seine Hände schossen vor ltttb hätten Davgaus Kehle gepackt, wenn dieser nicht mit unglaublicher SchnMgWit Msgewichett wäre und einen flachen.RevölM 1 heraüs- Missen hätte. TMicher Allsgang schien uiMvMidlich. Mer vvM Fenster sprang eim. phantastische Figur hervor und umklammerte die beiden' Männer mit ihren langen Armen, die, wie überhaupt der ganze Körper, die Proportionen eines Äffen hatten. Das vor Wut glühende Gesicht war viehisch in feiner Leidenfchaftlichksit. Die Stirn war Ungewöhnlich hoch und vorgewolbt, zerbrechlich, imit hervoäretenden Adern, die Haut zart wie die eines Kindes, die Züge breit und übertrieben wie die eines Zwerges. Der Körper Mt schien viel zu klein im Vergleich zu den anderen Gliedern, aber die enormen Schultern, der Stiere Nacken, die ungeheure Weite der Brust- und Mckönmuskeln machten trotz der Mißgestalt den Eindruck von Kraft Und Roheit. In diestm Moment lag die ganze Macht de's Hinzugekommenen in seinen Augen; sie waren erstaunlich. Gwß und blau wie die eines Kindes, lag ein hypnotischer Zwang in ihrem Blick, als er die ibeiden Männer hielt. Die Augen schienen imnoer größer zu werde«.. iwMer brenmnder u^nd wütender, faszinierend wie die Lichter eines rasenden Auto« mobiils in der Nacht. Seim Stirnadevn schwollen aff, bis sie wie Stvicke hovvortkaten; seine Haut wurde inrmer röter, wie vor einam drohenden Schlagansall. Der einzige Laut, drn er von sich gab, war ein 'ha'lbunterdvückdes, gespenstifches Stöhnen, die Sftmme eines wütenden Taubstummen. Dargan und Bete Versuchten sich zu befreien. Er schlug sie gsgeneinandex und, sich affenartig duckend, erwartete er blinzelnd mit fliegenden Nüstern, 'was sie tun würden. Der Nsvo-lver war noch immer in Dargans Hand. Pete hatte ein dickes Taschenmesser herausgiezogen. dessen lange, stäche und scharfgeschliffene Klinge .durch. einen Federdruck auffprastg aber keiner benützte seine Waffe. Ihre gegensle'.iigtz. Mut wandte sich gegen die Wllt des Drittem Mit düstzren Bücken steckten sie die Waffen ein, und ihre Haltung zeigte, daß sie sich ergaben. Der Sturm der Leidenschaft legte' sich langsam» Die Adern auf vor Stirn des Buckligen traten immer Noch hervor, und dünner Schweiß gläUM allf seiner Stirne. - Dargan brach zuerst «das Schweigen. „Schön gut, Hutch, schon gut!" keuchte er. Hu ich stieß ihn in einen Stuhl. Seine langen afftnartigen Finger, voll- E bk- Form imd AMMckssählgkett, flackerten in der Spvcdchs der TaWstummen. . r von euch heute abeM versagt, macht ihr euch ssM Ult, oder ich tu es für euch!" Wütend wandte sich DaWtt -ü chm. „Aber -warum, zum Teufel, sagst du uns nichts was los ist. und läßt uns gehen?" schrie er. „Es ist stockfinster draußen." Pete sah hinaus: auf Dargans Gesicht trat «in Ausdruck von Augst, der ihn ansteckte. „Auf 'was wartest du?" schrie er dstt Taubstummen an. ,Ache Minute länger kann uns den Hals koftw, Davga« und mich." Hutch las ihre Worte von den decherrten.Lippen. W schloß die Augen wie nach einer gefahrvollen Anstrengung. Ms er sie wieder öffnete, war er ruhige«. ,/Jch kann euch nichts sagen, bevor ich nicht sÄLft etwas höre", sprachen seine Hände. Die beiden Männer staunten. „Was soll das heißen?" bestürmte ihn Dargan. ,Mon wem hören? Du bist doch der Führer, nicht >wahr?" Hutch ließ sie lange auf-Anwort warten, daun schüttelte er langsam den Kopf. ,Ms!" schrien Dargan unp Hete wie aus einem. „Was treibst bat für ein Spiel?" fauchte Dargan. „Ist das dem Ernst?" rief Pete. Sie waren auf den Spvung, nach ihm zu schlagen oder ihn zu Verlassen. Der Taubstumme winkte ihnen ab. ,M kann euch ganz gleichgültig sein", sägten stine Finger. „Und ihr werdet gehen, wenn ich es euch sage, vorher Dargan wandte sich wutverzerrt zu Pete. „Hier ist etwas nicht richtig", rief er. ,Mer ist der Meister, wenn Nicht er?" „Wir sollen hier die Kastanien für einen anderen au- Äsm Feuer holen; 'da machen wir nicht mit!" „Dü hast recht", sagte Pete. Die.beiden wandten sich zur Türe, aber obgleich H/.:ch stch nicht bewegte, blieben sie ziehen. Auf seinem grotesken Gesicht lag ein verzwicktes Lächeln, stüMm, schlau und tief. Öbgftlich sie wüßten, daß es da war, fühlten sie den Zwang, 6istheN. Sie kannten Luch die BedLUtung dieses eins und 'warteten. Plötzlich kam eitte BerändeLung in eine dev Mluienden Stimmen aus den Apparaten. „Preise fallen . . . Preist Men . . . Preise fallen..." öies die Std'ttM jetzt deutlich, wieberhölt wie eine Warnung. (Fortsetzuua tolat.) 33511784