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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-18 · Heft 1979 (18.8.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1979 (18.8.1924)
Date
1924-08-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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7/T’"»” \ JgcSe'f'• Wen, Montag X WWne Minister mÄ Generäle unter Italiens blumijjffhnmt tm Himmel, denn Herr Mussolini hat den katholischen .Oelrgwnsunterricht an den -italienischen Schulen wieder eLngeführt und der Heilige Vater ist mit ihm und seinen Leuten sehr zufrieden. Mord und Mord-;Äennevei sind heikle Sachen^ aber die Hauptsache bleibt doch der katholische Religionsunterricht. Also kommen die Faszisten in den Himmel und dort wird ihnen das Urteil' zugestellt werden. Bis dahin kann auf allen säzialWschen Kongressen alljährlich und -einstimmig beschlossen werden, daß Mussolini -in blutiger Lump und Matteotti ein Märtyrer ist. Mein Lieb was willst du nochmehr? .. rr..:,. - Ä- \ •: Oesterreich hat, mit Respekt zu vennelden, eine ie an Schlagkraft der ftanMischen gleichras weiß ich nicht. Lästermäuler behaupten idas Gegenteil und erklären, daß die ganze Armee tyerrrger wert ist als die vier Knöpfe, welche ein Leutnant auf dem Hintern trägt. Möglich. Da ich Softer dorr nächsten Krieg Oesterreichs gegen Frankreich ^Äurmt nicht führen werde, geht mich das gar nichts an. Ich weiß nur, daß die Entstehungsgeschichte dieser lZKmree einzigartig ist, Sie wurde von den Sozialdemoshsatm errichtet und organisiert. Den ersten Fahneneid Krt chr kein gottbegnadeter Monarch, sondern der mit .vierurMinfzig Prozent der Stimmen gewählte Herr Marl Seitz, seines Zeichens VolksschMehrer in ' Floridsdorf, <chgenommen. Ich war zugegen, als diese schöne Armee gworen wurde. Ich bin damals als Bgrtreter der jüdischen Demokratie im Parlamente geweftn und habe, als einziger, gegen die militärischen Pläne her damals Herrscherchen Sozialdemokratie zu opponieren Kvagt. Die schönste Krregserrungenschast Oesterreichs tyar der Verlust seiner Armee. Ich habe gebeten, dabei sza bleiben. Ich habe die sozialdemokratischen. Herren an ,'Hr antimilitaristisches Programm erinnert. Mitleidiger -Spott war mein gerechter Lohn. Dummer Zionist! Eine iArmee, von Aristokraten und Kapitalisten errichtet, ist jwohl eine greuliche Sache, aber ein Söldnerheer der .Sozialisten ist das Beste und Schönste!.Nun sind vier Jahre ins Land gezogen und ein Aechzen und Krächzen Sht durch die sozialistische Presse. Die Armee ist ein Herd der Reaktion geworden. Monarchisten und Hakenkreuzler beherrschen die Wehrmacht. Brutale Behandlung und verdummende Ersetzung der Mannschaft. BoAsfeirdliche Stimmung, Schießbereitschaft gegen die arbeitenden Klaffen, kurz alles, wie es einstens war im schönen schwarz-gelben k. u. k. Mai. So seufzen jetzt die Sozialdemokraten Noä, me hat ein Vater sein mißratenes Früchte! so laut beweint, noch nie aber hat auch jemand seine Vaterschaft so unverschämt verleugnet. An sich ist die österreichische Armee keine sehr wichtige und auftegende Angelegenheit. Aber sie verdient Beachtung als Schulbeispiel dafür, daß eine Kaserne genau so ist wie die arckere. Ob sie ein weißer General oder ein schwarzer Pfaffe oder ein roter Gewerkschapssekretär einweiht, das ist ganz egal. Kaserne bleibt Kaserne. - Der Men« Tourist, Dr. Schick erfroren anfgesunden. St. Moritz, 17. August. (Schweiz. Depeschen-Agentur.) Die Touristen Garrels aus Bremen und Dr. Schick aus Wien, die in Pontresina als Kurgäste geweilt hatten, sind aus dein Piz Glüschaint erfroren aufgefun-' den worden. Der Bergführer Juon, der sie begleitet hatte, wird vermißt. l & : >- Sin Raubansall am Kobeuzl. Am 16. d. erstattete der Arzt Dr. Isidor Kleinber- %it, Geusaugasse 12 wohnhaft, in dem Wachzimmer Kobenzl die Anzeige, er sei gegen 10 Uhr abends, als er mit einer bekannten Dame am Promenadenweg bergaufwärts ging, an einer finsteren Stelle des Weges pWtzlich von einem unbekannten Manne ange'halten worden. Der Strolch zog einen Redower, legte auf die.beiden Promenierenden an und rief: „Geben Sie Ihre Brieftasche her!" Dr. Kleinbevger und seine Begleiterin riefen daraufhin laut um Hilfe, worauf der. ttmbekannte ihnen zurief: ,/Schreien's nicht, sonst schieße ich!" Unmittelbar danach verschwand dann der Gauner im Gebüsch, ohne Beute machen zu können. Infolge der Dunkelheit konnten die Angefallenen keine genaue Personsbefchreilbung von dem Räuber geben. Die Sicherheitswache unternahm sofort eine eingehende Streifung im umliegenden Gebiete, konnte jedoch ^rn Mann leider nicht finden, . /■ 1 * * Gefälschte amerikanische Visa. Die erschwerten Ein- -eisebedingungen nach Amercka hatten zur Folge, daß sich ein Viserrfälschungskonsortium mit der Zentrale in Paris und Filialen in Berlin, Wien. Rom, Neapel und Riga gebildet hat. Uinter den in Nüw-Aor? entdeckten Fälschungen rührt-die Mehrzahl (26 in acht Togen) aus Italien her. In Paris wurde von amerikanischen Detektivs eine KanM eruiert, in welcher sich einige Satze einwandfreier Vffaftempel befandet!'. Die Falscher (Italiener) werden ihren Heimatsbchörden zur Bestrafung übergeben werden. r Wiener Morgenzeitung. 18. August 1924 / - Pr. 107» ■ ■ 'i in Bade«. ßtocl reichsüeutsche Hakenkreuzler beschimpfen die Kurgäste «nd provozieren die Arbeiter» wehr. — Ihr Treiben bleibt «nbehlndert. — Sie werden von der Arbeiterwehr verprügelt. : j Das Reich des silbernen Hochzeiters und SpjellbanPenschützE K ols wann , wird . immer , mchv' zu einer Aevgernis erregenden Angelegenheit und bald -wird sich 'jeder anständige Mensch Mm/Wffen,Mn'?Kurprt Baden -zu besuchen. Nachdens evst vor kurzem M Aus-. Hebung der S p i e lbanken peinliches Aufsehen hervorgernfen hat, da festgestellt wurde, daß die von Herrn Kollmann geförderten „Samevungsinstttute für Baden" der Unterschlupf internationalen Raubgesindels sind, ereignete sich gestern ein neuer Skandal: Zwei, sage und schreibe zwei Hakinkvertzler terrorisierten die ganze Stadt. Zwei Bengel aus Deutschland, Gottfried Steiner und ein gewisser Bauer, kolportierten das Hakenkvouzlr-Schmierblättchen „Der Eiserne Besen", welches bekanntlich, ohne von der Staatsanwalt schaft je behellrgt zu -werden, in jeder Nummer zum Pogrom aussordert. Da ihnen die übliche Art des Zeitungscuusrufens anscheinend -wenig Kunden brachte, versuchten sie es mit dem Harranguieven -der Spaziergänger, die sich im Kurpark ergingen. Sie riefen: „Der eiserne Besen... Juden hinaus!" imd belästigten jüdisch aussehende Passantem Einige Kurgäste verbaten sich energisch die Belästtgungen und der Beamte Maximilian Weiß packte einen der Bengel, um ihn der Wache zu übergeben. Gerade kam der Oberkounnissär Klinger der Badener SicherheitÄlvache herbei. Da rief der Hakenkveuzler: ,)B er haften Sie den Inden!" So etwas läßt sich ein Sicherheitswachoberkommissär nicht ztveintal sagen und Klinger traf sofort Anstalten, um seinem höheren Triebe, wicht der Not gehorchend, dem Befehl des Helden vom HaLenkveutz nachzukommen. Die Erregung der Menge, die sich inzwischen angesammelt hatte, bewog ihn jedoch, von der ihm so sympathischen Verhaftung Mstand Hu nehmen. Den Hakenkreuzler ließ er natürlich unbehelligt. DiebeidenBürschchen konnten ihr Treiben ungehindert' fortsetzen und horten mit ihren Provokationen nicht auf. Da sich, wie. in.solchen Fällen immer, das Gerücht verbreitet hatte, es sei eine ganze Bande von Hakens kreuzlern „mobilisiert, rückte die . Arbeiterwehr aus. Als die beiden Lausbulben dies sahen, flüchteten sie ins Gasthaus ,Matzenhäusel", nachdem sie die Arbeiter beschimpft hatten. Zwei Arbeiterovdner gingen ihnen nach und stellten fest, daß die Leiben Bürschchen das Lokal durch einen zweiten Ausgang bereitsverlassen hatten. Der Sicherheitswachoberkommissär Klinger hatte wieder das Bedürfnis, amtszuhandeln und wollte die beiden Ordner wegen Hausfriedensbruches verhaften, obwoh. der Wirt des Batzenhäusels die beiden Ordner selbst ersucht hatte, nachzusehen, ob die beiden Hakenkrouzler sich im Hause befinden. Diese fetzten ihr Treiben fort, bis endlich am Nachmittag ihrer Tätigkeit ein Ende bereitet wurde. Als nämlich eine Abteilung Arbeiterwehr/ zu einem Arbeiterturnfest marschierend, die Spiegelgasse passierte, wurde sie wieder von der: beiden Buben provoziert. Diesmal aber ging es den Hakenkreuzlern schlecht, da anscheinend ihr Schlitzpatron Klinger nicht in der Nähe war; sie wurden erwischt und - verprügelt, einer liegt im Spital. Nach dieser Exekution gab es keine Zwischenfälle mehr. Diese Vorfälle haben unter den Kurgästen große Erregung hervorgerufen. Es ist klar, daß es dem Ruf einer Kuruntf Fremdenstadt schaden muß, wenn zwei Terrorbüben einen ganzen Tag' lang die Gäste belästigen und die Organe, die für Sicherheit und Ordnung in der Stadt zu sorgen haben, die beidenProvokateure unbehelligt lassen, ja sogar zu ihrem Schutze gegen alle diejenigen Stellung nehmen, welche sich der Angriffe erwehren wollen. Das in einem solchen Falle die Bevölkerung zur Selbsthilfe schreiten muß, ist selbstverständlich. SeWstverstänblich ist es aber auch, daß im Reiche der Herren Kollinann und Klinger die beiden orts- und' landesfremden Terroven ohne daß man an ihre Ausweisung denken wird, weiter ibr Handwerk treiben werden, wofern sie nicht die Furcht, nochmals verprügelt zu -werden, davon abhält. Schuhe! mit eingebautem ,,Beraon“*Gummi-Absatz Mich nnd Mahka. Neue Opfer der DarlehenSgauuer. Me bereits berichtet wllrde, haben der ehemalige Oberleutnant Friedrich Mutz und der Kommissär Otto M-atzka Darlehen ausgenommen und dafür angeblich Schmuck als . Fwfftpfand gegeben. Dlrrch Taschenspielerkunststücke vertauschten sie die Kassetten, in die sie den Schmuck der Darlehensgeber taten, gegen solche, in denen Gifenftücke, Kohlen oder Schrauben sich befanden. Bisher wurden ein Fleischhau ergehilfe um 40 Millionen, ein Bankbeamter um 60 Millionen, ein Bundesbeamter um 42 Millionen, ein Reisender um 30 Millionen, ein Bankier um 34 Millionen und ein Privatier um 55 MMonen geschädigt. Damit scheint aber die Liste derer, die den -beiden Betrügern auf ihr Zauberkunststück hineinfielen, nicht erschöpft zu sein. Bei der Polizei laufen ununterbrochen n e u e A n z e i g e n 1 ein. Mehrere Krinrinalbeamtengruppen sind mit den Erhebungen über diesen Fall, der sich zu einem ganz großartigen Schwindel zu entwickeln scheint, betraut. , Man sagt, daß die bisher festgestellte Schadenssumme eine Milliarde Kronen weit übersteigt. Auch wird behauptet, daß Mutz und, Matzka nach einen, M i t s ch ü -l d i g e n hatten, der ihnen bei 'dem Changement der Juwelen behilflich war. Wien, 18. August. * Die Selbstmordchronik des Sonntags. Wegen unglücklicher Liebe hat sich der 33jährige Bankbeamte Josef C. durch ein Narkotikum zu vergiften gesucht. Er -wurde ins Spital gebracht. — Mit Veronal wollte sich aus unbekannter Ursache die Handarbeiterin Petronella I. vergiften; sie liegt im Allgemeinen Krankenhaus. — Der 46jährige Chauffeur Johann K. hat sich, ebenfalls aus unbekannter Ursache, erhängt. — Wegen häuslichen Zwistes wollte der Arbeitslose Franz B. sich in einem Schrchpen erhängen, wurde f-edoch rechtzeitig bemerkt und äbgeschnitten. * Torpedoboote gegen Alkoholschmuggler. Die Zollfiotttlle der Vereinigten Staaten ist um 20 Torpedobootzerstörer und Torpedoboote sowie-um 2000 Mann verstärkt worden, um den Kamps gegen die Al-koholfchmuMer fiihren zu können. , * Von der Preßburger Elektrischen getötet. Gestern mittags'-wUrde'^aüf der Strecke bet'W-ien-Pk-eßKüSrgirr ^v'desbahn die sechsjährige Arlbeiters'tochter Therese Zeichner nächst der Schlachchausbrücke von einem eiben die Straße passierenden Zuge-der Landesbahn erfaßt und überfahren. Sie verschie-d noch vor Eintreffen der Re-ttungsgeselkschaft. Die Amtshandlung ist eiingeleitet. Nach Tlugaben von Zeugen trifft den Fi'chrer der Lattdesbahn kein Verschulden an dem Unfall, da das Kind direkt -in den Zug hinoin-gelaufLn ist. * Er weiß nicht, wie er nach Men kam. Sonntag -gegen halb 5 Uhr früh beobachtete der Rayonsposten auf seinem Gang -durch die Währingerstiaße beim BersorgungShaus einen zirka 26 bis 28 jährigen Mann, der, von der Stadt bekommend, stets in der Mitte der Straße gegen den Gürtel zu schritt. Der Wachebeamte sah näher hin und nahm war, daß der Mann mit starrem, nach vorwärts gerichtetem Blick und mit offenem Munde dahinschritt. Als der Wachmann ihn fragte, wer er sei und wohin er wolle, gab er keine Auskunft. und begann plötzlich zu wanken. Mit Hilfe von Passanten wurde er zum Kommissariat Alsergrund getragen. Dort verfiel er in tiefe Bewußtlos tack e i t. Die Rettungsgesellschaft wurde berufen und wollte den Mann in das Allgemeine Krankenhaus überführen. Während der Fahrt erlangte der Mann jedoch durch Anwendung von starken Niechmitteln das Bewußtsein wieder, so daß er dem Kommissattat übergeben werden konnte. . Der Bedauernswerte, der äußerst wirre Reden führte, gab am Komnrissariat an, daß erder 24jährige Kaufmann Leopold R e i d l aus Oedenburg sei. Er erklärte, daß er eben erst nach Wien gekommen sei. Einem unwiderstehlichen Zwange folgend, sei er von Oedenburg nach Wien gekommen. Wieso er und auf welchem Wege er hieher gelangt ist, darüber gab er keine Auskunft. Er wird nach Abschluß der Erhebungen der psychiatttschen Station übergeben werden. * Sechs Schulkinder beim „Indianer"-Spielen erschossen. Wie aus Hannover gemeld-et wird, wurden bei einem von Schu-lknäben in dem Dorfe Narrow veranstalteten „Jndianerspiel" sechs Schulknaben erschossen. Die spielenden Jungen hatten ihren Vätern Revolver entwendet, um sie im Spiel zn verwenden. Nachdem sie einige ihrer Kameraden mit Lassos gefangen und an Bäume festgebunden hatten, schossen sie auf die Festgebundenen, ohn^ zu wissen, daß dje Waffen scharf geladen waren. So wurden sechs der an die Bäume -gebundenen Knaben getötet. * Die größte Fensterscheibe. Das größte Stück Glas, das je als Scheibe verfertigt worden ist. befindet sich auf der Neichsausstellung in Wembley. Die Fensterscheibe, die 14 zu 34 Fuß mißt, wurde in einem-extra für sie angeferti-gten Eisenbähn- - wagen von Aorkshir-e nach London gerächt. Die Strecke mußte mit Vorsicht ausgewählt werden, um zu niedrige Brücken zu vermeiden, unter denen -die Scheibe -nicht hindurch konnte. Die Fläche dieses gewaltigen Glasstückes beträgt 336 Quadr-atfuß, und die Ausladung in Wembley war ein schwieri-ger Mt, bei dem besondere Apparate in Anwendung gebracht werden mußten. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. (Entgeltlich.) £AtM.I«ADUn«ASftRE?>*N S1$FJ-E,jj SEIDE Jjl *1 >. *

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