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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-17 · Heft 1978 (17.8.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1978 (17.8.1924)
Date
1924-08-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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w pirr»_w t w~a iiya^ Serie 10 Wien, Sonntag Wiener Mornenzeitung. 17. August 1924 Nr. 1976 ,Ma" aus der Hohe« Watte und die Wiener. Szenenblld des zweite» MeS in der Avfführrrns auf der Hohe» Warle. Die Hohe Warte, das Wahrzeichen des Fußballspartes in Wien, sonst das Ziel einer spprtbegeisterten Menge, die vorwiegend ans, männlicher Jugend besteht, ist jetzt der weit nach de>m Norden vorgeschobene Posten -sMicher MusMultur, die immer schon wie ein Magnet daS gesamte tonetvunkem Wien angezogen hat. Ganze Familien lagern aus den Bänken, oder scharen sich aus den Stehplätzen in dichten Knäueln, um Augen- und DhrenKouge eines Festes zu sein, das sie aus den Sorgen des Mtags zur Höhe eines künstlerischen Erlebnisses emporwißt. Die Macht der Töne beweist wieder ihre einigende- Kraft: Wien,,die Stadt des nie verstummenden Gesanges, sucht nach neuen Quellen, die seine nach dem Kriege wieder erwachte Lebensfreude speisen können., Es kann sie nicht in den Worten eines Dichters finden, mag er auch Mit noch so großer Krast ba§ Erlebnis unserer Tage in künstlerische Form bannen, nur in der Glut kraststotzender Musik entdeckt es seinen besten Teil, die Sinnensrsude und den Schönheitssinn, wieder. . Schon lange vor der festgesetzten Stunde, zu der die ,Mda"-AuMhrnngen beginnen, ist der Zuischauerraium dicht besetzt. Die Phantasie der Menge entzündet sich an den riesengroßen ägyptischen Olbelisiken, die das überdimensionale Bühnenbild begrenzen, und gibt sich willig Betrachtungen über' die Größe der menschlichen Erscheinungsform hin, die jn der Sphäre der Kunst über ihre irdischen Grenzen hinauswächst und im Bunde mit den Tönen in ein anderes, unbekanntes Reich hmeinragt. -In eifriger Debatte vergcht die Zeit bis zum Erscheinen Pietvo Mascagni's, des berühmten Komponisten, dessen Weltvuhm wohl nur aus dem Erfolge der Oper ,^xkvaKeria Rustioam?^ beruht, während in Italien fern Name auch nach der Aufführung seiner letzten- Oper, deZ Einakters „Der kleine Marat", in aller Münd war. Unter .lautloser Stille hebt der Meister den Taktstock, nur einen keinen AugeMick ist es den Zuschauern möglich, das Profil des Künstlers zu betrachten.. Den jugendlrchon Gesichtszügen merkt man es nicht an, daß' es sich -u« einen SechziMhrigen handelt. Sie spiegeln die .Frische eines von glücklicher Schöpserlarme gesegneten. Geistes wieder, dem die Musik wahrhaftig ein Jugendbconnen ist. Die ganze Wiedergabe der Oper durch Ma'scagn-i zeugt! sur die Größe seiner musikalischen Persönlichkeit, der man j auch dann willig Folge leistet, wenn die eigene künst-?lechche Anschauung, mit der Auffassung des Meisters in t Widerspruch gerät. Das beschauliche Temperament dieses s Musikers RM nicht die. ekstatischen Ausbrüche an den , Höhepunkten der ausgestachelten Leidenschaften, sondern! mehr den mittleren Wärmegrad einer verhaltenen,. 8^« [ schlofsenen MebeSempfmdung, deren Stärke keinen größeren Schwankungen ausgesetzt ist. . . Diese künstlerische Ueberzsugung wich, noch durch die Rücksichtnahme aus die Erfordernisse der Freilichtbühne bestäE. Die großen Auszüge, die Tänze, der Festesfreude .und des religiösen - Kultes, benötigen Zeit,! um sich auf der großen Bühne auszubreiten. Da's aku- 'stische Bild tritt in . den Dienist der optischen Szene.' Alle Teile der Handlung, die sich in -den Rahmen des Uober- > lebensgroßen einspannen lassen, wirken daher mit un- ' geahnter Wucht. Die breit ausladenden Tempi der Musik, die Anhäufung der Massen, deren rhytmische Gliederung, der opernmäßigen Schablone zum Trotz sich durchsetzt, die MMMgfMgkeit der Dauzchöre, deren exotisches Kolorit über die Gesetze erstarrter Ballettechnik triumphiert, bewirken den großen Erfolg gerade jener Szenen, die am von dem Die Jnttmitat jener himmlischen Augenblicke, die in der Zwiesprache zwischen Mann und Frau, fast aus den kleinsten Raum gedrängt, harn Segen der Gottheit künden, ist mit den Schleiern des nördlichen Klimas verhängt. Der Pianisftmohauch der Geigenklänge erstirbt. knapp an der Quelle und wird von den Wellen des Windes zerstreut. * Wetterfest erstrahlt aber die Schönheit der italienischen Stimmen. Dieser Legatogesang, dieses Binden des einen Tones an dev anderen, daß eine unzerreißbare Kette entsteht, deren einzelne Glieder, wie Juwelen, nach allen Se'ten den Glanz und .-das Feuer ihrer Besonderheit strählen, bleibt' für nordische Zonen unerlernbar. Ob das Leuchten einer tenoralen' die Durchsichtigkeit der südlaiwischerr Lust spiegelt oder ein profunder Baß an das unteriMsche Getöse eines nie verlöschenden Vulkans erinnert, -immer wieder ergreift das Wunder dieses kostbarsten Instrumentes, das dem Menscheniherzen zur Verfügung steht. » Lautlos hat die Menge ausgeharrt, während das Trmmphlivd der Liebe an ihrem Ohr vorüberzog. Uw ein kostbares Erlebnis bereichert, wird, sie in dem nächsten Jahre dem Rufe wieder Folge leisten, der ihr d'e Darbietung eines anderen Meisterwerkes, Bizets.,Karmen,", verheiß. AHred Saudt. Pie le tzten „Aida"-AuffÜhvungen. . Heut« Sonntag ftndet keine AuMhvung der ,Mda" auf der Hohen Warte statt. Dienstag, Donnerstag und SamStag der kommsuden Woche finden die letzten Vorstellungen statt. Für die Donners-. tag-Vörstellung, die zu Ehren Pietro MvScagnis ftaittfindet, sind dem Dirigenten große Ehrungen zugedacht. Sichendorssr „Sie Freier". Deutsches VolkstheatM Oesterreichische Uraufführung eines Lust« spiels von Eichendorsf. Vor mehr als 90 Jahren entstanden — und bis heut» ignoriert. Der Abend erwies, daß es gut ist, den alten Weinberg gelegentlich umzugraben. Es liegt noch mancher Schatz verschüttet. Mit deutlichster, unverhülltester Anlehnung an Shake- - speare ist das SpieU geformt. Mer ein Hochbegabter und ein Könner dazu hat sich hier zu einem Meister bekannt (nicht ihn nachgeahmt), seine Art geübt, soweit dies eben möglich ist und für einen geschmackvollen Mann zulässig. Ein Spritzer himmelblauer Satire aus den deutschen Philister kam hinzu und erfreulicherweise auch eine tüchtige Dosis von Gichendorffs deutscher, blühender Lyrik. Schon um der Figur des Hofrates Fl oder willen, der mit deutsch-bürgerlichem Ordnungssinne seine m Zeit aus das Pünktlichste zwischen begeisterter Aktenerledigung, Muskelstärkung, Pflege der-schönen Künste - und Erziehung des hofrätlichen Körpers zur Anmut einteilt, verdient dieses dramatische Werk des Romantikers der. Vergessenheit entrissen zu werden, und der Bearbeiter Otto Zoff hat sich löblich bemüht, die Dichtung nur soweit cmzutasten, als es für die Erzielung besserer Bühnenwirksamkeit nötig ist (wie der Vergleich zwischen Original und Bearbeitung ergibt.) Es war der günstige Stern dieser Eröffnungsvorstellung unter der neuen Direktion Beer, daß.drei bitter vermißte Künstler, die teils abgewandert, .teils unbeschäftigt waren, heimgefunden haben: Hans Homma, Anton Edthoser und Karl Goetz. Hingegen war die Inszenierung des vortrefflichep von uns wiederholt gerühmten. Herrn Renata Mordo befremdlich. Die gewisse Bilderbogenaufmachung mit Zeichnungen, die der Poldi Huber entworfen - haben könnte, mußte wieder herhalten. Der Ritt des Hofrates ins romantische Land ging aus einem richtigen Schaukelpferd vor sich und auch sonst war die Sache so eingekleidet, als hätte Sternheim oder zumindest Kaiser den Text geschrieben. Dafür war durchaus erquicklich, was Schauspielkunst in diesem aufdringlichen Rahmen bot. Die Herren Homma und Forest, ein versoffenes iKomödiantenPaar von Shakespearschem Format,'lieblich, durch mädchenhast-anmutiges Wesen die Männerherzen im Flug bezwingend, eine neue Künstlerin, Marianne Kupfer, und glücklich in in der Darstellung des famosen Hosrates der neue Herr Fritz Eßle r, der-nur ein wenig zu stark „angekurbelt" schien. Einen ausgezeichneten Abend hatte Traute Carlsen (entzückend war sie im Terzett mit Homma und Eßler), der famose Kornelius Kirschner.tat auch mit,, aus Goetzens Mund übertönte alle Humore die Stimme der Poesie, und so stieg die Stimmung.von Bild zu Bild, zumal sie . die ansprechende Musik Ghvistia» Lahuse ns förderte/. Eichendorff hatte einen echten, stürmischen Premierenerfolg, für welchen namens des bekanntlich vor längerer Zeit verstorbenen Dichters Herr Zoff, der verdiente Bearbeiter dankte. . . O. % A«s den Theater«. BolkSvper. Heute „Carmen". Morgen „Der Ziaeunerbaron". Dienstag den 19. d., „Maskenball". Im Deutschen Volkstheater gelangt als nächste Novität, Samstag den 23. d.. die dreiaktige Posse ^Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer" von Robert Musil zur österreichischen Uraufführung. Die Regie führt Direktor Dr. B e e r. Im Lustspivltheater gelangt heute, 4 Uhr nachmittags der Schwank „Der Leus che Lebemann" zur Aufführung. Abends 8 Uhr geht mit Karl K n a a ck „Die Kleine vom Pariete"i» Szene, welche nwkgeu die 28. Aufführung erlebt. ' Die AnWhrmtgen im Burggarte». Reiche Mwechsluna bieten die Veranstaltungen im Burggarten. Eine^ flotte Auf- .Mruug des Schövthanschen Schwankes ^Jm weißen Rössel" gefiel auch auf diesem entzückenden Naturtheater. Von den Darstellern seien Lotte Stelzer, Gustav Siege und Hans Mnterberg genannt. In den Konzerten hörte Man den B>a* riton des Dr. Hans SchwarzMossy, der 'einige Schubert- KiÄer gn Gchör bvachte. An d«n Rnssiffchen Abend, den Gwardo Granolli dirigrrrte, sang Frau. Hubrich-Barb rgSktz-Lieder und Gesänge von Gretchamnow und erntete erdrenten Beifall. Die Symphonie von Kalinikow und aikowSkyS Capviccio Stätten" umrahmten die vokalen DaMedurvsen.. Das Ensemble der Exlam beäcm-n, und am Deutschen Bolkscheater fortgesetzt wurde, E erster Aufftchrung von' Gchönherrs „Kirchertragödie" beendet. Wir halten dieses Drama für dqs bisnun wertvollste Werk' des Dichters, und seine Landsleute haben es außerordentlich gespielt. Der Nachwuchs der EK- BÄhne, Jffe Exl. Kurt Surri und Ernst Auer teilten sich in die Wren dieses Abends.: Vorher . ging der Einakter „Die BWfchrntzer" in Szene. BekanEch wird die EÄ-Bichne ständigen Wohnsitz in Wien n-chmen und im Oktober . die erste Wrener Wintersaison im 'Komödienhaus eröffnen. Den: treff-- lichen Ensemble ist. voller Ävnstlerischsr und materieller Erfolg zu-wünschen. „Das vottMrnüche Theater in Wien feit 180 Jahren." Im RHmen des Munk- und Theatersestes veranstalten die Städtischen Sammlungen eine Ausstellung unter dem Titel ,/Das vokkMmliche Theater in Mm seit 160 Jahren", die M-tte September erGstvet ' werden wird.^ Diese Ausstellung rvird, von dem PubNum als mitbestimmendem Faktor des Theaters^ ausgehend, mit dem Zeitpunkte des Wick>eraüflebens des Hanswursts aus der stehenden Bühne als Kasperl La Roches und als. Staberl des Ignaz Schuster einsetzen, welcher wit der Gründungsperiode der für das Mener . Theaterleben so charakteristischen Vorstädttheater in der Leopoldstadt, auf der Wieden und in der Jofefftadt zusammenfällt. Von da an soll bis in die Gegenwart die Entwicklung per volkstümlichen 8U^i|Hi BBrtjtfjAM} .tu» WuhtfMt Jur egenwart finden. Ueberfritt zur .MtMl r jüdischen Bühne. Die 'bekannte Operetten- ' m&&: Wbw WMW M WvAÄMß».

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