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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-17 · Heft 1978 (17.8.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1978 (17.8.1924)
Date
1924-08-17
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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I"!>' ' , << ' r 1VVW*^1'*' <' Jf*i W'»«»! V»!?*' A^rWR^'F;1 ,r' Verte 8 Wien, VoryAaß . i« , Ein ziveltcr Land«»? Aus Paris wivd uns gemM«l:^M''DKWit!öechMttz' n Agen in der Normandie den Arzt Galon und leine Frau unter dem Verdacht großzügiger Engelnacherei. Das Ehepaar annoncierte in den Blättern, daß S neugeborene Kinder oder auch Kinder im Alter luter 13 Jahren in Pflege nehme. .Zahlreiche Mütter ind Eltern der ärmeren Klassen gingen auf das lngebot ein und brachten ihre Kinder in die Villa des Doktor Aalon und seiner Frau in Agen, wo sie an Kindesstatt übernommen wurden. Diese Kinder verschwanden sodann auf rätselhafte Weise. Nach den bisherigen Feststellungen sind im Laufe der etzten Zwei Jahre nicht weniger als 20 Kinder dem khcpaar Galou übergeben worden. Bei dem Ehepaar fand man edoch nur 4 Kinder vor, die anderen 16 sind unaufi n d b a r. Die Frau des Arztes behauptete, daß die vier linder ihre eigenen seien, doch konnte ihr im Kreuzverhör vor em Untersuchungsrichter die Unwahrheit dieser Angabe leicht achgewiasen werden. Die Behördenbemühen sich nun um die lufflärung des Rätsels, wohin die anderen 16 Kinder derchwunden sind und weshalb das Ehepaar sich mit dem geeimn-lsvollen Kinderhandel befaßt hat. Diese Skandalasfäre erregt in ganz Frankreich ungeeures Aufsehen, da sich im ganzen Lande jetzt nach der Aufeckung der Machenschaften des Ehepaares Eltern melden, die w« Kinder dem Arzt zur Pflege übergeben hatten. Man vermiet bereits einen zweiten Fall Landru in der Villa des palimers" in Agen, während nach einer anderen chpothese das Ehepaar die Kinder nicht getötet, sondern an eiche Adoptiveltern weiterverkauft hat. Wiener MMrBtnzettnng. AMMLLM?.^ .'am-£ ,*'■ M, m Niedergang einer berühmten Mischen HansindnM. Aus Lemberg wird uns geschrieben: In der kleinen ostalizrschen Städtchen Saffow beschäftigt sich die jüdische Be- Merung seit undenklichen Zeiten mit der Herstellung von (türoth (Tallisborten), die nicht maschinell erzeugt weren, sondern ausschließlich Handarbeit sind. Vor dem tviege hat dieses kleine Städtchen in fast alle Weltteile Ataoth geliefert und war vollauf beschäftigt. Jeder Arbeiter verrenke vor dem Kriege durchschnittlich zehn Kronen wöchentlich, jfe mehr Arbeiter eine Familie zählte, desto größer war ihr Einkommen, da die Erzeugung der Ataroth ausschließlich von Mitteilungen aus dem Publikum. \lara Lippa Wien, H. Ignatz Ball Ve r I o b te August 1924 Wen, H. ikj. Feine e,s WlgQ, sH. ÜMMWM Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse) 7LEISCHHAUEREI SIEGM. KORNHEHL, WIEN Hauptgeschäft: IX. Berggasse Nr. 19 1WD r- 18. Bezirk, Währlngerslrasse Nr* •? unter Aufsicht des Kfarw, Rabbinats der / Israelitischen Kultusgemeiade Wien / fAasschro tung von sämtlichen Fleischaorten, ausschliesslich prima :Qualitäten zu den billigsten Tagespreisen 4S4 Bank' uni Grosshandlungsbau* BRÜDER NOWAK I., Rauhenstemgasse 5, Tel. 75x26, 76584 MiiiimimmmmHNiiiimiHiHHitmimHffmnnm KONZERN ■ INDUSTRIEN: Erdöl', Bergbau^ und Industrie A.'G. Grubenwerke Boryslaw Tustanowiee urycz, Rumänien usw. usw. MALERSCHABLONENFABRIK C. KEIL, Wien, VII. Zieglerg. 74 PAPIERKONFEKTIONS^FABRIK MAX METZGER G. M. B. H. Wien, VII. Westbahnstrasse 26 * Phönix-Glühlampen« Industrie A.-G. Wien, VIII. Piaristengasse 17 „. l ,,Nabad“ Möbelerzeugungs. i gesallschaft m. b. H. •' r Wien, X. Pütrkmplatz 6 : *' % Cf iBemtRViiciN iHAMire bxb»rea8 »wnriiWER 4.. von HAVei MKh NEW YORK KUBA,MEXIKO VINGUEU, COLUMBIEN, CANADA Von HAMBURG, HAVRE, BORDEAUX, GENUA, MARSEILLE noch SUD-AMERIKA MC Ornate Paeaagtar» Klnrlchtungan «Er I« II. Klaaaoimd Ml. Klaaae-Kablnon VoraEgllehe Verpflegung |/ AuakOnfta und Proapokto gratis und franko WIEN, IV. BEZIRK, WIEDNBROURTEL Nr. 24 Ausländer Exporteure G kaufen am vorteilhaftesten 588 ummimäntel erstklassige Oummierung und Ausführung bei REGMAN? Bummlm&ntelfahrlk Wien, Ul., Heumarkt 7, Beatrlxgasae 26. Telephon 585 der Anzahl der Arbeitshände abhängig war. Die meisten Werkstätten arbeiteten auf eigene Rechnung, nur eff kleinere Fabriken beschäftigen Lohnarbeiter. Der Krieg hat diese Hausindustrie zur Gänze vernichtet. In den letzten Jahren nahm die Mische Bevölkerung «in Safsow diesen Hausindustriezweig wieder aus, und zwar mit Gestellungen für Amerika und sonstige überseeische Länder vollauf beschäftigt. JnIftWMr jetzt herrschenden- Wirtschaftskvise und der inzwischen va A m e r i k a von Tdigehörigen dieses Städtchens sekbst eingesührten Hausindustrie, gehtin Saffow die ganze ErM- Mmg von Ataroch zurück. Die Einwohner des Keimen. Städtchens, die für ihre Erzeugnisie gar keinen Absatz finden, beabsichtigen, demnächst diesen seit fast zwei Jahrhunderten betriebenen HauSindustriGveig anfzugsben. Ne Eemitische StSnmig in Mhtaad. Bn Bortvag des orthodoxen Erzbischofs Rikvlau^. Der jetzt in Berlin weAonde gewesene Erzbischof des boffchÄVÄIischen Synvds Nikolaus hielt vor kurzem einen öffentlichen Bortrag über Rußland, in -dem er auch die jüdische Frage berührte. Er erklärte, daß die antireligiöse Kampagne der Bolschewiken nicht nur gegen die orthodoxe Kirche, sondern auch gegen alle anderen Konfessionen gerichtet ist. Die jüdischen Synagogen und Schulen werden ebenso wie die der anderen geschloffen und an kommunistische Mübs und Vereine abgegeben. Die jüdische BevöÄevung haßt nicht minder als, die russische das kommunistische Regime. Es ist unrichtig, zu glauben, daß die Juden in der Sowjetregierung führend siüd, weil an der Spitze der kommunistischsn Partei einzelne Juden stehen. Die demzufolge in letzter Zeit angrwachsene antisemitische Stimmung ist daher unberechtigt, denn die jÄdi's che Be- Völker nutz als solche hat mit dem Kommunismus nichts gem sin. Die orchodoxe GeiMchkett bestrebt sich auch letzthin, die antisemitischen Stvömuwgen zu bekämpfen, wett sie überzeugt ist, daß man die Mische Bevölkerung für die Taten Trotzkys Ginovjews und anderer Mischer kommunfftischer Führer nrchi verantwortlich machen kann. Am Schluffe seines Vortrages stellte >der EvMschof die naive Forderung,.daß die ausländische Judenheit auf die Wischen Kommunistenf-ührer in Rußland einwirken möge, ihre antirekiMe Politik entstellen, da sie für das Judentum von schädlichster Nachwirkung werden Wnnte. Aa«b im Warschau-Prager Schlafwage». Aus Olmütz wird uns berichtet: Gestern nachts ereignete sich im direkten Schnellzug Marsch au-Prag, in in der Mhe von Olmütz, ein unerhörter Raub. Ein eleganter junger Manu im Mwr von 20 bis Qi Jahren trat in ein Abteil des Schlafwagens sin, wo sich der Warschauer Kaufmann Schönbrunn mit seiner Frau befand. Der Kaufmann erwachte ‘ nicht, hingegen rief dessen Frau den jungen Mann an» tac nur das Wort „Kant r o l l e" sagte und verschwand.! Die Passagiere untersuchten nun sofort ihre Kleider und LrnsiatieriLN, daß ihnen ein Betrag von 8000 Dollar sowie Dw-tynofen^ und Schmuck im Werte boit IOOjOOO schech. K. ge- ^rastbt Wochen waten. Der Zug wurde sofort alarmiert und es ^.begann eine Razzia nbch dem Verbrecher Dieser war' jedoch w^rschwunden, da er Gelegenheit gehabt hatte, auf der Strecke vot Olmütz,. wo das Bähngeleise repariert wird und. .der Zug langsamer fuhr, äbzufpringen und zu verschwinden, -Ss-WELm wie «t|N(gtMnNN( BWtpWW {pEiHat|(tU. Aus Budapest wirb m»S gemchdet: Nebec die deuts ch e » Gäste auf dem Gute von GömböS bringen die MStter neue Einzelheiten: Der „Pester Lloyd" schreibt: DA vorgestrigen Zeitungsberichte über die deutschen Güste der Villa der Abgeordneten Julius Gömbos in Nagh Teteny haben natürlich großer Aufsehen err^t und man nahm zur Kenntnis, was die Mutter deS Abgeordneten den bei chm erschienenen Journalisten mitgetsrlt hat, daß die drei Gäste «NS Deutschland V e r» wandte und gute Freunde auS Bayern' seien. Die Sache war aber auS diesem Gesichtspunkte der Oeffentlichkeit noch nicht vollkommen klargelegt und drei Journailisten reisten vorgestern vormittags nach Nagh Teteny, um in der Villa neue Informationen einzuholen. Die Journalisten wurden von der Familie überhaupt nicht empfangen und bloß einer der deutschen Gäste, der SamStag als Verwandter bezeichnet wurde, empfing sie auf der Teraffe, wo kurz darauf zwei deutschsprechende Männer m Bridges und Hemdärmeln mit Knüttel» bewaffnet erschienen. Ohne viel Federlesens stürzten sie sich, von zwei Wolfshunden unterstützt, auf die Journäl-isten, schlugen sie bIutig und überdies zerrissen ihnen die Hunde noch die Kleider. Die Besucher mußten eiligst das Feld räumen und kehrten nach Budapest zurück. Bei diesem Stand der Dinge begann die Oberstadthau p t m a n n s ch a s t sür die Budapester Stadtbezirke die Recherchen und. die vorgenommenen Erhebungen ergaben, daß dir drei Gäste der Gömböser Villa unter dem Namen .Heinrich Fürst, Konrad Mayer und Heinrich Schneider.angemeldet seien. Was die Polizei des weiteren festgestellt hat', darüber wird vorerst S t i l I ch w e i g e n beobachtet und es erschien nur ein kurzatmiges koinmimigue. Es wird darauf verwiesen, daß die vorgestrige Schiilgerei von dem angeblichen Konrad Mayer insMiert wurde, der schnnbar derjenige ist, dessen Dokumente sich in Ordnung befinden. Bezeichnend ist. daß der zweite Deutsche, der wegen mangelhaften Ausweises verhafte: wurde, der Staats-' anwaltschast übergeben vrUen ist. Daraus geh: nämlich hervor, daß er nicht nur als zugercister Fremder bedenklich erscheint. gegen dringenden Vcr?ach:eS der Strafbchövde übergeben wurd^, denn st-nst wäre er getviß nur dem S ch u bhaus zur Amtshandlung übrraniwriiet worden. Zur Sache erklärt Abgeordneter Gombös selbst: Vor einem halben Jahre meldete sich bei mir ein junger Deutscher, namens Schneider, von der» ich wußte, daß ^er als früherer deutscher Marineoffiz er auS politischen Gründen aus Deutschland flüchten mußte. Da er ohne Erwerb dastand, Meptierte ich iihn für mein Gart, wo er fleißig arbeitet. Später erfuhr ich, daß zwei Freunde Schneiders ebenfalls darben und gern bei mir arbeiten würden. Da ich überzeugt war, daß diese jungen Leute Deutschland auS politis ch e n Gründen verlassen mußten, fand ich es nicht für notwendig, ihnen gegenüber den Detektiv zu 'spielen und zeigte ihnen als gewesene Offiziere volles Vertrauen. Wie der „Pester Lloyd" hört, befaßt man sich bereits an höherer Stelle mit den Vorgängen in Nagy Teteny und wie verlautet, steht eine a m t >l i ch e M i t t e i l n n g in dieser Angelegenheit kurz bevor. Der „Pester Lloyd" bemerkt weiter, die ungarische Regierung habe alle Ursache, in dieser Affäre, die geeignet sei, die Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn zu trübm, ein klares Wort zu sprechen. LaftMkd oder Bankraub? ' Mus Prag wird uns gemeldet: In der Nacht vom Fred tag auf Samstag ereignete sich in einer Prager Bank ein mysteriöser Borfaill. Paffanten hörten aus einem Fenster verzweifelte Hilferufe. M Wache herbeigerufen wurde, stellte sie fest, daß der BanDbeamte Friedrich M'ittermüller, von Dolchstichen durchbohrt, in einem Bureau der Bank lag. Er gab an, daß de-r Arbeiter Svlbotka, der von chm eingelalden worden war, ihn töten wollte, um sich feines Geldes p bemächtigen. Der in Haft genommene Sobotka gibt aber an, Mittermüller habe ihn eingsladen, um chm homosexuell zu mißbrauchen. Er habe sich dagegen gewchvt und in Notwehr den Mittermüller einen Dolchstich versetzt. Zwei >RevM.erMsse, die von Passanten gehört wurden, will er nicht abgegeben haben, sondern behauptet, der Nachtwächter der Bank hätte gsschoffm. MttermWer tourJbe schwer verletzt ins iKvankeuhms gebracht, ' : der RlmbimfM ln PStzlelusdorf. Zwei Verhaftungen. Der schwedische KunschiftorAer Dr. Tövuell, derzeit Wien, erstattete vor einigen Dagen die Anzeige, daß er das Opfer eines Rawbanfalles geworden sei. Gr hatte einen Ungarn kennen gelernt und sei von chm awimiert worden, sich m feiner BegjleitMtg die Umgebung Mens anzufthen. In der Mhe der Pötzleinsdorfer KindeverholnngSstätte M> der Ungar Dr. Tövnell ein, nach einem nahegelegenen Punkt zu komme«, wo ein schöner AnMick auf die Stadt zu genießen fei. Plötzlich fei «m Mann auf s« zugelaufen, habe einige Worte gerufen, dtze Dr. Wvnell nicht verstand, und habe nach seiner linken Hand'gegriffen,, um chm eine gvkdene Armbanduhr zu entreißen. Indessen habe der ,-Ungar" Dr. Tövmlls Rock, der im Graft lag, ergriffen und sei davontzslauft-n. Im Rock waren der Paß d^ Schweden, eine Brieftasche mit etwa 100.000 K. und eine sÄberne ZjgarettenÄaift. Gestern wurde nun im RachauNpark der Al^ckttM^wg Johann La-Paeek, ein Burgenkänder, alr der gefuchde Usttzav verhaftet: ES ergab sich, daß er mit dem äSWvigen KuÄverwicfenen Viktor Somlic viel verehrt HE DWftr würde verhaftet und gestand, das; er den RauW.M mit Lapacek ver- " c ■■ ■ v > 1 548955

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