Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1978 (17.8.1924)
- Date
- 1924-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sonntag. 17 August 1924 6; Jahrgang Heute beginnen wir mit -er Veröffentlichung unseres «men Ronlanes: „Das Mlidchen im Nebel". «US de« JuhM der heutigen Nummer. Di« europäische Demokratie. Gin ^Gespräch mit Dr. T. G. Masarhk, Präsident der tschecho-siloivakffchen Republik. Die österreichische Krone. Von Dr. MichaÄ Sn s san. Zur Geschichte der sephawlschen Juden in Me«. Von Dr. N. M. Gelber. Die Frau und ich, wir zwei. Bon Ainldor Gabor. Eine portugiesische Marannenstadt. Bon Dr. AÄel Ben säo n. Vom Lhassid, der sei» Leben verschenkt hat. Von S. Meis e l s. Fahrt ins Blaue. Von Otto Abel e s. . Me die Zarensamilie erschossen^ wurde. Von Dr. Ferdinand . Ossendowski. > *0"" ■ ' ■ ... London-Berlin. . .' —sch. Wie», 17. August. Die Konferenz in London ist beendet. Sie brachte nach langen und schwierigen Verhandlungen eine Einigung über den Dawes-Plan; sie brachte aber auch, was noch weit . .bemerkenswerter ist als diese. Novellierung des Versailler Vertrages, eine, direkte Verständigung mit Deutschland, eine Verständigung,/ die nicht durch ein einseitiges. Diktat und. nicht'- durch/ die Rücksicht auf Revanchekrieg geleitet war,, sondern durch die Erwägung der wirtschaftlichen- - Möglichkeitew beider: Erfüllung der Friedensverträge ttttb rasiöttale Zahlen für die Sachleistungen Deutschlands und ihre Verteilung.' Die Londoner Konferenz hat dort wieder eingesetzt, wo'Rathenau und sein französischer Gegenpart Loucheur durch jene ruchlose Tat unterbrochen wurden, die. Rathenau zu Boden streckte. Mehr als zwei Jahre sind darüber hinweggegangen und inzwischen hatten diesseits und jenseits des Rheins jene Strömungen die Oberhand gewonnen, welche den wirklichen Frieden - durch den ständigen 'Krieg zu ersetzen bestrebt waren; dazwischen liegt die deutsche Politik der Nichterfüllung, die durch den unsäglich dummen Cuno, die Puppe der deutschen Schwerindustrie, eingeleitet wurde, jener Schwerindustrie, die von einer endgültigen friedlich-schiedlichen Entscheidung über die Zahlungen Deutschlands eine Schmälerung ihrer Gewinne befürchtete; dazwischen lag die Ruhrbesetzung, welche Poincare und Foch um so lieber durchführten, als sie ihnen die Möglichkeit für die weitgesteckten, nicht ausgesprochenen Ziele einer dauernden Besetzung des Rheinlandglacis bol. Diese Ruhrbesetzung, für die Deutschland durch Einstellung auf eine Erfüllungspolitik den Vorwand hätte nehmen können, wodurch daspolitische System Poincare-Foch weit schneller zusammengebrochen wäre als es später der Fall war, bildetenoch den letzten hemmenden.Differenzpunkt für den glücklichen Abschluß der Konferenz. Deutschland kann nun die Ruhr nach einem Jahr sreibekommen, aber unter einer Bedingung, an der Herriol, dessen Bereitschaft zum wirklichen Frieden nicht zu bezweifeln ist, festhalten mußte: unter der Bedingung der ehrlichen restlosen Erfüllung seiner Zahlungspflicht. Herriot mußte diese Forderung stellen, sie wüäe sogar von den Engländern, die prinzipielle Gegner der Ruhxbesetzung find, anerkannt und auch die amerikanischen Finanzbeobachter der Londoner Konferenz, welche von deren Ausgang die Uebernahme eines Teiles der deutschen Anleihe abhängig machten, haben die Berechtigung des Herriotschen Standpunktes . eingesehen; denn der Vertragspartner Deutschland 'ist ein unsicherer Kantonist. .. Marx und Stresemann wetden das Londoner Abkommen Unterzeichnen, sobald die auf. den Dawes-Plan bezüglichen Gesetze im Reichstag durchgegangen find. Sie rechnen damit, daß dies in drei Tagen der Fall sein wird. Wohl bläst der deutschnationale Flügel des deutschen Reichstages zum Sturm gegen das „Dritte Versailles", aber es ist doch möglich, daß die nötige qualifizierte/Mehrheit für die mit dem Dawes-Plan zusammenhängenden deutschen Dar MerMoaünm über die Rubrrilmnimg unterMM! — Die — Die Parlamente haben dar Wart. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . : Mar SonM Schlußrede. Sondon, 16. August. Mac Donald beglückwünschte ln seiner Ansprache,' die er «nt der Anrede n,M ei n e Fr e u »d e" London, 16. AuWt. .MUMmvrMiü ist gefunden, eine Einigung^ erzielt. Nach''-'.Berytungen ist,- ivie erwüvivtz -Hanke die'ÄlmflSM.W^eineyr vollem- Erfolg gefch"lossen Wördens , - ' , - Mittags traten die ftanzösflchen,' belgischen und deutschen Minister zu einer Dexatung zusammen, -.um die; letzten Modalitäten für die^ür r l itä ris ch e R'ä u m u n g i d e s R u hr g e b i e t e s klarzustellen. Der in die Sitzung berufene f r a n z ö s i s che Mi11 tä r s a ch o e r st ä n-' d ige eystättete ein t e ch n is'ch'e s' Gu't acht en über die -Bedingungen, unter.denen/-die--'stürtz§si!scheu'und die >belgi< ' scheu Truppen ' gewisse -'Orte w,; Ruhrgebiete räumen ' könnten/ -? - Drei Stunden lang dauerte diese Beratung und ihr Resultat war die v . / ’ endgültige Festsetzung des UebereinköWinens, war'der' Erso lg d e t K am fie reuz. Ee halbe Stunde - spätz.r - Wgpn j bte Sitzunghex/ÄerzDr- Alliierten -Debes} gieÄen/ Äe Mtit -einer MtKr^ÜMeüKLecktu^a' in'« rir der um.halh^üs- Ne fe Nachdeln von Herr i o t. die MeHhiernng des Protokalls voygenommen vordeN ivat, trat' im Foreign« Ofsiee um -6 Uhr 30 Minuten die Schlußsitzung aller Delei gierten unter Vorsitz Mae Donalds zusammen. Zuerst wurden einige noch unerledigte Berichte ohne Debatte Mgenochmen, worauf sich Ee 2)onW zu einer feierlich e n A u s s prache erhob, in.der er die Bedeutung des heutigen Uebereinkommens schildertenttd als B e g i n n einer n e u t n E p o ch e hinstellte. Seine Red Wurde mit großem Beifall^ausgenommen. Nach ihm sprachen Herriot, Ke llög, Theunis de Stefans Dr. Marx Ed H a h ch -i. Die Reden Herriots uNtz Dr. Marx' wurden lebhaft akklamiert. Dmrn erhob sich! abermals Mae Donald und gab das Zeichen zur Verlesiung des Konferenzprotokolls, das von alle« Delegationen zur KeMtnis genommen wurde. Um 9 Uhr schloß Mae Donald die Konferenz. Alle Delegierten schüttelten sich freundschaftlich die Hände und verließen langsam den historischen Festraum. . einlestete, hie Konserenzmitglieder zumerfolgreicheu Abschluß der gemeinsamen Arbeiten, wobei , er sagte, . jeder Müsse »jetzt . darnach strebe», das vollendete Werk für immer fruchtbar zu gestalten .Er hege als Vorsitzender der Konferenz das Gefühl .der Dankbarkeit gegenüber den Kollege«,.vom Premier bis zum Schreibmaschinenpersonal, die alle in ihrer Weise ohne Unterlaß dafür gewirkt hätten, die Konferenz erfolgreich zu machen. Mac Donald fragt, ob irgend jemand sich das Unheil borstellen könne, das gefolgt wäre, wenn die Konferenz gescheitert wäre und und fuhr fort:. . „Ich glaube, wir ken Europa: etwas-Besseres gegeben, als: ein Abkomme», entworfen von Pdvokaten und auf Papier! geruckt". >!;; Mr: alle haben verhandelt 'und Erörterungen gepflogen -und uns .in nufere gegensertis^ LatzechineinvLrsetzt. Dies ist der »grpßte Fortschritts den pür' geinpcht Habens selbst wenn letzte» Endes die eine oher die andere ^Seile von. dech. Ergebnis der [u: - ' . We Mten jicht däs tatsächlich erste durch Äerhandlüntzeu .zustanbegekommene. Abkommen, seit dem Kriege. Jede hier Vertretene .^PiW/ist.'MoxakischHichHchßet^ ihr Bestes zu-tun, um es durchzusühr'en, weis es' nicht das. Ergebnis eines Ultimatums ist. Wir haben, versucht, eiyarcher so weit entgegenzukomme«, als die öffentliche Meinung der. verschiedene« Länder «ns ge- . stattet. Dieses Abkommen kann als der erste FriÄenSvertrag angesehen werden, weil wir es unterzeichne» mit dem' Gefühle» daß wir den furchtbaren KriegSstchren undder Kriegsmentolität den Rücken gekehrt Habens Ae Berriniarullgen. Der französische nnv - der belgisch«! Ministerpräsident -'«EaM - in' einem an den Rei chskanzler geri chteten SHxe-iW'.en,,-atz' M an ihrem Rechtsstandpunkte,!daß die Besetz-NM-g deS? M u h n g e b i et.es nach . dem? Vertvatz. von.BerscrWZes ausgesührt werden durste,- s e sth a l t e n, daß sie. eher unter Bezugnahme -aus diem.London, getroffenen Äh- -machungen ihrerseits versichern, daß. das - > .Ruhrgebiet spätestens in einem Jahre geräumt werde» -;■ - . '. wird, urch daß diese Frist vom 15. MgUst an Wust. folgter iUnterschrift des Londoner Abkommens' der heutige. Stand der deutschen Politik stärkste Zweifel Hervorrufen, ob wirklich ein Vertrag, den Deutschlands Außenminister^ Stresemann unterschreibt, mchr ist, als nach dem mehr berüchtigten, denn berühmten Muster „ein Fetzen Papier". Das^ Kabinett Marx-Stresemann ist. schon durch die signifikante Stellung'des letzteren kein vertrauenswürdiger Partner,' da Stresentanns' Partei eine, wenn auch . modifiziert, doch' ziemlich unierhüllte Gegnerschaft zum Dawes-Abkommen, sicherlich aber zu dessen ehrlichoKErfüllüng zeigt. Im heutigen deutschen Reichstag ist eine festgefügte Erfüllungsmehrheit - nicht vorhanden. Nun steht aber Deutschland vor der entscheidenden Situation/ sozusagen vor der letzten Möglichkeit, mm das Aeußerste zü vermeiden. Dawes-Plan :vder Bürgerkrieg, darauf hat sich die. Lage Deutschlands zugespitzt. Es gibt in Deutschland starke Gruppen und Parteien,, die auf die zuletzt genannte Möglichkeit hinarbeiten. Was sie für Europa, für die ganze Welt bedeuten, würde, ist nicht auszudercken. Aber die politische: Unreife eines, politisch unfähigen Volkes übersieht' alle l Katastrophen, welche sich aus dieser Möglichkeit ergeben : könnten; daher besteht, so lange dieselben politischen Kräfte in. Deutschland wirksam sind, welche die-Käta- Gesetze zustande kommt. Dennoch muß auch nach er-strophe. des Weltkrieges herbeigeführt haben und bis. Heute/ an sichtbarer Stelle / die poliüschen Geschicke desgroßen und' wertvollen deutschen Volkes leiten, immer die Möglichkeit, daß^ Deutschland in eine Katastrophe. hineingesührt wird:- Hier ergibt .sich nun der Angelpunkt, in der Weiterentwicklung der Dinge. Die Befreiung des Ruhrgebietes, welche für Deutschland. ein so starkes gefühlsmäßiges Moment bedeutet, ist möglich, wenn Deutschland die Verpflichtungen, die ihm'der Friedensv.erträg und die moralische Pflicht der. Wiedergutmachung böswilliger Schäden auferlegt Huben, redlich, ehrlich und unzweideutig erfüllt. Die heute Deutschlands. Politik machen, sind nicht die Burgen für. eine solche redliche Erfüllung. Sie' müssen /fort, soll die Londoner .Konferenz' wirklich das sein, als was sie gedacht ist: der Anfang zürn wirklichen Frieden Europas und der Welt.' Denn mag es auch im Südosten dieses Erdteilsbrandeln und knistern, so kann heute wie ehemals, jeder, kleme Brandherd abgefteckt werden ,wenn, der große.Brandherd. Deutschland, der schon einmal die. Welt ins. Unglück gestürzt hat, beruhigt' ist. Die Völker Westeuvopüs. haben m den letzten Monaten gezeigt, daß sie. jenen Demokratien Gefolgschaft leistett, die den wirklichen Frieden, wollen. Es ist nun höchste Zeit,' daß das friedliche Deutschland seine Stimme hören lasse. Für das deutsche Reich geht der Weg von London zur Urne. / / . Grosser Sommer- BäuMiingsverkäuf rnrnimmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm in*. ai!c'h ’Äb- 1 P KM-S teilungen des 5'.|Mj|i?nhauses Taborsiraßa 4^ Tslnnhon 47-1-76 En gros En dntall mmmmmmmoL