Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1974 (13.8.1924)
- Date
- 1924-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPoibb zunroszyi Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1*3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40,000 Strawenverkauf t in Wien durch die Kolporteure; der Firma Goldschmied, 1. Ben., Wollzeüe 11 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 40.000 Ta eh ec ho-Slowakei: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3V* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k Belgien: Mon: Fres. 12 N a ehx a h I u n yen . _ bei Pretierhöhun^cD vorbeWteB SICHERN SIE SICH DER Wiener Engl&nd: Mon,4 Sdifllung, Italien r Monatl. 12- Eire, Ru m 5 nie n Mon. 150 Lai-, Bul?&rien Mop. 80 Lewa. Schwelt und das übrige Ausland monatlieh Fre«..4 Redaktion u, Administration Wien, IIM Taborstrassei —8 Nr. 1974 Mm, Mittwoch, 13. Augu« 1924 Telephone: 44-0-38,43-349, ab 6 Uhr abda.21.102,25-282 IX. Uni verrit&tss^ 6^-8 (Druckerei Stelnmann Oesterreicbisehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 6. Zahrgam» An Handelsverttag zwischen Frank Wziells ßinladung Frankreichs.—Beginn der Wirtschastsverhandlunaen am 1. Sttober. — Zollsreiheit für die lothrinaischen Fabrikate. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 12. August. Der französische Minister Elemente! hat an den RLichsautzemninister Stresemann eine offizielle Einladung an Deutschland zu deutsch-französischen Wirtschaftverhandlungen nach Paris gerichtet. Man erwartet das Eintreffen der deutschen Bevollmächtigten am 1. Oktober. In der Einladung wird ausdrücklich betont, Latz die Verhandlungen ^anf der Grundlage der vollen Gleichberechtigung und mit der Absicht des loyalen Entgegenkomme ns seitens Frankreichs geführt werden sollen. Gegenstand dieser deutsch-svanMschen. Wittschastsverhandlungen soll der Abschluß , eines H a n d e l s v e rtrages und anderer wirtschaftlicher Verträge sein. Elemente! hat weiters die V e rl'a ng e j tut g det im FriedenZvertrage^für. die Erzeugnisse von Eüsntztz.p t HZ i n g e.n vorgesehenen:! ü' Zollfreiheit: ■ mit der Begründung in Anregung gebracht, daß dieses im BetsMex Vertrag begründete Recht in den letzten Jahren nicht habe «rSgenutzt werden können. Abends um 6 Uhr begab sich der deutsche Finanzminister Dr. Luther in das Hyde-Parkhotel, wo er eine längere Unterredung mit Clementel und Sehdoux hatte. Es scheint, daß die Deutschen dm französischen Vorschlag über den Austausch von Rnhrkohle gegen lothringische Eisenerze annchmen wollen, dagegen den Vorschlag ablHnen, nach welchem die elsaß-lothringischen Waren auch nach dem 10. Jänner 1025 zollfrei in Deutschland eingeführt werden dürfen. In den Verhandlungen konnte keine Einigung erzielt werden, weil die Deutschen der Meinung sind, daß die französischen Vorschläge die Dery ich tun g d 5 r deutsch en T ex tili nd u st r i e bedeuten würden. Wie ihr Korrespondent abends erfährt, hat Reichskanzler Marx daher beschlossen, diese Verhandlungen selbst in die Hand zu nehmen. NuhrrLumung und Handelsvertvag. In der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgedietes, die den Sachverständigen übergeben wurde, besteht der von Herriol mitgeteilte ftanzösische Standpunkt darin, daß Frankreich bereit ist, die Ruhr zu räumen, gegen die Zusicherung eines H a n d e l s v e r t ra g es au f G r « n d der Metstbegünstigungsklausel. Ein Expörtenkomitee wird die Grmzm der M eistbegünstigungen zu'bestimmen haben. Aus maßgebenden'Kreisen wird erklärt, daß, wenn alles Prograwmgemqß verläuft, die Räumung der Ruhr vor Ende dieses Jahres beginnen wird. Das Militär- «nd Eisetchahnpersonal wird etappenweise emgezogen. Ein privates Liefevungsnbkormnen. ,/WeistMlnster Gazette" behauptet, daß gestern in später Abendstunde ein Abkommen zwischendeNischeu und französischen Sachverständigen Wer . die Lieferung von Ruhrkoks an die Eisenhütten in Lothringen zustande gekommen sei. Es handelt sich um einen rein Privatwirtschaftlichen Vertrag.. Wettere Fortschritte in LoNdon. London, 12. August. (Halvas.) Me Bolkverlsammlung der vierzehn alliierten Bevollmächtigten erörterte den Bericht des d r i t t e n A >tt s f chusse s. Die. deutsche Delegation hat die Bestimmung der Resolution des dritten Ausschusses 'betreffend die' dMMchert-Muttgsaüsschuß' gelassene Möglichkeit, an P.r iTa? Ip eVf am e p Mavkbeträge Kr Ankäufe in Deutschland ':.a>uf. HHrchen^ W'Däu» bigerstaaten zu Wevtragen, d^ da-mit'' heKM '• wDen, wieder aufs Tapet gebracht. Die letzten strittigen Punkte sind an die Sachv e r st ä n d i g e n zum Studium verwiesen worden. Es werden Ms der Konsewnz täglich Fortschritte erzielt, aber das Ende derselben Bann nicht vor Samstog. erwartet werden. Mae Donald wird bei Beendigung der Arbeiten eine offizielle Erklärung äbgeben, worin er seiner Freude Ausdruck gchen wird, daß eine Aera des Friedens und der Arbeit in London habe eröffnet werden können, und anerkennen wird* daß noch zwei Hauptsrageu zu behandeln bleiben, nämlich die Entwaffnung Deutschlands und die interailliierten Schulden. Me Sachverständigen, die die Kr November vorgeisehene Konferenz für die interalliierten Schulden, vorbereiten sollen, werden schon jetzt in London ernannt werden. Das Memorandum der französischen Militärsachverständigen verlangt, daß die endgültige Kontrolle der deutschen Rüstungen u n v e r % « g l i ch b e g i n n e. Vorher attgekün5-igte Kontrollen werden während eines Monates und Hieraus, wenn notwendig, Kontrollen ohne vorherige Ankündigung während dreier Monate-stattfinden. Erst dann wird man entscheiden, welche Maßnahmen notwendig seien, um die Kontrolle auszubauen und, wenn möglich, sie dem Völkerbund r a t anzuvertrauen. 3nsMmenk«Kst der Außenminister der Kleinen ßntente. Belgrad, IS. August. Am 20. August, werden, wie in politischen Kreisen verlautet, - die: Außenminister I u g osla Wiens, der Ts che cho-Skowaker Und Rünräniens in Agram zufammenko-mmen, um ihre Meinungen über die .-A u ß -e np o l.i ti l aus^utauschen. Eswirdinsbesondere die Sitzung der Völkerbundversamnt^ ln ug zur Sprache kommen. Der jugoslawische Außenminister Marmkovie wird gelegentlich^ seiner.-Reisenach. Genf anfangs September auch -Par i s böslichen, um mit Her r i o t Besprechungen zu pflegen?' ' ' ' ä '• ' •' 9er ftMzWch-Kfterreichische L Paris, 12. August. Gestern wurde in Paris vom -französischen stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister des Aeußeren Rene Renoult und vom französischen Handelstninister R a h n a l d y einerseits, vom ö st e r r e i ch i s ch e n Gesandten in Paris andererseits das Zusatzabkommen zum österreichisch-französischen Handelsvertrag -unterfertigt. Dieses Abkommen bezweckt, .die Zollbestimmungen des, französisch-österreichischen Handelsvertrages vom Jahre 1923 den gegenwärtigen wirtschaftlichen, Bedingungen anzupassen. Es wird zweiseWos die! wrt sch a ftli ch e n Wechs elb ez i eh un g en zwi-; schen. Frankreich und Oesterreich e nt w i ck e,l n'-und v e r- ^tiefen. Beide/Staaten werden hierin^ günstigere i B e bin g u n g e.n : für ein iZüsarnmenwirken finden. Der Mord am 8eU -y. Wir«, 12. August. Der deutsche Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer, hat in seiner Rede zur Feier der Weimarer Verfassung das hübsche Wort gebraucht, daß die zehn Gebote Moses' das einzige Staatsgrundgesetz sind, das nicht rm Verlaufe der Begebenheiten umgeformt worden ist. -Die Feststellung ist wichtig und bedeutsam; aber Ort und Anlaß der Rede ließen eine Begründung nichtf zu. Es muß nicht bloß Kr den rückschauenden Historiker, sondern mehr noch für den aktiven Politiker von Reiz sein, dem Grund nachzusinnen, der die innere Festigkeit des mosaischen Gesetzes erklärt. Es spricht in glasheller, unzweideutiger, knapper Formulieruilg aus, daß der Mensch als einzelner wie als Angehöriger einer Volksgemeinschaft ftei ist, daß das Leben, die Ehe, das Wort und die Arbeit heilig sind. Alle Beziehungen des einzelnen zu seinen Mitmenschen sind in klaren Worten geregelt, in einer Fassung, die an sich ohne weitere Definition verstäMich ist. Ein solches Gesetz ist fest wie Granit und überdauert alle Wechselsälle des Schicksals. Diesem Gesetz verdankt das jüdische Volk seine Lebenskraft, und dieses Gesetz ist auch die GruMäge geworden, auf der die zivilisierte Menschheit die Ordnung ihrer Rechtsverhältnisie ausbaute. Sie'hat dies aber nur formal getan; sie hat den jüdischen Kodex abgeschrieben und dadurch die Anerkennung seiner brun- ' nentiefen Sittlichkeit vollzogen. Aber sie Mt uur fdie . Worte,, nicht aber den Anhalt erfaßt und - die Geschichte der Völker mag dem 'Histöriker als ein fortgesetztes'. Ringen um die im mosaischen ZweitafehgeM kristalli-: sierte Wahrheit eim ununterbrochene Versündigung gegen diesen' Geist, den sie immer wieder zu morden Kcht. ' Der Anlaß, bei dem -der Gesandte des Deutschen Reiches seine 'sormschöne und. von einem sicheren 'Glauben an Recht und Zukunft beseelte Rede Malten hat, ist aus einer solchen Vevsündigung geflossen. Me geschichtsbildenden Völker haben , an,ihr teilgenommen. Sie alle haben in ihr Grundgesetz die These des Möses akzeptiert, daß der Mensch, sein Leben, seine Würde und seine Arbeit als unverletzlich zu gelten, haben. Mese These haben sie gemeinsam in. Stücke gebrochen und eine Sündslut-von Blut und Elend heraufbes chworen, die sich noch nicht in feste Dämme hat zwingen lassen. Der Entschluß zum Krieg, der am Beginne dieser vorläusig letzten Katastrophe steht, ist aber nicht ein alleinstehendes Ereignis.- Er ist die logische Fortsetzung der Geschichte dieser Völker gewesen, die, , soweit, sie sich zürückverfolgen läßt, immer nur von Raubgier und wütendster Berfolgungssucht erfüllt ist. Aber so oft diese Entartungen zur Gewalt übergingen, stets, wurde ihnen irgend eine Bestimmung des mosaischen Gesetzes m gefälschter Auslegung zur. Begründung gesetzt. Das primäre Moment des menschlichen Zusammenlebens, das dieses Gesetz in - konzentriertester Form ausspricht, ist die Rücksicht auf den -Nachbar/ den- Mtmenschen; sein Gut, seine Existenz. Es wurde mit äußerster Roheit zugunsten der sekundären Moinente des Glaubens, der Sprache zurückgestoßen. Das Recht wurde von der Macht zertreten, die-'Wafle zerstörte das Gesetz,^ sprengte die Menschheit in brave und schlimme Völker,, in mehrwertige und minderwertige auseinander, für deren Schätzung nicht ihre Leistung für die Auflvärtsenttvicklüng maßgebend ist, sondern ihre Hautfarbe, ihr. metaphysisches Bedürfnis,- ihre Abstammung.;Nur die Weißen. — hieß es — haben ein Recht aus die Herrschaft über, Land und Meer; und innerhalb der weißen Gemeinschaft stritten Germanen, Romanen, und Slawen um die Ausübung dieser ^Herrschaft.. Sie sindstur in einem Punkte einig gowesetr, daß den Juden, -denen sie 'ihr Gesetz entlehnt hatten, nichts von dieser Herrschaft , Hier ist die Vereinheitlichung des'Willens erreicht, die Herr Dr. Pfeiffer, in einem anderen Siüne'sreilich, dem deutschen Volke wünscht. Das jüdische Bofl hüt'sich in seiner Gesamtheit streng an sein Gesetz gehalten. Es üst das einzige, -dessen Geschichte nicht durch den mutwilligen" Angriffskrieg besudelt ist,' und es ist von dem Aügeiwlick des Verlustes seiner nationalen Unabhängigkeit bis zum cheutigM Tage in das Ghetto des HäffeS 12