Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1973 (12.8.1924)
- Date
- 1924-08-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jmammrmmmmm» m»iiMi ww~nmmr- IPoi bh-20 grogzy i | Preis K 1400 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisatelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied,!. 8er., Wotlzeile 11 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Tschecho- Slowakei? Mon. K18. lu(joslawien: Mon. DinaröQ. Polen: Mon. SV« Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Franks Belgien: Mon, Frcs. 12 England: Mon.4 Schilling Italien: Monatl. 12 Lire Rumänien Mon. 15.0Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, S c h w e i z und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, (l.,Tahorstrassei—3 Telephone: 44-Ö-3B,43?3*19, ab 6 Uhr abds. 21-102;25-282 IX. Uni versf tätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann N»eby. oViluosen -H» bei Prei«erhSlinn<.*n Vorbehalte* Oesterreichisches Postsparkaasen-Konto Nr. 150.693 9tr. 1973 Wien. Iienstag. 12. August 1924 Rach kurzem Aufenthalt in Wien znriiikgekehrt (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 11. August. Stephm Radie überschritt heute, aus Otsterrerch kommend, die südslawische Grenze. An der Grenze wurde er von -er Grenzwache an geh alten, die nach Verordnung der stüheren Regierung handelte. Stephan Radre wies jedoch seinen Diplomatenpaß vor, ansgesttllt vcm jetzigen Außenminister. Daraufhin wurde ihm die Reise nach Agram freigegeben. / Um 5 Uhr nachmittags ist Radie in Begleitung seines Schwiegersohns in Agram angekommen. Radie' Ankunft war schon vorher bekanntgeworden und Hunderte von Personen hatten sich am Bahnhose eingesunden. Stephan Radie stieg aber ans dem Südbahnhof ans, wo nur einige Mitglieder der Organisation der kroatischen nationalistischen Jugend anwesend waren. Diese trugen Radie auf ihren Händen zum Wagen. Radie fuhr sodann direkt in seine Wohnung im Palais Prpie, wohin sich gegen Abcnd ein? nach-Tausenden zäh- , lende MensK)enckenge begab und beut züriickgekehrten Führer V'‘V / stürmische Ovationen darbrachte. Radie mutzte sich am Fenster seiner Wohnung zeigen. Unter Absingen der kroatischen Nationalhymne gingen die Manifestanten auseinander, um sich zu einer weiteren Manifestation auf einem öffentlichen Platze zuasmmenznfinden. Als die Polizei auf Grund eurer neuen Berordj nung des Ministers des Innern, Petrowic, zum Auseinandergehen aufforderte, zerstreute sich die Menge ruhig unter Hochrufen auf den Minister Petrovie und die neue Regierung. In Belgrad wurde die Ankunft Radie' in Zagreb durch eine Sonderausgabe der „Breme" bekannt und wird in allen Kreisen eifrigst kommentiert. Da man über seine Pläne vollkommen im Unklaren ist, sind den Kombinationen und Mutmaßungen Tür und Tor geöffnet. Radie war am vorigen Montag von Moskau abgereist und F r e 11 a g i n W i e n angekommen, wo er sich sogleich mi' der Belgrader Regierung wegen seiner Rückkehr in Bewindung gesetzt hatte. Fugoflawiens innere und Süßere Politik. Ern Expose des Außenministers Marinkovke. Belgrad, 11. August. In. Ux heutigen Sitzung der Skupscht'ma ergriff der Außenminister Marinkkovie in der Debatte über die RegievungAdeklaration das Wort und sprach über die innere und äußere Politik der Regierung. Ueber die Angriffe der Opposition, daß die Regierung von der Gnade der republikanischkroatischen Partei abhange, sagte der Minister, daß dies insofern der Fall ist, als jede parlamentarische Regierung von der parlamentarischen Mehrheit abihäwge und daß die jetzige Regierung sofort demissionieren würde, sobald sie in der Minderheit bleiben würde. Ueber den Zentralismus sagte der Minister, daß die zentralistische Einrichtung des Staates nicht das einzige Mittel für die nationale und staatliche Einheit sei. Ans 'den Zwischenruf des radika.m Exminifters Tr i f k o v i e. über die Stellung der kroat:- schen Bauernpartei zu 'R< zedon'"n, sägte Marn Tobte, daß kein einziges MitgÄed dieses Parlaments zu' fistlen wäre, das einen Fußbreit des nationalen Bodens opstrn würde. In der Besprechung.der äußern Poriük behandle der'Mnrister besonders, die . - Beziehungen zu Rußlands. - und erklärte, daß Beziehungen mit Uußland einguvWen schwer ist, weil die Sowjetregierung nicht, die jetzigen Grundlagen des internationalen Rechtes anerkenne, da sie sie als bürgerliche Rechte der Bourgeoisie betrachte. Was Bulgarien betrifft, sagte der Minister, daß die Regierung heute fre undschaftliche Beziehungen mit allen Nachbarstaaten wünsche, auch mit Bulgarien und Albanien. Wenn aber ein Staat an der Grenze K om i t a t s ch i '§ und B a nde n zusammenziehe, dann kann man nicht über gute Beziehungen sprechen. Ueber die Reparationen und über die Frage der Einrichtung der Beziehungen mit Deutschland und den Verbündeten sagte Marink o v i c, daß die Regierung alle die Vorteile, die sie durch die Verträge bekommen könne, ausnützen wolle. Die Rede Marinkovic' wurde mit großer Aufmerksamkeit angehört. Nur bei einigen Stellen, besonders bei der Besprechung /der Beziehungen der Regierung zu den kroatischen B a u e r n a b g e o r d n e t e n, wurden von der Opposition so laute Zwischenrufe und Lärm-gemacht, daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. in Amerika. Die Munitionsfabrik der Regierung in die Lust geflogen. — Ungeheuerer Schaden. Aus New-Iork wird uns gekabelt: In der vergangenen Nacht ist in Mashville im Staate Tennessen, die grotze Munitionsfabrik der amerikanischen Regierung in die Luft geflogen. Der Sachschaden wird auf zwanzig Millionen Dollar geschätzt. Mehr als 45 Millionen Pfund Pulver wurden zerstört. Die Z a h l d e r M e n s ch e n o p f e r konnte bis jetzt noch nicht fest ge stellt werden. Im weiten Umkreis sind alle Fettster und Dächer der Hauser zertrümmert und die näher liegenden Ge- ' bände gänzlich ei «geäschert worden. Die Flammen der gewaltigen Explosion stiegen <’ viele Meter hoch in die Luft und konnten aus einem Umkreis von 46 Kilometer gesehen werden. Die U r s ach e dieser fürchterlichen Katastrophe ist zurzeit noch n i ch t b e k a n n t. (Eigendünst der Wiener Morgenzeitung".) - London, 11. August. Der König von Hedschas, Hussein, verweigerte die Unterschrift auf. dem Vertrage mit England und verlangte die Erfüllung der, britischen Kriegsversprechungen bezüglich der Unabhängigkeit der arabischen Länder, darunter Erez Israels. (Es handelt sich um den seinerzeit vom „Temps" veröffentlichten angeblichen Vertrag, den der Archäologe Lawrence im Jahre 1917 mit Hussein abgeschlossen haben soll, wonach alles -Land südlich einer Linie von Adana bis zur Wüste an Hussein fallen solle. Die Authentizität dieses Abkommens konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Red.) «i4lll|v4vlK(| VW OUV(|mvU .. Aus Prag wird uns berichtet: Eine Konferenz der Jüdischen Welthilfsorganisation findet vom 21. bi§‘ 27. d. in Karlsbad statt. ... .. * * General Julius Sipos de Markosalva. —y. SB 1 e n, 12. August. Die Geschichte des Palma-Vecchio-Bildes in Ungarn mußte kommen. Sie war früher oder später fällig, und daß sie gerade jetzt, innerhalb der Zehn-Jahre- Feier des Kriegsbeginnes aufgeflogen ist, kann nur als eine boshafte Fügung der.Geschichte gelten, die eine direkte Verbindung zwischen der großen Zeit und diesem Frieden herstellte und die Welt von damals und von heute in ein einziges Bild zusammensaßt. Eine Scheußlichkeit nach der anderen ist bereits aufgedeckt worden, und die Affäre des Generals Julius Sipos de Markofalva paßt haargenau in das so entstandene Mosaik, das sicherlich noch fortgesetzt weiten wird und den späteren Enkeln in künstlerischer Vollendung zeigen wird, wie es um den Verteidigungskrieg der angefallenen mitteleuropäischen Kultur bestellt war. Es ist auch teilt Zufall, daß das horthystische. Ungarn diesen seinen Beitrag lieferte und daß sich diese Affäre genau so abwickelt, wie dies Wesen und Inhalt des neuen magyarischen Rechtes vorschreibt. Das Altarbild des- Palma Vecchio schmckte eine Kirche in dem oberitalienischen Dorfe Quero. Im Trommelfeuer schaffte ein Reserveoffizier mit. sechs Soldaten das Bild heraus/ um es zu retten, und brachte es dem Reglmentskommandanten, eben dem.General Julius Sipos de Markosalva.. Der Mann mit dem .schönen Namen war Sachverständiger..fsir gesähchehe Dinge, nebenbei auch Kunstliebhaber. Mn viglssistgÄs -GtzWe^deMbder,^eg,'der>Bater der Dinge,.freie ^hn für die Verwertung seiner .hervorragenden Eigen-.' schäften und Kenntnisse aüfschloA Wäs wäräMs diesem General Wohl geworden, wenn er im Frieden hatte versauern müssen? Ein guter Tarockspieter und gesuchter Gesellschafter irgendwo, in Nagy-Kanizsa oder in Szekesfehervar, wo er sich mit Brieftäubenzuchten oder Kinoprogrammen, die - freie Zeit verteilen hätte müssen. Im Krieg ist der Mann noch etwas wert. ■ Julius Sipos de Markosalva rettete eine Kreuzabnahme aus einem Dorf, einige Madonnenbilder aus einer Deckung bei Görz, ferner, wie eine Zeugin aussagte, Lebensmittel, Stoffe, Vorhänge, Leintücher, Tischdecken, Seidenstrümpfe, Wagen, Pferde und noch solche verlassene Gegenstände. Dazu den Palma Vecchio. Dieses Bild brachte er heim in seine Wohnung. Er wollte es 'dem Museum schenken. Bedauerlicherweise ist es, das Bild nämlich, nicht dazu gekommen, denn der Annexionist verkldpste es an einen Händler. Dieser gab es weiter und nach einer Reihe von Zwischenhändlern kam es an den . Ildvokaten Kovars. Inzwischen erfuhr die italienische Regierung von der Sache, schlug Krach, und die ungarische Behörde, die den tapferen Kunstliebhaber mit den roten Lampas in einem früheren Verfahren als Ehrenmann. erkannt hatte, mußte sich mit Kovacs beschäftigen. Der ist kein General, sondern ein' ganz simpler . Zivilist. Da er die Rückerstattung seiner Auslagen ver- . langte, verhandelte man mit ihm, eine Exzellenz, bitte, ein wirklicher Minister lud ihn zu sich. Als Kovacs bockbeinig blieb, sperrte man ihn ein. Ihn, nicht den General. Und das ist das magyarische Parfüm bei der stinkenden Affäre. Besagter General hat in der Kriegsgeschichte aller Zeilen ruhmreiche Vorbilder. Es ist immer gestohlen ..worden und die Reichtümer. unserer Adelsgeschlechter .schreiben sich ja; ausnahmslos aus solcher.lukrativer Betätigung her. Man hat aber in.diesen Zeiten geraubt und geplündert, ohne zu lügen und ohne die Kultur zu - bemüben. Krieg ist Krieg. Es gehört zu ihm, daß. man den Gegner schwächt, wo und wie man das kann, auf militärischem, politischem und sagen wir wirtschast- . lichem Gebiet. Der große Krieg, den die Glocken ein- . läuteten, und den die Priester segneten, brach im Namen der . Kultur aus, dieser europäischen. Kultur, die eine einzige große Lüge äst und damals vor zehn Jahren . den.dummen Plunder des Völkerrechtes unwirsch von .sich.tat. Unterseebote torpedierten Handelsschiffe/ Gas- , bomben wurden auf unverteidigte Städte, geworfen, ...Frauen und Kinder gehängt, Greise, interniert,, Solln allen Abteilungen des Warenhauses II. Taborstraße 48 OH niHMHHa Hl Teleotion 47-1.-79 En gros En «Selall