Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1969 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolen 20 groszy1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Tabor str. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wi en durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien o. Oesterr. monatl. K 40.000 Tsch e ch o-Sl ovfrak.ei: Mon. K18. Jugoslawien; Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3Vt Zloty, Deutschland: Mon. Gold mark 4, Franko Belgien: Mon. Fres. 12 Na ch * » h I u n jre b -W> bei Preuerbfibimcen Vorbehalt»-* | Preis K 14001 England: Mon.4Schilling, Italien: Monatl. 12 Lire, Romani e h Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ansland. monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstraf sei—3 Telephone: 44-0-38.43-3-19. ab 6 Uhr abds. 21-102,25-282 IX. Unlversltätsstr, 6-8 (Druckerei Stelnmann) Oesterreiebisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 91t. 1969 Wien. Freitag. 8. August 1924 6. Jahrgang Minimgen Mar Ionaids im Unterhaus. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) 1 k London, 7. August. Wie in politischen Kreisen verlautet, soll der e n g.l i s ch - r u s s i s ch e Vertrag morgen vormittags von Ma.e Donäld und Ponson b y als Vertreter Großbritanniens und von Rakowski und Josse als russische Vertreter unterzeichnet werden. Im Unterhaus erklärte Mac Donald, «*. sei seine Absicht, das Abkommen mit der Sowjetregierung sofort zu unterzeichnen.. Der Antrag Sir Robert Harnes, den dieser für die K o n s e r v at i v e n emgebracht hatte, nämlich die Unterzeichnung bis Anfang nächster Woche aufzuschieben, leb ne er ab. Auch ihn stelle das Abkommen . nicht ganz zufrieden^ aber er glaube, daß es das Beste dar stelle, was erreicht werden könne. Cly nes wandte sich unter dein Beifall der Arbeiterpartei gegen die Kritik Sir Hör n e s, der erklärt hatte-, das ' Ahkorumen , sei.geeigmt/sVe rd.reh.UMg e,u,. Kniffe und Vorspiegelungen herbeizuführen. Die Regierung sei willens, 'E'häv-.Entscheidung,- die das Unterhaus oder das Land hinsichtlich des Vertrages treffen werde, f e st z u h a l t e n. Das Unterhaus vertagte sich bis 3 0. S e p t e m b e r. Im Obeitzhaus gab Lord Parmoor auf eine v rage bezüglich des englisch-russischen Vertrages eine ähnliche Erklärung ab, wie Mae-Donald im Unterhaus. Lord C u r z o n erklärte, die früheren Vereinbarungen mit den Russen wegen der Propaganda seien von diesen schamlos und offenkundg außer Acht gelassen worden. Die neuen Abmachungen seien nicht nur ein Schwindel, sondern ein B e t r u g, dessen wirkliche Ausdehnung bald vom Lande erkannt werden müsse. Es sei sicher, daß, wenn das Parlament ersucht werde, die.Anleihe unter den vorgeschlagenen Bedingungen zu garantieren, dies unbedingt abgelehnt werden würde. London, 7. August. (Reuter.) In den Erklärungen, die P o u s o n b y im Unterhause über das e n g I -t sch - r u ssifche Uebereinko >m m e n abgab, wies er daraus hin, daß es sich -darin mehr tunt die Feststellung der Methoden -handle, die zu einem in die Einzelheiten eingehenden -Abkommen führen-sollen, als um die unmittelbare ziffernmäßige Fe-stfteM-ng der Vertragsbedingungen. Sowohl die Fragen der R eg ierungs schulden wie die der russischen Ansprüche wegen der durch die Interventionen verursachten Schäden blieben daher vorläufig ausgeschaltet. . •« - ' Der H a .nd'-elsv e r t r ä g enthält das Meistbegünstigungsrecht und schließt Rußland indem astgemeinen P'lan der Exportkredite ein. Der allgemeine Vertrag sieht die Einsetzung einer englisch-russischen Kommission vor, die die -Frage der Ersatzansprüche untersuchen soll. Ein diesbezügliches Uebereinlommen soll in einem weiteren Vertrag niedergelegt wenden, sobald die britische Regierung dem Parlament den Antrag unten» breiten werde, eine Sowjetan'l-eihe zu garantieren. We Konferenz geht Mitte der nächsten Woche ju (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) London, 7, August. Die große Konferenz ist mit der Ueberprüfnng der deutschen Antwort auf die arnicvt n Formeln beschäftigt. Die unglückliche Art der deutschen Vertretung, die ihre mündlichen Erklärungen durch einen forschen Dolmetsch vortragen ließ, hatte eine Verstimmung erzeugt, die jedoch bald ü b e r w ü n d e n werden konnte. In den Verhandlungen ist man bereits bis zu den schwi:riesten Punkten, denen der Räumung des besetzten Gebietes v-i der Feststellung der Bedingungen für künftige Sanktionen gegen Deutschland, gelangt. Es scheint sich zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland ein Kompromiß vorzubeveiten, demzufolge das Ruhrgebiet binnen Jahresfrist wieder vollständig in den Bereich der deutschen Reichs- Hoheit zurückkehrt. Auch sonst machen die Beratungen mit den deutschen Delegierten' befriedigende Fortschritte, so daß allgemein erlwuiet--toirb, daß die Konferenz - - Dienstag oder Mittwöch geschlossen Der überwiegende Optimismus zeigt sich darin, daß die eigentliche Pressekonferenz im Foreign Office mit-der Erklärung eröffnet wurde, daß, wo immer Journalisten Günstiges über dm Verlauf der Konferenz hörensie annehmen können, daß es wahr sei, während in der-belgischen Pressekonferenz erklärt wurde, daß das deutsche Memorandum, das erstevernünftige und sachliche Dokument sei, das die Deutschen seit 1919 abgegeben haben. Jedenfalls steht zur Stunde fest, daß in den Beratungen über die Beschlüsse der ersten Kommissionwelche sich, mit der Feststellung -einer deutschen Verfehlung und ihrer Konsequenzen beschäftigte, eine völlige E i n i g k e i t erzielt Wurde und die Arbeit in den anderen Kommissionen sehr gute Fortschritte macht und schließlich, daß die Amnestiefrage, auf die die Deutschen so großen Wert legen, kurz vor der formellen Einigung steht.; ■ Nirgends sind unüberwindliche Schwierigkeiten zu sehen. Herriot hat Marx und Stresemann zu einer persönlichen Unterredung gebeten, damit er mit ihnen ihre Einwände besprechen kann, um Mißverständnisse ans dem Weg zu räumen und damit beide Parteien sich über die Fragen aussprechen, die nicht Gegenstand der offiziellen Konferenz sind. Das Reutersche Bureau erfährt au§ verläßlicher Quelle: Die S a ch v e r st ä n d i g e n, die über den B ericht des zweiten Ausschusses beraten haben, -haben heute ein v o l I e s U e b e r e i n k o m m e n erreicht. Der dritte Ausschuß wird, wie mau. erwartet, seine Arbeiten morgen früh abschließen. Es verlautet, daß jetzt der Dawes-Bericht zehn Tage früher wirksam werden könne, als ursprünglich beabsichtigt gewesen sei, nämlich am 5. Oktober statt am 15. Dies sei ein Ergebnis der dringenden Vorstellungen der deutschen Delegation, «daß der Dawes-Plau zum frühest möglichen Zeitpunkte in Wirksamkeit trete. Du. Breitscheid ist pessimistisch. London, 7. August. Dr. Br eit scheid erklärte in einem vom „Evening Standard" veröffentlichten Inter-' View, wenn die deutschen Delegierten aus London mit dem Entwurf einer Regelung znrückk-öhrten, der nicht ein V e rsprechen sofortiger Zurückziehung der fran%ösis che n Trü Ppen aus dein RuhvgMet sowie eine Garalntie für die wegen des passiven Widevskandes Eiuge-kerkerten elnschließe, beistehe wenig Aus.fi ch t, daß die auf den Dawes-Plau bezüglichen Geifetzentwürfe durch den Reichstag angenommen würden. Siegfried, der Schnorrer. -X. Wien, 8. August. Die Bayreuther Festspiele tragen in diesem Jahre einen ganz besonderen Charakter. . Sie sind aus den Gefilden der parteilosen, unpolitischen Kunst auf den Exerzierplatz der neu-deutschen Geistesrichtung verlegt worden. Urkund dessen die Preußenfahne auf dem Dache des Festspielhauses, ferner die Festschrift mit Beiträgen a la Houston Stewart Chamberlain und das Abspielen des Deutschlandliedes' am Schlüsse einer jeden Vorstellung. Nach dem heMgen-Gral kommt das „Immer feste drufi!" Ludendorfi sieht aus seiner Loge mit verklärten Augen auf das völttsche Gewoge. Für diese Art von Kunst ist Siegfried Wagner schnorren , gewesen. Da in Deutschland bei dem Volke, dessen reichen Schatz an Gemüt, Innerlichkeit und tiefem Kinderglauben die Wagner-Stücke künstlerisch vorführen, nichts zu finden war, dieweil die disponiblen Gelder dem Hakenkreuz zugewendet wurden, wandte sich Richard Wagners Sohn nach Amerika. Er fand dort Verständnis, Gastlichkeit und Geld, aber wieder nicht bei seinen deutschen Brüdern, sondern, wie das immer. so ist, bei den Juden. Sie hä'ben eine stärke Sympathie für Wagner, den alten 48er Revolutionär, der auf der Barrikade gestanden war. Daß er im „Judentum in der Musik" einer der Wegbereiter. bis zu den „Protokollen der Weisen von Zion" war,-verschlägt nichts. Reiche Juden zeigerr stets lebhaftes Interessefür die Antisemiten, sind geehrt, wenn ein waschechter Arier mit bettelnder Hand zu ihnen kommt, und sehen darin ein Stück ausgleichender Gerechtigkeit,. das sie übrigens auch im Lebensgange des Meisters finden, den die arische Kritik als Trottel verzupfte, während ihn Hermann Levi und das kunstliebende jüdische Publikum nach Kräften förderten. Diese reichen amerikanischen Juden nun öffneten Siegfried Wagner Herz und Tasche. Sie veranstalteten Bankette mit Toasten aus die deutsche Kunst und die deutsche Musik, die man nicht unter dem Hasse des Nationalismus leiden lassen dürfe. Die Arier hörten zu, freuten sich und aßen. Die Juden spendeten Geld, den Stoff, um den es in der Wagner-Trilogie so heiß hergeht, aus dem Fluch, Brand mw Meuchelmord entspringen, so, als hätte Wagner beweisen wollen, daß der niedrige Hang zum Golde und zur sittlichen Gemeinheit — die Erbeigenschaft der semitisch-asiatischen Horde ist. Sein Sohn nahm das Geld, das jüdische Geld seffaständlich, und richtete sich dann in allem und jedem mit dem bewährten Takt ein, der dieser Sorte Menschen nun einmal eignet. Er ist Antisemit, aber wie alle Vögel dieses Schlages nur bis zur Bezahlung. Wenn das. Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Ins Walhall, wo Wotan mit seinen Raben sitzt. Das Judengeld geht den Weg, den es alleweil, geht. Die Bayreuther Spiele sind in Anlage und Aufmachung arisch und die prächtige Familie einschließlich des nun auch offiziell paralytischen Chamberlain freut sich der tatkräftigen Hilfe, des großen künstlerischen und hauptsächlich materiellen Erfolges. Und da die Milsik unpolitisch, weltverbrüdernd fit,. spielt jedesmal das Orchester das „Deutschland über alles". Das Publikum erhebt sich, mit ihm Ludendorff. Dem großen Schlachtendenker ist die Musik wahrscheinlich piepe, aber er muß durch seine Anwesenheit den Dank abstatten für die schönen, nagelneuen Dollarnoten, die ihm'Siegfried Wagners Frau aus der jüdisch-amerikanischen Beute zukommen ließ, als er gemeinsam mit Hitler und.Pöhner an die Patentlösung für Deutschlands Not schritt. Das Schreiten endigte damit, daß sich der Held, als man scharf schoß, auf die Erde schmiß. Aber im Gerichtssaal war er dann wieder der größte Feldherr aller Zeiten, der ehrliche, treue Sohn, des deutschen Volkes, der zornige Ha-gen von Tronje, aus dessen Tagen sich die Dolchstoßlegende herschreibt. Bei den Men aber lagen die Dollars, die die amerikanischen Juden für die Kunst Wagners gespendet und die dann zum Hakenkreuz gekrochen waren. Die Art, in der die Festspiele zu einer demonstrativen Verherrlichung der Hitlerei ausgestaltet werden, ist die Quittung des deutschen Nationalismus an die jüdische Hochherzigkeit. Diesem Betrug, dem mail so , oft begegnet, muß doch einmal ein Ende gemacht