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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-31 · Heft 1961 (31.7.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1961 (31.7.1924)
Date
1924-07-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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3TXTI- -Tw ff —üttr<7 - w~F~^,nT7: Der gestrige Privatverkehr. Im gestrigen Gf-ekten« Vevkchr äußerte sich tn.fo'fcruc .eine festere Ten!dcnz, als für polnische Wert e und für einige tschechische Papiere Kaus-aus«träge eingelongt sind. In den wenigsten Fällen ist es jedoch zu einem Ab-chlusse gekommen, weil es an der Gegenpartei gefehlt hat. Interesse bestand auch für Qesterre'chiscke KrediiMien, die vorgestern bereits von ersten Firmen aus dem Markte genommen worden sind. Eingehende Erörterung fanden die Bestimmungen des Gesetzes über die Regelung des Bankgeschäftes. Die Bilanz des amerikanischen Stähltrustes. Ans New«?-ork, 29. d.. wir^ tklegraplhievt: Tek heute veröffentlichte Ausweis der United Staates Steel Corporation gibt die Einnahmen für das zweite Quartal 1924 mit 41,381.000 gegen 50,075.000 Dollar im er,ten Quartal 1924 an. Auf die Monate verteilen sich die Einnahmen wie folgt: April 16,046.000, Mai 13,419.000 und Inn: 11,913.000 Dollar. Die Ro: ne inahmen nach Abzug der Zuwendungen an den Tilgungsfonds, der Abschreibungen und Erneuerungen stellen sich aus 28,610 000 gegen 26,800.000 Dollar im ersten Quartale 1924. Die Dividendenerklärung erbracht? wieder wie bisher 1,75 Dollar für die Vorzugsaktien und ^.50 Dollar für die Stammakktlien. Außertdem kamt für die Stamm-aktiien eine Extradividendr von 0,50 Dollar zur Verteilung. Rach Abzug der Zahlungen für die - TiV'.denden bleibt ein Turm ins non 8,575.000 gegen ein Surplus von 1,671.90o Dollar im ersten Quartal 1924. Stille Liquidierung des Prager Bankhauses Fischer, Krasa und Co. Aus Prag wird uns gemeldet: Vek-aimtUch hat das Prager Vamhaiis F: s ch e r, K r a s a u n d C o. .mit Herrn Fr. Ha s ek, Direktor der Prager Realitätenbank, über die Möglichkeit einer Firmenänderung bei Eintritt des Direktor Hasek als Alle'nriuhaöer ln die Firma verhandelt. Da sich iiides im Laufe der Verhandlungen eine Reche von unüberwindlichen Hindernissen in den Weg stellte, haben die KommaMtisten.der Firma Fischer, Krasa und Co. gemeinsam mit den Teilhaibern der Firma b^chlossen, eine stille Liquidierung durchzuführen. ' Zn diesem Zwecke wurde prin Syndikat geibildet, welches die . Einleger und die Depotbe-sitzer befrleidigen und gleichzeitig die Liquidierung durchführen wind. In diesem Syndikat ist Direktor Hasok und die bisherigen leitenden Kommanditllsten des genannten Banchanses vertreten, so daß der normale Verlaus der Liquidierung garantiert erscheint. Es hat den Anschein, daß dieses Syndikat die Grundlage zur Wiedererrichtung des Unternehmens ans neuer Basis darstellen wird. Insolvenzen. Der Kreditorenverein meldet folgende Insolvenzen: „Zum Genrleman", FärberLCo., Kleidererzeugung, Wien, 1. Bez., Bauernmarkt 2a, Jnb. Wolfgang Färber, Bien, 3. Dez., Nalmnofskygasse 10. Karl Spitz, Kaufmann, Wien, 16. Bez., Thaliastraße 149. Esther S o b e l. Fragnerin, Wien, 2. Bez., Neinhardtstraße 30. Fanni Richter, Kleiderkonfektion, Wien, 1. Bez., Krugerstraße 5. Josef Bickel, Kaufmann. Wien, 1. Bez., Weihburggasle 18. . Regine C b a r a p. Textilwaren, Wien, 16. Bez., Neinbartgasse 30. Leo Feger, Wien, 9. Be?.. Pramergasse 1. Josef F o l t i n. Kaufmann, Melk. Anton und Marie Gelder. Wiener-Neustadt. Otto und Leopoldine C i ch o c k i, Wiener-Neustadt. Josef P l e s ch e, Wiener- Neustadt. Kapitalsvcrmehmug. Sa lzbur g e r, Ho 1 zwerke. A ktie ngeselllschafr. Erhöhung des Aktienkapitals von 50 Millionen auf 350 Milionen Kronen Nominale. Aufhebung des Einfuhrverbotes nach Ungarn. Folgende Waren sind vom 27. d. in der Einfuhr nach Ungarn ohne Bewilligung frei: Künstliche Butter und Margarine; Gaskoks; Garne ans Banuiwolle, 'Leinen, Hans, Inte. Wolle und Seide, für den Dc-t-ailvdrka-nf, adsnstiert. Wirk- und Strickwaren ans Baumwolle. Wolle.. Seide und Halbseide, Krügen, Manschetten und Hemdbrüste; hälgerne Siebe und Siebmacher- 'waven; Kokoslänfer. Pneumatiks, Wagendecken und sonstige Decky'icher ans grobe" Zengstoff-n. chem'kch, präpariert oder mit Ocl überzogen oder getränkt: Schlcifpapier, Schleistuch; Schienen. Krampen, Heuen und Schaufeln. Näg-üf und Drahtstiften, Bänder (Scharuicre msw.); Sporerwaven, Kanstschlosserarbeit-en; Schnellotu Kugel und Schrote auS Blei, Schlaglot, Lastwage-n und Äastschli'tten, sowie Personenwagen mit und ohne Polsterarbeit; Automobile, auch zerlegt; Taschenuhren, auch Gehäuse und Uhrwerke zu -Taschenuhren, sowie Uhrfvurnitnren und andere Uhren und Uhrenbestandteile aller Art:, Kohlensäure, verflüssigt, Salmiakgeist, Ammoniak, verflüssigt. Glaubersalz, Soda, kristallisiert, Wasserglas, flüssig. Gelatine und Waren daraus, Leim aller Art; zu Heil,zwecken vorgerichtete Motten und Verbandmittel, Unschlittkerzen. Gleichzeitig mit der Freigabe der Einfuhr wurden die Zollsätze für diese Waren wesentlich erhöht. Wiener Holzbörse. (Eigenbericht der ..Wiener Morgenzeitung") An der gestrigen Holzbörse waren verschiedene Holzgattungen gesucht, wie zum Beispiel Ahorn, Buche, Kiefer und Scheiter prompt ab Wien, trocken. Auch wurden für einige Gattungen Geld gelegt,. die angelegten Preise waren aber derart gedrückt, daß es zu einem Abschlüsse nickt sichren konnte. So bot man am Markte für Gerüstpfosten 50 Millimeter von 20 Zentimeter aufwärts (von Nadelbolz-Schnittmaterial) 560.000 K. (Ware notierte 580.000 K.) ab Wien, für Svaltwme 8.bis 9 Millimeter, von 18 Zentimeter aufwärts 850.0t 0 K. ab Salzburg (Ware 900.000 K.) für ungedämpfte Buche 20. Millimeter trocken 600.000 K. Geld, welch letztere Ware unter 680.000 K. ab Wien kaum erhältlich war. A u s g e b o t e n wurden: Fichtenscheiter trocken zu 3,560.000 K. ab Wien, Spreifecholz gebündelt zu 230 K. ab niederösterreichiscker Station, von N a d e l h o l z - Schnittmaterial Tischlerware, Fichte 13 Millimeter 16 bis 32 Zentimeter zu 850.000 ab Wien, Spaltware 6 bis 7 Millimeter von 18 Zentimeter aufwärts zu 900.060 K. ab Salzburg. Exportware sägefallend 24 Millimeter f. und li Klasse zu 260 Lire. 24 Millimeter 29/58 4 Meter Morali Halbmorali zu 235 bis 240 Lire ab Tarvis oderBrenner ausfuhrfrei, MadrierS zn 70 Schweizer Franken 40 Millimeter Breitware Qualität normal zu 70 Schweizer Frank:n eil altantische Hafen. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Zmn öffentlichen Verkaufe gelangen heute am 31. d., 11 Ubr, zirka 4000 Kilogramm Hufstollen sowie am 1. August, 11 Uhr, Teppiche, um l/a12 Uhr Stahl und Bohrer. Börse kör landwirtschaftliche Produkte. - (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Die Getreidopreise sind gegenüber dem Schlüsse der Vorwoche wieder gestiegen, weil das Offert in neuer Ware noch immer wich: kräftig genug hervortritt, um eine ziffernmäßige Abschwächu-ng herbe:f:'chrcn zu können. Da nun das speitülakivr Moment sich fortgesetzt nach üben fühlbar macht, sind die Warenbesitzer nichts wenigerals zu Preiskonzsssionen geneigt, zumal die kleinen Mühlen immer -als Käufer im Markte sind. Dennoch scheint cs. daß die Ha-ussewelle in Weizen angesichts der matten Bericht-: ins der nordamerikanischen Union zu.n Stillstände gelang: ist. Im hcutigon Bert'ehr konnten höhere Li. IMl IM Nr. 1961 P'-eise für Weizen kann: durchgr'etz: w-wden, dagegen war Roggen, ebenso wie Futterstoffe befestigt. Das Mchlgclschä't ist wohl lebhaft, allein die fortgesetzten Preissteigerungen sind nicht zuletzt durch starkes spekulatives Interesse verursacht. Das Koiiüiing^chä-ft in Mehlen ist noch im-m-er von sehr mäßigem ll-m'ange und Wickel: sich in der Regel im Wege der zweiten .Hand a>b, da diese billiger i'ist als die MWemowerungen. Die Ernteberichte lauten nicht mehr so ungünstig wie in den Vorwochen, speziell aus Oesterreich liegen zum Teil sehr befriedigende Resultate vor. Es notieren pro Kilogramm ab SOU« inklusive der Waxennmsatzffeuer r Weizen inländischer 4000 bis 4200 K.. ungarischer Theiß 4500 bis 4600 K., ungarischer 4200 bi« 4300 Kronen, Roggen inländischer 3550 bis 3650 K., Futtergerste 2000 bis 3100 K., Mais 3000 bis 3100 K.. Cinqira»tin 3500 bis ' 3600 K., Hafer inländischer oder ungarischer 9150 bis 3250 K.. rumänischer 3050 bis 3150 K.. Hirse ungarischer 2500 bis 2600 K., Hirsebrei» 4700 bis 5100 K>. Heu mederöffeneichischeS halbsüß, lose 750 bis 850 K., süß 1000 bis 1100 K., Roggenbundstroh gepreßt 900 bis 1000 K. (ab Station). Weizengrieß inländischer 7000 bis 7100 K., Weizenmehl Nuller inländisches 6900 bis 7000 K.. ungarisches 6300 bis 7000 K., amerikanisches Vollpatent 7100 bis 7400 K>, Brotmehl inländisches Ia 4900 bis 5000 K.. Rqggenmebl inländisches In 5506 bis 5000 K., Schwarzroggen 3600 bis 3700 K., Kleie 2050 bis 2150 K. Prager Börse. P'ng, 29. Juli. Die Börse behielt im allgemeinen ihren bisheriger! Charakter böi, nur in Zuckevmerten gestaltete sich der Verkehr etwas lebhafter. Heimische Banken tendierten ungleichmäßig, von Wiener Banken beestigten sich Kredit« und Bankvere.in-^Aktien. Vr-n Verkehrswerlen Haben Nordlbahn- -und Dux-Bcdenbacher-'Aktie'N im Kurie nach. .Auf dem Intdustriemarkte erholten sich Kabel, Schöller, Berg und Hütten, Böbmischc^ Zucker und Budweiser Brau. Dagegen stellte sich Erste Pilsener und Reichenlbc'vger Brau etwas niedriger. In der Kulisse blivben die Kurse behauptet. Der Tlulagm"arkt war weiter .schwach, Mur Mchlanle'che wies, eine kleine Besserung auf. Aul -Exotenwarckt gaben Bulgaren im Kurse nach, MontauaWenzogen dagegen au>f Interventionskäufe im Kurs« an. Der Schluß war' teiilwüise gebessert. S ck l n ß k u r s e: Türk. Eisenbahn-Anleibe 406 kranken —, L'öbm. Uuionbank 394.—. Böhm. Eskomptebauk 387.—, Böbm. Jndnffrialbank 416.—, ZivnostenSka Banka 899.—, Auglobank 90.50 Ocfterr. Kredit 73.60, Wiener Nnionbank 70.—. Wiener Bankverein 53.50, Bwcktiehrader Eisenbahn Lit. A —, Lit. B —, FerdingNdS-Nordbabn 5640.—, Vrag-Tuxer 145.—, Anssig-Teplitzer Eisenbahn —, Restomitzer Zuckerindnstrie 1280.—, Verenügte Elektrizität Wien 108.—^ Vroscke 1065.—. Koliuer Spiritus 1008—, Königsbofer Zenient 935—, Breitfeld-Danek 476.50, Ringboffer 675.—, Simmeriuger 9650, 8!otbkosteletzer Textil 300.—, Alpine Dkontan 182 —, Voldihütte 295—, Prager Eisen 861.—. Oesterr. Berg u. Hütten 2260.—. Skoda 512.—, Jnwald 241.—. Berliner Börse. ,' Berlin, 30. Juli. Die Nachrichten ans London wurden in Börserckleisen günitige-r beurteilt. Demgemäß erWnete der Effektenmarkt de.»' Verkehr in fester Haltung. Allerdings was das.Geschäft zu Bkiginn nicht besonders belebt, doch mberwogen Kursbesserungen die ^ringen Abischwächungen.^ Vermehrtes Iirteresse. zeigte sich für Petroleum« und Elektrische Hochkbähn« Aktien, die sich bemerkenswert höher stellten. Im Verlaufe der ersten Börsenstunde nahm die.Kauflust für Montan- und chmi'He Werte angeblich auf Jnteressenuahme des Auslandes in 3 eleganten Halbleinenbänden der „Wiener Morgenzeitung", der die Bezugsgebühr für 1 Jahr im voraus bezahlt, erhält Außer der Jahresgebühr sind für Versandspesen des ,G r a e H" n och ö. 25.000 z u entrichten Copyright Nachdruck verboten. Jüdischer Verla», Berlin. c.6. Fortsetzung. Von Sammy Gronemann. Was damals niemand voraussechen konnte, war natürlich, daß die unter großen Versprechungen einerseits und unter starkem Druck andererseits nach Deutschland ü'berführten, zum Teil direkt gepreßten jüdischen Arbeiter später an der Rückkehr verhindert werden würden ttnd daß dann nach dem Kriege eine Hetze gegen die ostjüdische Einwanderung beginnen würde. Das dringende Ver'latigen der Heeresverwaltung hat die ntsiften dieser Leute nach Deutschland geführt — freiwillig sind verhältnismäßig wenig gekommen und noch weniger sind freiwillig in Deutschland ge blivben. Die Berufung von Hermann Struck bedeutete eine große Entlastung für unsere Feldrabbiner, denen er den wichtigsten und beschtverlichsten Teil ibrer 'Arbeit äbnahm. Das erkannten die Herren zum größten Teil auch mit Freude an. Eigentlich waren die Rabbiner ja nur für die jüdischen Mannschaften da. aber die Verhältnisse brachten es mit sich, daß sie auch die Vertrauensleute der jüdischen Bevölkerung wurden, die ja sonst niemand 'hatte, an den sie sich wenden kc-nnte. So war es ein wahres Glück, daß -m Osten dieser Ausweg gefunden wurde. Ich kann feststeaen, daß die Herren sich alte der oft recht schweren Ausgabe gern unterzogen, obwohl sie dadurch oft in peinliche Lagen geraten und ihre Stellung gefährden konnten. Setzten sie sich doch der Möglichkeit ans, daß ihnen-von oben 'bedeutet wurde, sie sollten sich nicht um Dinge kümmern, die sie gar nichts angingen. ,Im allgemeinen aber begrüßte man auch auf deutscher Seite -ihre Mitwirkung oder -duldete immerhin ihre Tätigkeit stillschweigend. Viele von ihnen haben neben dem guten Willen auch die Fähigkeit, hier etwas zu leisten, bewiesen und einigen bewahrt die Bevölkerung ein dankbares Andenken. Ich kam mit vielen -der Herren oft in Berührung und habe aus ihren Erzählungen von dieser Art Tätigkeit viel Interessantes entnommen. Nur wenige von ihnen dürften ohne innere Bereicherung nach Deutschland heimgekehrt sein. Eine harmlose Schwäche war es, wenn einige der Herren immer von ihrer Reise zur „Fronp^ sprachen, ganz im Stil der Herren Kriegsberichterstatter. Ich sagte den betreffenden Herren einmal, daß es doch im Interesse der Statistik läge, wenn wenigstens einer von ihnen auf dein Felde der Ehre fallen wunde. Die Anregung blieb ohne Erfolg. Beschlagnahmen und Requisitionen. Wenn die. deutschen Behörden nur schwer der Gigen-- ant der -Bevölkerung gerecht werden konnten und sie oft vor den Kopf stießen, war das am Ende noch verzeihlicher, als wenn deutsche Juden selbst durch ungeschicktes Auftreten Verstimmungen hervorriefen. Ich fand es nicht hübsch, wenn beispielsweise an dem hohen Feiertage Rcfch -Haschanah offizielle Vertreter des deutschen Judentums in einem Auto vor der großen Warschauer Synagoge vor-. fuhren. Nicht alle nahmen diese Mißachtung jüdischer Gesetze'svorschriften und der Gefühle der Juden so von der humoristischen Seite, wie meine Freundin Gutta, die entschuldigend sagte: „Sie haben nicht gewußt, daß acht Tage später Iomkippur ist (das höchste Fest), sonst hätten sie so lange gewartet!" Daß mancherlei harte Maßnahmen durch die Kriegslage notwendig wurden, begriffen die Juden und ertrugen das mit Ergebnna. Aber die an sich schon strengen Vorschriften über Requisitionen und Beschlagnahmen erhiel-ten durch die rigorose Art der Durchführung durch die ausführenden unteren Organe oft eine unnötige Verschärfung. Le'ider haben auch viele gewissenlose Menschen viel Unheil angerichtet und die Stimmung der Bevölkerung noch mehr verschärft. Man konnte -in Wilna arme Droschkenkutscher finden, die als wertvolles Besitztum Pakete solcher Requisiti---rrs'ckeine. ausbowahrten, die etwa so a»ssahen: Anweisung vif 100 (Einhundert) St-'ckvrügel. Max und i'i . tz. .Lalr'.'.ien, Ki.mfagnie. Man hatte dann nicht das Herz, sclch avmen Teufel aufzuklären. Uetbrigens stellte es sich spätechm heraus, daß rm Grunde die Lenw mit diesen Zetteln gar nicht sv beschwindelt waren, -wie-es den Anschein hakte.- Sie waren eigentlich eben so viel -wert, wie die meisten anderen echten Requisitionsscheine. Geld 'haben die wenigsten Leute auf ihre Scheine bekommen — und wenn, nur nach langen Mühen- und zu einem geringen -Bruchteil des ihnen nach genauester-.Berechnung zuerkanuten Betrages. Das war nämlich wieder ein Vorteil der wilden Requisitionen. Ta wurde mit -einer gewissen Großzüg-igkeit verfahren und so wenigstens das.Glück einer kurzen Illusion gewährt — bei de« echten aber gab es ein umständliches Verfahren, bei dem alle Ansprüche auf da's Genaueste berechnet und indenkbar knappstem -Maße anerkannt wurden. An sich mußte -das ja Vertrauen erwecken, und daun lag die feierliche Zusicherung .der Obersten Heeresleitung vor, daß alles Entnommene schnell und gut bezahlt werden würde. Es kam aber anders und die wenigstens haben noch heute Aussicht auf Ersatz des ihnen entstandenen Scha'dens. B'i-ekleicht ist es. manchem der Betroffenen ein gewisser Trost, daß man nicht nur im Lehchans zu „lernen" versteht; man. muß anerkennen, daß bei Prüfung der Rechtsfragen sehr diel -Scharfsinn und Logik aufgewendet ist. So ist folgen-., der Gedankengang logisch muansechtbar: in vielen Fällen haben unsere Okkupationsbchörden, dem Haager Abkommen entsprechend, nur die Tätigkeit der abwesenden russischen Verwaltungsbehörden übernommen. Insoweit waren also unsere Offiziere Stellvertreter der russischen Beamten. Wenn in dieser -Eigenschaft von ihnen etwa zum Schadenersatz verpflichtend: Handlungen vorgenommen sind, so haftet' für sie der Staat — und zwar -der russische. Durchaus konsequent ging die Verwaltung auch in folgendem Falle vor: Da war in Kowno der Fabrikant G., ein älterer Herr. Seine Fabrik wurde zu einem kriegswichtigen Zweck beschlagnahnit. Es wurde zwar nur ein Flügel bewohnt, aber ans Gründen' der Staatssicherheik wurde das Belrcten des ganzen Gebäudes ihm untersagt. (Fortsetzung folgt?

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