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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-31 · Heft 1961 (31.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1961 (31.7.1924)
Date
1924-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Uni versi tätigst!;. 6—1 (Druckere’ ^tf’dninnn^ Oesterrelchisr > ,‘i , Konto 1*''.'t,;; 8. gnWimg Ser französische Komvromißvorschlag von den großen Sieben angenommen. — Sie RevarattonrkommUon in London. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . London, 30. Juli. Die Mitglieder der Reparätionskommission sind mn 11 Uhr nachts hier a n g e k o mm o V: Die Reparationskommission wird schon morgen früh hier ihre erste offizielle Sitzung abhal-kem -- Heute wurde keine offizielle Sitzung der Konferenz abgchalten, doch haben w i e d e r h o l t B esprechungen zwischen den einzelnen Delegierten stattgefunden. Viel bemerkt wurden die Konferenzen H e r r i ö t s mit seinen MinisterLollegen Rollet und Elemente! und dem belgichen Ministerpräsidenten Theunis. Wie nun bekannt wird, haben die Führer der Hauptdelegetionen in. London bechlossen, bei ihren Zusammenkünften auch den belgischen Außenminister und den japanischen Delegierten zu Rate zu ziehen, so daß nunmehr n i ch t m e h r ein F ü n f e r r a t, sondern ein Rat der großen Sieben besteht. Die fra nz ösische Delega'ti on arbeitet wohl am meisten. Sie' hat soeben den Entwurf'des Protokolls festgestellt, der de-m.Ausschuß für Verfehlungen unp Sanktionen übermittelt werden wird. Laut denselben soll in folgenden Fällen zu einem Schiedsgericht Mflucht genomlnen. werden: "/ ' \!i. : ■ 1. weiin die Delegierten der R e p a r a t i o n s-' k o m m ifsion ..bezüglich der Feststellung einer Verfehlung Deutschlands zu keiner Einigung gelangen können; . ' 2. wenn die d e utschen Industriellen ihre vertraglichen - Verpflichtungen hinsichtlich der S a chlieferungen nicht erfüllen; derartige Konflikte^ sollen in erster Instanz bis zum Jahre 1630 von der Ne- Parationskommission und . später vom Uebertragungsausschuß, der/die Lieferungen finanzieren wird, geregelt werden; 3. schließlich um gegen jede Entscheidung der R e p a r a t i o n s k o m m i s s i o n oder / des Ueberiragungsaüsschüsse's zu aPPeUieren//durch die die Barzahlungen Deutschlands unter dem Titel „Reparationen" eingeschränkt werden. ■ ‘ Außerdenr haben die französische n und. b e l g i-. scheu Sa chv e r stä n d i g e n, unterstützt durch italienische Vertreter, unter dem Vorsitze S e h d o u x' einen Plan betreffend die militärische Räumung des Ruhrgebietes entworfen, der von demselben methodischen Geiste beherrscht ist, wie der von der Konferenz bereits angenommene Plan der w i r t s ch a f t l i ch e n Räumung. Dieser Plan macht den Rückzug der französischen und belgischen Truppen aus dem rheinisch-weistfälischen Becken von der K o m m e r z i a l i s i e r u n g der deutschen Schuld abhängig. Herriot legt Gewicht darauf, unzweideutig darzutun, daß Frankreich keinen Hintergedanke n e t n e r A n n e xron ''habe, aber gleichzeitig ivünsche, daß Deutschland Während eines gewissen Zeitraumes einen unbestreitbaren Beweis seines guten'Willens zeige, den Da w?'s-Plan durchzuführen. .Um allen.diesen Erwägungen gerecht zu werden, würde die Unterbringung der 860 Millionen Goldmarkanleihe das Signal zu einer Berichtigung der französischen und. derbelgischen Besetzungszone geben. Die französisch-belgische.Räumung wurde sich in drei aufeinander folgenden Etappen vollziehen.. und zwar entsprechend. der Placierung. ' je ', eines Drittels pro zwei Milliarden Goldntars der deutschen. Obligationen. Wenn dieses Ergebnis einmal erreicht ist,,Würde der Rückzug' .dep'-ftanzösifch-W^schenArN^n-^öH'andig sein, denn man ist der Ansicht.'daß Dcutfchland anZ Be-' g'orgn's, seinen Kredit in der Welt ruiniert zii sehen, seine Vcrpslichtnngen fortgesetzt erfüllen wird:4. . / '- > Nachmittags fand sodann eine Konferenz der Sieben statt, in der H e r r i q t den französischen Vermittlungsvorschlag erörterte und betonte, daß derselbe, zu dem er die Initiative ergriffen habe, ein Ganze s Mde. Daraufhin haben die Chefs.der alliierten Delegationen durch, ein g c m e i n sa ntes 11 e b e re i n k o m me n. beschlossen, den französischen Vermittlnngsvorschlag an die Kommission für Verfehlnngeit und die Ueberlagzinoslontmtffidt zu verweisen. damit jede dieser Kö-mmissioneit den sie angehenden Teil , des französischen Memorandums einer Prüftt'iguuterziche.- BerKtungen über die deutsche Anleihe. London, 30. Juli. Heute morgens. fand - ein Kab i ne t ts ra t statt, der d re i S t u n d e n ■ dauerte und beinahe ausschließlich . der Frage der Sicherheit der deutsch e n Anleihe galt. In derselben Zeit sind auch die sechs M i t g l i ed e r - der großen Sieben mit-dem gleichen Thema beschäftigt gewesen. (Eigendlenst der „Wiener Morgenzeitnng".)v Berlin, 30. Juli: Wie -von informierter amerikanischer Seite mitgeteilt wird, trifft der amerikanische Staatssekretär Hu g h e s am;2. .August in B e r l in ein. Er kommt aus Brüssel, wohin er sich, direkt aus P a r i 8 begeben hat. Hughes wünscht, daß sein.Besuch in.Berlin durchaus ' privaten Charakter trägt. Trotzdem wird. er die Gelegenheit besitzen, mit führenden politischen Persönlichkeiten, besonders mit Dr. M a r x und^ Dr. S t r eff e m a n n in Fühlung zu -treten. Voraussichtlich dürste er sich zwei T. a ge in Berlin äufhalten und dann über B r e m e n die Heimreise ’ antreten. '1 mmm <:rji 1TM iir> (Eigendlenst der „Wiener Morgenzeitüng".) . Berlin, 30. Juli. Seit heute früh um 6-Uhr streiken ' nt 'O st - O b e r s ch l e s i e n sämtliche Hütte n. u n d . G r u b e n bis auf eiu einziges unbedeutendes Merk. Die Arbeiter haben also den'Abwehrkampf' auf der ganzen ■ Linie ausgenommen, obwohl,an..ihrem Widerstandswillen berechtigte..Zlvoifel bestanden. Der Streik gebt , nun nicht mehr um die Berlänge r u n g d e r A r b e i t s z e i t,. mit der sich die Arbeiterschaft in der Eisenindustrie allmählich abg-e.fu.nd.e n hatte, sondern darum, daß für diese verlängerte Arbeitszeit nicht me.hr -L.ohn gozahlt. werden soll als fürden früheren Achtstundentag. Der Woiwode von Oberschlesien ist narb Warschau abgereist und es wird mit dem Eintreffen des A rb e i t sm i n i st e rs gerechnet. Die Bergarbeiter haben sich diesem Streik der Hüttenarbeiter angeschlossen, weil nach einer Denkschrift der Industrie für den Bergbau die gleichm einschneidenden Maßregeln wie für den Hüttenbetrieb vorgesehen.sind. , Sr. Zeitzel wieder im Amte. Die Uttterlrechung der Parlamentstagüng wird kaum einen Monat währen. Tie Herbstkampagne soll beretts am 25. August mir einer Sitzung des Zollausschusses ihren Anfang nehmen. Am 2. September tritt der Nationalrat wieder znsaminen. . . . Bnudeskanzlr Dr. S e i p e l, dessen Rekonvaleszenz gsivff'.ge Fortschritte macht.- wird schon i it beit erjtcn S-e pte mbe.c t a.g-e n. .. .d.i e L.e ttnng. der.. .R e-. g ier n ng eaes chä sie wieder überm eh men/ Das jüdische Kriegsleid. —sch W i e n, 3lWuli - Am 1. August 1914, als der große Krieg aus brach, begannen die Leiden jenes Volkes/das politifch in der Frage über Krieg unb Frieden am wenigsten mitzttreden hatte und seelisch der Entscheidung von Machtfragen durch, den Krieg am Fremdesten.gegenüberstand. Am 1. August 1914 gerieten Hunderttansende von Juden in Wanderbewegung, eine Bewegung, die bis heute nicht zum Stillstand gekommen ist. Sie war nicht freiwillig; mit dieser Lüge, die zum ehernen. Bestand des Kriegs- und Nachkriegsschwindels zählt, mutz '.aufgeräumt werden. Die Juden in Galizien flohen nicht vor ' den einrückenden „Barbärenhorden", wie es. so schön in den amtlichen Verlautbarungen hieß, sondern sie wurden gezwungen, ihre Wohnstätten zu verlassen, wnr- ' den wie das Vieh in Lastzüge verpackt und dann wurden diese Züge in ziel- und planloses Rollen, gebracht' und durften dort anhalten, wo der Bedarf nach „rostendem Material" es gestattete. Was die österreichische K^egsführnng sich bei dieser Methode dachte, ist bis heute nicht klar; es dürste aber, nur ins Oesterreichische übersetzt, die gleiche Absicht gewesen sein, welche den Befehl des .russischen H'-eneralissimus hervorbrachte,- durchdeir Hunüerttausende von Juden aus dem Kriegßgebiet nach dem Inneren Rußlands „evakuiert" würden. Sv' . setzte in jenen Ländern, in denen die größte Zahl der europäischen Juden wohnte, ein zwangsweiser---les sei^ nochmals-wiederholt, kein.freiwilliger Umsiedlnügs-; Prozeß'ein, der den größten Teil der europäischvü Jüdenheit in die erste'Reihe der Kriegsopfer bringt/.vech^ gleickbar / mit jener mörderischen ZwangMrschiÄün^ H der. Armenier, welche die ^Habgier .türkischev DiegA ' Machthaber in Szene setzte., ■ ■ ■. //r. ' ' . . Diese Zwangsumsiedlung der Juden vernichteteih're Wirtschaftliche Position vollständig und von.diesem' Schlage haben sich die Juden bisher nicht erholen können. Sie waren es, welche in ganz Europa -nebst den blutigen Verlusten, welche die Juden in nicht geringerem Maße betreffen als alle anderen Völker, die stärksten wirtschaflichen Verluste zu verzeichnen hatten und das vom ersten Tag» des Krieges an, von jenem! 1. August 1914 angefangen, da der serbische Krieg zum^ Weltkrieg wurde/ Hunderttausende von 'Juden".sind-von diesem Tage an wirtschaftlich ' zugrunde' gegangen,' Hunderttausende haben ihre in jahrelanger, 'schwerer' Arbeit erworbenen Vermögenswerte eingebüßt,-sie dem Raub und der Plünderung fremder und noch mehr eigener Soldatenhorden uberlassen müssen, Tausende nnd Zehntausende sind in Flüchtlingslagern und JnterltierUngsbezirkenhüben und drüben elendiglich - zugrunde gegangen, Tausende und Zehntausende, welche durch, die Zwangssiedelnug in fremde Städte verschlagen Wurden, vermochten dort keinen' festen' Boden unter die Füße bekommen. Bis heute kranken die Juden schwere on der Zwangsumsiedlultg, die am 1. August 1914 einsetzte, irren, nicht nur durch.Maßnahmen des wirtschaftlichen Antisemitismus, sondern auch durch die SMvierigkeit, eine neue wirtschaftliche Einstellung zu finden, von Ort zu Ort, getrieben, durch Städte, und Länder. Denn mit dem Zwangsumsiedltlngsprozeß, dem die Juden gegen ihrett Willen itntevlvorfen wurden, Nnußte sich naturgemäß ein wirtschaftlicher Umschtchtungsprozeß entwickeln, um die Existenzen, denen ihre -Wirtschaftsgrundlage genommen war, wieder. in das . Wirtschaftsleben einzüordnen. Dieser 'Umschichttingsw'rozeß. hat sich,, erschwert durch die Kriegsverhältnisse, > durch die plötzlich eingetretene Notwendigkeit,.'.eine große'Zahl von Existenzen wirischäftlich umz-nstellelt, erschwert auch durch die geringen Möglichkeiten' der Ausfüllung von Lücken int Wirtschaftsleben, welche sich In den Ländern des jüdischeu Flüchtliitgszilzugs^ böten, nur' mit großer Mühe nutz unter schweren Reibungeit vollziehen können unb ist bis heute noch ' nicht . abgesichlöften. Bis heute sind in Galizien, in Polest, in Pitanen, in Rumänien,', in Rußland Hnnderttanfende -von'.Juden exiftenzlos, Juden, die vor dem Kriege.iit das. Wirtschaftsleben .fest eingefügt wardst, Und", has. - Problem des wirtschaftlichen Wiederaufbaus ides in sämtl. k.6lNENunä WdKth\hiavQn9 Damen- UJflfgn* vu. Herrenwäsche sowie Sommerwaren aller Art “ zu fSef reduzierten Preisen im WZ II. TaborstraSe 48 Teleohon 47-l-?r En gros En deiall

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