Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1960 (30.7.1924)
- Date
- 1924-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis K 1400 | W i e n t Zum Abholen in der Expedition, IInTaboratr. 1-3, oder in einer Verschleißteile (Trafikl monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bor* . Wollzeile 11. Mit Postveraand für Wien u. Öesterr. monatl. K 40.000 Ts oh e e ho-S I owa k ei: Mön. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröÖ. Polen: Mon. 3Vt Zloty, Deutsehland: Mon. Goldmark 4, F rankr, Belgien: Mon. Frei. 12 Na«haahluar*B *90 1*1 PrdterhShunjan »orten««*» Rr. 1960 Wiener PoIsb: 20 grotZ] England: Mop.4 Schilling Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon, 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa. Schweix und das übrige Ausland monatlich 'Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien. Il.,Taborsträsse1—3 Telephone: 44«9*3fy43-3*19, ab 6 Uhr abds. 21*102 25-282 IX. UniversltHtsstr. 4—11 (Druckerei Stelhmann Oesterreiehisches Postspar» kassen-Xonto -Nr. 1 BBMHHB Me«. Mittwoch. SO. 8«li 1924 «. Fahrgang > l..—————mmffmmmm- Die Londoner Konferenz sucht nach einem Kompromiß in der Garantiefrage. — Herüotr Rücksicht auf die politischen Schwierigkeiten in Frankreich. — Sie ReparationrlommWon soll in London znsammentreten. siti. London^ 29. Juli. Obwohl man in London den Stand der Konferenz als hoffnungsvoll ansieht und glaubt, daß sie Ende nächster Woche zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen wird, ist die Hauptfrage, die der Garantien für die Geldgeber der 80 0 Millionen-Wnleihe an .Deutschland, noch nicht gelöst. Der erste Ausschuß, welcher sich mit dieser Frage zu befassen hat, ist, wie Ihr Korrespondent bereits gestern berichtete, zu keiner befriedigenden Formel gekommen. Heute vormittags haben die Führer der Delegationen . unter Hinzuziehung des französischen und des belgischen Finanzministers sowie des japanischen Experten Hayashi die Garantiefrage neuerlich besprochen. Die bisherigen Kompromißvorschläge, sowohl der T h e u ni §' als auch der Log ans wurden als nicht befriedigend befunden. Die französischen Vertreter legten in den Umviffen eine neue Formel vor, die darin bestehen soll, daß im Falle, als die Reparationskomrnifsion nicht zu einer Einstimmigkeit bei Feststellung einer- Verfehlung Deutschlands gelangt, ein dreigliedriges Schiedsgericht die-.LwHcheidimg--.z«-.-.treffen^tw,.chi. hem. ein Ä me r i tan e r. z« sitzen chabe. FÄ'dieses Kottzestion verlangt Frankreich Zui gestandnisse in der FragederMakural lei sinn gen, 'deren Lieferung von Deutschland garantiert werden müßte. Ueber diese Formel /berieten am Nachmittag der englische Sachverständige F i s h e r, der finanzielle Sachverstchldige der Reparationskommisiion Aron und der französische juridische Beirat Fromageot. Spät abends'war »och keine Ausgleichsformel gesunden. Daher wurden die für morgen vorgesehenen Sitzungen der ersten und der dritten Kommission verschoben. Wie die Dinge liegen, ist es für Herriot mit Rücksicht auf die Politische Situation in Frankreich schwer, auf die französischen Vorrechte für. die deutschen Zahlungen in dem Maße Verzicht zu leisten, als es die Geldgeber für die Sicherheit der von ihnen zu gewährenden Anleihe wünschen. Diesen Tenor trägt auch das Telegramm, welches Herviot anläßlich des heute erfolgten Zusammentrittes, der französischen Kammer und des'Senats an diese beiden Körperschaften gerichtet hat und in dem es heißt, die französische Delegation wache, indem sw trachte, den Geldgebern die berechtigten Sicherheiten zu gewähren, gleichzeitig darüber, daß weder dem Vertrage von Versailles noch den Rechten Frankreichs Eintrag getan werde. Mit der Lösung der Garantiefrage ist eng die Frage der ,' ■ n . - Einladung Deutschlands ifut Konferenz verbunden. Der amerlkanWe Delegierte L ogan hat in der heutigen Vormittagssitzung des ersten Aus-' schusses darauf hingewiesen, daß zu den Bedingungen für die Sicherheit der Anleihe sich die drei interessierten Parteien, die Bankiers als die Anleihegeber, die Reparatonskom- Mission und Deutschland als Bürge äußern müßten. Das juridische Komitee, dessen Bericht von der Konferenz angenommen wurde, hat festgestellt, daß der Dawes-Plan, ohne dem Friedensvertrag Abbruch zu tun, doch Durchführungsmaßnahmen enthalte, die nicht im Versailler Vertrag vorgesehen seien und daher Deutschlands Zustimmung erfordern. Daher sei ebenso wie die Reparationskommission auch die deutsche Reichsregieumg nach London zu berufen. Die Berufung der Reparationskommission wird, wie Ihr Korrespondent erfährt, -in der Weise geschehen, daß jeder Delegierte einzeln auf Brufung seiner Regierung nach London kommt, wo sie dann im gegebenen Augenblick zusammentreten können. Die ursprüngliche Absicht, Deutschland für Freitag einzuladen, scheiterte an der Ergebnislosigkeit der Verhandlungen über die Anlerhegqrantien und der Schwierigkeit, eine solche Formel für die Teilnahme-Deutschlands an der Konferenz zu finden, die Herriok, ohne die politische»: Widerstände in Frankreich fürchten zu müssen, akzeptieren könnte. In Konferenzkreisen glaubtman Leute, daß die deutschen Delegierten erst' " zu Beginn der nächsten Wvche 1 werden eingeladen werden können. Hughes kommt Samstag nach Berlin. Berlin, 29. Juli. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, wird der amerikanische Staatssekretär des Aenßern Hughes auf feiner Europareise am Samstag in Berlin eintreffen. Zufammerrtritt der französischen Kammer. Paris, 29. Juli. (Havas.) Die Kammerhat einen Antrag betreffend die strenge Durchführung des Achtstundentages bei den Eisenbahnen'angenommen. Die Kammer erörterte die Eröffnung und die Streichung von Krediten des Finanzjahres 1924 aus dem Titel des allgemeinen und des rückzahlbaren Budgets. Sie ha! die Kredite für mehrere Ministerien bewilligt. Die DcbaUe wird morgen fortgesetzt. Der Senat hat sich heule n->ch Anhörung der telegraphischen Botschaft- Herriots vertag" In politischen Krcllen befürwortet man eine Vertagung der Kammer b:s zum 16. September. Die Kamnier hat über keine Wucht-gen und dringenden Vorlagen mehr zu beraten. Sie war ebenso wie der Senat heute nachmittags in der Hoffnung zusaminengetreten, daß die Londoner Konferenz beendigt sein werde Da diese Erwartung sich nicht erfüllt hat, treten zahlreiche Parlamentarier für eine baldige Vertagung ein. Berlin, 29. Juli. (Wo!lff.) Nach langw'.crige»: Verhandlungen ist in Moskau, zwischen dom Volkskommissariat für Amßeres und der deutschen -Botschast eine den wegen der Berliner Handelsvertretung entstandenen K o n fl i kt im - Wege -beiderseitiger Vereinbarungen beilegende Lösungdes vufsischdentschen Zwischenfalles gefnNden und in einem PrMtoll niodergelegt worden, dessen Wortlaut nach der Unterzeichnung veröffentlicht werden wird. Wie die Blätter melden, ist das Protokoll zur Beilegung des Zwischenfalles in Berlin bereits unterzeichnet worden. : ‘ Aus dem Inhalt des Protokolls ist Hertz o rzuheben, daß die deutsche Regierung 'erklärt, das Vorgehen der P-olizeibehörden in Pcvlin gegen die Handelsvertretung sei eine eigen m.ä ch -t i g e. Aktion der deutschen Polizei gewesen. Deshalb ' b e d a >u e r t die deutsche Regierung im Hinblick auf das freundschaftliche. Verhältnis zu Rußland die Polizeiaktion und mißbilligt sie. Der Sowjetregierun-g wird zur Kenntnis gebracht, daß der Leiter der Aktion seiner bisherigen Diensttätigkeit enthoben worden ist. Deutschland eÄärt sich.auch zum Ersatz des Materialschadens bereit. Die Exterritorialitätsfrage wird durch das Anerkenntnis beider Regierungen geklärt, daß der Zwischenfall die vertragsrechtliche Lage der ■ Handelsvertretung nicht geändert hat. Beide Regierungen verpflichten sich ferner, daß die .ans Anlaß des, Zwischenfalles getroffen en M a tz n a h m e n beseitigt werden. Der russische Botschafter für Berlin Kresti-nski wird dorausfichtllich noch im Verlaufe dieser Woche auf feinen Berliner Posten zurückkehren.; M»en «nd die Mecho-Aswaksi. Warschau, 29. Juli. In den nächsten Tagen nimmt der neue tschccbo-slowa-kische Gesandte in Warschau Fiedler seine Tätigkeit auf. Sofort nach llebernahme der Gesandtschaft werden die seinerzeit müerbrocheneuB e r h a n dl unge n zwischen Polen und der Tsche cho-Slo wakei zwecks Abschließung eines Handelsvertrages zwischen diesen beiden Staaten wieder ausgen o mmen. Jas Tor nach dm Wen. —y. W i e n . 3Y. Lull. Der heilige Verteidigungskrieg der Mittelstaaten brachte gleich in seinen ersten Tagen die nachmals durch die historische Entwicklung so.berühmt, gewordene Proklamation „Zi di Jiden in Polen". Die Heeresleitungen Deutschlands und Oesterreich-Ängarns erzählten in diesem Aufruf, sie kämen als Befreier vom zaristischen Joch, und warben um die Sympathien der jüdischen Bevölkerung, denen der Krieg und der. äls sicher zu erwartende'Sieg die Erlösung von all den Leiden bringen werde, denen sie unter der Herrschaft der Romanows preisgegeben seien. Mt dieser Proklamation sollte die Serie der moralischen Eroberungen im' Osten beginnen. Den Juden.in jenen Gegenden kam sie.erst in einem späteren. Zeitpunkt zur Kenntnis.. Sie, wurde durch deutsche Flugzeuge verbreitet,. siel demnach den russischen Militärbehörden in die Hönde und war' mit ein Grund für die Maßregeln, die Nilolai-Nikola-jMltsch. gegen die, jüdische Bevölkerung anwendete.- Er hob Geiseln aus/ deportierte die Bowohnerschaft ganzer Bezirke des Ansiedelungsrayons nach dem fernen Sibirien, wo die Ueberlebenden, die die Schrecken der m'onötela-ngen Fahrt in d^n kaiserlich russische»: Viehwagen »iberstanden, erst recht in Hunger und Kälte zugrundegingen. Unter den Heiinöclassenen wüteten die'russischen Spionagegerichle. -Dies geschah jenseits der Hrenze-., dem Boden der osUrreichisch-ungarischen Monarchie, setzte»: die Befreier, die Luden- und Hötzendorsf ihre edle Mission in dch.^iMchke:t um.- Sie evakuierten., MS den »nilitärische»: Gründen höherer KneMuMMMn sie die jüdischen Bewohner Ostgaliziens-!vina zu den Eise»:bah»istationen. ÄuZ -KpDreMoHL^ rollten, die Züge nach dem Ostey,.--EM-lizMMch-Hn7 Westen. Und so trat der smiderbare Kall ein,' daß^ .auf. beiden Seiten der Feinde der Krieg mit der iAeichen Maßregel gegen das gleiche ElemM.e.insetzte,'. -MiDtM um mit eindringlichster Syinbolik darzutun, daß. 'über allem Trennenden als gemeinsames der Juberchäß steht. Dieser Gedanke überda»:ertc die PZechselsälle des großen Krieges. Was innner geschah, das „Carthagmern esse delendam" blieb in sinngemäßer Anwendung aus das Judentiun aufrecht. Diese Parole lebt auch heute und die Austilgung der Juden ist ein. wesentlicher Bestandteil des Prograrnn:es der internationalen Reaktion, die sich nach dem Kriege unter die Führung der deutschen Pogromzentrale gestellt hat. Es ist eine feste Organisation geschaffen worden, deren nationale Gruppen im einzelnen gesonderte Ziele verfolgen mögen,, die aber alle in der aktivsten antijüdischen Propaganda sthereinstimmen. Auf allen Gebietenmit jedem, Mittel, -in jeder Form wird der Ka»npf geführt. Born blutigen Pogrom nach östlichstem Muster, mit Massenmetzeleieu,' Verstümmelungen und Frauenschändungen, bis z-um ,geistigen Boykott in der Art der Bild»:»»gsbeschrärUungen hat das Judentum in diesen zehn Jahren zwischen, dem Befreiungsmanifest und den Maueranschlägen der Hütenkreuzler so zie»» " b alles kennen gelernt, was die relche technische Erfahrung "''iropas-für solche-Zwecke ersonnen hat. J»n Zionislnus hat sich die jüdische Nation in ihrem Selbsterhaltungstrieb die For»nel geschaffen, die ihrer Geschichte entspricht. Sie will auf ihrem historischen Boden, »n eine»u sonst dünn bevölkerten-Land ein neues Politisches und soziales Zentrrun bilden/ das den überall betä»npsten und gehaßten Jilden neue Möglichkeiten nationalen Ausbaues bietet. Das ist ein.Gedanke, der nirgends mit den Beslrebunaen irgend eine» .europäischen oder asi-atijche'.i Nation oder Partei in, Kollision steht und es hatte sich tatsächlich gezeigt, daß der,. Zionis- »nüs, so lange er mir Idee, mir Programm wgr,^nirgends ernstliche Gegnerschaft fand. , Der Nochkriegsantise»nit:s»nns hat a»rch hier Waitdel geschaffen und auch aus diese»»: Gebiet Gegenminen gelegt. Er ist in seinen Methoden »rertaiis rüder und ungeziigelter geworden. Diese neue Offensive des Ritualmordes datiert genau vom Zeitp»:nkt der Balfoür-Deklarätiyn, von [ biejc»n ersten Schein des Rechtlichkeitsempsinde-ns, und sie ist u»n so hermnungsloser geworden, je weiter und je .rascher der-Zionismus aus der Region-der-Idee in das Gebiet der re «len Poütik hmeinwuchs.-In allen das Gebiet der re «len Poütik hmeinwuchs.-In allen europäischen Zentren ta»:chten Wiverstänve auf, vie Annrrionisten und Länderdicbe, die Kolonisatoren und