Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1959 (29.7.1924)
- Date
- 1924-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Preis K 1400 | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II„Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleißteile (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der ' Firma Goldschmiedt.I.Bez., WoIIrei'le 1.1. Mit Postversand fiirW'en u. Oesterr, monatl. K 40.000 Tschecho-Slowakei* Mon. K 1^. lusroslawien: Mob. OinarOO. Polen; Mon. 31/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r„ Belgien: Mon. Fr cs. 12 •SSf* Nachzahlungen "W! bei Preiiertinbrni'.en Vorbehalte» Ülr. 1959 Men. Dienstag, 29. Fnli 1924 Polen: 20 groszj Englands Mon,4 Schilling Italien: Monatk 12 Lire, Ruman i en Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon, 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich, Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien. ILTahorsWaese'l—3 Telephone: 44-0»3S.43»?-19# aböUhrahdc 2MÖ2.25-282 IX. Unlversitiltfsstr.ö—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar» kassen-Konto Nr, 1S0.fid3 6. Mrgang “ " Mitarbeit beginnt! Serhanblmgen deutscher Delegierter mit der Redamtionslommisstou über den Dawer-Bericht. — Sin amerikanischer Bermittlungsvorfchlag in der Anleihesrage. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") London, 23. Juli. Der heutige Tag hat mit seinen Beratungen und der BoMonserenz keine wesentliche Veränderung der Lage gebracht. Wie offiziös mitgeteilt wird, ist seit Freitag keinerlei Lösung der von den Bankiers gewünschten Sicherheitssrage aufgetaücht. Die Frage der militärischen Räumung des R u h r g e b i e t e s liegt außerhalb des Rahmens der Konferenz Ter Gesamteindruck der Konferenz geht nach wie vor dahin, daß alle Beteiligten ihr Bestes tun und daß niemand die V e r a n t w o r t u n g f ü r einMißlingen auf sich nehmen will. Dies ist, kurz gezeichnet, die momentane Situation. Vormittags traten die .fünf Delegations« fuhrer zu einer Besprechung zusammen, die jedoch keine besondere Entscheidung traf. Sodann versammelte sich die Sanktionenkommission. In derselben wurde der Vermittlungsvorschlag Theunis . abgelehnt. Danach befaßte sie sich mit einem Vorschlag des Amerikaners Oberst Logan, dem amerikanischen Beobachter in der Rest a r a t io n s komm i s s i o n^,Laut diesem soll dem vom Komitee für Verfchlüngen und' Sanktionen vorbereiteten Abmachung folgende 'Bestimmung angeschlössen ’ werden: . ,,Die deutsche Regierung und die RePacationskomMission werden Vertreter namhaft machen, die mit den B <yn k i e r s i n V e r h a n d l u n g e n treten sollen, um einvernehmlich die Anleiheb e d i n g u n g e n f e st z u st e l l e n " Die französischen Sachverständigen haben diesem mit dem Versailler Vertrag in Einklang stehenden Vorschlag im P r i n z i p z u g e st i m m t. aber der englische Sachverständige Snowden hat sich dagegen ausgesprochen. Die Erörterung darüber wird fortgesetzt. . Die heutige Vollversammlung begann um 4 Uhr nachmittags und dauerte zw e i S t u nden. Nachdem die beiden Juristen Hoarst und Fr omageot ihren Bericht über die Einladung an Deutschland überreicht hatten, wurde über diesen Punkt die Diskus-!ion ausgenommen. Da die Konferenz ihre Arbeiten noch nicht beendet hat und dies noch einige Tage in . Anspruch nehmen wird, 'o wäre augenblicklich die Einladung an Deutschland üicht zweckmäßig. Doch hat die Konferenz die'Chefs der Delegationen ermächtigt, die Einladung ergehen zu lassen, sobald sie die Zeit dafür r: -omitten erachten'. Man basst, daß dies am Dvnmg oder Freitag der Fall sein vird.. Das Foreign Office betont in diesem Zusammenhang, daß man die Verzögerung nicht mißverstehen dürfe. Es handelt sich nicht darum, daß erst alle Alliierten einig sein müssen, um Deutschland diktierren zu können, sondern darum, daß ein Dokument vorgelegt werden könne, daß als Grundlage für die Diskussion mit den Deutschen dienen soll. Um.leine weitere Zeit zu zu verlieren, kam die Konferenz zu der Ansicht, daß es, .um die Durchführung des Tawcs-Planes zu b e s ch l e u n i g e n, am; Platze märe, zu gestatten, daß deutsche Delegierte schon jebt mit der Nepärationskommission über jene Frag t verhandeln, die in deren Wirkungskreis fällen. ■ Um diese Beratungen zu konzentrieren, hat die Konferenz die Hanptdel-egierten zur E i N k a d u n g d e r Re Pa rat i o n S k om m i ssi o n nach London erworben. Jede Regierung, die in der Reparationskommission vertreten ist,, beauftragt ihre Delegier t e n, den Antrag zu unterstützen, den >das französiische Mtglie-d der Reparationskommission Barthou auf Anregung der frangöstschen Regierung in der Reparationskommission stellen wird, nÄmilich, daß die Kommission ihren Sitz vorübergehend von Paris nach London verlegt. Thomas, der Vorsitzende der zweiten Kommission sagte, daß die Frage der fremd enEisenbahner in der Kommission nicht erledigt werden konnte und daß das Komitee daran weiter arbeiten wolle. Der Bericht den er erstattete und der angenommen wurde, betrifft nur die wirtschaftliche Räumung des Nuhrgebietes. Es wurde beschlossen, den wirtschaftlichen und finanizicllen Bericht nicht mit allen Einzelheiten bekanntzugeben, solange ihn auch die.Deutschen nicht kennen. . Nach offizieller Schätzung wird die Konferen; noch eine. Woche dauern, ober die Delegierten glaubest allgemein, daß sie noch wenigstens w e i te re-14 Ta g e dauern wich. . Bezüglich der - . 7. ‘. . offiziellen Räumung des Rnhrgebietes wird amtlich erklärt, daß dieses Problem-auf: der Konferenz nicht aufgeworfen wurde und auch nicht aufgeworfen werden wird, obwohl die Chefs der alliierten Regierungen begonnen haben, ihre Meinungen über diesen Punkt auszutcruschen. Es besteht aller Gründe für die Annahme, daß die französische Delegation an eine unmittelbare Räumung nicht denkt, aber eine Zurückziehung der Truppen zu einem ziemlich fernen Zeitpunkt und in niehreren Etappen zustimmen würde. Uebrigens würde Ministerpräsident Herriot vor jeder Entschließung in dieser Angelegenheit das Gutachten der obersten französischen Militärbehörden einholen. Ern Programm. Die kalendarischen Daten sind bereits bekannt. Völlige wirtschaftliche Räumung am 15. Oktober. Durchführung der d e u t s ch e n Gesetzgebung und Antritt des Generalagenten am 15. August. Am 10. Oktober solle» die fünf Punkte der Reparationskommisswn erfüllt sein. Sodann zählt der Bericht die Leistungen der Miierten auf, die am 5. Oktober durchgesührt sein müssen. Hingegen ist die Aufhebung der Zollgrenze zwischen besetzten und unbesetzten Gebiet nur in der ersten .Hälfte des Monats September durchznführen. Dann folge» die Bestimmungen über die Reparationszahlungen, Amnestien und über die gemischten Arbitrageausschüsse. Deutschlands Vorbereitungen für London. Die' d c ii t f cf) c Regie v nng ist mit ihren V o rb e r e i t u n g e n f ü r London fertig geworden und hat nur noch einige notwendige Entscheidungen zu treffen. Die Delegation wird voraussichtlich ans fünfzehn Mitgliedern bestehen, die mit einem Stabe von Mitarbeitern und Dienstpersonal abreisen wird. Sicher ist bereits die Teiinabme des deutschen Reichskanzlers Doktor Marx, des Außenministers Dr. Streseman n, de- Finauz>m>i'Nister8 Tr. Luther, des Reichsbanßpräsildenten . Dr. Schacht und des Leiters der Prcsseabteiilung des .Außenministerimns Miniiteria-tdirektor Spicke r. ^'erhandelt wird noch über die Beteiligung der p r e n ß i s ch e n und o a y r i s ch e n .M i n ist e r p r ä s identen 'als Sachverständige dieser Länder. Zeh« Fahre Iildendersolgimg. Kr. W i e n. 29. Juli. Es ist kein Zufall und auch keine Konjunkturpolitik, daß die Juden aller Länder — wir sprechen. hier von den großen jüdischen Volksmassen — zu den Vorkämpfern und den verläßlichsten Truppen der; großen Armee der Pazifisten gehören. Hätte sie nicht schon früher ihre eigene tausendjährige Volksgeschichte gelehrt, daß auch die leiseste Erschütterung des Völkerfriedens vor allem in ihren Reihen ihre blutigen Opfer sucht und findet, der völkermordende Weltkrieg, der 1914 frevlerrsch heraufbeschworen wurde, und eigentlich auch heute noch, wenn auch ohne Waffengeklirr, weitertobt, hätte ihnen den Abscheu vor dem Krieg beibringen müssen. Denn heute weiß es bereits alle; Welt: die Judenpogrome, die politischen, sozialen und administrativen Judenverfolgungen haben nicht erst nach dem Zusammenbruch des Weltkrieges begonnen, sondern schon im Schützengraben und im Hinterland, in den mitteleuropäischen 'wie auch in den östlichen und südöstlichen Staaten ihren Anfang genommen, noch ehe das erste Kriegsopfer auf dem Schlachtfelde, gefallen war. Der Unterschied war nur der, daß der ^Judenpogrom im Krieg vonr Kanonendonner übertönt und mit dem Kriegsrecht übertüncht wurde, während er nach dem Ausbruch der Revolution auch allen Scheiyrechtes bar das jüdische Blutbad.anrichtete. Die Pogrome-und die Judenverfolgungen in Rußland, Ungarn, Mutsch-. land, Oesterreich und seinen östlichen Nachbätn. waren, f und sind nur eine Fortsetzung, eine Folge der. Pogroche-! und Verfolgungen der Juden währerw des Krieges.! Die Millionen antisemitischer Flugschriften^ ^Bro-? , schüren und Zeitungen, die während des 'Krieges ln den Schützengräben, in der Etappe und im Hinterlönd.ft^rteilt wurden, die aufreizenden Reden dev Kömmast-? bauten gegen die jüdischen Mitkämpfer, die Zurücksetzung der jüdisck)en Offiziere an den Fronten,; das, Vortreiben jüdischer Soldaten in die Gefahre stzonen und die unmenschliche Art, wie jüdische Kranke, gebrechliche Greise gemustert und ins Feld gejagt wurden, war nichts anderes a^s die Aufmunterung zu Judenpogromen, nichts anderes als das Losungswort, daß jetzt die Zeit gekommen sei, das Judentum auszurotten. Gleichzeitig mit der antisemitischen Propaganda.: an der Front tobte der administrative Antisemitismus. In Rußland wurden die Juden, gleich bei Kriegsausbruch aus den Randgebieten in das Innere des Landes zusammengetrieben. Das böse Gewissen des Zarismus wollte die Juden weit weg von der Grenze' haben. - Dasselbe geschah in Rumänien. In Galizien wurden die Juden förmlich. über Nacht evakuiert, . sozusagen vom Staate enteignet und wie das liebe Vieh in alle Windrichtungen getrieben, im Inneren des-Landes der Volkswnt und dem Volkshohn preisgegeben und in Lebenslagen versetzt, die ihnen jedes Wurzelfassen erschwerenmußten. Die Polen und die Ukrainer konnten unbehelligt und ungeschoren auf ihren Besitzen bleiben und die verhältnismäßig Wenigen, die die Flucht ergriffen, fanden liebevolle Aufnahme und Fürsorge im Hinterland. Und als der Krieg vorüber war, konnten die Polen als Sieger heimkehren, die Ukrainer fanden ihr Heim wieder, nur die Inden blieben lange Jahre hindurch entwurzelt, heimatlos, der Stein des'- Anstoßes jener Kreise, die den Krieg entfesselten, die an der Entwurzelung dieser Inden die Schuld tragen. Der psychologische Zusammenhang zwischen dem Antisemitismus im Kriege und den Judenverfolgungen nach Zlbschluß der Feindseligkeiten ans den. Schlachtfeldern liegt klar zu Tage. Für die jüdischen Soldaten im Felde 'und für den auftnerksamen Beobachter im Hinterlan.de war es schon während des Krieges unzweifelhaft, daß der Krieg in jedem Falle, welche der Mächtegruppen auch siegen würde/ ein blutiges antisemitisches Nachspiel haben werde. Zn tief wurde der Judenhaß während des Krieges gesät, als daß .diese blutige Saat nicht hätte ausgehen sollen. Die assimilatorische Judenpresse und auch die gleichgesinnte jüdische Presse in Ungarn und Deutschland verkündete es jubelnd, wenn ein Erzherzog oder ein hochstehender General einmal nach einer blutigen Schlacht es für m a ch t r g t. Da die Konferenz dies gegenüber einer so hohen Körp?rschaft nicht tun kann, ist folgender Modus gewählt ff r* * v*. in sämtl. Leinen- und Waschwaren, Damenikiskün. u. Herrenwäsche sowie Sommerwaren aller Art zu tief reduzierten Preisen im [Schiffmann II. Taborstraße 48 Telenhon 47-1*79 En gros En detail »WMWSMS» 5154