Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1958 (28.7.1924)
- Date
- 1924-07-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite r4 Wien, Monkg "" Uienen MvrfttrtzekkimS. ' 26. IW 1984 «r. 19»' ^90 vvj!Z AV&V&& IW®.* ROMAN (Nachdruck vobchaltcn. 2b. Fort'-.-tznng. Sein Erfolg machte sich bald beweridar. Tie £:övev f herstumutten, als sie sahen, daß sie nicht beachtet wurden.; und so trat bald wieder Ruhe ein. . „Daniel" sagte der Vorsitzende ruhig, als wiede-, Trdi :mrng m -die Versammlung kam. „Ich will jetzt <jlso fort- - setzen. Ich habe Ihnen gesagt, daß. 15.000 Pfund dringendst notwendig sind, um den Klub vor der Auflösung zu betten. Die große Mehrheit unter Ihnen weiß genug über dLS Fußballgeschäft, um zu verstehen, daß wir diesen Mrpell nicht unferetwegen, der Direktoren wegen, an Sic richten. Es ist eine bekannte Tatsache, daß selbst die wohlhabendsten Klubs eine sehr kleine Dividende zahlen, und!die elenden Besucherzahlen, die unser Klnb in dieser Saison 'auszuweisen hat, sind genügend Beweis dafür, daß die i Direktoren durchwegs beim. Klub zusetzen, statt zu oer-! dienen. Sie konnten uns allerdings Vorhalten, daß das unsere eigene Sache sei, und Sie hätten damit vollkommen recht. Es ist unsere Srche; und geben wir Ihnen die Versicherung, daß uns das Geld nicht leid tut! Aber nachdekn wir unsere Liebe für den Klnb deutlich genug und tätig bewiesen haben, würden wir e>- natürlich im Interesse der Sportstadt Hollywood auch gwne sehen, daß andere unserem Beispiel folgen — und deshalb haben wir diese Versammlung einberusen. Die Lage des Klubs ist eine verzweifelte, wenn jedoch 150 Einwohn.-r dicstr Stadt sich bereit erklären, je 100 Psimd zu garantieren, dann ist der Klub, auf den ich heilte stolzer als je zuvor -bin, gerettet! And" — unterbrach er den Beifall, den seine Mitteilung hervorgerufen hatte — „lassen Sie niich Ihnen versichern, daß unser Hollywood-Klub wert ist. gerettet zu werden! Ich habe Ihnen schon gesagt, daß wir eine hervorragende Mannschaft besitzen — wrnn S>? mir nicht glauben, sehen Sie sich die Meisterschaftstabellc an — aber die Männer, die die rote Dreß von Hollywood trägen, sind mehr als gute Fußballer, sie sind auch treu! Was sagtihr Männer,'die ihr soeben gehöhnt und gelärmt habt, dazu, wenn ich euch erzähle, daß jedes eiitte'.ne Mitglied unserer ersten Mannschaft Anträge von den Bertretcrn un-' lerer repräsentat'vsten Klubs erhalten hat? Unsere Spieler hatten volle Freiheit di-?en Klubs be^ntr.tten. da wir ihnen ihre Freigabe versprochen hatten. Ich bin stolz darauf, feststellen zu können, daß die ganze Mannschaft, Mann für Mann, sich entschlossen hat, Hollywood treu zu bleiben, so lange ihr gegenwärtiger Klub ihrer 'bedarf. Ich weiß nicht, was S'. e davon denken, weine Damen und Herren, i ch habe dafür nur ein Wort, und dieses Wort heißi „Hochachtung!" Ja, ich wage sogar die Behauptung, daß die Geschichte des Fußballprofessionalismus nichts Aehnliches ausweisen kann". ,/llamen nennen!" rief eine Stimme. „Gewiß!" antwortete der Vorsitzende. Seine Antwort kam prompt, als wenn er die Aufforderung erwarvtt Hüne und gleichzeit'g beugte er sich über ein Blatt Papier, das er bisnun verborgen gehalten hatte. „Wallis, der Tormann, wurde heute von Llayton Athletie und drei anderen Klubs $u~.i Beitritt auf cpf erbest; Bennetti, unser rechter Back, erhielt Angebote vor». Midchester City und Wroughton Wanderers: die Rangers und die Swift bemühten, sich um Tranfteld, unseren', linken Back, ebenfalls ohne Erfolg. Der vortreffliche Sportsmann und Fußballer Ben Warinner, unser erprobter Zenterhals" — hier brach die lÄalerie in einen Sturm von Hochrufen und Beifallsklatschen aus —, „hatte nicht weniger als sechs Angebote von Klubs der ersten Liga! Bevor Warriner die rott Dreß Hollywoods anlegte, hielt man seine FußLallzeit für vorüber. Statt dessen spielt er heute noch so gut wie je zuvor! Wrenlock und Nixon konnten beide ZU Wilsbrough United gehen," fuhr der Vorsitzende fort. „Albion wollte Dean engagieren, aoer Tommy Dean will für Hollywood weiter spielen, solange es einen Hollywood-Klub gibt! Finnegan, sein Partner, Rechtsinnen, hatte die Mahl zwischen Clayton und den Birlton Idlers. Lennie und Bell, unser linker Flügel, konnten zwischen drei Klubs der ersten Liga wählen —" ■ „Und der Mittelstürmer, Herr Vorsitzender?" rief eine Stimme vom Balkon.' „Wo bleibt der Mittelstürmer?" es war Ben.-Warriner, derdiese Frage stellte. Mr/Gerrity nickte und lächelte. - - „Ich mußfür diese Unterlassung imi^Entschuldigung bitten", sagte er, „und will dem tüchtigen jüngen Spieler, der vergangenen Sonnabend eine so unerhörte. Lüftung im Kampfe gegen die Wanderers bot, -meine besinw.'rc - Anerkennung anssprechen. Unter Zenierstt'mner erhlü! heute eine dringende Einladung, die Stürmerreihe ' uns-res.' berühmtesten Klubs, Hampion Billa, zu führen! Eine größere Auszeichnung als diese kann ein Professionalftrßl'all a. nicht erfahren". „Marr fühlte, wie eine kleine, tvarmy Häno nach, der seinen griff, - //’•,' „O Dick", flüsterte Margery Kirkby, „wie her^uch! Warum haben Sie mir nichts davon erzähtt?. Ich bin so. swlz auf Sie!" . .' ^'. - ': Der Fußballer fand kein .Wort,.um .zn/anttpö'Mn. sondern begnügte sich damit, die kleine Hand, die so v.'rtrauensvoll in der seinen lag, zu drücken/Ms MadDir schien mit dieser „Antwort" zufrieden zu sein. Wtn'gsrens drängte sie nicht auf eine andere Antwort. . . . Inzwischen vmr der Vorsitzende zumSchliisic seines eindri-rrglichen Appells gekommen und er .beendet-'-seine Jede mit den Worten: „Das meine Herren', -ist die- Mannschaft, um welche sich das ganze Land reißt.und welche: die eigene Stadt bisnun ignoriert hat. Ich hoffe inständigst, daß Sie jetzt, wo der Klub in solch großer'.Gefahr schwebt, ebenfalls Ihr Herz für ihn entdecken. Es ist ein Team, auf das jede Stadt in England stolz fein kann! Und j.'tzy meine Damen und Herren, werde ich mich freuen,! Ihre' Ansichten zu hören". ' •., „O, ich hoffe, er hat die Leute, mit seiner prächtigen Rede gerührt!" sagte Margery Kirkby leidenschaftlich. „Da schauen Sie, wer auffteht?" die! Warte knirschten aus den Zähnen hervor, so daß Margery, erstaun c zuerst - ihren 'Gefährten und dann den Mann aMickte, der'dort untenäufstand. Es war Fairfax Stopford! : Schwer und langsam 'erhob sich - Stöpfprd und, ließ seinen Blick über die zahllösen Gesichter' vor.Iich' gleiten. Auf seinem fetten Gesicht lag ein -höhnffcheS/Mcheln.- „Die meisten unter Ihnen", sagte er,-Kennen mich, und die mich nicht Persönlich - kennen/ wiffeü! jödeNMs'-.bo.k meinem früheren Verhältnis zum Hollywöod-Älüb: Eben, weit ich mit diesem verflucht schlechten Geschäft zu tun hatte, halte ich es für meine Pflicht-—ich hitte Sie, meine Worte sorgfälttg zu erwägen —, gleich jetzt auszustchen und jedermann, der etwa daran denkt, sich als Garant für 100 Pfund zu melden, davor auf das .eindringlichste zu warnen!" Die Worte hatten die Wirkung einer explodierenden Bombe. Ein unbeschreibliches Getümmel brach loS. „Ich fordere Mr. Stopford auf, einen Grund für feine Warnung anzugeben", donnerte der Vorsitzende. „Den Grund, Herr Vorsitzender, kann ich Ihnen besser als Mr. Stopford geben, denn ich werde Ihnen die Währ- 'heit sagen, die er sich einzugeste'hen fürchtet!"/ , Die Stimme —eine Frauenstimme war es — tönte klar und durchdringend ohne Hysterie dutch. den . weiten Saal, so daß augenblicklich Ruhe eintrat und die Aufmerksamkeit sämtlicher Anwesenden sich nach oben, richtete, dorthin, woher die Stimme gekommen war.' Dick Marr 'war zum ersten Dlale zu - Tode, erschrocken. Er wußte nicht, was er tun sollte. Um Ihn herum,-das fühlte er, -waren seine Gefährten starr vor Ueberraschüng. Sollte er den Unwillen! des jungen Mädcheüs riskieren und sie zum Niedersetzen zwingen? Die andere ^Möglichkeit, die übrig blieb, war, sie ungehindert in ihrer Aufregung eine öffentliche Erklärung machen zu lasten, die sie vielleicht später bedauern könnte.! Die Fragen, die ihm durch den Kopf gingen, wurden ihm plötzlich durch einen beruhigenden Druck, der kleinen -Hand auf seine Schulter, beantwortet, .-bevor Margery Kirkbh ruhig, aber herausfordernd, forffuhr:. „Mr. Stopford hat euch gesagt, ihr Dünner, daß .er es für seine Pflicht gehalten hat, aufzustehen Md hier zu sprechen. Ich will, 'wenn ihr mir gestattet.seinem Beispiel folgen. Ich' bin nur eine. Frau, wie ihr ftht, aber ich bin auch eine der wenigen Personen im Saale, die den wirklichen Grund kennen, warum -der Hollywood-Klub vom Untergang bedroht ist. Wollt ihr. diesen Grund wissen?" 1 ,Mir wollen eS, Mß! 'B'rävhl! Bravo!"? Der warme Beifall gab der Sprecherin neuen.Mut. Ihr Auge streifte Stopford, - der noch im-ryer i unbeweglich . mit- -weit, aufgerissenen Augen dastand,' als wenn - ein Heist . vor ihm aus dem Boden gestiegen wäre.umihnanzukla^en. „Der Höllywoad-Klüb.ist zum Aüsstcrben verüxteilt. weil ich mich geweigert 'habe, den Mann, der ihn bis-nur' finanziert hat, zu heiraten! Dieser Mann, wie ihr seht, ist Mr. Fairfax Stopford." - „Das ist eine Lüge!" schäumte Stopford/dessen Stimme kaum den wilden Lärm, der jetzt losbrach, übertönte.' „Es ist die Wahrheit — die Wahrheit!" antwortete' das Mädchen ans dem Balkon. „Und weil cs die Wahrheit ist, habe ich den Mut gefunden, hier ansZustehen. Mr. Stopford verriet mir, nachdem ich seine Werbung abgewiesen hatte, daß er dem Klnb nur deshalb all fein Geld geliehen hatte, weil ich an dem Klub, für den inein Bruder, .wenn er in Hollywood war. oft spielte, großes Interesse nahm.. Mr. Stopford hat fein Geld aus purer Rachsucht zurückg^pgen, obgleich es sein gutes Recht ist. Dagegen kann niemand etwas haben, aber ich protestiere gegen jeden Versuch, auch andere Leute zu beeinflussen." ' „Wie der Herr. Vorsitzende schon vorhin gesagt-hat" fuhr die kultivierte, tlartönende Stimme des jungen, unerschrockenen Mädchens fort, „diese Stadt ist berühmt o4 ihrer Sporttraditton. Wir wollen uns dieser. Tradition würdig ermeisen! Es macht mich stolz, als erste auMstehen und die geforderten 100 Pfund Garantie anzubieten^ wenn der Vorsitzende sie akzeptieren.will!" „Meine geehrte junge T-amewir wissen Ihr Angebot gebührend zu schätzen und akzeptieren .es mit Freude und (Genugtuung!" David Gerrity war in seinem ganzen Leben nicht so überrascht gewesen wie jetzt, aber er behielt die Fassung. Begeistertes Beifallsklatschen und Hochrufe durchs brausten den weiten Raum. Vereinzelte schüchterne Oppofitionsversuche wurden im Keime erstickt und die Uebeltäte* unsanft an die Luft befördert. / , „Ein dreifaches Hurra für . . donnerte ein. Mann, der auf einen Stuhl gesprungen ivar und blickte--hinaufauf den Balkon, Ivo Margery mit vor Aufregung blasten Wangen, aber triumphierenden Blickes dastand.' „ ... für alle diejenigen, die meinem Beispiel folgen und gleich mir unserem Külb helfenwollen", vollendete das Mädchen den Satz mit leideilschaft'licher BegeisteMNg, so-aß der Beifall orkanartig anschwoll. „.Hände hoch, Sportsmänner von Hollywood!" rief sie. herausfordernd. ' Ein Wald von Armen streckte sich ihr entgegen. . , Oben auf der Platfform saß ein Mann, der ftmM und zitternd in das aufgeregte Gewühl vor sich starrte. Es war Mr. Samuel Hollister. „Mein Gott!" flüsterte er, ^>er Klub ist gerettet!" Und er konnte es nicht vechindern, daß ihm Tränen aus den Augen traten und die verwitterten Wangen benetzten. Triumph. 1. Kapitel. Eine /mrersvouttche Auslosung. - Das Zimmer war unordentlich, der Staub und Schmutz von Jahren lag überall und bedeckte auch di« Dheiben der kleinen Fenster, die auf den Hof hinausgingen, so daß kein Sonnenstrahl in den Raum dringe» konnte. Auf die beiden -Männer machte der Zustand des Zimmers keinen Eindruck. Die Gewohnheit hatte sie äbgestum-pf, denn der eine -verbrachte feinen ganzen Arbeit^ tag in dem Raum und der andere war hier ein häufiger Besucher. Außerdem muß noch erwähnt werdendaß beide im Augenblick viel zu aufgeregt waren, um ihrer Umgebung Aufmerksamkeit zu schenken. Beide waren über «inen Tisch gebeugt, auf dem ein Telephon stand. Jimmy Dunster, der junge Sportredakteur der Hollywood ,M>ening Times" hatte den Hörer am Ohr und lauschte. Seine Augen glänzten hinter den dicken Brillengläsern und sein ganzer Körper zitterte vor Erwartung. London komrnt!" flüsterte er plötzlich heiser, denn hie Stimme versagte ihm vor Aufregung. Ein Stöhnen kam aus des anderen Brust, als lvenn ein Walroß Nach Luft schnappen wollte. Mr.. Samuel Hollffter rückte näher an den Joürnälisten und in feinem Gesicht malten sich deutlich die Qualen der Erwartung. „Konunen SiDauf die andere Seite, ich kann ja sonst nicht schreiben!" knurrte Dunster unwirsch. Gortsetzun« folgt.) - ' OmECJUg&.MW JBHBI