Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1958 (28.7.1924)
- Date
- 1924-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4 i Brfeis & 1400 ( Wien: Zum Abholen in der Expedition, II„ T aborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassen verkauf in Wien dfecb die Kolporteure der Firata Goldschmiedt, I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Poetversand für Wien n. Pesterr. monatl: K 40,000 Ts cheehb-S 1 owak ei: Mon. K18. Jugoslawien: Mob. DinarßO. Po 1 e n: Mon. 3*/* Zloty,-Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frankr., Belgien: Mon. Frca. 12 CVf* Naebr»hlubr«n 'MW bei. PreiMrfcofcung’eB, vorbahalte» «r. 1958 l’olen: 20 grotzj England: Mon,4Schilling, Italien: Monatl.' 12" Lire, Rnmä n i e n Mon. 180 Lei, Bulgarien Mon, 80 Lewa. S eh w ei z. und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrassei—S Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds; 21-102,25-282 IX. Unlversltätsstr.6—8 (Druckerei Steinmann) Vien, Montag. 28. 3# 1924 O österreichischesPostspar■ (fassen - Konto , Nr. 150.693 6. SMtanng «LS* Rom, 28. Juli (Stefani.) Die Präfektur von Mailand hätte die Einstellung von sieben Tageszeitungen wegen Artikel verfügt, die die im Zusammenhang mit der Vvmordmvg Mat-tcottis erlassenen Weisungen -kritisiert hatten. Ministerpräsident Mussolini hat unter Hinweis darauf, daß diese Maßnahmen auf Grund einer Mir weitgehenden Interpretation -er Verordnung über die Presse, getroffen.'war, die Z u r ü ck n a h m e tex Einstellung angeordnet. (In Wirklichkeit haben nach der Einstellung von d r e i Zeitungen in Mailand die übrigen vier Ihr Erscheinen freiwillig eingestellt, um ihre Solidarität fcefembett.) London, 06. Juli. Die Melödung, wonach die-?nglischdnjsiswische KoUtfereinF nahe daran wäre, ZN scheitern, W«d oiff^s-rör dementiert. Der Ankunft Joffes tofafc eine gewisse Gedoutung baigemessen. Die B-echaMungen «chmen chv«r Fortgang. %l. Juli. Der Senat hat Wern die Weisetze M R egelung der-SprachLnffrage' bei den NatßoyÄlen.Minldecherten angenommen.. . P«ES, SK; IM. Die BlWer meDen aus NewHovk.: .Im pepKveiÄ von Gattes (Pennsylvanien) ereignete sich, ivShrend 200 Bergarbeiter in der Die^e mbchteten, «me E xploistivn. Man weiß nicht, ob es möglich fein wird, sie zu vetten. Bisher wurden 12 Leichen geborgen. SkrOnsll polnischer Außenminister. Warschau, S7. Juli. W.-T.-A.) Der. Präsident der AiepEll hat die Demission des Grast« Zamohskj angenommen rmd den ständigen Delegierten Polens beim Völkerbnnd Grafen S k r, h n S k i;«m Minister des »errßer« eru««t. Deutschland muß warte«. Morgan Wer die deutsche Anleihe.; New-Aork, 26. Juli. Bor seiner Abreise nach Europa erklärte Pierpont M o r g a n,' die amerikanischen Bankiers müßten, um die deutschen Titres den amerikanischen Kapitalisten epipsthlen zu können, warten, bis sich die Allierten eine Politik zu eigen machten, die den Inhabern dieser Titres eine Garautie zu bieten scheine. Dtt fünf Delegationsstihrer werden heute vormittags eine Beratung äbhalten. I« britischen Kreisen glaubt män, daß in der heutigen Vollsitznng eine Einladung an Deutschland beschlossen werden Wird. Herriot fährt nicht ngch Perris. Parts, 27. Juli. Da-' Ministerpräsident Herr i o t London Nicht derlassen kann,- wird' er bei dem Zusammentritt der Kammer ain29. d. nicht anwesend sein.. Mit Rücksicht auf die Abwesenheit-des Ministerpräsidenten Herriot wird die Regierung vom Parlamente die Erledigung nur jener Fragen der Tagesordnung verlangen, die einen dringlichen Charakter tragen. Der? Kabinettsrat wird Dienstag vormittags zusammentreten.' ';; Unter der Präsidentschaft Dqvidovit. '; 'ÄreMhönitz hät^'HichvrrM^ mit' Ällhnyg eines,K.o pz.^.nt.r gsi rpAAk asisin-e tt!s. -betraut.. -HZj gähn- Duv ibupi.'c inkMer'.Zeit, ein Kabinett-Zusächmenzüstesiem 'Kreits!arw fe: . unterzeichnest , her König'P«.neüeMinWrlffte,'He.M aststveM? MKinm:' David obre - (Demskrät);.' BxzepraschüM: o r v s e c (S^wenischvKlerikaler); Kultus. W Unterricht: Dr. Spqh.'e"(boMiWt Mohamweibaner).; Aeüßeres:' Do-jä'M a r i n.kovi e! (Dsmokrät);" Jnneve's: NsstaI'Matxov.ie'(radikal)s.Händel und'^vste: DMor chm. na n 1,o v i.c (Demokrat); . Justiz Mvd /Konstituante: Ml./HalMeg" Hräsniea ' (bosnischer-MohamMdamr); Schialpolitrk: Dr. B.e h w e. (bosnischer Mohammsda-ner); Berkehäk;.'. Dr.' S u S n ll. (SÄWenffch-Klerkkaler);. Agrar-- foöt'c;-(^Mdkrat);. Bauten:^.Pecie (Demokrat)' und Wch: ' General<tp j.i c. Dst BesidWMg .der Muep Mst MtK. erfolgt.Morgen v'ovmittevgS. .Abends begibt sich. der. K^M Ngch'.Peldetz.. , /.,... ...V .. . . Ae «ebejtetdemonkknMn M dem Rathaurvlah. - Aus denr RrtihMsPlatz' :sand gestern btc von .der> so;iald5nPkraHchen Partei e-iMtMsieue". SVaflentundgchun^ „Nie wieder Krieg" statt, an der "sich weit über ziveistLnderttausend Attnschen beteiligten.' Die Teilnehmer marschveirstn vo.n allen Wiener Begi-Äen in geschlossenen Zügen in Zchmrvei.hen unter. Vovantvagung von Fahnen und Tafeln mit antikriegerffchen Inschriften zum Rathaus, Ivo sie gegen'10 Uhr emtvastn.- Mchrxve'hundert Ordner, hatten.schon eine Stunde vorher den Platzund die anschließenden Straßen vom freien Verkehr abgesperrt, ebssnso die Arkaden des Rathauses, welche für .die Kriogsi-nvaliden reserviert waren. Ein großes Konimgsnt stellten die Franäm und'die Jugendlichen. / Außer der'Tagespavole: „Nie wieder Krieg!" las Man.'auftden Spruchbändern.u.'a.:' „Nie wieder Habs b ürg, kämpft für de n Frie de « ' da mi t, die Kriegsgreuel nicht wieder komme.nl",' ,Mutstr,. ivann kommt der- Vater?",.. „DWstr,' henkt' än^ Eure tostn Ächnel", ,Miner Spitäl!^, ' Mir' .sind die FvonMnchfer!", „Awei. Armeen, die einairtder bekämpfen, sind ei'Ne Armee, die SeWmard verübt!", ,Herrn Jaures' und" Berta 'SuM-rrs' "Gedanken" mögen . niemals mehr ^wanken!", „Vernunft und' Kultur, nicht Roheit und Massenmord!", „Für Gott, Kaiser und Kapitalismus mußten 15 -Millionen sterben!", „10 Millionen Kriegs-' krüppel!". „Soll es noch einmal so kornmen"? Eine Reihe von Standarten brandmarkte in Bildern die Kriegsgreuel. Für. die Hinterbliebenen der Kriegsopfer Imwbc ait ' ' Der äuSgchehnte Raum zwischen. Rathaus und.Rät-, HÄrMrk konnte'die ungshmren-Müssen jedoch nicht .fassen, und^so,staute.sich die Menge dichtgedrängt in' der.Front Üis^znm Burgthtater und zu beiden.Seiten des Rathquses. bis '.zum 'Schmerlingplatz und bis zur .Votivkirche. "; ■ . . ::Unter -de-tti' Rathaustirr'm und qüf Mehreren Plätzen'; dtzS^ weite» Raumes waren' Tribünen stir die Redner im- , provisiert,' welche' über die Bedeutung der AntrkriegMndgebüng ZU den! Massen sprachen! Unter den'25 Rednern, welch« gleichzeitig, nach einem Hornsignast durch'das der. Beginn ' der- Bersammlüng ängezeigt wurde) das Wort ergrisseu," befänden' sich' die Abgeordneten' Dr!' Otto '.B am'er, Präsident' El d ers ch,' F o'r st nw) ' Emmy 'F-reund- )l!i-ch;/HS:lzl^ Pick, :P-ölz'.er,'r>Vol-1.er, - . SeD'rfuntxMiedenhofe r; Ferner sprächen' von ddn . äuSländischen Delegierten "beim mtervä'ndnalrw l'MetäÜ* '- aNbeZterkongreß.? V r o w n l i e (England); - L a b t. (FrankrviWDisiManu, Se n der (Deütischland) und Kauf-' mam.m (Tschechoslowakei). ' '"’r -'''Wchbem ‘ däe' Redner" äüsäosprochen. hätten,. gah ein- ' HornsignA.das .Zeichen.zunr. R ü.'ck mä r s ch i n d ist Bst-' z i rk tz.. -Die Denwnstration,' eine der. größten, die Wien gesek^n-hatte; verlief in vollster Ruhe. .. es ' hatte sich keinerlei Z'w i s.ch e n f a l'l ereignet. Um 11 Uhr hatte der Rathäüsplatz^ Wieder sein gewöhnliches Aussehen! . '^-MhMchL'M-ndgebnüHen-- Wden '.i-n'.'.Mn -givherch. Städstn. Oesstrroichs shatt. Verchtolds Depesche. — Die Industrie des Mordes. — Die Flottenrevue von Spithead. — Die Verdiener. ‘’ . ■ ■; ' . - Wien^B Juli. . 'Heute.' vor zehn Jahren hat der Totentanz' begonnen. In den - ersten Vtorgenstunden ließ - Graf . S t.ü r.g k h das Manifest affichieren, in welchem Kaiser F r.a n z J o s e.p h seinen geliebten Völkern'mitteilte, im „N a t e der V o r s e hu n g" sei cs'beschlossen, daß er zum Schwerte, greife. Der Rat der Vorsehung-war - die von B e r ch t o l d gefälschte - Depesche .. von ' der . Schlacht bei .T e'rn e s - K u'b i n. /Dadie gerichtliche ' Untersnchüng in Sarajevo nichts für die Kriegserklärung brauchbareshatte bringen können,- so müßte eben, eine andere Lüge erfunden werden. Auf das.Ultimatüm hatte .Sexbien .so ' geantwortet, . daß . selbst K a r s'e'r W i l h e l in von-einem brillanten Erfolg des; Gesandten. G i 'e s l' sprgch. und hinzussigte, nach dieser! -Erledigung! hätteer die Mobilmachung ' nie 'besohlen. WaL wan; immer,. so oft von der- Kriegsfchuldlüge Äer' EnstnchÄe Meist ist, zu. bedenkenhätte,- ebenso -wie den : änffWgen Umstand, daß Baron Giesl - einehalbe Stunde nach Empfangder serbischen Entschlüssesie nicht i Nur als-unbefriedigend -erkannt hatte, sondern^ bereits äbreiste> So rasch arbeitete damals ' die Diplomatie,! wenn sie nur wollte. Das höfliche Ansuchen Rußlands l die den Serben gestellte Frist zu verlängern, wurde ' schroff abgelehnt. Den Vermittlungsversuch des Präsidenten Wilson fertigte die KabinettsküNzlei ab: ,-Seine Majestät bedauern. . . lassen allergnädigst danken." Es war eben genau so,' wie das im Rtanifest stand: Der ganzen Tragweite des Entschlusses und der Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewußt, ruhiges Gewissen, alles geprüft und erwogen. Auch der Schiedsgerichtsvorschlag Englands, auch die letztew verzweifelten Brems-Aufträge Bethmann-Hollwegs an den Gesandten Tschir'schk'Y. . ' . Mit' einer unverfrorenen Luge hat der Krieg begonnen, Lüge war sein Verlauf, Lüge und^ Betrug sein Ende.- Krieg an sich ist die Aufhebung 'jeglichen Röchtsznstandes, die Ersetzung des menschlichen - Gesetzes .durch die Gemeinheitder Gewalt. Es gibt keine Rechtfertigung für die „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", es darf-keine geben, weil jedermänN, ob> Staat oder Einzelner die. Pflicht! hat, die Wahrheit! seiner Ansprüche machzuweiseu Und darum.kann ein Krieg eben nicht anders-erklärt werden, als mit der frechsten Lüge. Die Emser Depesche Bismarcks ist ein Schmarren und verblaßt vor. dem Ruhme Verchtolds.- - - ■ ,. ., , Es war eine große Zeit. Sie brachte den Aufschwung . der Seelen, ihre Erfüllung mit . Werktätiger. Menschenliebe'. Sie Ivär geweiht,' durch den- Segen, aller, die sie begründet hätten. Schon der Auftakt, wies hie-heilig strömende. Quelle - lauterster. Selbstent-; äußerung zugunsten der Allgemeinheit nach'. Die Sache begann nämlich, mit einem wundervoll und.umsichtig angelegten B ö r s e n f i s! ch z u g. Extrablätter. der ,jNeuen Freien Presse" ' verkündeten, noch wähxend Gieslneben'- dem gepackten Koffer stand,. daß, Sexbien, das Ultimatum angenommen habe. Man riet damals äus den geschäftskundigen N i k o l a us v o n M o n t e- N.c g r o' als den Hauptverdiener. Voll Neid blickte die, Welt der Wucherer aus diesen Großen. Aber sie hat 'ihnubärtroffen. Er ist arm urch im Exil gestorben. Die aber, die sich an ihn: ein Beispiel genommen, leben in vollem Glanz und ihre Herrschaft ist fest begründet. Sie. steht sv sicher, daß nichts' sie erschüttern kann, ' kein.Krieg, .. kein Frieden, keine Konferenz. Was immer, geschieht, , treibt Wasser auf ihre Mühlen. Es war so am ersten Tag, als in dem Coupe des Baron Giesl zwffchen Belgrad und Semlin von der Konterwine gesprochen wurde, und es wird wohl so bleiben, so lange sich die Mütter und die Frauen nicht gegen den Krieg, stemmen und' die verruchte Bestie ausrotten. Ein anderer als sie. kann das nicht schaffen,