Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1957 (27.7.1924)
- Date
- 1924-07-27
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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m Ätzn, ^orot-fog M^üe^ MWjhRrzMtM. 37. Juli 1.924 Seite 15 * * * (1 OPI 11 R ix Für heiße Das Hochsommerkleid ist enger an die Stofstoahl gebunden als irgend eine Mode der übrigen Jahreszeiten. Denn der ästhetische Eindruck muß auf die Zweck- Mäßigkeit, den Kampf gegen die große Hitze, Rücksicht nehmen. Fast läuft der reine, w e i ß e S c i n en st o f f der schmiegsamen weichen Seide, dem starren, knisternden oder rauschenden Taft den Rang ab. Das duftige Tüllode'ö -Sätistkleid.bleibt siegreich gegen den köstlichen, weichfließenden, schmelzüberhauchten Seidensamt und nur das Spitzenkleid Wehrt sich mit Erfolg gegen Bastseide und Weichen Seidenchiffon, gegen schmiegsame Kaschmirs und Tuchstoffe. Das plissierte Kleid aus Crepe Georgette oder Seidenrips ist en Vogue. Eine einfache Knopfgarnitur oder Blumen aus Perlstickerei bilden den Schmuck. Offene kleine Aermel sind ebenso in Mode wie ganz lange. Die hellen Farben trotzen dem Sonnenschein. Die Sommerblusen passen sich der Herrenmode an, die Kragen und Krawatte vorschreibt. Aus dem Raffinement, mit dem der Schlips gewählt wird, aus der Koketterie, die aus der Wahl der Farbe, der Knüpfung des Knotens spricht, kdnn man beinahe auf den Charakter der Trägerin schließen. _ r. m. Die kleine Weste. Sie ist dazu bestimmt, bei der weiblichen Kleidung den Sweater zu ersetzen, ist kurz und schmückt sich mit herrlichen Stickereien. Je nach dem Kleid, zu dem sie getragen wird, wird sie mit mehr oder weniger phantastischen Blumen- und ornamentalen Motiven bestickt. Im Sommer macht man sie aus weißen Leinen mit einer Einfassung aüs waschbarer Baumwollstickerei in lebhaften Farben. Einfache Westen können sich auch der Stickerei enthalten, aber an ihrer Stelle treten dann die Knöpfe, bald in einer, bald in mehreren Reihen. Reizende Westen werden auch aus bedrucktem und besticktem Stofs gemacht. r. m. Hundehalsbänder für Damen. Ein dickes, schweres Halsband, das eng um den Hals gelegt ist, und ganz wie ein Hundehalsband aussieht, ist der neueste Schmuck, den die jungen, dem Müßiggang mit Leidenschaft ergebenen jungen Damen in den teuersten Badeorten Englands und den Vereinigten Staaten anlegen. Diese massive Zierde soll die „Lücke" ausfüllen, die zwischen dem kurzgeschnittenen Haar und dem Kleide bleib, und sie tut dies auf eine sehr auffällige Art. Die Halsbänder bestehen aus' einer. Reihekünstlicher Perlen/ die so groß sind, wie kleine Vogeleier, und mit bunten Glaskugeln abwechseln. Sie könnten von dem Hals der Trägerin abgenommen und ihrem Foxterrier umgelegt werden, ohne daß der Hund dadurch irgendwie aüfsallen würde. Manche dieser Halsbänder bestehen auch ganz aus farbigen Glaskugeln oder aus großen Halbedelsteinen Dazu trägt das Luxusgeschöpf eine Kamelie oder eine andere Blume im obersten Knopfloch des Kleides. Der neue Hochsommerschmuck der Vamenhütr. Waren es 'bis jetzt Blüten und Knospen jeder Art und Größe, zu Buketts und ganzen Gtrlaicken m verschiedener Breite zusammen,gestellt, so werden sie an den letzten .Modellen vor Hochsommermode durch Fruchtkränze abgelöst. Johannisbeeren, rot und weiß, in zierlichen , Trauben mit einander abwechselnd, kleine Büschel zierlicher Herzblätter, Herzkrrschen oder vollsastig erschemender Glaskrrschen, niedliche Pflaumen, mit dem, verführerischen blauen Schmelz der Unberührtheit, gelbe, reife Birnen, rotbäckige Aepfel und als Abschluß schmelzüberhauchte, blaue Weintrauben, emen sich zil verlockendem Kranze auf breitrandigen Schuten-" oder Schäfirhüten von Dagal oder Florenttnerstroh, cm denen unter der Krempe daumenbreite, schwarze Samtbänder mit' Seidenrückseite, mit Enden und langen Maschen links seitlich auf beit Rücken herab fallen, oder als wirkungsvolle Folie des rosigen Gesichtes helmbandartig, jedoch lose den, Hals umrahmen, um mit kecken SHmetterlmgsschleisen auf der emen Seite des breiten Hutrandes an der äußersten Kante desselben zu enden- Wo der Hutrand sich schwingenarttg wellt, wirkt, diese Art Garnitur noch besonders anmutig-reizvoll, und em weißes, duftiges Sommerstilkleid mit anspruchslos schlichtem Leibchen und kurzem, sehr kurzem Aermel, dafür aber'um so reicherem Bolantschmuck am gerechten Bauernrocke, einer Abart des wieder „in Sicht" gekomntenen modernisierten Rokokokleides, ist eigentlich die allein zulässige Sommev kleidnug zu diesen so äußerst kleidsamen Hutmodellen. Okkastonsverkaafvon eleganten Damenhüten K250*000 Elegante (Damenhüte f L Mahlerstrasse /J PERMANENTE AUSSTELLUNG Kunstgewerblicher Arbeiten aller Art Blasen / Handarbeiten / Hippes Feine Damenwäsche Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT Manna Menzel & Cie« Kunstgewerbe Wien, I. Burgpassage 10622 Copyright Nachdruck verboten, jüdischer »erlag, Berlin. 53. Fortsetzung. Kawdoloh md Mseuftreich. Bon Sammy Gronemann. Zurück nach Kowno. ' ■ Im Oktober 1917 wurde unsere Presfeabteilung wieder ht Gefolge 'des Oberquartiermeisters riäch Kowno verlegt. Trotzdem wir alle uns darauf freuten, das liebe Kowno wiedcrzusehen, war es doch auch ein schwerer Abschied von Bialystok. Als das große Lastauto «in der Abenddämmerung uns Prefseleute wegführte, stand aim Marktplatz eine Schar VM' jungen Mädchen, die tränenschwere Tücher schwenkten. Das waren 'die Schülerinnen des Gutmannschen Gymnasiums, und ihr Schmerz galt im ganzen Leo Deutschländer, der in kurzer Zeit ihr ,-Schwarm" geworden war. Mir gefiel an diesem Verhältnis eines besonders: alle diese Mädchen waren Zionistinnen — Deutschländer, 'der Agudist. war ein eifriger Gegner des Zionismus. Wenn nun diese jungen Mädchen im Backsischalter trotz aller Schwärmerei für ihren Lehrer sich in ihren Anschauungen nicht irremachen ließen, spricht das für eine bedeutende innere Selbständigkeit und Standhaftigkeit de's Charakters. Freilich Hilten sie es allsamt wohl nur für eine Kaprice des guten -eo, wenn er sich dagegen vevtvahrte Zionist giu fein — sie glaubten ihm das einfach nicht (und vielleicht hatten sie nicht einmal so unrecht!). Wir zogen in Kowno ein und' wurden von unseren alten Freunden herzlich begrüßt. Der. Jutellekduellensta^mmtisch, der. in Biaichstok kein rechtes Heim gefunden hatte und ettvas zusammellgeschrumpft war, regenerierte sich. Auch der Werkehr ttit den Kownoer Häusern > lebte wieder auf. Bei Frau Eliaschewitz wurden allerhand literarische und fozicle Probleme erörtert — Arnold Zweig wetterte dort, in dom kleinen, gemütlichen Salon hin- und herrennend, g'gon die Verbourgeoisierung des Geschmackes, die von'Westen nach Osten vorschreite. Dabei exemplifizierte er zu unserer Bestürzung ungeniert aus.die. an der.Wand hängenden Bilder und die Zimmereinrichtung, die er als sih//-nmsten Kitsch in Grund und Boden kritisierte; frei Frau Kan wicUr suchten unsere Künstler der Hausfrau zu beweisen, daß!ie von ihr während unseres Abwesenheit entworfenen Zeichnungen einen höchst bedauerlichenkirnst--, lerischen Rückschritt behüten —' kurz/wir bewiesen, daß wir uns wieder ganz zu Hause fühlten.// Mir üvinkte noch ein neues Tätigkeitsfeld. Leutnant O. von der „Koinnrer Zeitung", sonst.. der Redaktion der „Deutschen -Tageszeitu.ng" angchöre'nd, t machte ,- Magnus Zeller und mir den Vorschlag, eine humoristische Beilage zu schaffen, „De Gulaschkanone".-An sich hatten, wir beide nicht allzuviel Lust, da die Satire gerade dort hätte unterdrückt werden müssen,' wo sie ihr bestes Betätigungsfeld finden konnte. Andererseits bot die Redaktion der „Kownoer Zeitung", so wie sie nach Smigielstts Abgang zusammeng'sitzt war, in sich einen köstlichen Borwurf für Humoristen, Der lange, dünne.O. und der'kurze, dicke. Bvonck sähen schon aus wie die Stettiner . Sänger und konnten, als stehende Figuren, ihre Bemerkungen zur Zeripolittk machend, recht Wohl populär werden. Zeller entwarf bald ihr Bild und ich freute mich darauf, den halb brutal-zynischen, halb alkoholisch-gemütlichen Humor des 'laUgen O. zu fixieren. Den Ausschlag aber gab etwas anderes! Ich machte meine Mitarbeit von der Vovausgewähvung eines Honorars abhängig. O. fiel fast auf den Stuhl: „Honorar? Von mir? Mensch, wo kommen Sie her?" Ich blieb aber kühl und machte meine Forderung gellend. Mein kostbar gehüteter, in einer günstigen Strrnde vom.Hauptmann Bertkaw erlangter Schein, der mich vom Zapfenstreich befreite und mir Dauernachturlaub gewährte, 'wurde von der Kdwnoer Kommandantur nicht anerkannt. Ich verlangte nun eine Bescheinigung, daß: ich als" RedaNonsmitglied auch .nachts- - zum Zwecke der freien BevichterstattUng.jederzeitmich frei bewegen dürfte O. atmete erleichtert auf. ,Wenn fan Geld, sonst — alles!" sagte er. ,>Jch habe nicht das min-, beste Recht, einen solchen Schein auszustellen, aber ich - -werde Ihnen einen solchen Text schreiben und mit so , viel Stempeln versehen, daß jede. PatvouMe und jeder Offizier sich,auf den Rücken legt, ^wenn'Sigsden, Wischzeigen." -Jch< bekam meinen herrlichen Schern und dann — wurde' nach der ersten Nu-nrurer das Blatt verboten; nie habe ich mir ein wertvolles Honorar so leicht und schmerzlos verdient. . Cafe..St'eipbach. Eine noch größere Rolle als bei unserem ersten Aufenthalt spielte bei uns jetzt das Kaffeehaus der -Madame Steinbach. An jedem Nachmittag versammelte sich dort eine Schar der Intellektuellen und erwartete mit Ungeduld die frischen Käsekuchen. Mendts aber verzehrten O'skar Kühl und ich regelmäßig unsere Eierkuchen dort und gewöhnten uns allmählich an das schrille Organ der Wirtin, die im. Ladenraum mit den Kunden so verhandelte, daß man immer annahm, es sei ein böser Zank ausgebrochen. Doch ging allessehr friedlich zu. Es war eine sehr gescheite Frau, die Frau Sieinbach, und wir hörten ihr gern zu, wenn sie sich zu uns setzte und uns von all dem Aevger erzählte, den sie inzwischen ausgestanden 'hatte. Da 'hatte der Stadtkommandant ein strenges Kuchenbackverbot erlassen. Nun — war es möglich, das zu befolgen? Was hätten alle die Offiziere gemacht — was die juugen Herren von der Kriegsschule—,"wenn es keine Käsekuchen mehr bei Mutter Steinbach geben würde, keine Streuselkuchen, keine Bobes und keine Pl-inzes — von den köstlichen Laikes gar nicht zu reden! Da kannte sie die Bedürfnisse der Armee. besser, als der Herr Kommandant. Eine Tages aber hatte die Frau Conrad gegenüber — ihre Konkurrentin, eine Deutsche — sie beim Kommandanten denunziert. Der hatte nun beschlossen, in dieser höchst wichtigen Angelegenheit sich nicht auf die Berichte der unteren Beamten zu 'verlassen — denen den Mund in höchst angenehmer Meise-zu stopfen, wäre doch in diesem Falle der Beschuldigten nicht schwer gefallen —, sondern höchstselbst die Untersuchung -in. die Hand zu nehmen. So erschien er eines Abends mit hochgeklapptem Rockkragen — um nicht erkannt zu werden! — in dem Kaffeehaus. Frau Steinbach hatte aber doch ihre Freunde bis ganz oben -herauf;, sogär die Gräfin Bassewitz, die Leiterin des Soldatenheims,. hatte ihre . Freude an der resoluten Frau — und so kam. es, daß an diesem Tage keine Spur von Kuchen auf irgend einem Tisch zu erblicken war. Der gestrenge Herr saß Mißmutig vor seinem Kaffee und ließ sich die Wirtin 'selbst kommen. Geheimnisvoll 'bat er sie, ihgr doch etwas von ihrem vielgerühmten Kuchen znkommen zu lassen.