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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-27 · Heft 1957 (27.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1957 (27.7.1924)
Date
1924-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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fPreis K 1800 | Wien: Zum Abholen ,'n der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer V er schiel «stelle § Trafik^ monatl. K 40.000 trassenverkauf in Wien ddrch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Wiener Ts ch e c h.o -S I « wakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. P o 1 e n: Mon. 3'/, Zloty, Deutschland: Mon.Goldmark4, Frankr., Belgien- *,fr,n Frcs. 12 •" 'P‘ iah1 >i i! " e n "WW bei freisfcrhShun?eii Vorbehalten Pol an: 20 grosz] England: Mon.4 Schilling Italien: Monatl. 12 Lire Rumänien Mon. 150 Lei; Bulgarien Mon. 80 Lewa, S c hweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1^—3 Telephone: 44-0*38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 21-102,25-282 IX. Universitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisciif 'i i' oaispu r * hassen-Konto Nr. 150,6L-3 'Jlr. 1957 Wien. Sonntag, 27. Sutt 1924 6. siohrgang Morgan kommt nach London. Die Anträge für die ßinladung Jeutfchlands fertiggestellt. — Andauernde KommWonsberatungen. — Beendigung der Konferenz in dieser Woche? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 26. IM. Don der Konferenz.verlautet heute nichts Neues. Die technischen Arbeiten sind im allgemeinen erledigt, nmr zwei wichtige Fragen harren noch der Lösung, das Problem der Anleihe und der Eisenbahnen. Die dritte Kommission befaßte sich gestern mit den Schwierigkeiten «der Behandlung der Sachlieserungen, vor allem von Koks und Kohle, ferner von Färbstoffen. Auf Anregung der Alliierten wurde ein neuer Fünferausschutz gebildet, der zu prüfen hatte, inwiefern der D a w e s- Plan dem engliisch-tfvcmzösischen Memorandum entspricht und ob derselbe einer eventuellen Ergänzung bedürfe. Nach eingehendem Studium erklärte der erwähnte Ausschuß, daß der Daiwes-Plan ein klares Dokument sei, welches keiner Erklärung und Ergänzung bedürfe. Es kamen hier französische Bankiers' an, um wegen der Anleihe mit ame-rikanischen und^engli-' scheu Ainanziers in Verhandlung zu ^treten.-/--..' - Die Ankunft Pierponi Morgans, der heute in New-Iork seine Reise nach London angekveten Hat, wird kaum vor Ende der Konferenz evso^en,' die,.trüe man anuimmt, - keinesfalls' länger -als- .bis. - Sam s t a-g' den 2, August dauern wird/ Die bvitifche-Regw'.-nng- Ttmmlauf im ReichZtW gegen dm wünsche, im Parlament noch vor dessen Vertagung am 6. August die tzugesagte Erklärung über das Resultat der Konferenz abzugeben. / Harjes, der Pariser Vertreter der MoMn-Gvu>PPe, äußerte die Meinung, daß der Londoner Vertreter des Hauses Morgan -zu weit gegangen sei. Die Alliierten hatten sich an seine Firma gewendet,- um ein Gutachten über die Arrleihr zn erlangen. Durch die Beantwortung dieser Frage wäre die Angelegenheit erledigt- -und eine Einmischung in - weitere Probleme nicht mehr. notwendig gewesen. . . - - Die Juristen haben den Bericht Wer die Bedingungen für die ' < - Einladung Deutschlands . fertiggestellt. Die Konferenz wird am Montag ‘.frört Bericht frfet Erörterung unterziehon ittdb über die Frage, der Einladung Beschluß fassen. .. . \ . . Nie . --W^^WoWche Bureau hört,! der tz ß i s cj|e:1öi in ist er.Präs .deut- . scheu Delegation/ zurJnterje ein Vertreter Bayerns Md Badens . zur Vertvetmlig der Interessen threv-Länder der deutschen Abordnung boigegebon werden...' -'r-— Mlehnung eines nationalsozialistischen Mißtrauensvotums. Berlin, 26. Juli. In der heutigen Sitzung des Reichstages erhob Abg. Graf Lerchenfeld (bayrische Volkspartei) schwere Bedenken gegen den ’ Dawes-Plan, weil die Sachverständigen Deutschlands. Leistungssähigkeit weit überschätzt hätten und weil es den Anschein Haide, als wolle Frankreich eine wirkliche Räumung des neubesetzten Gebietes vermeiden. Der dentschnationale Abgeovnete Hoetzsch erklärte es für durchaus verständlich, daß im Volke tiefes Mißtrauen und die Befürchtung bestehe, Deutschland.könnte wieder so betrogen werden, wie seinerzeit mit den 14 Punkten. Wil-' sons. Für seine Partei sei die Wiederherstellung der fiskalischen und.Verwaltungseinheit nicht nur im' neubesetzten, -sondernauch -im .eütibefetzten Gebiet eine'conditio' sine, qua non. Gegenüber Herriots Standpunkt, daß die Räumungsfrist - nochnicht' zu laufen begonnen habe,' müsse Deutschland die unbedingte Einhaltung des Rheinlandabkommens verlangen, das auch die' Unterschrift- Amerikas trage. Diese Vorbehaltemüßten vor jeder Der-' Handlung -über das -Gutachten zunächst geklärt sein. Der Abgeordnete erklärte schließlich, daß seine Partei Abmachun- , gen. die ihren .Bedingungen nicht Entsprechen/ mit allen Mitteln bekämpfen würde. Der Not-Etat wurde schließlich in dritter Lesung gegen die Stimmen der Kommunisten, der Sozialdemokraten Md der Nationalsozialisten a n-ge-n om m e n. Vor der Abstimmung über, den Mißtrauensantrag der Nat.ionalsozjaliste.n -wurde. von deutschnationaler Seite die Erklärung abgegeben, daß die Fraktion nach Ablehnung ihres -letzten Mißtrauensvotums. keinen Anlaß ha'he,-.vor.dem. .Abschlußder Londoner Verhandlu.ngen ihre Stellli'ug zur Regierung erneut zunc Ausdruck zu-bringen, und. sich deshalb der Abst i m m u ng e n.t ha'l't'e.. Der- .Antrag wurde mit.. 172 gegen. 62 .Wntmen - der.-Kommumfttzn.W..' der Nationalsozialisten bei 79.Sti-mmenchaltnngei:a bge lech n t. - Die Anträge der- Nationalsozialisten-und der Kommunisten - auf.. A ufh ebu ng d es - - Au s nah msz,u st a n d e s,- wurden a b g e l e h n t.!- A-'sschußanträg,. der-, die Ä u fh eb u -n g des 1' " b o i e s p o li 1 i sche r Parteien fordert, wird a u ptno m men, ebenso eine Entschließung des Rechtsa'.-.sschusses, -die Reichsregierung möge auf die AuMbung des von Kahr erlassenen Verbotes der. kommunistischen Presse ln Bayern hinwirken. Der..Gesetzentwurf betreffend Einführung des- W ie dera-u f-näh meverfah re n-s b e \ fre u, ba y r'i.s che n B'olk'sgLr.i chten wird, in zweiter. Lesung ange n o m m e n.' iDer; dritten Beratung wird-widersprochen. Ile völkischen Fudensesetze in Wegen des Wrderspruches zur Reichsverfassung. (Eigendienst. der „Wiener Movgenzeitu-ng".) - München, 26. Juli. Der Vevfassungsausschuß. des bayrischen Landtages führte heute die'Beratung über die oölkischen Anträge zur Jude «frage zu - E-M, -die eine große Reihe tief eingve-ifende-r Deschränkuugen gegeübie Juden als.Staatsbürger verlangen. Di-es-e Anträge wachen abgelehnt in der'Er-! Wägung,, daß thxe Annahme unmöglich, ist,, weniger aus Gründen der. Gerechtigkeit; und Menschlichkeit, als darum weil die Reichsverfassung eritgvgenstoht. . .... i Dagegen wurdengegen-die. Stimmen. der Sozialdemokraten, .'Demokraten, und. Kommunisten, also-mit den Stimmen; der' bahvischvn 'Bolkssiartai, der deutschen Bolksparte-i und der Deutsch nationalen folgenden Anträge, eingebracht: 1/Die Staatsregiernng ist zu ersuchen, den Angehörigen der jüdischen..Rasse'in der Regel - 'die _ Genehmigung zur A e n d c r u n g des Familiennamens nicht mehr zu erteilen uiub die unterstehenden Behörden anznweisen, auch die Geneh- . mignng - zur Aeuderüng des Vornamens Angchöriger der jMschen Rasse in der Regel zu verweigern. Weiters ist die 'Staatsregierung zu veranlassen,. sofort Erhebungen darüber; anzustelleu, wo und. wieviel Angehörige' de-r . Mischen Rasse .die, L e.h-r t.ä t -ig.k.e i-t an .den bayrischen Hochschulen - aus- 'üben.'" /. i " ' V.", / _ , ' .. ’. . Nach mehrstündiger Debatte teilte der Kultusminister rüit, daß.'unter den au den -vier'bayrischen-Hochschulen tätigen 698 Professoren, und . Privatdozenten .insg-esa-mt 2 9 - Ju d e n, also 4,8-Prozent/sichAie-finden. - - - - ' Aus dem Inhalt der heutigen Nummer. Genug vom. Kriege! Von Armin T. W e g n e r. - Dis wirifchafttichen Keiegsverlafte des Iu-eniums. Vor Dr. Michael S.u s s a n. Weinende Schakale. Von Moses S ch i f f r i.s. - - Gin Jahrzehnt. Von S. M e i s e l s. Ein halbes Jahrhundert Weltpostverein. Von Leopold : K a t s che r. Vom tchöneu Kaar der Schwestern Perl. Von Koloman M i k s % a t h. Plünderer und AusgeplünSerre. Von Eugen H o l l y. Die Ansichtskarle. Von Egon Dietrichst e -i n. - Das Moseswunber am Dnjeper. Akademischer RihMsMS. - V. W i e n.- 27/Juli. An den deutschen Hochschulen Oesterreichs hat sich die Afterwissenschaft von der arisch-völkischen Weltanschauung ein warmes Plätzchen geschaffen. Sie gedeiht hier hemmungslos. Oesterreich ist durch den Krieg national einheitlich geworden. Vorher war es ein Teil eines Völkerstäates, und wenngleich die Jünger der Lehre von der germanischen Ueberwertigteit jederzeit ein ansehnliches' Maß von' Aktivität entwickelten,' so " zwang doch die Rücksicht auf die nichtdeutschen' Nationen : zm einiger Reserve. Seitdem aber die Herrschaften unter .sich,'sind mnd unter "der ' Aufsicht des 'GeneralkommissärV "desitscher Staat spielen dürfen,.ist' ihnen jedes Maß abhanden gßfornmen. Es gab früher eine Regierung, die W in solchen Fragen der Verpflichtungen ' der' Großmn'chtsteltung wenigstens so weit bewußt war, daß' sie' das Gesicht der Würde wahrte. Sie ließ den akademischen Terrorismus nicht über ein gewisses' Maß hinaus gedeihen;' er durfte sich. nur. so weit auswirken, daß er noch immer als ein Streich dummer Jungen gelten konnte, In.Wahrheit war diese Nachsicht ' niemals gerechtfertigt. Die Krawalle an den Hochschulen, die schon, damals zum festen Besitz des Unikums Oesterreich gehörten,. waren Erscheinungsformen des nationalistischen Nihilismus. Sie sind es heute noch viel mehr. Die Republik ist ihnen .ausgeliefert; sie hätte Mittel.genug, sich gegen die fortgesetzte Schändung ihrer Autorität und ihres republikanischen Wesens zu wehren. Mer sie unterläßt dies. Das Objekt, an dem die Buben in Talar und Barett ihre Witze üben,. sindjüdische Lehrer und Hörer, und da Oesterreich von. antisemitischen Parteien regiert wird, so kann die Republik schlechterdings nichts dagegen unternehmen, wenn die Theorie in Praxis umgewandelt wird. Die deutschen Professoren verfügen über sehr viel freie Zeit. Seitdem infolge der virtuosen' Handhabung der listigen Jmmatritülationsbestimmungen der Zufluß jüdischer Hörer eingeschränkt wurde, sind die Hörsäle leer. Die.Ärier studieren nicht. Sie üben im freien Gelände oder vor Versammlungslokalen das nationalsozialistische Reglement, lernen dort^ Ertüchtigung, Disziplin und Achtung vor dem Gesetz. Die Beschäftigung mit der Wissenschaft ist ohnedies Mecklos geworden. Man kann bestenfalls Arzt oder Bezirksrichter oder Steueramtsadjunkt in irgend einem Nest des Berg-. länderbundes werden. Das wird man, ohne, erst etwas lernen zu müssen. Die Zugehörigkeit zu einer Couleur oder Burschenschaft erspürt vieles, und die Prüfung ist ja.'nur dann eine ernste-Sache, wenn ein jüdischer Student vor den gestrengen Examinatoren steht. .Auch damit — siehe oben — haben die Herren Professoren wenig!mchr zu tun. Sie können also ihre geistige Kraft voll und' ganz und unentwegt der. Rassenforschung widmen uyd sie tun dies am lebenden Objekt. Sie forschen also uytereinander nach Spuren des dem arischen Wesen so gefährlichen jüdischen-Blutes, und wo sie ein verdächtiges Individuum -finden, dort schreiten sie mit dem ganzen Furor des gekränkten germanischen Empfindens ein.- Aus zweierlei Gründen: Erstens weil sie der überwertigen Rasse angehören, zweitens weil sich der Jude 'möglicherweise'doch als noch überwertiger erweisen könnte. Man kann nicht wissen, sicher ist sicher. Nun sind aber die Professoren, die solchem löblichen Tun obliegen, Organe des Staates, haben als solche einen Eid in LLyül. Leinen- und Waschwaren, Damen-, lllgfon u. Herrenwäsche sowie Sommerwareii aller ^ri tief reduzierten Preisen im II. Tahorstraße 48 Telenhon 47-1-78 En gros En detail .»wi

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