Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1955 (25.7.1924)
- Date
- 1924-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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filnzeliitiimwK1200 Wien: Zum Abholen in deir Expedition, 11., Tabor str. 1 -3, oder in einer Verachle’* stelle (Trafik monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt,I.Bez„ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Ta ch e c-h o-Slowakei: **on. K IR. Jugoslawien: Mor. OinarftO. Polen: Mon. 31/, Zloty, Deutschland: Mon.Goldmark4, Frankr., Belgien: Mon. Frca. 12 Nachzahlungen 'M bei Prelierhöhungen Vorbehaltes S Polen: 20 groszj England:. Mon. 4 Shilling. 1 t a lienr Monatl? 1$ l'.ire, Rumänien Mon.1’501 ei, Bulgarien Mon.BOtewa. Sch w e i r und dae utrnge Ausland mbpatlieh^Fresi 4 Redaktion u. Administration Wien, II., TahorStrasse 1—*3 Teleohone:44rO-?Ri43“3*19, ab 6Uhr abds. 2 1/102.25-282 IX. Unlver8itäts^tr;6^-8 (Druckerei StelMÖnn) OesterreichischesjfiDaUpai: fassen - Konto Nr. 150.iS9B Rr. 1955 Wien. Freitag. 25. SuH 1924 AM Herriot kam nicht annehmen. — mm (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 24. Juli. Die Situation ist gegenwärtig noch ungeklärt. Vorgestern wurde von allen Seiten, auch von französischer, erklärt, daß eine von Theunis vorgsschlagene Kom>pv:>mißs-ovmell von allen Parteien a ngenommen wurde. Man hoffte gestern noch, daß diese Formel als ein Reserve Vorschlag für das Plenum vorhanden sei. Nun wurde aber der gange Komprom i ßvorschlag in der Plenarsitzu.ng überhaupt nicht erwähnt und es heißt jetzt ganz klar, daß Herriot den Vorschlag n i ch t. a n n e 'h m e n k o n n t e. Die Frage ist, in welcher Form hat Herriot erst seine Zustimmung ausgesprochen, so Laß man allseits-von einer Einigung sprechen konnte? Die letzte Bemerkung Herriots über diesen Gegenstand, die bekcvnntgewovden ist, chamkterisiert die Lage. Er sagte nämlich: '„Wenn ich. das Konipwnriß aniteihme, werde ich dadurch nicht den Frieden Europas j sichern, sondern;,,T Poineares Ministerprästdentschaft. - Heute fand - eine -zw e i stün dugsev Konferenz zwischen''Ma t D oNalch^H e r.rio.ft-,St'efaniund- Kellchg .stach Mae- D om-a ld> sprach-.ernst mnd aus-? führlich. Die' 'BekeMgten Mgen Nachher auseinander. H e r r i o t wurde von T h e u >n r's' abgcho'lt, der? in der Zwischenzeit im Schatzamte mit L am o u n t, dem Vertreter . Movgans,' eine Besprechung hatte. Die; beiden Premiers informierten einander, gegenseitig über ihre lkonfevenzen Herriot ist bis zur Stunde entschlossen, die Rechte der Reparationskommission spreng zu wahren. Er ist sehr ermüdet und glaubt die Arbeiten nicht sortsetzen zu können, wenn er nicht zwischendurch nach Paris fährt. Das Reutersche Bureau meldet hingegen, daß weder in britischen noch in französischen Kreisen über >as Ergebnis der Konferenz irgendwie Pessimismus herrscht. Indessen ist es klar, daß, wmn auch kein Zeichen irgendeines Zusammenbruches »abhanden ist, doch der u r.s p r ü n g l i ch e G e d a n k e, daß die Arbeiten in einer Woche durchgesührt werden könnten, durch die Ueberzeugung ersetzt wurde, daß die Konferenz sich möglicherweise bis zur e r st e n H ä.l f t e August Zeit lassen muß. In b r i t i s ch e n K r e i s e n herrscht der bestimmte Eindruck vor, daß mit der Verweisung der Frage der Zuziehung Deutschlands I zur Londoner Konferenz an einen juristischen Zweieraus- | .- ■ -nO» schuß die Einladung an Deutschland zur Teilnahme an den Verhandlungen aus der Grundlage voller Gleichberechtigung gesichert sei, jedoch kaum erfolgen dürfte, bevor der Zweierausschuß der Vollsitzung der Konferenz, die nicht vor Beginn der nächsten Woche stattfinden dürfte und von der die. Einladung ausgchen müßte, Bericht erstattet hat. Die beiden juristischen Sachverständigen sind gestern und heute zusammengekommen. Es besteht die Möglichkeit, daß morgen eine Plenarsitzung stattfindet, doch hängt dies davon ab, daß von den beiden Juristen und vom dritten Ausschuß eine Entscheidung getroffen wird. ", ' , . * Poineare hetzt schon wieder. Die „Daily Mail" veröffentlicht 'heute einen H e tz a r t i k e l P o i n e a r e s. Er sagt, in seinem Artikel: Wenn dem Deutschen Reiche gestattet würde, gar nicht 'oder in vermindertem Umifange Reparationssuimmen zu zahlen, so .wird sich - Deutschland die furchtbarste indu- - strielle - und - kMmerziiM .HegWame-- .gufMHen der. ganzen , Welt,^insbesondere? -drZ 'britischen ' Relches/'sichern. AugeMicklich ist die Äohleüpwduktl oü im-' 'Rühvgebiete größer als im Jahre 1912 und sie nimmt von M-oMt zu Monat mit unheimlicher Schnelligkeit zu:'Mährend ' die Tätigkeit der deutschen Industrie 117 Prozent ihrer Tätigkeit im Jahve 1913 darstellt, muß sich die unglückliche französische Industrie mit 63 Prozent begnügen und die 'britische Industrie muß unter dauernde^ Arbeitslosigkeit leiden. Es gebe nur ein Heilmittel, nämlich die loyale und gewissenhafte EnM'mgung des Sachverständigenberichtes, der die Bedingungen darlegt, unter denen , das deutsche Volk einer Besteuerung unterworfen wird. Nulektnns drr Generalkontrolle. Berlin, 24. Juli. Entsprechend dem Notenaustausch zwischen Deutschland und der Entente ist die Generalkontrolle vor der interalliierten Kontrollkommission in Berlin e r n g e l e i t e t. Die zuständigen interalliierten und deutschen Instanzen verhandeln in einem Meinungsaustausch über das Programm der Kontrolle Die Kontrollkommission hat den Wunsch geäußert, zunächst.Kontrollbe suche in den in Frage kommenden Fabriken abzustatten und darnach sich über die Zusammensetzung der Sicherheitspolizei zu informieren. Ueber die Kontrollaktion wird in unterrichteten Kreisen gesagt, daß sie voraussichtlich im November z u E n d e geführt werden könnte. Große Mmszenen im Reichstag. Berlin, 24. Juli. Im Reichstage kam es heute bei Beginn der Sitzung zu Lärmszenen, die. in eine Schlägerei zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten auszuarten drohte und nur im letzten Momente durch das energische Eingreifen des Präsidenten Dr. Wallr a f f verhütet werden konnten. Den Anlaß gab eine Rede, die der kommunistische Abgeordnete Katz vor Eintritt in die Tagesordnung hielt und in der er die sofortige dringliche Behandlung des heute ausgesprochenen Verbotes der „Niedersäch- .sischen Arbeiterzeitung" in Hannover durch den Oberpräsrdenten Noske verlangte. Er stellte dabei die Behauptung ans, das; Noske mit diesem' Verbot'einen'R echts? bruch begangen habe. Mitschuldig sei auch der preußische Minister Severin g. Er müsse Rede und Antwort stehen wegen.der Ungesetzlichkeit, die er in Preußen dulde. -Präsident Dt. Wall raff erklärte, dem Wunsche der Kommunisten nach sofortiger Behandlung könne nur entsprochen/werden, wenn sich kein Widerspruch im Hanse erhebe. Darauf erklärte Abgeordneter M ü l l e r -!F t a n k e-n von seinem Platze aus, daß er w i d er s p r e ch e. Auf diese Aeußerung hin drängten die'Kommuniste.n in großer Zahl zu den Bänken der Sozialdemokraten und heschimpst-en:. diese, in gröblichster Weife. Dabei trat Abgeordneter Katz in die Bankreihe, in der Müller saß und gelangte an dem Platze des Abgeordneten Dittmann vorbei, der sich gerade zu seinem Platze begeben wollte. Er schob den Abgeordneten Katz zur Seite, worüber die Kommunisten in neue Erregung gerieten und behaupteten, daß Dittmann Katz schlagen wollte. Es entstand em Höllenlärm. Später entspann sich ein Streit zwischen Breitscheid und dem Nationalsozialisten Ahl-'mann, der Broscheid wegen/ ’ seiner Pariser Reise des Landesverrat es beschuldigte. B r e i t s ch e i d verwahrte sich entschiedenst gegen diese Anschuldigung. Auf die Erklärung Ahlemanns, vorerst seine Abgriffe nicht zurückzunehmen, kam es zn einem lärmenden S t r e it. Schließlick) - wurde.' gegen 10 Uhr .abends die Abstimmung über die Verschiedenen sozialpolitischen Anträge auf morgen verschoben, da sich die Beschlußu ns ä h i g k e i t des Reichstages ergab. ' Regierungswechsel in Norwegen. Christiania, 24. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") Der König hat dir Demission des'Kabinetts Berge angenommen und ml dem Führer der Linken sowie dem: Abg. ,M o w i u k e l, der Ministerpräsident des vorletzten Kabinetts war, wegen der Rkgierungsbildung vechandelt,, Dar Wechte Geschäft. —y. ps e, n. 28. Juli. . Die Verhandlungen in London haben, . Weits jetzt einen Erfolg, aus den wohl keine .der EinlchDgsmächte gerechnet hat. Amerika hat sich.eingefunW und ist aus der Position des neugierigen Beobachters^ (die des Herrn aufgerückt. Die ganze Konserenz.uyd ^ie- Arbeiten der Ausschüsse stehen, unter dem irbermächtigen Druck des amerikanischen Einflusses. Das JewHorker Finanzkapital greift in sehr energischer und bestimmen- . der Weise in die. Konferenz ein und wohl: zum'/ersten Male zeigt es sich deutlich vor den ' Augen .-her Zu- : schauer, daß alle europäischen Staaten gemeinsam' in das Hintertreffen geraten,. wenn der Gläubiges .. zu sprechen beginnt. Es ergibt sich wieder, daß alleW.iPlo- : maten letzten Endes nur Handlanger der-Hochfinanz sind und daß sie mit aller Geschäftigkeit und Äktenschreiberei ins Stocken kommen, wenn die Könige. deS Geldes sich auf dem Schauplatz einfinden.. Sie>, hahen vor zehn Jabren berechnet, daß der Krieg.ein.gutes.: Geschäft sei. Soweit das für..Amerika, gilt/ haMw,sie: ' bis zu einem gewissen, höchst persönlichen. Äsusmaß Recht behalten. Für' die Menschen, die iw den; graben krepieren, müßten, im ^orr'eichen'-'Bepr^ü'tths-' " krieg für die heiligen Güter des Vaterlandes iMiLKen verloren oder im Hinterland auf Befehl i/deDMurch^ Halter verreckten, war die Sache nicht' so /ght/'Deilich', : sie starben' und damit war .ihrej Not zu' Die . HrnteVbliebenen 'bekE es ‘ ^üMich^MlWköMi^ chenn die Rsistüngsmanner die jckveils auszüMttende' Dividende als zu gering ünd nW'ärchr^UäH'MW^ rungsfähk'g fanden. ^11^1110^ Gebiete Großes und Vorb!Mches/MeisteHMM/E-'' diente am Krieg und hielt selbst Frieden. Wahrscheinlich wäre es dabei geblieben, wenn nicht. Ludendorff . eine Auffrischung des schon verblassenden Siegerruhms dringend gewünscht hätte. Er zwang auch AmetW.'in den Krieg. Die. Friedensapostel von Ford bis: Schwab; waren einverstanden. Patriotismus ist für alle' Fälle ein lukratives Unternehmen. Man muß es -Nur'/entsprechend organisieren. Sie kamen und siegtest. -Und brachten die Idee von der Selbstbestimmung.^ . In Europa legte uran diesen Gedanken'freilich anders aus. Wilson dachte an das Recht der' Böhker und Menschen, Lansing an dos- Recht Amerikas, Clemenceau aber an das Rechtder Rache. Sein 'Standpunkt siegte und es kam zu der Interpretation des Selbst" bestimmungsrechtes, daß die europäischen? Staaten, die alten wie die neuen, untereinander fortrausten' und sich immer tiefer in den Dalles arbeiteten. Viel: politische Kunst ist darauf verwendet worden, viel Arbeit der Diplomaten, der Demagogen, .der Patrioten -.diesem edlen Zweck gewidmet worden. Das europäische politische System löste sich im Schmelztiegel dieses? Selbstbestimmungsrechtes in seine Atome'' aus, und das Rutherfordsche Experiment, die kleinsten. Teile durch Bombardement mit Radium noch zu zerspalten, 'war nur ein schwacher Abklaisch dessen, was die Kabinette, mit. wissenschaftlich strenger Genauigkeit vollbracht haben. Die Ausgabe, die sie zu lösen Hatten,.' schien dem unkomplizierten Bürger sehr einfach. Es war der 'materielle Schaden, den die obersten Heeresleitungen ungerichtet hatten, zu erheben ziffermäßig feftzüstellen. und die errechnete Summe. mit den Kriegsvorschufsen der Entente und Amerikas zu kompensieren. Käs ist ein Exempel, wie' es jedes Staatsbudget, jeder.: Fabrikant und jede Bank ohne sonderliche geistige? Anstrengung ferügbringt.: Die vereinigten . WirtschnftÄory- . phäen ider europäischen Regierungen hätten: e?? wohl auch zur Lösung gebracht, wenn nicht die Politik daran gearbeitet hätte, das Selbstbestimmungsrecht.Mch aus dem Gebiet der Wirtschaftsmathematik- : zur : Geltung zu bringen. Frankreich batte sich darauf fcstgele'gt, sein Budget, durch die deutschen Reparationen auMheilen, und von Frankreich kam. immer .wieder die.- Tendenz, die..Diskussion außerhalb des normalen ^GeMes zu halten. Dentschland leistete ihm dabei SukkuW '. Nichts , kann man so leicht populär machen wie das Prinzip, Schulden nicht zn zahlen. Nichts aber wirkt so schwer wie die llebertragung dieses H.rinzips .. in die Politik, wie seine Umhüllung mit vaterlästdischen