Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1950 (20.7.1924)
- Date
- 1924-07-20
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWW 3SS5 ir&ki&jSS; Men, tzÄMiotz *mtntt r-wVsenzevttM^. t>a. ^tm xtr« w-W. JTtJCW 7'' Die Schwartz-Ä'Ne spielen diesmal nicht Theater, soud.'ru Mißpielen Scholew Ale>jchem, weit liebevoller als bei den Aufshtzeu«ge» von ' dH» Dichters „Tvwje" und „Schwer, Jude zu Alle» voran diesmal Morris Schwartz als Soroker; jpkWine Luftspieltom der in Schwartz' Kehle sitzt, die einfache, M/aiMchtbiche 'Geste helfen dem Künstler eine wirkliche Scholem zMchem°Rgur gestalten Mit ihm wetteifern an lebenswahrer, dchr^wMn ver ^Vcholem Mvjchemfchen Dichterkraft. gleichwertiger MvstaltuM'Anna A Ppel, Elias Ten n e nholz und pit unvergleichliche .Bme A br a mowit s ch. Das Publikum' Myr hingeristen von dem Genie Scholem Aleschems, das es Z«-ber Darstellung spürte. S. S. / Bar tschechische SvernKNstsk-iel. Nach dem waghalsigen Aiusfsilg in das Land der ^chailkowÄy-Qper fanden die tschechischen Sänger in Sane- WnaS ,Kuß" und in dessen „Geheimnis" wieder feisten ^eftniffchen Boden. Sie und die Zuhörer fühlten sich merklich -pwhler Lei Smetanvs ursprünglicher urrproblenratischer Ton- ^Wrach«, die Ms der böhmischen Heimaterde immer neue MÄlodffche Kräfte in sich anffMgt. Wenn man dieser ur- -Spüchisigeu Golkskunst lauscht, so begreift man nicht, 'daß uatiolnc^r Chauvinismus sich durch Jahrzehnte von Wien fern MLtenl konnte, und man wünscht geichzeitig, daß die Volkssvper, drlrch die Erfolge der Qlmützer und des Prager Oast- ^fpieses eines Besseren belehrt, nunmehr die bebeuteiedsten 'Werke Sme-tanas aNnählich ihrem Spielplau« einverleibe. .UuwilMvlich vergleicht man auch die Olmützer mit den ^Prager Säugern: Dort fast - noch der Erdgeruch der frncht-?Woen Hanna und-der SpieLbetrieb heißblütiger Natursänger!— darunter manche, interessante Persönlichkeit —hier ge- 'Mdete Künstler, deren Volkskunst der modernen Operukultur! naher rückt, ohne'daß sie in ihrer Gesamtheit das Niveau der sgwHen Opernhäuser noch erreicht haben. Doch wenn sie ihren fAmetana singen, trätzt sie der nationale.Enthusiasmus über tstch'seM empor.«nM. man gewinnt Einblick iü die musikauti-!fche Tiefe des gangen tschechischen Volkes. Trotz der dürlstigen Stzene und trotz unvernreidlicher ,UnjstrmmigEeÄen im überbürdeten Vol'ksopern-Orchester, /welches die Absichten des ihnen fremden Dirigenten nicht .immer verwirklichen konnte, erzielten die Smeiana-HtufsÄhruntgp.: einen starken Erfolg. Im „Kuß" boten Richard .K u bila Kamila Nngrova als Liebespaar ganz bedeutende Wnstlerische Leistungen, auch im ,Geheimnis" fiel Fvan ^Nngrova, welche in Herrn Stork einen würdigen Partner chatte, durch ihre schone Stimme auf. Die Herren Huml und rP.o-lker t bestÄigtem neuerlich die Schlagkraft der slawischen iBöfse und alle Mitwirkenden, die selbst die kleinsten Episoden- ,rollen mit Laune und Humor erfüllten, verkündeten laut das .Gonie Smetanas - uH die Degeisterung der Prager Sänger stir den Begründer der tschechischen NationalmusU. Wb. Theater in der gosefftadt. Mtttterlisbe^ von Strindberg. — „Die Spieler" von G o g chl. „Ein Heiratsantrag" von ^Tschechow. Wie ,Mutte rli ebe" in die heitere Gesellschaft der j^Ven anderen Einakter gekommen -ist, ist nicht ganz einzu- Men. Auf 'die Aufführung dieser quälenden, überdies wenig ^lmechis^rn Auseinandersetzung mi t dem Weib, bei der blinder soffst dreDeder geführt und äußere wie innere UnwahrscheinkichßMmasreinandergereiht, Bnnte wohl auch der glühendste «Mrindbexg-Berehrer leichten Herzens verzichten, was ja schon stH der letzten Aufführung durch Jarno zu erkennen war. rgtch Serveas verwandte ihre ganze ferne Kunst auf die Ät der geknechteten Tochter, konnte aber schließlich doch ' siber die engen Grenzen der Rolle hinaus. Frau Harten« wollte sich nicht zu dem Opfer verstehen, Züge äußerer ^bÄnuerer/Gemeinheit sehen zu lassen. Ihre Mutter ist durch- ^"^i.n.rcht aj£ einstige Dirne gekennzeichnet, sondem ist eine zwar teutzreramenttzolie, aber eigentlich ganz distinguierte beifder man keineswegs versteht, daß die Tochter Qualen TOs^ytoerat sie sich Hit ihr auf der Straße zeigen soll. Schon Ir l 4* gesthmachwlle Kleidung und. Erscheinung widerwach' der -Situation. Die Darstellerin der Freundin-Schwester immer zu bedauern, läßt sich doch dieser, papierenen Figur ■V1 keine Wife warme? Leben einhauchen. Fräulein Binder npfte di« Rolle t mutig und geschickt durch. Nach diesem Einkx, der nur Frauen, folgt der zweite, der. nur Männer auf 's Bühne brachte./ G ogols köstliche Komödie vom beett Betrüger, das tolle Stückchen, in' dem es von Gaunern, Ellern und Falschspielern nur so wimmelt. Herr rhe, nicht ganz so überlegen und sicher wie gewöhnlich, wenig zu dezent, spielte gewissermaßen 'hinter . Ganz voxtrefflich der schneidige ' und witzige Herr Astorfs, der Wische -Kellner des Herr Dan egg er, ein Kabinettsstück von ausdrucksvoller Mimik. Auch die Strobl, Voelker und Török boten gute iwgen. Das flytte Tenrpo trug viel' zur Erhöhung der tg bei. Im ,,H e i r a t s a n t r a g" wurde auf ergötzlichste moderne Groteskspiel vorgeführt. . Frau Serv aes HMgenheit, Wem Temperament die Zügel schießen zu. ,mch schuf.in dem streitsüchtigen, russischen Landedelin eine köstliche Gestalt. Auch hier entfaltete Herr G ü l- ^ff, der auch für.die beiden russischen Einakter die Regie W, viel und zeigte, ebenso wie Herr Vorlker, reiche "" 'siLrungskunst. Das ausverkaufte (!) Haus dankte für Murkgenen Abend mit lebhaftem Beifall. Nach den vielen ren) nwdernen Mücken der letzten.Zeit konnte er geradezu ^OÄse in der Wstste gelten. .. . ' ' " K. M. „Marieche« von RhnwsM." Freilichtaufführung im Burggarten. „Eine schöne Geschichte und sehr sonderbare, dabei wahrhaftige Begebenheit von Mariechen im Nymwegen, wie sie mehr denn sieben Jahre mit dem Teufel zusamnirn wohnte und verkehrte, so lautet der ausführliche Titel des altflämischen Mirakelspieles, das Friedrich Markus Hueb.n er aus dem Flämischen übertragen und Max Brand mit einer primitiven, des dramatischen Ausdrucks baren Musik versehen hat. Die Münchener Staatsbibliothek verwehrt das einzig erhaltene gedvuckte Exemplar dieses flämischen Bühnenstücks, das verumtlich im Jahre 1518 von einem Antwerpener Verleger hevausgegeben wurde. Die Form des Dramas steht noch nicht fest. Eine primitive Schtvarz-Weiß-Technik teilt jeder Person einen'von höchster Intensität erfüllten Affekt zu, der keine Abwandlung erfährt, sondern plakathaft -ur «Schau getragen wird. Interessant ist der stosfische Inhalt, in dem sich'schon die Faust-Sage schüchtern anki'nrdigt. Die Gestalt der Nichte Mariechen trägt schon die Züge Gretchens und der Teufel, genannt Mvnen, ist ein Vorläufer des Mephisto. Unter der Re-gie von Hans Rodenberg wurde mit jener Schlichtheit gespielt, die immer ein Zeichen'des echten künstlerischen Erlebnisses ist. Frl. Dorn sprach mit weicher Innigkeit, der Pfarrer des Herrn Wittmann salbungsvoll^ die Muhme des Frl. Schreiber gistünd gallespeiend, der Teufel des Herrn Gibiser hohn- und und triumpherfüllt die einfachen Ätze ihrer durchsichtig klaren Rollen. Herr Roden borg als Narr war sozusagen der Maitre de plaisir dieses Maskeuspieles. --dt. Bernhard Shaw «nd die MusillrM. „Der Wert der musikalischen Kritik", so lautet das interessante Diskllssionsthema, das die diesjährige J'ahresversamnrlung der „British Music Society" auf ihr Programm gesetzt hatte. Der grundsätzliche Wert der Kritik wurde von allen außer Zweifel gestellt, aber Bernhard Shaw mit seiner zersetzenden Sucht nach scharfer Präzision warf in die Debatte die Frage: Wert der musikalischen Kritik? Wohl, aber Wext für wen? Für die Kritiker selbst, dann ließe er sich wenigstens in den Tagen, da er selbst Kritiker gewesen ist, mit fünf Pfund wöchentlich genau festsetzen. Damit die Kritik ihres Platzes in den Zeitungen würdig sich erweise, Bnüsie sie eine Kunst für sich selbst sein. Den Künstlern aber, zumal wenn sie Bahnbrecher der Musik sind, hat die Kritik noch niemals eine Hilfe bedeutet. Die Musik bedeutet für den Kritiker lediglich einen Vorwand, um seine eigene Kunst spielen zu lasten. Viele Kritiker hielten es für die eigentliche Voraussetzung ihrer Kritik, gar nichts von der Musik zu verstehen. Eine wahrhaft gute Kritik, die nur unter dem glücklichen Zusammentreffen zweier Bedingungen eintreten kann, gehört zu den seltensten Erscheinungen, denn sie setzt seltene Begabung des Kritikers und die Tatsache voraus, daß er schon als Kind in einer musikalisch kultivierten Umgebung groß geworden ist. Eine gute Kritik darf und muß so persönlich wie möglich gefärbt sein. Am de» Theatem. V o l k 8 o p e r. Heute, vom Ensemble der Prager Natiouploper, „D t e v e r k a u f t e Brau t". Das Programm der Prager Nationaloper bringt noch morgen und Dienstag Tschaikowskys „P i q n e D a m e" und endet Mittwoch mit Smetanas ,Die verkauftrBraut", welche AnMrung zugunsten des Deutsch-österreichischen Bühnenvereins, des Vereins des Wiener Volksopernorchesters und des technischen Personals der Wiener Volksoper in Szene geht. In den Kamm erspielen gelangt morgen die Revue «W a S F r a u e n t r ä u m « n" zur 25. Aufführung. Johann Strauß-Theater. Freitag 80. Aufführung der Operette „DesKönigs Nachbari n". L u st s p i e l t h' e a t e Heute, 4 Uhr nachmittags, „Der keusche Lebemann", 8 Uhr abends, „Der kühne S ch w i m m e r" mit Karl K « a a k. Freitag Erstaufführung des Schwanks „D kle K l e i n e v o m V a.r i e t e", von Alfred M «Hier, mit Karl Knaakals Gast. . . Max Reinhardt gepfändet. Aus Preßbuvg berichtet die „Bvhemia": Obzwar die Ehescheidunlgsange-lvflrnhell Max Reinchar-ts vorläufig noch nicht beendet ist, hatte.'der Preßburger Gerichtshof schon vor einigen Monaten M>ax Reinhavdt angchalten, seiner von ihm getrennt lebenden Gattin, der Schauftnelerin Elise Heim8, cime monatlich? Apanage von 500 Goldmark M 'befahlen. Da-aber MiwhaM feiner Zahlunigsverpfl!',chtung bicher nicht n a chgekommen ist und auch -rwf Mohniungen nicht reagierte, 'hat. der Prehburiger Rechtsvertreter der Schausptele-rftl,gegen Max Reinhardt eine Exekution «üvimt. Bor einigen Tagen erschien nun ein Exekutor im Schlosse Leopoldskron bei Salzburg, das Reinhardt gehört, und pfändete 'mehrere wertvolle Bilder vis?M Höhe,der rück h . .. . _ - . „ . „ ständigen Apanage, im Gesamtbetrag von 1S.000 tschech. Kronen; außerdem scllen in den nächsten Tagen auch im Wiener Jose fstädter Thrater michveve R>emhaM pchörige Ecrmögensobjekte zur Sicherstellung her.Wan-qge gepfändet' werden. ' ' .D«r-Star ititb das Kunstwerk. Der MWkritiker des „Deanps"' stellt gelegentlich ' einer Besprechung der Oper „Boris Godunow" von Mustorgsky fest, daß S ch a I j a P r n, der berühmte russische Bassist, sich offenbar entschlossen habe, seine Ansichten über die musikdramabische Kunst und' deren Wiedergabe m ändern. Er ist ein-großer, romantischer Schauspieler geworden. ErHfiigt weniger, als er mimt und spielt. Alle seine schauspielerischen Bewegungen - sind aus das fdnfte charakterisiert. Dabei ist er ein selbstherrlicher Diktator: Aus einem For-te macht er ein Pickno, er verlangsamt,-wenn die Partitur das GcaenM verlangt, macht Pausen, wann es ihm gutdüM. Der Text gibt seiner Phantasie GÄqgenhent zu allephand fchauspielerischen Mancen; er streift die Aermel zurück,'stampft mit den Füßen., lacht, weint, kltvz, er .schafft ein neues WerS. Das ist der große Sänger Schaljapin von -heute. Polnische Künstlertragödie in Paris. Aus Paris kommt die Nachricht über eine furchtbare Trygödie, der. der bekannte polnische Schriftsteller Johann Zy-«o.wfksi.-;KWk-/Opfer fiel. Die Tragödie/ hat einen; vomantffchen: Hlintergrund. Zhznoiwski, der an einem unheilbaren'Peihey/hitt,-'.-Wurve;von seiner Frau, -der bekannten Warschauer .Sch-aiufpielerin N mins k a e r s ch o s >s e n. Die beiden waren - erst' - fort ganz kurzer Zeit verheiratet. Frau Uminska lieibte.. ihren.Gasten sehr und Hobe ihm nur das Leben genommen, um' ihn. wie sie bei der polizeilichen Einvernahnre aussägte, von-sÄnem Psychischen und moralischen Leiden, zu befreien. Frau Uminska war nach der furchtbaren Tat derart erschöpft» daß sie m ein Spital gebracht, werden nmßtes Die Pariser Polizei verständigte den polnischen Konsul in Paris von - dem Vorfals. Zyznowiski war .seinerzeit, in Warschau'Kritiker des nationaMmokratffchen Blattes, ,-Rzeczposjpos-ita" und gab auch einige Werke, besonders Kri<gs roman e, heraits. Er stand während des WeMrieges als polnischer Legionär zwei -Jahre an der französischen Front. Der literarische Nachlaß Franz Kafkas. Max B v o d hat die Aufgabe übernommen, den literarischen Nachlaß-des jüngst^ verstorbenen großen Dichters. Franz Kafka zn. sichten und der Oeffentlichkeit zm - übergöben. Der Perlag ' ,D i e Sch miede" in Berlin hat den Nachlaß evwopben und bereitet eine Gesamtausgabe der Schriften Kafias,-vor. Gin Watteau-Fund in Sanssouei. C. F. F v erster, der mit den Ilmgestaltungsarbeiter^ m den. Potsdamer Schlössern betraut ist, hat einen hüibischeir Filnd. gemacht. Er hat das Gemälde e>mer ländlichen H o ch i t,. das in der Aoinen Galerie van Sanssouci hängt und bisher wenig beachtet worden ist, als ein I u g e nd w c r,k Wa t t e a n s evkannt. Das Bild ist offenbar früher entstanden-als der be-' rühmte „Brautzug" des Meisters. „Aristokraten" mittr fich. Gestern fand die Verhandlung über die Ehrenbeleidtgungsklage statt, die der gewesene Graf Adalbert Stcrnb e r g, Schriftsteller, gegen den Präsidenten des' österreichischen Jockeiklüb, den früheren Fürsten Karl Fürstenberg, Botschafter a. D., angestrengt hatte, weil dieser wegen der Ohrfeige, die Stcrnberg dem getves'encn Grasen Herberftein vor dem Hotel Sacher gegeben hatte, vor dem Verkehr mit Sterwberg in einer im Jockeitlüb plakatierten Kundmachung bei - sonstigem Ausschluß aus dem Klub gewarnt hatte. Sternberg war auf Grund der Anzeige Herbersteins 'bei der Polizei von -dieser zu einer Geldstrafe von 600.000 K. 'wegen polizeiiwidrigen Verhaltens ans Grund der Bestimmungen des Prügelpatents verurteilt worden und ist seither aus Wien ansgewivsen. Sternberg, dem für den Prozeß eine Aufenthaltsbewilligung von der PolizeidireZtion erteilt wurde,'begründet die Klage und erklärt^ man könne von einem e^M-aligen Botschafter und Fürsten annehmen, daß er auf der geistigen Höhe stche, in seiner Handluugsiveise das bewußt Ghvenbeleidigende' zu erkennen. Es könne nicht geduldet werden, daß der. Leiter eiue.s. notorischen Spielklubs eine -eigene Judikatur auf Grund von Angaben notorischer' Ehr'crbschneider -ausü'be. Auß einer Eingabe Sternbergs geht pweiters' hervor, daß' Herb e rstein wegen Fälschung . eines Aktes d.isqualifiziert wrlvde.. Nachdem noch des längerm über?die Ehre der Herren des Jockeiklubs gesprochenwurde, vertagte, der Richter, da die Zeugenladungen nicht ausgewiefen sind — denn die Heren weilen aus ihren Gütern oder'in Bädern.—, di^ Verhandlung, damit alle Zeugen und auch der Beschuldigte persönlich erscheinen. ■ - - Phantasien eines Hakenvreuzlers. Gestern ivar ein junget Norddeutscher, der als der vorbestrafte Bagvbund Mbert Koschel in den Men bezeichnet wird, wegen Crpresiung und Falschmeldung angellagt. Er ertzählte, als Mitglied der Ha.kenkreu-zllerpa'rtei aus /Deutschland, ausgewiesen und wegen Hochverrats verisialgt zu sein. Die Anzeige sei-ein Racheakt eines Konsortiums, das ihm, die Erfindung der s -o -g e n a-u n t e n. Todes st rahle-n weg nehmen Wollte. Er leugnete, Mosch el M heißen, underzählte, « habe während des Krieges für -Dou-tschl-and ' Spion agedienste geleistet. In Men war.er als diplomatischer Agent tätig und verkehrte mit Wiener Diplomaten. Die Anzeige erfolgte wegen Hefähr-l-icher/ Bedroh.rüg eines unter Kontrolle stehenden Mäd che -ns, von. dem er im Hotelzimmer mit vorgehaltenem Revolver -die R ü ck«gab-e des auAbegahltön . Livbes-lohnes;' e rp r e sse n wollte. Der talentvolle, Jüngling, der. auch/als .Doiktor und Ingenieur ausgetreten ' war, wltvde -zu f-ünff. Mo na-ten schweren Kerke-rS nwd Mr Landesve«Weisung, verurteilt. LebensUberdrüssig wegen des Untermieters. Die Beamtenswitwe Mathilde Z-. 'hatte ihrem Untermieter Jakob A. das Zimmer-gekündigt, weil'er sie biszumLebensüh.erdruß quäle und ärgere, die Wohnungseinrichtung beschäditze und bei seinem allnächtlichen späten Nachhaufekommen dies Tür derart heftig zuschla-ge, daß sie und die Nachbarn aus dem Schlafe geweckt werden. Das Bezirksgericht - Innere Stadt trklävt«i die Kündigung für wirksam, weil kein Vermieter sich-ein derartiges Benehmen eines -Untermieters' gefallen lassen müsse. U-eber die Berufung, des Geklagten .fand vor einem Ferralsenat des Zivillandesgerichtes. dick Verhandlung statt. Der Klagevertreter eMärte, der Mieterschutz,, sonst eine Wohltat, werde hier zur Plage. Der Geklagte /habe im Bewußtsein, daß chm wegen des-Mieterschutzgesetzes viel« Monate lang nichts geschehen könne,- die Klägerin derart gequält, gehöchrt und materiell geschädigt, daß sie wiederholt; verzweifelt erklärt habe: ,^Jch halte das nicht aus, ich bring' mich um!" Der BerwsungSfenat gab der Berufung keine' Folge und' beftätigte das erstri-chterliche Urt«ii, weil das Verhalten des Untermieters -ein derartiges fei, daß der Vermieterin ein Zusammenwohnen mit chm nicht zugemutet werden könne.