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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-18 · Heft 1948 (18.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1948 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer K1200 Polen: 20 grunzj Wiens Zum Abholen in der Expedition, II., Tabor str. 1 »3, oder in einer Verschleinütelle CTrafflc! monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Fontversand für Wien o. Oesterr, monatl. K 85.000 Ts che e h o-S j o wa k e is Mon. K 18. fuooslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 3*/f Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Beleir" ' ' Pros. 12 MT N a C . r „ -WA bei »n vor)>«haItati / N 1 Italien: Monatl. 12 Lire- Rum än i e n Mon. 150Lei. Bulgarien Moh.80 Lewa, S-c h w e i z und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, II;. Tabnrstrasne 1 —3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abd*. 21-102,25-282 IX. Universlt^tsetr. 6—8. (Druckerei Stelirniann) Oesterreicbisches F ostspar' kassen- Konto Nr. 150.693 Nr. 1948 Wien. Freitag. 18. Zull 1924 9. Mtgang (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 17. Juli. Die Konferenz hielt heute kerne Plenarsitzung ab. Vermutlich. wird eine solche morgen nachmittags stattfinden.' Inzwischen tagen die einzelnen Kommiss i o n e n, wobei die kleinen Staaten auf die Komitees verteilt werden. Mac Donald hatte ursprünglich vorgefchlagen, daß jeder Staat täglich ein eigenes Kommunique ausgebe/ Nach den bisherigen Erfahrungen, da selbst das gleiche Communique in den verschiedenen Sprachen verschieden anssah, wurde beschlossen, ein g-emeinsames Communique' der Konferenz ausz-ugeben. . Die Frage der Teilnahme der Dominions ckn der Konferenz wurde dabin gelost, daß alternativ je ein Bert re ter den Verhandlungen der Konferenz und.der Komitees beiwohnen, wobei die Londoner.Hochkommissäre als Delegierte gelten. Die allgemeine Auffassung Ist, daß die gestrige Erklärung des Amerikaners L o g a n, die W a s h i n g t o. n e r Regierung mache gegen die . Kooptierung eines Amerikaners zwecks Feststellung einer Verfehlung Deutschlands t-t ine :<£:i nw.ett düng e,m;. ’■<&£ ' große r E rfo lg und v ie l vc.rs.p rechen dstüv^ zusehen sei. In der Grundauffassnng darüber, was -im Fqll.e einer. Verfehlung Deutschlands zü tun sei, bleiben England und Frankreich noch) im Gegensatz. Frankreich verlangt die Feststellüng präziser und sehr mergischer Schritte, während England eine derartige Lösung und Behandlung zu erzielen trachtet, daß eine Verfehlung Deutschlands nnwahvschejn'lich oder ausgeschlossen bleibt. Andererseits 'ist . das englische Kabinett heute bereits dahingekommen, selbst größte, jedenfalls schärfere Sicherungen gegen deutsche Verfehlungen zu fordern, um nicht eine scheinbar endgültige, tatsächlich aber provisorische Lösung zu' schaffen und spätere Ueberraschungen auszuschließen. Vornnttags arbeiteten die einzelnen Delegationen für Vit nachmittags zusammentretenden Kommissionen. Mittags war Herrrot in der Downing Street bei Preiniermmister M a e D o n a l d zu Gast. Der Stand der Arbeiten aßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Die e r st e Kommission (Nichterfüllung Deutschlands und 'Sanktionen) hat die Zulassung eines amerikanischen Delegierten zur Reparationskommissi on angenommen. Dieser soll vom Haager Schiedsgerichtshof ernannt werden. Im Falle der Feststellung einer Nichterfüllung sollten sich die Mächte über die zu trefseuden.Maßnahmen ins Einvernehmen setzen. In der zweiten Kommission (wirtschaftliche Räumung der Ruhr) besteht die .Hauptschwierigkeit darin, daß der Verzicht aus die Pfänder, .der als Vorbedingung für die deutsche Anleihe gelten soll, erst erfolgen könne, wenn die Anleihe gesichert sei. Die dritte Kommission hat sich mit den Natnvallieferungen Deutschlands beschäftigt. Hier hatten sich Schwierigkeiten in der Frage des Uebertragungslomitees ergeben, wie es vom Expertenplan vorgesehen wird, und in dem Frankreich, bei einer Gesamtzahl von sechs Stimmen nur über eine Stimme verfügt. Da Frankreich in Zukunst zur Deckung eines Teiles .seiner Folterungen wahrscheinlich im viel weiteren- Ausmaße an der Devisenübertragung teilnehmen dürfte, sucht es der Eventualität vorzubeugen, daß die-Entscheidungen des Uebertragungslomitees zu seinen Ungunsten aussallen. Zum Vorsitzenden des dritten.Komitees wurde der amerikanische Delegierte D ouug gewählt. , Nachmittags, hielten die drei Kommissionen Beratungen im Auswärtigen: Amt,ab...üst - Das Rcutersche Bureau erfährt, daß die Arbeiten der Kommissionen gut sor tschreite n,'. -und nran ,noch immer hoffe, daß die Konferenz nicht länger als eine Woche bis zehn Tage dauern werde. Hinsichtlich der Haltung A m erika 8 könne mit Sicherheit gesagt werden, daß gegen die Ernennung des Amerikaners als Generalagenten für die Durchführung des Tawes-Planes oder gegen die Teilnahme eines Amerikaners an derRepavationskommission, wenn dies imZusammenhang mit dem Tawes-Plan notwendig sein sollte, 'kein Einspruch werde erhoben werden. , Morgen vormittags werden die Vorsitzenden der Delegationen ihre Beratungen im Außenministerium fortsetzen. Am Abend wivd Mac Donald nach ^^lluers abretsen. Man glaubt nicht, daß die neue offizielle Sitzung vor zwei,oder drei Tagen zusammeutroten wird, b s die Experten der drei Kommissionen ihre einleitend^ i Arbeiten durchgesührt haben. Ave Arbeilerregierimg in (Eigendienst der ,,Wiener MorgeiMiUmg") London, 17. Juli. Wie aus Melbourne gemeldet wird, ist die föderative Regierung von Australien gestern mit 46 gegen 16 Stimmen geschlagen worden. Die neue Regierung wird aus der Arbeiterpartei gebildet werden. Le Balera sreigrgeben. London, 17. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng".) fliach einer Meldung aus Dublin hatdie freistaatliche Regierung De. Balera, der seit 15. August 1923 in der K a ferne von Harb o u r H i I1 gefangen war, freigelassen. Pastr vor drr Lemlssto«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".! Belgrad, 17. Juli. Ministerpräsident Pa sie erschien /.'üte zwischen halb 11 U-hr und halb 12 Uhr vormittags in Audienz beim König. Nach der Audienz begab er sich in das Ministerpräsidium,, wo'er eine' Konferenz der Minister einberief, die abends noch andauert. Ueber das Resultat 'der Audienz sowie des Mimsterrates ist-noch nichts begannt. Man erwartet allgemein die Demission des Kabinettes. Acht Tote, 6V Verletzte. Aus Mailand wird uns gemeldet: Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich heute auf der Eisenbahnstrecke, zwischen Ca r o n n o und R e s ea ld i n a. Ter Personenzug nach Novara fand eine Stelle der Strecke durch einen Erdrutsch verlegt und entgleiste. Die Maschine und mehrere Waggons kippten um. Es sind bereits acht Tote gezählt worden. Ueber 60 Personen erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen, es sind aber darunter einige Schwerverletzte, deren Los besiegelt erscheint. Die Namen der Toten und Verwundeten sind zur Stunde noch nicht bekannt. Es fehlen auch Einzelheiten. Ter Sachschaden soll überaus, groß fein. Nadir ermordet? (Eigendicnst der „Wiener Morsenzcitung".1 Berlin, 17. Juli. Nach einem Pariser Telegramm!, des „Lokalanzeigers" wird von der „I n f o rma t i o n" die Ermordung R a d i e'. des Führers der kroatischen Bauernpartei, gemeldet. Ra die soll in Moskau von einem Offizier der Roten Armee, einem ehemaligen österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen, getötet worden sein. Der Mörder soll erklärt haben, er habe Radie getötet, da dieser eine itändiae Gefahr für das kroatische Volk bedeute. Ae Belange. -y. Wien. 18. Juli. Beim Hammer-Thor! Die Gefahr war groß. Die Republik Oesterreich steckte in einer Regierungskrise. Wie der Reiter über den Bodensee siHt das Bvst des Bergländerbundes auf diese Angelegenheit zurück und nimmt mit Schrecken wahr, daß ihm fast ditz großen Minister aus dem Kabinett entschwunden wären. Es war ein hartes Stück Arbeit, ehe es gelang, die zwei .Männer aus dem Strudel des ultimativen Beschlusses zu retten, den ihre Partei gefaßt hatte, die beweisen wollte, daß ihr die Belange der Mittel^chullehrer und > der Hochschulprofessoren wichtiger erscheinen, henn die Ministersessel. Schließlich aber; drang doch des , Kieles Erz durch. Männerstolz vor Königsthronen., ist eine Sache, die nicht für jeden paßt, zumal sie derder Jude ndemokratie. verdächtige Regimentschirürg Fried-. rich Schiller besungen hat. Die Großdeütschen sind Männer des Wortes. Aber sie sind auch Patrioten. Und . in ernsten Zeiten haben sie noch immer zu erweisen vermocht, daß die Rücksichten auf die Belange des Staates ihnen mehr am Herzen, liegen als hie Beschwernisse der Beamten. Sie haben ihr Wort gegeben. Dabei bleibt es. Die Einlösung ist eine andere Sache. Daran können nur Juden und Jüdensozi herummäkeln. Denn, nicht wahr: Hätten die Großdeutschen es auf den Bruch ankommen lassen, so hätte ihr nicht minder großdeutscher Bauernflügel mit den Ehristlichsoziälenzusammen das Gehaltsgesetz durchgedrückt und es. wären Frank und Schürst zum Rücktritt gezwungen'.gewesen. Sie steckten also das kühne.Ultimatum .-'Medejes. Zerrst ■ horten sich im e(n hoch st grausames Privatistinimn' Wet PoMschH^BepA. . stand an und gingen strammen .Schrittes 7 ihr'Ln -1 Fauteuils zurück. Es war. nicht leicht, die rettende.Formel zu finden. Nun ist sie da: Es hätst eh nix genützt. Heil den deutschen Bauern! ' Die Koalition besteht also weiter und ihr Sanierungskabinett wird heute die. Besoldungsresorm zur letzten Abstimmung vor das.hohe Haus stellen... Ist dieses Stadium vorbei, dann wird wieder einmal der Hahn am Mist krähen und man wird der Umwest ein großes Stück gesetzgeberischer Leistung annoncieren.' Man erklärt schon jetzt die Lösung dieser heiteren Krise aus dem demokratischen Rezept. Die Beamten^ nehmen, was man ihnen bietet,. und überlassen alles andere der Zukunft. Das hat mit Demokratie so viel zu tun wie die großdeutsche Ideenlosigkeit und ist nichts weiter als die Anweisung auf den Knhhandel nüt allen seinen schlampigen Weiterungen. Die einen kriegen etwas, die anderen nichts und diese anderen haben für die nächste Zeit darüber nachzudenken, ob sie ihre Forderungen mit passiver Resistenz oder mit Streik durchsetzen sollen. Es ist dafür gesorgt, daß die Unruhe in den Kreisen der Staatsangestellten immer neue Nahrung erhält und daß der Evwerbsmann, der Arbeiter, kurz, der Steuer- , zahler, immer wieder vor neue Komplikationen gerat, die ihm sein Dasein versüßen. Darin besteht nämlich die Sanierung, die eine verdammte Aehnlichkert mit dem Fortwursteln hat. . > Alles ist Provisorium, auf keinem Gebiete .kommt es zu einer endlichen und endgültigen Entscheidung. Dieser politischen Veranlagung entspricht auch der Verfall der Verwaltung. Der Geist der Großdeutschen schwebt über den Wassern, die Politik des Einerseits und Andererseits, der intellektuellen Hilflosigkeit, die von dem deutschen Chauvinismus ausstrahlt und den. ganzen Staat niederhält. Man ist immer bestrebt, einem oeutlichen und festen Ja oder Nein anszuweichen. will nicht Stellung nehmen und wartet lieber ab,. ob „sich . nicht irgend eine auswärtige Stelle, sei es der Völkerbund oder die Entente, zu einer Intervention entschließt und einen rauhen.Befehl erteilt. Die Lakaiengesinnnng aus den Jahrhunderten monarchistischbureaukratischer Erzicbnng kämpft wider das. repubsikanische Prinzip des Selbstvertrauens, des Mutes zur Verantwortlichkeit und zur Wirklichkeit. Früher ver- . steckte sich die Unzulänglichkeit hinter dem Krännttgs- (Mantel, jetzt sehnt man sich nach dein Herrn General- * kommissär. Es ist nur natürlich, daß in solchem Milieu des Zauderns und der Unfähigkeit das Element der Aktivität und der Sachlichkeit, das jüdische Element''berhaßt sein muß, und daß hier die Ansicht besteht, alle Initiative und politische Arbeit müsse sich gegen die Juden

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