Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1947 (17.7.1924)
- Date
- 1924-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Tie Begküßungranffnache«. — Die zusanimensehung der Kommisfione». — Las sramoWi' englische Programm als Beratungsgrundlag?. (Eigeudienst der „Wiener Morgmzeitung".) London, 16. Juli. Um halb 11 Uhr vormittags ivurde im Arbeitszimmer des englischen Ministerpräsidenten, einem großen spiegelsüalahnlichen Raum, der etwa 156 Personen faßt, ln Anwesenheit aller Delegierten und der meisten Sachverständigen die erste Sitzung der Konferenz eröffnet. Die Platzanovdnung ist folgende: Die Hauptdelegierten sitzen an einem langen hufeisenförmigen Tische der Präsident in der Mitte, rechts die französischen, italienischen, belgischen unportugiesischen Delegierten, links die britischen, amerikanische«, japanischen, griechischen, jugoslawischen und rümänischeu Delegierten. Hinter dm Delegierten sitzen an einem kleinen Tisch -?e Sekretäre und Sachverständigen. Rainsah M a c Donald, der in Begleitung von S n o w d e n, einigen Untecstaatssekretären und einem englischen Sachverständigen erschienen war, hielt eine kurze Begrüßungsansprache, kn der er ausführte, die Konferenz werde sich ausschließlich mit , der . Durchführung des Dawes- Berichtes beschäftigen, dessen wichtigste Punkte die Wiederherstellung der'- sinänziellen und Wirtschastlichen Einheit des Deutschen Re ich es. und dse den Änlei he g ebe xy zu g ew ahr ei».h e- Sicher h e itchüeM-Es^liegeim I n t eres s e D e n t sch l a n Vs selbst, den Bricht dnrchzufnhxen. Eine große Schwierigkeit Hilde HEFtäge der Uebcert.r ag u n g d e r Z a h l ü n g est. ' Wenn die unerläßliche Einigkeit der Alliierten fehle, sei 'die Sicherheit selbst in Mitleidenschaft gezogen. Mae Donald schloß seine Rede mit einer besonderen Begrüßung der amerikanischen Delegierten. Sodann ergriff der französische Ministerpräsident Herr tot f das Wort; er sägte, es handle sich darum, die Interessen der Bölker in Einklang zn bringen, hie sich aufs grausamste bekriegt Habens und den Frieden wiederherzustellen. Wir werden, erklärte er, die schwere Aufgabe mit der gleichen Liebe zum Vaterland und zum Frieden führen. . , ' Der , ' ,.. . Datscha ft er der Vereinigten .Staaten Keklog erklärte, die Amerikaner kämen, obwohl sie am Versailler Vertrag.nicht beteiligt seren, mit demselben Geiste und Wunsche, dem Freden zu dienen, zur Konferenz. Wir wollen, sagte er, beitragen zur Lösung des Problems, mit dem Europa M tun habe. Die Regierung und das amerikanische Mlk sind überzeugt, daß die Annahme des Dawes-Berichtes den ersten großen Schritt zur Mederherstellung Europas, der Stabilisierung der Industrie und der Ehre der Völker sei. Der japanische Botschafter Hahashi, der italienische Finan^minister De Stefan! und der belgische Ministerpräsident Thennis versprachen die tätige Mitarbeit ihres Landes. Auf Vorschlag Herriots wprrde Mae Donald zum Vorsitzenden b** Konferenz gewählt. Zum Generalsekretär wählte die Konferenz <Sir Maurice H a n k e y. Nachdem Mae Donald den Borsitz übernommen hatte, schritt die Konferenz an die Festsetzung der Tagesordnung. Das französisch-englische Programm dient als Grundlage der Beratung und wird Punkt für Punkt einer Prüfung unterzogen werden. In der. Frage' der. . v ' ..-'u.' ...Kp.tfatlkfiLO.. Wurde. Wgesetzt: Der erste - Sri chv e r st 8m d i genau ss ch u ck wird das Verfahren zur Feststellung von;,SM 3 tc \- lungen Deutschlands und die --S anktlomen regeln. Der zweite Ausschuß wird im Einvernehmen MU der R e parat io n skommis sion den Plan fest- ''2lleu, nach welchem die wirtschaftliche und Malische Einheit des Deutschen Reiches wiederhergestellt werden wird, sobald der Dawes-Plan zur amtlichen Durchführung gelangt. Jede Kommission wirvier Sachverständige von jeder Großmacht und zwei S a ch v ä r st 8 ndige für Jugoslawien, Griechenland, Portugal Md Rumänien zusammen umfassen. Nach der Einsetzung der Kommissionen wurde die Plenarsitzung um halb 2 Uhr geschlossen. Am Nachmittag traten die zwei Kommissionen zusammen und verhandelten ungefähr zwei Stunden. Dem Vernehmen nach soll die nächste Plenarsitzung der Konferenz abgehglten werden, bis sich die Kommissionen über die Einzelfragen geeinigt haben. Matteottir Leiche geborgen? Rom, 16. Juli. Gestern hat eine Schar von Kavnbinieri die Gegend von Colle Pardo bei Frosinone durchsucht, da dorthin eine neue Spur des Verbrechens an dem Abgeordneten Matteotti führt. Nach einer Meldung des „Avanti" soll der Leichnam Matteottis zwischen Rom und Osfta geborgen worden sein. Neue faszistlsche Gewalttaten. Rom, 16. Juli. In.Mailand.überfielen gestern 30 Faszisten ein katholisch.es/Bereinsheim- Es wurden mehrere. Revolverschüsse abgegeben. Ein Fasz-st nnd ein, Mitglied, des katholischen ^Vereins wurden leicht e r w u nd e t.^ Tie Polizei v e rh a ft et e - sechs - Faszisten und drei Angehörige anderer Parteien. , - ■ Ne Abtretung des Wa-Lander. Der Vertrag unterzeichnet Rom, 16. Juli. In L o n'd o.n-ist gestern 'vom Premierminister Mac Donald und dem italienischen Botschaster Marchese dellaT.o r.re t'ta. der endgültige Vertrag über die Abtretung des Iuba-Lan des unterze ichne t worden. , , /. „ , :!; Bor einer neVEchen Demission Basic'. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".s Belgrad. 16. Juli. Die Demission des Kabinetts P asi c - P ri b i ci e vi c wird für morgen Erwartet. .Der König, ist heute aus Topola zuriiSgekehrt Md hat für morgen 11 Uhr vorniittags Pasic zur Audienz beschieden, bei welcher Gelegenheit der Ministerpräsident höchstwahrscheinlich die Demission des K a b i n e t t s dem König überreichen wird. In barlamentarischen Kreisen nimmt man M, daß der König den gegenwärtigen Präsidenten der Skrtpschtina I o w a n o w i t s ch mit der Bildung eines Käuzent r a t i o n s l a b i n e t 1 sbetrauen wird. Nach derk inner- ' politischen Maßnahmen der Regierung spricht vieles dafür, daß mit baldigen Ne uw ah len gerechnet wird. Geringe« Vertrauen zur ungarischen Anleihe. (Eigrndienst der „Wiener MorgenzeitU'Ng".) . Budapest, 16. Juli. Heute ist.aus London die Meldung eingelaugt, daß die ungarische Anleihe in London aus - N ew -D o ri er Verkäufe' um eine n- Cent tiefer notierte. . ' ' ' "' Abrüstung Sesterreichs. -y. W i e n. 1^ Mi. / In der nächsten Zeit wird eine Kommission 'des Völkerbundrates eine neuerliche Untersuchuttg der wirtschaftlichen Situation Oesterreichs durchzüführenhaben. Sie wird alle Momente ins Auge zy.'fassen, haben, ans denen sich ein sicherer Schluß' auf M/Zahlüngs- und Leistungsfähigkeit der österreichischen.,Be-, völkerung ziehen läßt, und es ist seMstverständlich, daß sie hierbei nicht bei den materiellen Fragen.stehen bleiben darf. Die wirtschaftliche Entwicklung eines Staates steht in direkter Abhängigkeit von der Gestaltung der inneren politischen Verhältnisse, von dem Funktionieren des Verwaltungsapparates, von dem Zusammenleben der einzelnen Schichten und von ihrer Stellung.zum, Staat und seinen Bedürfnissen. Im demoktatischen, Staat ist diese Abhängigkeit noch weit schärfer ausgeprägt als in der absoluten oder konstitutionellen Mon-' archie. Entscheidet in dieser oftmals das Machtwort der obersten Stelle, so ist in der Demokratie jede Entscheidung dem Volk anheimgestellt, das seine Macht durch seine Beauftragten und Volksorganeausübt. Die Heranziehung der Massen zu den . Lasten des Staates^ geschieht trotz aller legislatorischen Objektivität, doch, mach, pvlitischen Gesichtspunkten, , dievon den regstrenden Mehrheitsparteien bestimmt werden. In der.'gleichen. Weise wird das Erziehungswesen und sogar das-Rechts-- wesen politisch verwaltet. Wer also über den sipanziellen- Zustand des Staates sich ein Urteil bilden wist,- ntuß. auch die. politischen Jmponderabrlia .in.. Rechnung, ziehen..'. '.<; Auch die Kormnission. des BblkerbMdeskäWchirr-i' beinicht anders . Vorgehen. . Sie muß prüse.n,-.wie^W^. Staat'verwaltet wird, ob seine Organe unbefangen ' Interesse - der Gesamtbevölrerung wwhren urch'pb hiLr,' darauf Bedacht genommen wird, daß den Pflichten des, Einwohners auch Rechte entsprechen, und ob der Staat den im Friedensvertrag übernommenen politischen Verpflichtungen entspricht. Es sei also dieser Kommission ein Fingerzeig gegeben, wo sie mit ihrem Fragebogen zu.beginnen hat. Es ergeben sich/wenn.man die -Verhältnisse ansieht, so wie sie sind und nicht wie sie-sein, sollen, offene Stellen. Im Friedensvertrag heißtes,- daß niemandem aus seiner nationalen oderkonfessionellen .Zugehörigkeit ein Schaden, erwachsen dürfe. IN: der-Verfassung heißt es, daß. alle Bürger-vor: dem.Ge-, " setze gleich' sind. Im Gesetze heißt.eß/ daß -ohne Ansehen.- der Person Recht gesprochen werden soll. Tatsache aber, ist, daß gegen diese drei Normen täglich und stündlichi gesündigt wird und daß der Staat, in. welchem zweiantisemitische Parteien die Regierung bilden, im Geist«, der: frechsten Ludendorfferei verwaltet wird. Es laust älleS in dem berühmten Circulus vitiosus. Da die Parteien den Judenhaß programmatisch bekennen, io'müssen, sie dies auch durch Taten erhärten.. Sie müssen demnach die Geschäfte des Staates in diesem Sinn sichren. Eines fließt anö dem anderen und in das andere und das Gänze ergibt den Unsinn, daß der Ze-ntralpunkt Europas, das auf Wohlwollen, Hilfe und Nachsicht angewiesene Land, unter dem Sckatten - des Hakenkreuzes steht. Der- Staat, der ohne Kredit- und 'ohne Vertrauen überhaupt nicht leben kann, leistet sich antisemitische- und „antimarxistische" Berwaitung, eine ausgesprochene Judenjustiz, duldet die Bewassuung der Jugöstd, und ihre-Ausbildung zun: Krieg,'duldet Wafteudevots und Munitionswerkstätten in eineuU Maße, - daß sich-das englische Unterhaus ärgerlich damit befasseu >nußte. Der Staat duldet es, daß das .Hochstl-ulwestn' den -Hakenkreuz-Stüdenten ausge'liesert wird, daß grüne Jungdns sich'anmäßen, über die'Ernennung der Professoren, w't-' züentscheiden, daß die Professoren, die'einen Amtseid leisten^ aus öffentlichen Geldern -bezahlt werden- und von jüdischer Mildherzigkeit vor dem Hunger' gerettetwurden, - jüdische Dozenten^ in zynischer.' Feigheit äblehnen und beleidigen. Der Staat sielst -zu, wie 'd'äs' Gesetz und der Fried ensvertrog zum Kinder Mt t' werden.' Antisemitismus ist Kanaillengesinnung, ist'moralische Minderwertigkeit'. Es-ist kein Zufall, daßsddrr . Tag neue und . interessante Fälle schwerster Korrüplion bringt, daß die Fremden dem'-Land-im weiten'Bogen ln sämtl. Lslnsnunä ws««krvsrEi», vsmsnstlafM. u. Rierrenw&iscfte sowie Sommervvaren aller Art zu tief reduzierten Preisen im WH II. Taborstraße 43 TalenHon 47«1*7ß En gros En detall