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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-16 · Heft 1946 (16.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1946 (16.7.1924)
Date
1924-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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EinzB|nnmnierKl200 Wien: Zum Abholen in der Expedition, ILTaboratr. 1»3, oder in einer Verschleisatelle. (Trafik) monat!. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschiniedt.i. Beiz., Wollzeile 15. Mit Postversandfür Wien u, ‘ Öeaterr. monat!. K 85.000 Ts c h e c h o - S 1 o w a k e i: Mon. K 18. lu?oslawien: Mon. DinarfeÖ. Polen: Mon. 3‘/j Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr a n k rn Belgien: Mon. Frcs. 12 dep* Nashsaht«B|«B 'HW bet PreUerhöbuBren warWuUer, »r. 1946 lener Polenipobult350.901 Italien r, MonatU-12 Lire Rum a n! en Mon. V50 Lei Bnlg-arien Mon. 80 Le'wk Schweiz; und dazuhrix« Ausland monatlich Frei. 4 Redaktion a. Administfatios Wien, II., Taborstrassei — Telephone: 44-ri-3M3-3'l9, ab 6 Uhr ahds. 21 -102.25-285 IX. UnlversiHtsstf. 6—8 (Druckerei Stelmtiann] __ : , ) . -; - Wim. Mittwoch. 16. 3«N 1924 OesterreiehiseVms Postapar V**«s<*n-Konto Nr. «MRWSMRWWW ii^r'niVa< 6; ■iil Der Dawes-Bericht i (Eigenbienst der „Wiener Morgenzeitung".) . London, 16, Mi. Morgen um 11 Uhr dormitta-gs findet die Erüsfnuu-F der Londoner Reparationsko-nferenT im Botschaftszimmer des- Foreign Office statt.- Premierminister M ae Dona ld wird die Eröffnungsredehulten. Diese und -die präliminaren Formalitäten -werden die ganze M o r g e n s i tz u n g ausfüllen. Die Verteilung der weiteren Tagesordnung findet erst nachmittags statt. Die offizielle englische Auffassung geht dahin, daß die Konferenz vierzehn bis fünfzehn Tage dauern wird. Als erste Delegation trafen die Italiener hier ein. Minister:.de Stefani erklärte, die Zitafiener seien voller /Hoffnung und Entschlc-Mheit. Der Optimismus Italiens beinhalte die bisherige Politik der SichevnnH. der Rekonstruktion Europaß auf einer wirtschaftlichen Basis und Beruhigung aller Alliierten über alle seit Fvi«- densschluß entsiaudermr wtzit römische rmtl-iche.Preise iwformiert find, bcheM/M-eich^n.'da-sür, haß,sich der europLische. Himmel aufkläre. Die ist Heute mm ^hÄb'ö gus dem ViktöÄa-BahNhöfe-sUtzMisttnen, /HMradstist^ bei-seiwer-' A-nkustft-von M a ck D o n a lld omMstgentvocheu, mit dem rr sofort eine A n ) e r r e d u -n g hatte.- Zahlreiche englische Delegierte, die an 'der Konferenz teiln-ehmen werden, waren kbtznfalls auf dem Bahnhof« erschienen. Sie wurden von Oberst Mathe Uh o ufe den französischen Delegierten vovgestellt. Herr no t begab sich hierauf nach dem H hde Pa rohste l, wo die-franMi-sche Delegation wohnen wird. Im Laufe des Tages find dann die übrigen Delegationen eingetroffen. Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph" schreibt, die Tagesordnung der Konferenz werde die Erledigung aller Maßnahmen einschließen, die zur Durchführung des Dawes-Plan es notwendig seien. Die Unteilba rkeit dieses Planes als absolut Vorbedingung für den Erfolg werde wahrscheinliche entweder von britischer Seite oder von amerikanischer Seite im Anfangsstadium der Verhandlung hervorgehoben werden; denn eine der Hauptbedingungen für ' die Aufbringung der vorgesehenen unbedingt notwendigen Anleihe in England und Amerika sei, daß der Dawes- Bericht nicht eingeschränkt öder abgeändert werde. Der Vertreter des Reuterschen Bureaus, der mit dem französischen Ministerpräsidenten nach London reiste, teilt mit, daß H e r r i o t aufs Aengstlichste darauf bedacht fei, nichts zu sagen, was irgendwie die Verhandlungen beeinträchtigen konnte. Er sagte, man könne sich wohl vorstellen, wie unangebracht es jetzt für ihn wäre, zu versuchen, auf Einzelheiten hinsichtlich der Konferenz einzugehen. Ich bin glücklich, sagte Herriot, wenn ich daran denke, daß wir-uns unter Bedingungen treffen werden, die nicht unahirlich diesem herrlichen Wetter sind, daß alle Hoffnungen erwecken muß. Die Grundtatsache ist, daß die Engländer, die Italiener, die Belgier und die. Franzosen vollständig von der < Notwendigkeit einer friedlichen und raschen Lösung des gegenwärtigen Problems durchdrmpgen seien.,Jch. komme Mit deHHesten Glauben, daß Wie-: deßaufbaueLstls Folge NnsE MrütUnM/in London in; einen neuen Abschnitt'eintretenst/Hch'"bin.M^e/DonM' für seine offensichtlichen Bemühungen, die Schwierigkeiten der französischen Regierung zu verstehen und ihnen Rechnung zu tragen, sehr verbunden. Der Vertreter des Reuterschen Bureaus folgert aus dieser Besprechung, daß Frankreich in dem Wunsche, die Erfüllung -der Verpflichtungen Deutschlands so wenig schwierig wie nur möglich zu gestalten, in keiner Hinsicht hinter den anderen Ländern zurücksteht. Teilnahme der Dominions? London, 16. Juli. Im englischen Kolonialamt fand heute zwischen dtzm Kolonialminister- Thomas und den Vertretern der Dominions eine Erörterung über die Frage der Beteiligung der Dominions an der Konferenz statt. SnMndr Vertreter beim Völkerbund. v.: London, 15. Juli. Lord Pu r m vor teilte;im Oberhaus mit, die brstcschen Vertreter auf der nächsten Völkerbundversaimmlung würden Premierminister Mae' Donald, Lord P arm vor, Hen derf on und' Professor Gilbert Murray sein. . - bi« russisch-deutscher Zwischenfall in Moskau. Berlin, 15. IM. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Rach einem Mosbauer Telegramm des „Acht-Uhr-BlatteZ" hat sich dort ein dentsch-rusfischer Zwischenfall-ereignet. Der deutsche Botschafter Graf Otto Rantzau sah sich veranlaßt, an das russische Außenkommissariat eine Berbalnpte zu richten, in der er über die Verletzung der Ext e r r i t o r i a I tt«t von Räumen der -^ deutschen' Botschaft Beschwerde ft'chtte. : "//. Nach der Darstellung'des Grafen Rantzau erschien.in einem. Han-e, 'das von der -deutschen Botschaft gemietet' war, ein russischer Beamter, der im'Auftrag des russischen- Woh-nup-gsamtes dt« .Wohnung des. wegen Schiebungen aus dem Gebietder.Sowjetrepublik ausgewiefenen ehemaligen Beamten des deutschen Roten Kreuzes,' St ekel, versieg e l n wollte, angeblich um. den..Mißbrauch der Wohnung zu verhindern. Ms der im Hause wohnende Wirtschaftsrat H i lg e r dem russischen Peuchten bedeutete/, ldaß' er sich,aus exterritorialem.Gebiet befinde, benahm sichrer russische. Beamte in höchstem Grade an maßend- und verließ das' Haus erst nach einer 'lebhaften Auseinandersetzung. Die. V e r b a l n o-t e -des deutschen Botschafters gab dem russischen Außenkommissär Tschit-scherin Veranlassung zu einer sofortigen Untersuchung des Falles. Die Untersuchung ergab di« Berechtigung der deutschen Beschwerde. Der russische Beamte wurde daraufhin sofort aus dem Dienste entlassen und vorläufig zur weiteren Verfolgung seiner Verfehlungen in Haft gefetzt. Dieses Ergebnis teilte Tschitscherin der -deutschen Botschaft mit dem Ausdruck d e s l ebhasten Bedauerns über diesen -Vorfall mit. Keine Manöver in der Tscheche-Slowakei. Prag, 15. Juli. Wie offiziös gemeldet wird, finden im heurigen Jahre keine großen Schl u tz üb u ngen der Armee statt. Die -diesjährigen Schlußübungen werden Isi-ch nur auf Uebungen im Rahmen einer.Division innerhalb der einzelnen^ Landes-militärkommandobereiche beschränken. Diese Uebungen -werden in den setzten Tagen des. August und Anfang September ftattfinden. - tzinschränkung der Manee KohlenfSrdemns. Prag, 15. Juli. Die Mehrzahl der Kohlen werke rn M ä hr i'sch-O st ra u beabsichtigt, in der nächsten Zeit die Kohlenförderung auf nur vier Tage in der' Woche zu beschränken, da nicht genügend Bestellungen'vorhanden sind. Die Ausfuhr nach Oesterreich, Jugoslawien' und Ungarn tst stark zUrückgegangen, so-daß die Kohlen- und Koksvorräte täglich anwachsen. Masartz! und BratiMN in Kärtzbadi - - - > -Prag, 16.- Juli. Wi« das.' „Prager Tagblait" meldet, begibt sich P'rütsidenk Ma sa r y k Donnerstag. noch Karlsbad. Der Aufenthalt des Präsidenten wird 16 bis 12 Tage. dauern. Gleichzeitigtreffen . auch Ministerpraftdenit S v e h l a,- Mlu-ister des Innern M a l y P e t %, M-inifter für nationale Verteidigung Udr-zal und der rumänische Ministerpräsiden-t Bratianu in Karlsbad ein. Ae BalkamsiemnF. .—y. W i e.n. 16. - Heute beginnt in London der erste Teil drr zwstckwn den fuhienden Ententestaaten vereinbarten Be.'Wchnngeu. Es soll , hiebei eine Einigung dieser Staaten, über den Reparationsplan der Dawes-Kommisswn . berbeigeführt werden. Diese Konferenz soll dann im üMsten Monat ihre Fortsetzung in Paris finden, wobei'auch deutsche Vertreter anwesend sein , sollen, um die leo'slatorischen Maßnahmen ihrer Regierung/vorzulegen und über die Einzelheiten zu berichten. Der wefteretechnische Vorgang ist noch nicht bestimmt und 'aüch bei den heute beginnenden ' -Korife'renzen sind- Verschiebungen und sogar grundlegende Aenderungcn des - Pro- - grammes im Bereich der Möglichkeit. E'ne besimders hoffnungsvolle Auffassung bestsht nirgends. .Hän'/rst froh, daß es zur Aussprache kommt, und wird -stoch froher sein, wenn sie zu irgend welchen positiven Resultaten gelangt und wenn es insbesondere gelingt^ das' juristische Monstrum der Reparationskommission . iy einen halbwegs brauchbaren Zustand zu bringen. Dftse Instanz, die vom Friedensvertrag eingesetzt worpM.ist, trägt für das,.was sie beschließt oder anregt,-ke.lsterlej Verantwortuna. -Sie hat stets mit einer MajorisiMMgs des-englischen ^Vertreters durch die Franzosen -u'ntz'Belgier' gearbeitet, trotzdem sind ihre Beschlüsse.wls ..mtäy^ gibel behandelt worden. Mac Donald, wünscht-nun- .die Kontrolle der Dawes-Berichte durch eine /andere/steu zu instruierende Körperschaft vornehmen zu. lassen. Er denkt, hierbei an den Pölkerbund. Es ist cwer.unklar,.-, ob er seinen Willen durchsMn wrll.Mttd. üb. ep.mcht' eÄtzh: diesen 'WEMMvtpenMottSgeMftMr FraMeich . behandelt, Aberi auch wenn man. aus denen ganze Generationen diätenku.ndiger' Hrrislen lohnenden Erwerb ziehen werden, absieht, darf /mast den Skeptizisnius nicht fallen lassen, Die Frageft/stmt denen, die internatiostale Politik' belastet ist, haben "niil / der Reparationsseeschlange nur sehr entfernt, zu tun, sind aber nicht. minder bedeutungsvoll wie diese. , Es brandelt überall in der Welt. Die kleine Entente hat ' bei ihrer.Prager Konferenz alle Streitpunkte sorglich beiseite geschoben und damit nur beHvies-en, daß si<- den sich mehrenden. Komplikationen nicht mebr. gewachsen.- ist. Die Allianzverträge zwischen diesen.Staaten sind' wieder durch Allianzen mit anderen Staaten, so ins- - besondere mit Frankreich, durchkreuzt und in ihrer Wirkung für den Ernstfall aufgehoben. Diese Bindungen ' sind, nur mehr auf dem Papier und führen ein Feiertagsdasein. In der Stunde der ' Erprobung bleibt M jedem Staate unbenommen, den Easus foederis nach Gutdünken auszulegen. Dies kann freilich keines der Gefahrenmomente für. den Frieden beseitigen, dessen... einzige.Garantie heut« nur in dem Willen der Massen liegt und in der Erkenntnis der Regierungen,^ daß sich - mit/Krieg heute weniger als früher spielen läßt.. Das Risiko ist zu groß. Trotzdem hat sich das Sturmzentrum Europas wieder nach dem Balkan verschoben,'in dessen unklare ethnische Verhältnisse auch die unterschiedlichen Friedensverträge . keine Ordnung bringen konnten.^ Nirgends ist Befriedigung erreicht worden und'.hie Mistoritätenfrage, die bösartigste Erbschaft des Potsdam-Versailler Prozesses, tritt auf dem Balkan in besonders heftiger Virulenz auf. Der Grundgedanke des Faszismus, die Ordnung nationaler oder sostoler Probleme mit. bewaffneter Faust zu erzwingen, ist den'Balkawsiaaten nichts neues. Die Komilätschi sind gern verwendete Mittel der politischen Systeme und die- Funktion, die ihnen Mussolini und nach ihm Ludendorff zuschreiben, die'innerliche Faulheit'und Feigheit des Parlamentarismus zu paralysieren, ist langevorher zwischen Adria Und Tschataldscha ausprobiert worden.' Mit keinem positiven Erfolg, es sei denn, daß man den von Sarajevo ausgegangenen Weltkrieg als eirteN solchen wertet. Das Chaos hat sich seither noch gesteiae'rt, da die Friedensverträge das S6)icksal der auf der- Balkan'halbinsel durcheinander geworfenen Völkertrümmer nicht-endgültig zu entscheiden vermochten mid da>-allerhand nationale,' politische i und territoriale Velleitäten iir unentwirrbarer Wille durcheinanderlaufen./vDie aütochthonest Dtaaten/erhören Ansprüche, die direkt^ interessierten Mächte wollen-im -Trüben fischen, die Größwächte sitzen irgendwo in der Ferne, lassen sich berichten und bleiben diesen Fragen gegenüber so hilflos wie. am -rsten Tag.

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