Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-07-14 · Heft 1944 (14.7.1924) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1944 (14.7.1924)
Date
1924-07-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981027--19693-3006860
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wen. MiMätz >x.Traget tjrvc-xuttr r«» ■«rrrrr rvmvcnuowi BEk 704 Schuhe! mit eingebautem „Berson4fi-Gumny-Ab$atz und sie beschuldigt, die deutsche Jugend dem Christentums abspenstig zu machen und zum altgermanischen Heidentums zurückzuführen. Die oben angeführten Worte sind in einer Gegenkundgebun'g enthalten, welche in der Weimarer deutschnationalen Zeitung „Der Völkische" erschienen ist. Und der „pazifistische Schwächling" ist — Jesus. Es mußte so kommen. Der jüdische Stifter des Christentumes war immer eine arge Verlegenheit für die teutsch-christlichen Helden. Ein Christentum, das vom Juden kommt! Pfui Teufel! Findige 'Köpfe glaubten, den Konflikt dadurch aus der Welt zu schaffen, daß sie aus Rabbi Jesus einen „Arier" machten. Deutsche Historiker erklärten, daß Jesus blond und blauäugig war und bewiesen, daß er gar nicht der Sohn eines jüdischen Zimmermannes, sondern der Sprößling eines Verhältnisses seiner Mutter zu einem römischen Räuberhauptmann war. Es geht eben nichts über die allumfassende Kunst deutscher Wissenschaftler. Im Kriege hatten sie haarscharf bewiesen, daß Menschenschlachten und Maisbroteffen die gesündesten Berufe und Tirpitz und Ludendorff die erhabensten Geister sind, das haben sie streng wissenschaftlich bewiesen. Im Frieden haben sie im Handumdrehen Jesus entjudet. Aber die Lehre vom arischen Räubersprößling Jesus hat auf die Dauer ebensowenig gezogen wie die Lehre vom alleinseligmachenden Maisbrot und die Lehre von der göttlichen Sendung des Erlösers Ludendorff. Die Leute verloren rasch den Geschmack an der heiligen Ehebruchshistorie und den Völkischen blieb nichts anderes, übrig, als sich definitiv vom Juden Jesus loszumachen. Sie haben ihn, den jüdischen „pazifistischen Schwächling", der „Germarna" vor die Füße geschmissen. Darob ist ein förmlicher Religionskrreg entbrannt. Katholiken und Völkische, die noch vor kurzem in schöner Harmonie der Judenhetze oblagen, fahren sich wild in die Haare. Und so ist es wieder einmal einem vermaledeiten Juden gelungen, die deutsche Eintracht zu stören. . * Die Erfahrung, daß gar manche Geschichte, welche beim Juden anfängt, ganz anderswo aufhört, haben nicht nur die deutschen Katholiken, sondern auch die österreichischen Sozialdemokraten gemacht. Auch in Oesterreich fing die Hakenkreuzlerei auf jüdischem Gebiete an. Auf der Universität und in den Straßen wurden jüdische Männer und Frauen verprügelt. Deutscher Mut und deutscher Rassenstolz, sicher getragen von deutscher Uebermacht, lebten sich herrlich aus. Immer zwölf germanische Edelmenschen gegen einen Saujuden. Kann's was Schöneres geben? Die Sozialdemokraten standen seelenruhig dabei und sprachen: „Die Sache geht uns nichts an." Die „Arbeiterzeitung" schuf bei dieser Gelegenheit einen chrer monumentalsten Witze: „Hakenkreuzker kämpfen gegen Hakennäsler! Genossen, haltet euch fern!" Famos. Im ungestörten Kampfe gegen jüdische Studentinnen erstarkte aber der mutige Betätigungsdrang deutscher Hakenkreuzheroen. Die Jagd' auf jüdisches Kleinwild wurde fade und sie gingen auf die Hatz gegen die Roten. Erst wurde ein Arbeiter erschossen, dann noch einer und wieder einer, und letzten Sonntag gab's in Klosterneuburg ein veritables Schlachten mit Massenauftrieb. Piff, paff, puff; hinein in die Menge frecher Proletarierweiber und Proletarierkmder! Jetzt liegen einige Dutzend begeisterter Leser der „Arbeiterzeitung" im Spital, Hakenkreuzkugeln im Bauch und in den Beinen. Ob sie wohl jetzt auch noch herzlich lachen können über den famosesten aller Witze, über den Witz von den Hakenkreuzlern und. bakennäslern. •»«■■»»««■■»«■■»■MW———1—— Ne Getreide- und MehzMe. Der Berichterstatter Über das BesoldungSgefttz Mbg. Odehnal hatte auch gestern Besprechungen mit den Referenten der Anständigen Ministerien. Die Vorlage dürfte erst Donnerstag fertiggchM und dann dem Plenum vovgelagt werden. r Bezüglich deS Zolltar-jfes erfahren wir, daß in dm HauPtstreitpuMen des Getrridezolles und der Viehzolle noch keine Einigung erzielt wurde. Man erwartet von, den heuttgen und den morgigen Klubsitzungen der 'beiden großen Parteien ein Zustandekommen der Kompromisses. Zn einer Sitzung des Wmn chrWchsogmlen Parteirates erklärte Fmanzmrn^ter Dr. Kienböck, daß in der Beamtevfrage beOglich der verlängerten Dienstzeit und der Pensionisten die Regierung keine LesondereuZugeftändnisfe machen Anne, da es für sie eine vollständige Unmöglichkeit fe^ mehr zu bieten.! Wierier MoMyzetturtchn IS. Juli. (Havas.) Die Kammer hat in. ein« langen Nachlsitzmrg, ^>ie bis 4 Uhr 20 Min. früh dauerte, die Debatte über Len Amneftiegesetzentwnrf fortgesetzt und mit 810 gegen 202 Stimmen den Artikel anMMmen, -er die Amnestie für Caillanx und Malvh mit sich bringt .. * ' V. Der FinanMinlster und spätere Ministerpräsident Cailla ux war ebenso wie Malvh, der im Kriege Jnneumirüi'ster war, wegen ^Hochverrats" vom Senatsgerichtshof zur Landesverweisung verurteilt worden. Dieses Urteil entledige die ElemeMau-Brianp- Pomcare-Politik ihrer erbittertsten und gehässigsten Gegner. Der Schlag gegen den überaus populären Ca-illaux wunde übrigens schon im Jahre 1913 geführt,, als er für eine Mordtat seiner Frau an einem politischen Gegner, die jedoch einen durchaus unpolitischen Charakter trug, verantwortlich gemacht und zum Rücktritt aus dem politischen Leben gezwungen wurde. Nun, da Caillaux und Malvy, die fähigsten Politischen Verfechter des demoiratisch-republikanischeu Gedankens in .Frankreich, wieder die Möglichkeit haben, ins politische Leben zurückzukehren, steht zu erwarten, daß sie im stauzösi schm Partam eri,latus inus bald wieder -eine entscheidende Rolle spielen werden. Herriot verzichtet auf Militarparaden. Paris, 13. Juli. (Havas.) Mit Rücksicht auf die Hitze findet morgen (am Nationalfeiertag) die Militärrevue nicht statt. Wie berichtet,-sind in der Nacht zum 6..April d. I. in Zwittau zwei Schwestern, Marie und Paula Weißmayer, in gräßlicher Weise ermordet und beraubt worden. Die beiden Schwestern wurden in ihrem Zimmer.erwürgt aufgefunden, und eine behördliche Kommission stellte fest, daß die beiden Aeberfallenen vor ihrem Tod einen Kampf mit den Mördern geführt haben mußten. In den letzten Tagen wurde das Wiener Sicherheitsbureau verständigt, daß sich der dringende Verdacht der Täterschaft gegen mehrere Burschen lenke, die seit einigen Wochen aus Zwittau verschwunden sind und sich vermutlich nach Oesterveich gewendet haben. Da die telegraphische Meldung aus Zwittau nur besagte, daß der 20jährige Schuhmachergehilfe Heinrich Glaser und der Textilarbeiter Ferdinand % M IM .Die Marke SPOßTHAÜS LAZm, WIEM, IX. KOMMflMSI 1- Friehel sowie ein gewisser Johann Nedoma verdächtig seien, sagen für ihre Täterschaft keine näheren Anhaltspunkte vor. . Freitag abends gelang^ es, nach langwierigen Streik fangen, Glaser und Friede! in Ottakring auszuforschen und zu verhaften. Nedoma war bereits geflüchtet. Die Verhafteten bestritten auf das entschiedenste, von dem Doppelraubmorde Kenntnis zu.haben, noch beteiligt gewesen zu sein. Gestern hat nun Glaser ein Geständnis abgelegt, wonach er die zwei Genannten sowie ein vierter Bursche mit schwarzen Masken hx der Wohnung der Schwestern nachts eindrangen. Ci-ne erwachte und schrie um Hilfe. Da sprang nun Gsoser rasch awf sie zu, packte sie am Halse, hielt ihr den Mund zu, warf sie zu Boden und begann die schon halb' Besinnungslose etwa 10 Minuten lang zu würgen. Auch die Schwester des ersten Opfers, die in: Bette zu schreien begonnen hatte, wollte aus dem Bett spri-ngen, im nächsten Augenblick hatte sie jedoch der vierte, noch nicht bekannte Bursche gepackt, sich aus sie gestürzt und begann auch sie zu würgen. Inzwischen wurden die Schränke erbrochen, jedoch nach Angabe des Nedoma. nur Wäsche vorgefunden, die mitgeschbeppt wurde. Als die Mitglieder den Nedoma nochmals fragten, wo denn der Schmuck sei, erklärte dieser, daß -er nichts gef u nd e n habe und daß vermutlich nach ihnen noch jemand in der Wohnung gewesen sei, der den Schmuck erbeutet habe. Da sich augenscheinlich kein Verdacht gegen die Vier richtete, verblieben sie ruhig in ^Zwittau, und Glaser, Nedoma und Fried! reisten erst vor zirka 14 Tagen ab und wandten sich nach Wien, während der vierte zurückblieb. Gloser und F r i e d l werden nach Abschluß der Erhebungerl dem Landes-gerichte eingeliefert werden. Di« Ausforschung des N e d o-m a und de's vierten bisher unbekannten Burschen ist eingeleitet. Auch die Erhebungen wegen des geraubten Schmuckes werden fortgesetzt. Ae amerikanischen Flieger gestern nachmittags in Wem eingelroffen. Flug um die Welt: 'Jules Vernes phantasievolle „Reise nur die Erde" . mutet -antiquiert an, die „Weltuntsetzlungen" abenteuernder Seefahrer sichren nur noch in Lesebüchern ein bescheidenes Dasein und Wüstendurchquemngen im Auto sind Sensationen von gestern. Denn schon eilt der -fliegende"Mensch durch den Lsiftraum. Aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten stiegen gestern drei kühne Fliegerpaare in Aspern nieder auf ihrer Flugstrecke, die wehr als 46.000 Kilometer betragt. Das ist m e h r als der 4 0.0 0 0 Kilometer lange Aequator. Sie sind seit dem 4. April d. I. unterwegs und haben bereits m e h r a l s die Hälfte ihres Weges zurückgelegt. Von Washington flogen sie westwärts über Kana da, den Stillen Ozean, Japan, China, Tibet, Persien, Türkei, N u m ä n i e n, Ungar u nach Oesterrei ch. Ein Apparat verunglückte in Alaska. Der Pilot und sein Begleiter kamen mit dem Leben davon. Die Flugmaschinen können sich 21 Stunden lang in der Lust halten. In Aspern. Zwischen Samstag und Sonntag galt die Ankunft noch als sehr unsicher. Erst um 1 U h r mittags kündigte g e sie r n e i n e Radio mel d N n g aus B u d ap est die Amerikaner an. Nicht eben viele hatten die langwierige Fahrt zum Flugfeld gewagt. Bei 30 Grad R e a u m u r rumpeln die Tramwahwagen über die Reichsbvücke vorbei an Heerlagern, in denen sich Luftbad- Hungrige tummeln. Durch staubige Landstraßen und reifende Felder geht es endlich dem Ziele zu: Aspern. Dort liegen unter der Erde zahllose Helden, die es sein mußten, und jetzt werden über der Erde freiwillige Helden, die den Menschheitstraum verwirklichen, erwartet. Aber der Geldanke, daß nach diesem Wunder des menschlichen Forschiungsgeistes die Bestie Krieg greift und es sich dienstbar macht, stimmt traurig... Dir Ankunft. Der Flugplatz dehnt sich weit und ebenmäßig wie ein Fußballfeld. Im rechten Winkel ragen die Hangars auf. Es ist 3 U>hr. Die Sonne brennt. Die Spannung steigt. Da ein Brnniimen und Surren und von Osten kommen immer näher nebeneinander in geschlossener Linie dre: Ungeheuer. Jetzt schweben sie über dem Flugplatz, der dreimal elegant umkrest wird, und dann landet das Ter-' zeit glatt in einer geraden Linie. Es ist 3 Uhr 10 Minuten. Aus den riesigen Maschinen mit den Aufschriften: „B o st o n", „C h i k a g o" und „N e w -- O r l e a n s" kriechet! je zwei in branngeilbem PilotenUeid steckende, kräftig schlanke, große Gestalten. Von der österreichischen Regierung ist wieder einmal niemand da. Polize ioberkom m i ssär Klepsch spricht einige Begmßiungsworte. Vertreten sind der Aeroklub, die Oesterreichische Luftverkehrs- A.--G. und selbstverständlich die in ziemlicher Stärke erschienene amerikanische Kolonie mit dem Geschäftsträger an der Spitze. Die Amerikaner begrüßen ihre Landsleute, enthusiastisch. Aber die Herren Leutnants Smith, Nelson, W a d e, Har d i n g und die Sergeants Turner ' und Ogden -machen sich gleich an die Arbeit. Ein Putzen und Waschen geht los; die Behälter werden nachgefüllt, doch die benzintriefenden Hände bekommen neue Beschästiguug. Junge und alte Weiber beiderlei Geschlechts stürzen sich auf die Flieger, die lächelnd, ohne den Ernst des Erlebten, allen Autogrammjägern standhalten. Heute in den frühen Morgenstunden geht die Fahrt weiter, nach Paris. Sine Flugzeugiatastrophr bei Drag. VsvbrenNungstvd von vier Passagieren. Prag, 13. Juli. Heute ereignete sich in per Nahe von Prag ein schweres Fliegerunglück. In Celakovie unternahm der Pilot Georg Soucek einige Passagierflüge. Nachdem er dreimal mit verschiedenen Passagieren aufgestiegen war, stieß er beim vierten Aufstieg mit der Tragfläche des Aeroplanes gegen eine Pappel. Der Apparat wurde derart beschädigt, daß der Ben-, zinbehalter explodierte und das Flugzeug s o f o r t i n d i e E l b e st ü r z t e. Bier Passagiere, drei Herren und eine Dame, wurden als vollständig verkohlte Leichen aus dem Wasser gezogen,wahrend der Pilot mit Brandwunden sehr schweren Grades geborgen werden konnte. Vii»,fc<Wiif * \ m allen Farben WI«N^.AOLGRaA&M^S iv SEI Dl: izm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.