Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1942 (12.7.1924)
- Date
- 1924-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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bnzeIimmnierKl200 Poi6o:po|]LlkSS0.00t Wien: Zam Abholen in der Expedition, II;, Tabor »tr. 1-3, oder in einer Verschl ei »stelle (Trafik) monatl.; K 35.060 Stra^senverkauf' in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldsehmiedt, 1. Bet* Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n, Oesterr. monatl. K 35.000 Tscheeho-Sloyrakei» Mon. K18. fu g-oslawien; Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. 3V* Zloty, D e ut sehI an ds Mon. Gold m ark 4, F r a n k r., Belgien- Mon. Frca.,12 Italien: Monatl. 12 Lire, Rn m a hi e n Mon. 1$0 Lei. Bulgarien Mon. 80 Lewa. S e h.w e i s und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion «.Administration Wien, 1IH TaborstraSse 1—S Telephone: 44-0.38,43-3-19, ab 6 Uhr abd s. 21 -102,25-282 IX. Unlversitätsstr; 6—8 (Druckerei Stelmtiann) W Naeh*«hlun?enTBB bei PreieerhohuBS'en vorHebaUes Oesterreicbisches Postspar kasaen -Kontrt Vr. 1 MWWMWMWUWRi Nr. 1942_ - . . ■ •_Wien, Samstag. 12. Juli 1824 _k. fliiftyyfo*;; Ae kleine Meute. -r. Wie tt: 1°. Ne Prager Belvrechumeu. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 11. Juli. Der rumänische Außenmii-nister k) u c a und der jugoslawische Außenminister N i n e i e!ind heute um 10 Ähr vormittags in Prag emgetroffen. Oie staatlichen und anderen GMude sind beflaggt. Nan begrüßte die Delegierten der kleinen Entente, die in >ahlreichen Automobilen zur Burg fuhren, wo die Minister Wohnung genommen haben. Mittags fand ein Frühstück Kr Dr. Be ne s ch statt. - Um 3 Uhr nachmittags begann die eigentliche Konierenz mit einer allgemeinen Aussprache. Obvohl von rumänischer Seite das ursprüngliche, Belehren, die beßa rabische Frage ans die Tagesordnung der Prager Konferenz zu stellen, zurückgezogen vorden ist, wird diese Frage heute rm Zusammenhang mit >er Anerkennung der Sowjetregierung zur Sprache komnen. Ta die Beteiligten einschließlich Solvjetvußland! e: nen Kri e g wegen Beßarabiep führen wollen, wer- >en die russisch-rumänischen ' Verhandlungen f r ü h e r »der .später wieder au'genommen werden nüssen. Eine V e rm i ttlung ist aber nicht geplant. Was die Anerkennung Sowjetrußlands betrifft,, dürfte man wieder zu dem Schlüsse kommen, daß sich die einzelnen Regie-rungen i>er kle-imn Entente volle h an d l u ng.s fr ei heit - vorbeWten, ' daß aber .'die weitere Entwicklungder englischen'und .französischen Ver^/ Handlungen mit Moskau ' äbgewartet ' werden- -sollen.' Mhrend.MuMnien. erst ^den.Mlaus ,^dMbDMbWZyA» '^.r^dluutzM-'^WÄ?ten - wird,'-^stM 'Prag und ' jederzeit in der Lage, die A n e r ke n u u n g So w je tcußlan ds aüszusprechen, der keine-besondere Bedeiitung mehr zukäme. Die Anerkennung wird sich in derselben Weite wie durch Oesterreich, also ohne besonderen Vertrag und nur durch Ernennung von Gesandten ablvickeln lassen. . Jedenfalls, betrachte man als. unerläßliche Vorbedingung praktischer Beziehungen zu Sowjetrußland die Anerkennung der internationalen Rechte durch diesen heute noch außerhalb Europas sichenden Staat. Die Frage der Sanierung Oesterre rchs und Ungarns wird morgen erörtert. In den österreichischen Fragen sind bür keine Entschließungen gut fassen. Es wird sich also nur um gegenseitige Informationen handeln. Das amtliche Commrmique. Prag, 11. Juli. Heute hat in den Räumen des Ministeriums des. Innern die Konferenz der kleinen Entente begonnen. Die Beratungen begannen um drei Uhr nachmittags und dauerten mit einer kurzen Unterbrechung bis 7 Uhr abends. Gegenstand der Beratungen war die allgemeine politische Lage. Im Verlause der Debatte wurde 'der Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß die Frage der Regelung der Reparationsschulden und die politischen Ereignisse der letzten Zeit auf das gegenseitige Verhältnis dev drei Vertragsst-aaten keinen Einfluß ausüben konnten und daß sie nach wie vor g e me infam Vorgehen werden, um unter allen Umständen den Frieden zu erhalten und zu stärken. Das über die erste Konferenz allgemein gehaltene offizielle Cownmnique hat folgenden Wortlaut: Die erste Zusammenkunft der Außenminister der Staaten der kleinen Entente hat heute nachmittags von 15 bis 19 Uhr im Ministerium für Auswärtiges stattgesunden. Wie bei den früheren Zusammenkünften haben die Minister zunächst alle jene politischen Fragen, welche ihre Interessen berühren, erörtert und wieder die vollständige Uebereiustimmung ihrer Interessen und Anschauungen konstatiert. . ' . Dik kleine Entente, die hon Beginn an.ein Interesse daran hat, die Uebereinsti-mmung unter den 'Regierungen der großen Entente äusvechtechailten zu sehen, konstatiert mit besonderer Befriedigung, daß wir,:uns ' immer mehr dem UebereinlomMen näherp, 'dessen Zsel '+€$'• - die defiM^-^^WAtz''der.>-3^jn^rtSfvHe . ist, eine Frage, die ihre Interessen besonders berührt, wobei alle Bemühungen um die Pazifizierung Europas gegenwärtig in dieser Frage konjzent-rnrt sind. Im Verlaufe der Diskussion haben die Minister überdies festgestellt, daß verschiedene Zwischenfälle der letzten Zeit auf die sehr engen und loyalen Beziehungen, die vom ersten Augenblick a-n zwischen allen drei Staaten bestehen, keinen Einfluß hatten und haben konnten. Die Königreiche Rumänien und Jugoslawien sowie die tschechische Republik sind fe'ster denn je durch gemeinsame Lebensinte ressen verknüpft. Die kleine Entente, welche eine Allianz mit genau umgrenztem Bereiche repräsentiert, verfolgt darüber hinaus die Erhaltung des bestehenden FriedenSzustan'des und ist m dieser Richtung bemüht, durch ihre solidarische Tätigkeit, unter allen Umständen diesen Frieden zu bewahren und zu befestigen. Die nächste Zusani-merlnnft findet Samstag um 10 Uhr vormittags si-.ttt. n&m- —" Ne neuen WantinnsWerenzen. 8n Lmdsn und in Paris. (Eigendlerist der „Wiener Morgenzeitung".) London, Ul. Juli. Das Foreign Off ce teilt mit, daß die entscheiden wird, sowohl Deutschland Interalliierte Konferenz am 16. Juli um 11 Uhr -voriniciags im Foreign Office eröffnet we rden wird. Die Expertenberichte. ' (Eigendienst der .,Wiener Morgenzenung".) ' Berlin, 11. Juli. Ueber die Abhaltung einer zweiten interalliierten Konferenz in Paris unter Teilnahme Deutschlands meldet die „Vossifche Zeitung" aus London: An gut unterrichteten Stellen verlautet, daß die Londoner Konferenz sich Mittw o ch, a nr 16. I u l i mit Geschästsovdnungsfragen und mit der.Bildung von . Sa chverständigenausschüssen befassen wird, während die eigentlichen Beratungen am Donnerstag vormittags beginnen sollen. Der erste Teil der Konferenz, der die Einigung unter den Alliierten herbeisühren soll, wird i n L.o n.d o n stattfinden, der zweite Dell, zu dem Deutschland als gleichberechtigter Teilnehmer zugczcgen werden soll, wird, wie in diplomatischen Kreisen behauptet wurde, in P a r > s'abgehalten werden. Es wird ferner als sehr wahrscheinlich bezeichnet, daß die Konferenz sich im Sinne des englischen Vorschlages dafür wie Frankreich und Belgien kurze Fristen für die vollständige Anwendung des Dawes-Berichtes zu sehen. Auf englischer Seite hält man auch daran fest, daß in irgend einer Form von der Konferenz Festsetzungen darüber getroffen werden müssen, daß in Zukunft e i n e Sonderaktion eines Alliierten völlig ausgeschlossen sei, und zwar m erster Linie im Interesse derjenigen Personen, die in den alliierten Ländern und in Amerika im Vertrauen auf den Geist des Dawes-Berichtes Deutschland Geld für WiederanfbauAvecke und für die Stabilisierung der Währung zur Verfügung stellten, , ' - „ 150 Delegierte. Paris, 11. Juli. Man glaubt allgemein in London, daß die Konferenz vom 16. d., zu. der 150 Delegierte eintreffen werden, e t w a z e h n Tage in Anspruch nehmen wird. Die ersten Sitzungen werden den Fragen der Anwendung des Sach'verständigenberichtts gewidmet sein. Die Konferenz wird Mittwoch um 11 Uhr vormittags' eröffnet werden. Mac Donald wird eine Begrüßungsansprache halten. ' Die mitteleuropäische Wirtschaftskriseeine' Folge der Nachkriegskonjunktur, die auf der einen- Seite durch den Kapitalsmangel aller ehemaligen Dreibundstaaten und auf. der anderen Seite durch eine forcierte Produktion charakterisiert ist, die binnen kurzem weit'mehr erzeugt hat, als von der geschwächten Kaufkraft; m; dem eng begrenzten Absatzgebiete aufgenommen, werden kann, hat sich wohl nicht überall in den; gleichem Formen gezeigt, ist aber schließlich doch nicht auf Oesterreich beschränkt. Sie wirkt sich natürlich.auch auf die Maatswirtschaft derverschiedenen Lander aus, hat mber bis nun in Oesterreich keinerlei Folgen für - den Kerix des Sanierungswerkes gezeitigt: die österreichische Krane ist von allen diesen Anfechtungen unberührt unfo, stabil geblieben. Spekulative Köpfe haben nun ein Gerede in Umlauf gesetzt, daß die erwähnten Erscheinungen drs Wirtschaftslebens nicht ohne Einfluß aufdie-:'Krone , bleiben können. Id man konnte sogar in sensationeller Aufmachung in einzelnen Berliner Blättern -van/der Gefahr lesen, die der österreichischen. Krone drohe.üIm Kreise des Devisenhandels bespreche man. die.- österreichischen Wirtschaftsverhältnisse mit besvnderern Nachdruck. Man glaube, daß die Lage.der österreMschen . Finanzen weit über den Kreis der Privativrrtschast hinaus allmählich bedenklich geworden sei.-.Es bestünde große Gefahr für die österreichische Währung, da die österreichische Industrie, die -ihr äuferlegtefl.' Meuern nicht: bezahlen könne, weshalb die Grldqstellem des Staates in Bälde versiegen müßten. Nüv.cijtel'neue- Anleihe' konnte Oesterreich retten. - Diesy -weM-.-abev nrchtMmMgr werden, so daß die Schwarzseher EAt behalten könnten, die für deK. kommende-n^ Zusammenbruch der österreichis^ell, Krone vöraussageiil' Daß solche Unkenrufe aus der Hauptstadh des Reiches kommen, dem die hier nach dem Umsturz-zur Macht Gelangten sich wieder ruf Gedeih' und'Vevderb' anschließen wollten, gibt zudenken. Wer würdZ .-es in Oesterreich wohl wagen,, die'Wirtschaftskrise im Meiche etwa mit der Rentenmark in Relation zu brisigpn?.Für den großen Bruder im Reiche hatte dieser kleine ^Staat die schwersten Opf-er zu tragen. Man erinnere.sich an die Zeit vor Genf, da der Wiener Devisenmarkt .zu. dem speziellen Zweck offen gehalten wurde, um den.Brüdern den Ankauf von Galddevisen zur Bezahlung dev-Reparationsraten hier zu ermöglichen. Jedes Fällrgwerdep einer Reparationsr-ate hatte infolge der Eingriffe der reichsdeutschen Devisenaustäufer hier einen Sturz der österreichischen Krone zur Folge. Wenn es nichtvmoglich war, in der Aera Schober trotz der unterschiedlichen Auslandskredite die ungeheuerliche Wertzerstörüng äufzühalten, so waren in erster Linie die erwähnten Devisenkäufe die Ursache. Diese Krisenlage sind nun glücklich überwunden. Oesterreich ist nicht zuletzt durch seine Goldnoteubank un-abhängig geworden, unabhängig auch von der deutschen Mark, an deren Schicksal uns noch knapp vor Genf Dr. Bauer mit seinem heute -Wahl von ihm selbst belächelten -Projekt einer Währungmit Papiermarkdeckung ketten wollte. Unterdessen wurde in Deutschland das Experiment mit der Rentenmark gemacht. Ihre Stabilität zu bezweifeln, gilt unterschiedslos für alle Parteien im Reiche als Hochverrat... , Anders hier in Oesterreich. Das Wiener Hakenkreuz-Tagblatt, dessen Beziehungen zu den großdeutschen Ministern notorisch sind, veröffentlichte dieser. Tage unter ' dem Titel „Furchtbares Anwachsen unseres Notenumlaufes" einen Artikel, in dem davon gesprochen wird, daß ultimo Juli die R'ationalbank geradezu in unerhörter Weise in Anspruch genommen wurde. Die Umlaufsbermehrung habe in einer Woche drei Biertelbillionen erreicht. Die Vermehrung des Devisenbestandes belaufe sich auf 85 Milliarden, so daß die tatsächliche Verschlechterung unseres Geldwesens/ die reine unverfälschte Jnflatton, in dieser einzigen Woche 392 Milliarden betrage. ' ' Was hätte man wohl im Deutschen Reiche m den Durchhalterblättern lesen können, wenn in hem letzten Tagen ettva der Ausweis der Deutschen Reichshattk in 'einem Berliner Blatte in ähnlicher Weise 'besprochen worden wäre! „Feind im Land!" „Dolchstoßi von hinten", „Alljuda am Werk", wäre wohl je nach -den-parteipolitischen Schattierungn de Spih'nmar^e der Abwehrartikel gewesen.