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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-09 · Heft 1939 (9.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1939 (9.7.1924)
Date
1924-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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cinzsiniinunerKIZOD Wien: Zum Abholen in der Expedition, ILjTaborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K S5.000 Strassenverkauf. in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold«chnpedt,l.Bezn Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. ' Oesterr. monatl. K 35.000 Ts ch e c h o-S l.owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon.DinaröO. PolenrMon. 3Va Zloty, Deutschland: ’ Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 12 OV N*eh**hluBS«a *W> bei PraiterhSbunsrcD vorbebaltea mmm Nr. 1939 Me«. MMwoch. 9. FM 1924 Polen: poin.iK5Q.QOi! t a 1 i en: Monatl. 12 Lire Roma nie n Main. 150Lei Bulgarien Mon. SO Lewa Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u.Administration Wien. II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-3?,43t3-19* ab 6 Uhr abds. 21 -10? 25-281 IX. Un! verslt^tsstr; 6-^-8 ] (Druckerei Steinin?tnn) Oesterr eichisches Postapar« kassen« Konto "Nfr. 150.^9? 6. Zahroan« . KrlegsOfertag. y. W i e n, 9. Juli. Die Regierung der deutschen Republik setzt für den 8. August, den zehnten Jahrestag. des Tddesreigens der KriegseMärungen, eine Gedenkfeier der Kriegsopfer an. Die Regierung beweist damit, daßi sie die Tendenzen ehrt und versteht, die sich heute in Deutschland in beständiger Expansion befinden und die den Plunder der Demokratie und der Verständigung mit Frankreich als jüdische Feigheit und undeutsches Friedensgewinsel verwerfen. Der August bringt die.Erinnerung an den Kriegsausbruch,' an den gegen das internationale Recht erfolgten Uebersall auf-Belgien, also an Ereignisse, die doch noch nicht so weit zurückliegen, 'daß sie vergessen worden wären. Die feierliche Betonung dieses Termines ist ein Akt, der sich in das System der Republik schwer einfügen läßt, zumal er /daran erinnert, daß die ungeheure Sündflut des Blutes' von Berlin und Wien aus entfesselt worden war. Daß die Presse der Ententestaaten auch ihrerseits diesen Tag begehen und .den Parallelismus von damals und' 'heute in... einer/für Deutschland nicht gerade freundlichen Tonart hervorheben wird, steht als sicher zu erwarten und die deutsche Negierung hat sich das sicherlich auch selbst gesagt. Es muß ihr bekannt sein, daß sie durch solche Verfügungen' kaumdie Bestrebungen Herriots - und Mac Donalds Unterstützt, die' eben jetzt die Sabotageversuche des Poincarismus durch, persönliche. 'Aussprache zu. über-. winden suchen..' / Man hält' es in' Deutschland lieber mit dem frau- - Aischen Nationalismus, mit idevr 'D sich leichter-ar-i Veiten läßt.', Seinepolitische-Pshchysogie ist der hes^heM schendey^DeütWändMälog.-EMiVerständ!gung w für diese Bettgenosien der. KrieaShegeisterung ein Un-. glück. Wenn,ntcm nicht mehr> in.. Frankreich ' gegen Deutschland, in Deutschland' gegen../ Frankreich Hetzen.. kann, wovon soll man leben? Die KanonenfaLriken diesseits 'und jenseits des RHeins zählen gut' uüd verlangen keine Rechnungslegung. .Sie find 'diskret und kümmern sich nicht darum, wie und mit welchen Methoden ihre Agenten das Handwerk betreiben,.wenn sie nur ihrem Ziel näher kommen,.Unruhe zu stiften und die Gemüter in Panik zu. halten. Daraus ist ein Beruf geworden, der seinen Mann nährt und der überdies leicht zur Popularität verhilft..Es gehört keine.sonderliche geistige-Schulung dazu. .. Ein stets rcdefertiges Mundwerk,/ein-paar freche Phrasen über Juden und Judengenossen (die Parole zieht auch bei dem französischen Spießet) und schmetternde/ Histörchen aus der Zeit des großen Krieges; die. Erinnerung' an das Grauen des Schützengrabens tritt gerne hinter der lyrisch aufgeMutzten Romantik wes Biwacks zurück und mit Benützung der in den Massen wirkenden Friedensenttäuschung läßt'sich viel erzielen. Man ist da schon ziemlich weit gekommen, würdeaber viel weiter halten, wenn nicht die pazifistischen Schwärmer in - Frankreich und in England die Passivität verlassen hätten. Es sind Regierungen gebildet worden, die an das Gute glauben und dies zu festen politischen Men verdichten möchten. Sie wollen einen neuen Kongreß , der Mächte herbeiführen, eine direkte,'offene, loyale. Aussprache von Volk zu Volk. Sie verlangen von Deutschland nichts als den Beweis des guten Willens. Deutschland soll die Ex- PertenvorscAäge annehmen und ' mit ihrer. Ausführung beginnen. Der. Anfang allein würde genügen, um die Befreiung des Rührgebietes zur Tatsache werden zu lassen. , Das. ist doch immer von allen deutschen Ministern als die Vorbedingung.bezeichnet worden und die Entente baut auf die gute Wirkung dieser'Maß-' regel iM" deutschen Volk. Der deutsche Chauvinismus sieht sich in Gefahr. Wenn er -nicht mehr von der schwarzen Schmach an der Ruhr predigen kann, so freut ihn das Leben nicht mehr. Ein'Königreich für eine Idee l Da ist sie schon: , die Feier des dritten August. Und die Regierung selbst setzt sich an die Spitze des Txauerznges> sie selbst leitet die 'Demonstration -gegen den Feindbund. Vielleicht muß sie das tun. Die Aktivität der natloualsozialistisch-völkischen Freiheitspavteiensie nennen sich wirklich so — ist. von stets frischen Impulsen belebt. Es gibt ununterbrochen deutsche-Tage, - Militärparadm, bei denen die. Alten den Regenschirm, vie Jungen den Revolver tragen; die Schüler der Gymnasien werden im Gebrauch der Kleinkaliberwaffe 'Hiterwiesen und von Fürsten und abgebauten Ptinzen Welche Gründe für-die Parteiendes' Nationalrates maßgebend waren, von einer Erörterung des Hakenkreuz! erexz esse s in Klosterneuburg in der gestrigen Nationalratssitzung Abstand zu nehmen, erscheint aas Len ersten Blick nicht recht durchsichtig. Bei solchen Anlässen gab es doch sonstimmer die -obligate dringliche Anfrage, in der die politischen Parteien, die jode ihre eigene Paiteigarde hat. einander ganz grimmig- - die Wahrheit sagten. Jede versicherte, sie hätte'nicht mit der Bewaffnung ihrer Anhänger angefangen, und sei bereit, abzuvüsten, doch müßten mit der Entwaffnung zuerst die anderen beginnen. B:el ist bei diesem Debattieren bisher nicht erreicht worden, aber es wurde doch immerhin ein Waffenstillstand zwischen den Garden der drei.parlamentarischen Parteien erzielt. Die F ro n tkä m p se r; das find die Gardisten der Dhristlichsozialen, der Republikanische Schutzbund, das ist die frühere 'Ordnerwehr der Sozialdemokraten, und der Ratio nalverban d deutfcher Offiziere und Unterpf:ftziere, der d-n Gvoßdeurschen nahesteht, gehen seither/ einander aus dem Wege und haben bis jetzt leidlichen Frieden gehalten: Äußer diesen sozusagen legalen Partei-Wehren. stehen die. .m'Lnärch'ifrischen Radau- und Mü-MlHLÄen,' wie- Mn Beispiel, die. berüchtigte „O st a ra", hie -Truppe, der ° r'e v ö.lu ti.o-näre n -A nt i s e.mi t.e n - und. die. völki- , ''chen. Terrörgruppeu der - R o ß b ach -He u te.- Die Natio- ..nalsozialisten-- haben in -letzter-'Zeit-. rmst-lhre'MuMtrupPs .zu legalisieren. diele im, Bä t e rlä n h' i s ch e n Schu tzb u n d znsäm'mengesrßt. ' ' - b Die Grenzen zwischen diesen illegalen. Organisationen . sind fließend. Dieselben Leute,' die heute'noch als nationalste alistische Sturmtruppler Unfug treiben, - - besorgen oft sch^n am anderen Tage mit schwarz-gelber Armbinde den ,/Versammlungsschutz" irgend eines anderen radikalen Grüppchens. Run scheint aber doch ba§ Treiben dieser ganz unkontrollierbaren Organisationen auch dem Bizekanzler Dr. Frank sehr wider den Strich zu gehen, obzwar er sic lange genug mit der Autorität seines Ressorts gedeckt hat. Es geht 'hm eben wie dem Zauberlehrling, der die Geister, die er gerufen'hat, nicht los werden kann. Die wüste Schießerei, welche die 150 Roßbach- Jan g e n am Sonntag in Klosterneuburg aufführten, dürfte nun der Anlaß sein, diese illegalen Ba n d e n endlich unschädlich machen zu können. - Von üüer öffentlichen Besprechung ihres Treibens nahm man Wohl Abstand, um nicht i m Ä n g e s i ch t e d e r i n W i e n akkreditierten Vertreter der Signatarmächte des Friedensvertrages die Ent-- waffnungsfrage anschneiden zu müssen. Vizekanzler Dr. Frank wird wohl seine Gründe haben, warum er gerade jetzt, da Oesterreich wiederum beim Völker b u n d eine Bitte anhängig hat, der Erörterung das Themas ^Illegale Organisationen" aus dem Wege geht und -der Opposition die Zirsicherung gibt, daß alles, was sie etwa von ihm verlangen -könnte, ohnehin b o n a m t s w e g e n geschieht. Dabei mag wohlauch der Wunsch mitspieken, den Völkischen, die den Großdent-schen auch manche Bitternisse bereitet haben, nunmehr ihre Waffe dauernd zu entwinden. Die Opposition gab sich anscheinend mit gewissen Znsichernngen des Vizekanzlers zufrieden und ließ nur eine einfache schriftliche Interpellation embrtngen, in der unter anderem ausgeführt wird: „Seit mehr als einem Jahre treibt eine zahlenmäßig nicht starke Terrortruppe nationalsozialistischer Hakenkreuzler in Wien und dessen Umgebung ihr verbrecherisches Uniuesen. Es sind immer dieselben paar Individuen, d:e am Exelb erg einen F e ue r ü b e r fa ll auf W i e n e r A u s f l üg le r unternommen haben, die in. Favoriten m den Straßen Wiens mit Pistolen ans Straßenpasjanten losgegangen -sind, es sind dieselben Burschen, die besichtigt. Es steht zu erwarten, daß der militaristische Grundzug dieses Treibens, in der nächsten Zukunft noch stärker hervortreten wird. Ludendorff hat den in Landsberg eingesperrten Hitler hinausgeschmissen. Ter Braunauer Zimmermaler war immerhin aus dem Volk festes mit Kugeln überschütteten. Diese Verbrecher sind von Woche zu Woche frecher, schamloser und brutaler aufgetreten. An den Untaten dieser Gfellschast ist aber die Regierung mitschuldig. Küne der bÄ zum letzten Sonntag verübten Untaten hat bisher eine angemessene Sühne gesunden. Rach den- Vorschriften unseres Vereins- und Versammlungsrechtes'-ist schon die bewaffnete Teilnahme an Versammlungen und öffentlichen Umzügen mit Arrest belegt. Trotzdem '.dieser T-wrortrupP oft genug offensichtlich bewaffnet, die Straßen Wiens d'ur-chzog, hat die Polizei noch nie den Versuch gemocht, dem Gesetz gegen die dunklen Elemente Geltung zu verschaffen. Obwohl der . Polizei offensichtlich die Mitglieder dieser verbrecherischen Schar bekannt sind, könnenst^e .sich' fast immer bei Betwtung auf'irgendeiner-Untat imit einem o i d n ün gs gemäß , a u s g e ft e.ll-t en Waffe npa ß ausweisen. .Bei den Strafgerichten ist' noch kemem dieser Leute ein .Haar gekrümmt worden.-Jh: den Köpfen dieser Burschen mußte daher die Vorstellung'erweckt * werden, daß sie sich' ei n e's^ be so n d eM.n^ chHtz e's 'der.Re g reru ng und der Polizet^ M: Hfreutzn halten —hatten sie ja Gelegenheit, in ihren üblichbft'.ÄNf« zügen'vor Knge h ör.ige'n.d -ew.Bu nd'es'rwgiew/ung Po räd'r er e n .zu;dürfen,; ohne daß"sie irgendJemänd --dapMf'.-aHn«rksaiM.-gemächt'chätte^'daß allein 'schon/'M, b^-.. .wgsfnete Teilnahme an Aufzügen sträflich' sei. ' . -- 'Unter allen den vötschlMiM' 'd^rrÄstchenUp'- iSelbst^.: fchutzorganifatroNen ist es allein . . - . - die'Brrvrech'ertväppe; der'^RätlonalsoMisten/'' die den bestehenden Gesetzen zum Trotz /bei jeden Gelegen» - heit bewaffnet anfmarschiert und beim' geringsten Anlaß von/. , der Waffe Gebrauch macht. . ' - /-. - / i Die öffentliche Meinung verurteilt einhellig das Treiben dieser Gesellschaft; die Wiemr Presse, ausgenommen ' ' zwei Blätter, deren eines zudem vn den Ge ldgehern derreichödeutschenMörder o r g an i s a t io'n e n " au sgehalten wird, ist einig in her Vemrteilnng der hakenkreuzlerischen Treibereien. Eine weitere Duldung, der verbrecherischen Tätigkeit dieser Truppe und eine fortgesetzte Förderung durch die Regierung und deren. Organe istunmöglich, i /. ' / Die Interpellanten fordern schließlich, daß, unabhängig von -den Gerichten, auch die Regierung und die Verwaltungsorgane das Notwendige tun, um dem Treiben der hakenkreuZlerischen U-nholde Einhalt zu gebieten. Sic richten daher an. den Vizekanzler die Frage, ob er bereit sei, .dafür zu sorgen, daß die gesetzlich z u l a s s i g e n und Nt ö g l i ch e n Mittel gegen die b e wa f sn-eten Aufzüge der nationalsoziali.stischenMördertrnppe zur Anwendung gebrach: werden?" . ^. ' * -; In Ermanglung anderer Verhandlung'sgegenständt bsi-chäftlgt-e sich gestern der Nationalrat zweieinhalb- Stünden lang wieder mit den Zuständen im Buud'esheer.^wo Minister Vaugoin den alten k. u. k. Zwirn eingeführt hat. Die Folge davon sind 28 Soldatenselbstmorde. Abg. K u n s cha k bog die Debatte, die seinem Partei» genossen auf der Ministerba-nk nicht angenehm war, geschickt in eine andere Richtung um, indem er den Fall des» sozialdemokratischen Bunde Grates General Körner zur Sprache brachte, der als.,Generalstabsches an der Jsonzofront ftinerzeit ein Todesurteil gegen einen betrunkenen Chansf«ur in Vollzug setzen ließ. Man redete also,nicht mehr von Soldatenfe-bstmorden, sondern schrie sich rund um den Fall Körner heiser. Es gab widerliche L ä r m s ze ne n, w t ch se sse i t i g e Beschi mpsn ngen und schließlich O r d n u n g 's r n f e. So oft im Nationalrat : über die und scheint trotz des eingedrillten Respektes vor den- Exzellenzen hin und wieder ein scharfes WoM riskier-t zu haben. Jetzt sitzt er fest und da entledigt sich der Sieger von Verdun seines Kumpans. Ludendo.ff regiert und Stresemann gehorcht. Keine Debatte über im Parlament. iburg. -h Die Soidatenfelbstmorde. — Der Fall Körner. in Spille r n zur Schußwaffe griffen und letzten - Sonn tag in Klosterneuburg die Teilnehmer eines -Bolks-

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