Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1935 (5.7.1924)
- Date
- 1924-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-p/V, r Elnzslnninni er K120 0 Wien: Zum Abl|oIen in der Expedition, II., Taborstr.1-3, oder in einer Verifchlei*stelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firme Goldschmiedt, I.BeZn Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 35.000 Ts che ch o-S 1 owakei: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen :Mon. 31/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Franks Belgien: Mon. Frei. 12 HF* Neehsahlunfap M Pftttserhöhangen . vorbahalteB SICHERN SIE WERDEN SIE WMiWW DER \ - "•'$ w f*oIen; poln: HS50.00t>; t a 1 i en: 'Monatl. 12Lire. Rum a n i e n Mon.,150 Lei. Bulgarien.Mon.80 Lewa.* S c h.w e i z. und das übrige Ausland monatlich ’Fres* 4, Redaktion u. Administration Wien, II.. Tahoratr*s*^l-~3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, aböühr abds; 2lM;25^82 IX. Uni vers!ta.tsstr. 6—8! (Druckerei Steliimaitn) OesterreichischesPostspar * kassen-Konto Nr. 150i698 Nr. 193S Wien. Samstag. 5. 3aü 1924 SusamMNgebroche«! .;; . —y. Wi VN, 6. IM. einem Wiener Gerichtssaal ist gestern die Beschuldigung der an einem Finanzmann durch den Führer der österreichischen Zionistischen Organisation verübten oder versuchten Erpressung zur erägültigen Verhandlung gekommen. Die Sache endigte mit dem geradezu bis zur Lächerlichkeit sich entwickelnden Zusammenbruch des angebotenen Wahrheitsbeweises. Kein.Stuck der 'Phantastisch ersonnenen und . durch berufsmäßige Gerüchtemacher verbreiteten Geschichte blieb aufrecht und den Angeklagten bewahrte, lediglich das ritterliche Empfinden des Klägers, ' der die angebotene Ehrenerklärung annahm, vor einer empfindlichen Buße. Den ideologischen Aufbau der Beschuldigung bildeten Artikel im volkswirtschaftlichen Teil der . „Wiener Modenzeitung st deren Herausgeber Oberbaurat Stricker ist, .Artikel, in denen die geschäftliche Gestion des Geldmannes Siegmund Bosel in der Zeit der Franken-Hausse und des dann folgenden Baissewirbels einer scharfen und abfälligen, dabei aber doch durchaus sachlichen Kritik unte" ogen worden waren. Die geklagte Partei.drückte sich allerdings'nur in der Geiüchtekolpörtage klar aus. Im Gerichtssaal, vor den das Dhema tief erfassenden Fragen-des Richters und des der . Korruption. Beschuldigten waren die Aussagen ziemlich ' verschwommen. Mer man erkannte, wie es gemeint war, und das Zeugenvörhör rrßMir ganzen Bau in Nrzester Frist kvis' ein Kartenhaus nieder. EsMvgtuns seMtverstäMich ferne, zu sagen, daß Herr Stricker/rehabilitiert sei. Dies swäre eine unserer und seiner üuchurdige Geschinacklosigkeit. Diesen Mann trägt, aus säst zwanzigjähriger Erprobung stammend, bas herzliche Vertrauen einer mehrere Millionen' Menschen - umfassendennationalen Organisation und neben dieser Tatsache verschwindet das Gerede-einiger Wiener Journalisten, das übrigens selbst hier'in Wien, der' Stadt des leichUMgen Fabnlierens, kein mit den Verhältuifien vertrauter Mensch .ernst genommen hat.- -• Trotzdem war der Streich — das sei seinen Ersinnern zügestanden — gut gezielt. Es war nicht so sehr der -Racheakt eines -in seiner amüsanten Erwerbstätigkeit durch Stricker Gestörten, -als vielmehr eine gegen die politische Richtung Strickers .und dieses Blattes angelegte Kampagne, die da zerschellte. Der Zionismus ist in dieser Gesellschaft des gegenseitigen verstehenden und verzeihenden Duldens emstörendes Element. -Er fit jung, ist im Judntum selbst eine Minorität. Beides bedingt nebst der Schärfe.in der Form des Auftretens auch noch die ' Abneigung gegen alle Arten von Kompromissen. Der Zionismus hat neben der nationalen auch noch eine soziale Seite. Er will und darf unter, keinen- Umständen darauf verzichten, die Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse und ihre Einwirkung auf die Mische.Gesamtheit, aber auch auf ihre Teile im Äuge zu behalten- Er spricht und handelt stets im- Namen des jüdischen Volkes, wozu er durch sein -Programm und seine Errungenschaften legitimiert fit, und er muß darum allen jenen, die an der Assimilation wirken, die ein restloses ' .Aufgehen des Judentums in seiner Umgebung wünschen, als ein feindlicher Körper erscheinen. Sie würden heute, nach der Anerkennung des Zionismus in dein durch den Völkerbund porbereilaten internationalen Recht, ihren Frieden schließen und für Erez Israel, .das durch die zionistische Nrbett der jüdischen Gesamtheit nähergebracht worden ist, große finanzielle Aufwendungen — versprechen. ÜBcimi n: sich damit nur unser Stillschweigen dazu erkaufen kennten, daß durch den Krieg ' und die Kriegssäuinis auch wurmstichige Tendenzen, in das Judentum hineingeworfen worden sind, die ihm vorher völlig -fremd waren. Solche Erscheinungen, wie sie sich auch in Wien in gewissen jüdischen Kreisen geltend machten.und noch machen, tritt der Zionismus, der doch vor allem eine sittliche Idee ist, mit aller Energie entgegen. Wir wissen, daß unsere Arbeit mühevoll und dornig ist und daß wir mit der heftigsten Gegenwehr zu rechnen haben. Wir lassen daß Judentum nicht verderben. Aber die Verderber ergeben sich nicht so ohne weiteres.-Sie haben auch schon früher gegen uns vergiftete Waffen geführt und uns ' wegen mangelndem Patriotismus, wegen- Klerika-lismüs und so weiter de- FA den 18. 3«li. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeriung".) Paris, 4. Juli. Das französische Außenministerium verbreitet in später Abendstunde solgemde amtläche Meldung: Die englische Regierung hat soeben, den interalliierten Mächten EinladungAschreibenzur Londoner Konferenz am 16. Juli Angehen lassen. Da die französische Regierung als von vornherein eingeläden erscheint, hat sie-diese offizielle Einladung nicht erhalten, aber von dem Inhalte Kenntnis genommen. Die verschiedenen Punkte, die -darin entwickelt werden, müssen als ausschließliche britische Borschlüge betrachtet werden, die in keiner Weise Gegenstand einer vorherigen Uebereinstimmung zwischen den Regierungen bildeten. In offiziellen französischen Kreisen erklärt man, daß, was auch immer das EmladungAschre'iben enthalten möge, nur die englische Regierung dadurch verpflichtet -werde. Das. Wesentliches an dieser Erklärung ist, daß -Ministe rprästdent H t-ttioi auf diesem Wege erklärt, - Mnevlei Verpflichtungen im Sine der en-Alfichen stProgvanrm-Punvte übernom-men zu.halben. Daraus scheint! ihervorzugehen, daß pflichllmgen im Sinne der englischer Programm-Punkte nicht zu asze Pt I eren beabstchtrge.^ st ..■ '' ‘'' ' "'"st- Mittelungen Mae Donalds. London, 4. Juli. Ministerpräsi-detttvMa c D o nal d erklärte in einer der Reden, die er in' seinem Wahlkreise hielt, wenn es jetzt zu Neuwahlen- 'käme', würde die Arbeiterregi'eru'ng sägen.können, daß sie in Europa, eine aussichtsreichere f r t e d lichere u nd hofsnu ngsvollere Lage geschaffen habe, als sie je seit dem Jahre 1914 bestanden hat. Es sei sicher, daß infolge der Einsetzung -der Arbeiterregierung in' Großbritannien die Massen des europäischen Volkes sich in solchem Maße dem Frieden und der Demokratie zugeiwendet haben, daß sie mehr als geneigt, seien, zu einer Vereinbarung zu gelangen. Die Konferenz aller Alliierten müßte, zusammentretenim Bewußtsein, daß ein n e u e sBl a t t d e r Geschichte aufgeschlagen werde, und daß es zwecklos sei, über Kniffe zu hadern-und zu streiten. Er fteue sich, sagen zu können, daß Amerika an der Konfer-.'nz teil nehmen werde. Es gebe keine große Nation, die sich vonden anderen Nationen isolieren könne. Die Beratungen der deutschen Ministerpräsidenten. Berlin, 4. Julü U-eber die gestrig -e Ko ns ere nz d e r M i ni st e r p r ä s i d e n 11 n weiß der „Lokalanzeig-'r" zu berichten: Obzwar die Wünsche, Memungen und Ansichten der einzelnen Minifterpväfidenten über die Durchführung der Sachverständigeuvorfchiläge -insbesondere m Bezug auf die Londoner Konferenz und. die dort anzustrebenden polit'scheu Ziele auseinandergingen, wurde doch crn? weitgehende Einigkeit darin erzielt, daß zug'.geben wurde -daß der Weg der Re i chs regie ru na der r i ch t i g* auf Schwierig!? iten befreit.werden könnte.. Allevdmg sich darüber klar, daß die mit den SachverständbgLnvorschlägen übernommenen -Lasten übe ra u s s chw e r und derzeit kaunr - übersehbar ..feien,' so daß sich jetzt noch nicht sagen läßt, ob und wie sie getragen -werden können. L"shalb werden auch am kommenden Dienstag di-e Finni^minister der :-n ßsrag.' kommenden Länder Denfich^ands ru e-inrr Konferenz -- ' -- . ' zu klären. B?rl:n wieder verlassen. Pariser Ministerrat. \ 13, 4. Jilli. Der Mini st errat hat .sich heute .von halb 10 Uhr vormittags bis halb 1 Ähr mittags mit der außenpolitischen Lage und insbesondere -der B-o n» do ner Ko nfere-nz beschäftigt. 'Heute nachmiltags ist, H e r r i o t vor den Bereinigten Konnnissionen fiir. Finanzen und äußere Angelegenheiten erschienen. <Der Mbgeo-vd- - nete Klotz, hat einige Fragen, die Herriot in Mriletziien Kammevsitzung,nicht beantwortet hatte, .wiederhol^., i Die Kommissionen wollen vor allem wissen, ob der DaWerstäudigenbericht ü b e r den Versailler V' e rt r a g! hin aus gehe, wie Mac Donaldbehaupte.- oder ob er, wie Herviot erklärt, eine' Neuerung dorst-elle. Eltte -zw-efte Frage bezog sich auf die NLumun-gLftlst -des ilink e.n.. Rheinufers. Ferner' wünschen die Ko-nvmissiWeüAust klärung-darüber, wer eventuelle Berfrhlungen-Deüfi-chlaiiiidS - zu konstatieren hätte, ob die N-eparationskommlssion,' wie' die französische Negierung a-nzunehmen scheine, -'vdevunabhängige Organisation, wie Mäc-DdnMs Unter Hmtveis auf den auß-ervertraglichen C^We.r-ides Däwes-Planes besüriwortet. Der.Abgeordnete -Motzlstelltt - an Herriot auch die Frage,.ob er die JnstruWonen^MU: Donalds, an die englischen.Vertreter kenne und/^e-neWngs.' Iie^Botschafterkonferem usd die WMtSv! .!.korttrM.!c > Berlin, 4. Juli. (Tel.Wv>mp.) .1l-Äer -den-Derlauf Ml ’f gestrigen Sitzung der B-otschafterkonferenz, iu stvelcher di« Antwon auf die d-eufiche Note über die Militärkontrolleausgearbeitet wurde, erfährt 'die ,ß:' Z. am' Wttäg"i oüs , Paris: ' ' 3^ '- st-' Zuerst erstattete General Foch. den .Bericht - des . Militävaüsschufses, wonach -die Durchfüh-Mntzider.Kvu» trolle-in Deutschland bis zum M. -SeptVmberi'M^iHe-' ende-t sein werde. General Fach verließ sodann -die' Kon-- ftrenh. In den Text der Antwort wurde ein.Passus ausgenommen, welcher besagt, daß die Alliierten:'hoffen, die Kontrolle bis zum 30. September zu beenden, eine -GanM» tie dafür aber nicht übernehmen können. ' ' in B e r l in znsammentreten, um diese Fragen Die Min-isberpräsidenten haben gestcrw abr.nds nunziert. Aber has waren doch noch immerhin politische Argumente. Wir haben sie zerstört. Heute geht es an die persönliche Ehre unserer Funktionäre und der Or-. gane. unserer Bewegung. . Der zionistische Führer -wird . als-Erpresser angeklagt, die zionistische'Journalistik, die sich in dem ach so bequemen und mit Geld gefüttertes kchelöemann wird abgebaut. (Eiqeirdien-st der „Wiener Morgenzeriung".'):'' - ' Berlin, 4. Juli. In ' der' '<m- DonnreMaU'. i-äMhhk» tauen Stadtvero rd netens i tz u n g in K ä s s e l bs« schloß die b ü r g e r l i ch e M e h r h eit gegen - den, Ridersprach der Sozialdemokraten . und .KoMMUnisten,' -den Oberbürgermeister Scheide in an n abz ub aüe-n. . Hausdurchsuchung bei den Kommunisten km Reichstag. (Ei-gewdienlst der „Wiener Morgenzeitung".).' st Berlin, 4. Juli. (Tel-Kc.mp.) Heute vormittags' wurden Ln 'den Räumen der kommunistfichen Partei.im pveußi- 'schen Landtag und im Reichstag mit Genehmigüng stder beiden Präsidenten Hausdurchsuchu-Ngen' vorgenomimen.''Es wurde umfassendes Material beschlagnahmt, darunter auch, wie verlautet, Mauserpistolen, Handgranaten und Sprenakapsel-n. Sie amerikanischen Lemorrateü. (Eigerdienst der „Wiener Moigenzc'N'M.g",).- - . Rew-Iork, 4. - Juli. Die sechzig -st e.' ’$ b st i m* m. u u-g des demokratischen Konverits ergab. für -S m U h -eine steigende - Stimmen-zahl von 335, für M a cstA d o-o ei-n-e fallende von 469. R a l st o.n, der bei der.55. .Absti-mmllng 97 'Stimmen aufbrachle, hatte nur noch '37. Einzelne Delegierte weigern sich. av,f ein Kompromiß finzUgehen u-nd wollen h e i m f a -h r e n und während der' Abstinrmu-ngsvause Berha-ndlnttgen zwecks Beruhigung7-Mren. -Pferch des publizistischen Kapitalismus nicht -.eiyfangen lassen will, der Korruption beschuldigt. D-armsi ist dieser gestrige Zusammenbruch für uns alle ein-wichtiges ^Ereignis, Wir haben ihn erzwungen und geben aber nickt, nach. Wir wollen und werden nicht schweigen.