Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1932 (2.7.1924)
- Date
- 1924-07-02
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981015--19546-3006701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
,- n«[f'|-«lf^'r' 1 **T r '«M < f, V(> ',!-»; -> #’*■ m. idW MySgW-eitMg u&MÜäbsaium däkumt-M*. <.nfrtvrr.«rrnaati --EWWMSSS agm 2. Mi IW Triie?! Devisen- und Balutenkurse. (Mitgeteilt von der Oesterreichischen Nationalbank.) 1. fult 30. Jaul Geld Ware peld War« 26700.—, 26800.- 26703— 26800." 81.6— Alle Arten von Kommandlte der Kroatischen Eskomptebank, Agram Kreditma Bankgeschäften Wie*. I. 4 '“ftg Warengeschäfte Telephone j 60-4-82, 60*4-93, 63*4*85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 io4es Telegrammadresse i Frapobsnk Die russische Staatsvank. Ser „Wirffchaftsdienft" schreibt: Sämtliche Banken Mh Kveditovganisatiorrey in Rußland sind bekanntlich bereits rm ersten Jahre der SMjethervschaft geschlossen rmd liquidiert worden. Die Staatsbank ist durch Dekret des Mies der Volks- WnmMve vom 12. Oktober ISA. zu dem Zweck wieder ins Leiben gerufen worden, um die „Entwicklung von Industrie, LandWiÄschaft' und Handel zu fördern sowie zur Konzentration der Geldumsätze und zur Durchführung anderer Maßnahmen im Interesse eines geregelten Geldumsatzes beizutragen". Die Staatsbank ist bis Elche 1922 das einzige Kreditinstitut Sowjetrußlands gewesen und behauptet auch heute noch, feine überwiegende Stellung auf dem Geldmärkte. Mährend das Grundkapital der sWeren. Staatsbank 5,7 Prozent der im mssifchen Bankwesen investierten privaten Kapitalien ausmacht«, Übertritt das-, jenige der heutigen Staatsbank das Privatkapital etwa um das Emeinviertelfache. > Desgleichen übersteigen die Einlagen in der Staatsbank heute noch die aller anderen Kreditinstitute , Sowjetrußlands zusammengenommen. Die Staatsbank verfügt über 27 Eomptoive, 114 Filialen und 177 Agenturen (gegen 128 Filialen der früheren Staatsbank), die über has ganze Gebiet des Sowjethundes derteNt sind/ während die anderen Banken, und auch mr die größeren, : wie die Ukvainebank ' (mft 47 FPalen und 44 Kassen), Wsekobank (mit 33 Filialen) und andere, im i8an.de weit'schwächer vertreten sind. WÄhvend die Umsätze der früheren StäatSbaE 36' PWeüt der gesamten Umsätze aller Kreditinstitute und 6 Prozent der Kreditierungen aüsmachten, entfallen auf die sowjetrussische Staatsbank 76 ', Prozent der Gesamtsumme aller' Bankoperationen im Laude; dabei erreichen die'heutigen Nstrsütze der Staatsbank kaum 25 Prozent derjenigen der früheren Reichsbank. / Die MM der Staatsbank setzen sich zusammen aus' der ihr aus der Staatskasse zur Bildung des Grundkapitals überwiesenen Summe. (200 Millionen Rubel 1922 fl Rubel gleich 1.0,000] anfängliches Grundkapital, das jetzt auf 50 Mllionen Tscherwonezru'bel erhöht worden. ist), aus sonstigen staatlichen Zuweisiungen mit speziellen Vesftmmungen, aus den von ihr auf Grund des DekW/vom 22. Oktober 1W2 emittierten Noten' sowie. ausMMchen Einlagen staatlicher, kooperativer und' kommunaEer wirtschaftlicher Organisationen. Letztere waren b-e verfügbares Geld in laufender Rechnung bei derStaatsbank zu deponieren und haben erst vor nicht langer, Zeit das Recht erhalten, sich solche Depots auch bei den ihnen nahestehenden Spezialbanken (Wsekobank, Prombank, Kommunalbanken nsw.) eröffnen zu lassen. Trotzdem halben die Depositen bei der Staatsbank ständig Angenommen und bereits das Dreifache de's Grundkapitals erreicht. Die Staatsbank führt alle bankmäßigen Kreditoperationen aus. Wenn auch anfänglich Lombarddarlehen Maren-, Frachtbriefkrebite ufwi) überwogen (fünfmal mehr als ungedeckte Kredite), so gewannen mit der Zeit die Wechselgeschäfte (der Wechsel ist durch das Dekret vom 22. März 1922 — also nach der Eröffnung der Staatsbank — wieder eingeführi worden) immer mehr an Ausdehnung. Neben kurFristigen räumt die Staatsbank auch langfristige Kredite ein; letztere zur Hauptsache für sogenannte Aweckkvedite an Industrie und Landwirtschaft aus speziellen, der Staatskasse Angewiesenen Mitteln nach Direktiven der Zentralbehörden. Mtselhaste Borggnge auf deM Budapefter AeUmaMe. (Eigendienst der ,Mmer Morgenzeituug".) An der heutigen Börse erregte es Aufsehendaß die Budä- Pester Banken zn verhältnismäßig niedrigen Kursen dem Markte größere Betrage zur Verfügung stellten, während auf der schwarzen Tafel das Kostgeld zu einem höheren Kurse notiert war. Die Jntressenten legten dagegen Protest ein. Der Präsident der.Kommission zur Festsetzung des Kostgeldsatzes nahm jedoch gegen eine diesbezügliche Entschließung Stellung. Da die Mitglieder der Kommission anderer Meinung waren als der Präsident/gaben sie sämtlich ihre Demission. ^tertam f. 1 holl. Oulden ratn l 1»e. Kronen . .; __ arav 1 Dinar . . ♦ * .* ^Milln* 1 deutsche Felchstnark h'JKpssel 1 belgische Francs . Biidapeat 1 ungarische Kronen Bukarest 1 Lei Christianla 1 norweg. Kronen Kopenhagen 1 dtlnlsche Kronor London 1 Pfund Sterling . . Madrid 1 Pesetas » . . » Mailand 1 Lire ...... Ngw York 1 Dollar.» . . . , Parle 1 Francs ...... Prag 1 Isdiecho-slow. Kronen Sofia 1 Lewa . Stockholm 1 schwedlscheKronor Warschau** 1 polnische Mark. Zürich 1 schweizerische Francs Vista Kapitalsverrnehrmigen. Wiener Gerleidungs-, Handels- und Bedarfsartskel-Aktiengesell. schaft. Erhöhungvon 300 auf 600. Millionen Kronen. — Kleinmotorenu nd V entilatouensab riks- A.-G., Wien. Erhöhung von 24 auf 400 Millionen Kvynen. Insolvenzen. Der Kveditorenverein meldet:'S. Böda- Schäfer. Auto- und ZügeWchanIdlung, Men.>15..Bez., Kvanzgasst 6; Mendel Steinsink, Wirkwaren und Textilien, Wien, 20. Bez., Karl Meißlstraße 1; Anton Differenz, Kaufmann/ Fveistadt', Oberösterreich; „Alpine", Schuhfabrik Rudolf Stegmüller, Graz; Äudlvig Wiedermann, Tuch- und Kleiderhaus, Innsbrucks David Roth. Handelsmann. Wien, 2. Bez., Stuwerstraße 1; F. Frühauf u. W. Stirling, Inhaber Frühauf, Wiener-Neustadt, Austritt aus dem Arrangement. Die Firma Paters u. Co. ist heute aus dem Arrangement ausgetreten, nachdem sie schon seit Monaten keine Geschäfte an der Börse abgeschlossen hatte. 816— 18,75 3224— 0.82V* 295— 9430— 1098?.- Ware 26800,- 820.- 8J?0.— 17.05 Peld 26705— 808— 812.- 808— 812£ 16.65 16.91 9236.- 3274.- 3280.- 0.88'/, 0.83 -0.81 298— 299— 801.- 9470— 9430— 9470.- _ 11020— 11530,— 11570.- Z06»ra— 307500— 306700._ 3Ö7700.- 9383— 9420— 9430— 9470.- 3054— I066— 3054— 3006.-*. 7093C— 7M85— 70935.-- 71185.- 371,— 3733— 3772— 3783., 2C95— 2105— 2097— 2107,- 551— 515— 508— 513.*- 18720— 58780- 18720— 18780.- 13550— 13830— J3550— IS850.- 12615— 12655— 12605— 12655.- 70463— Währn 70480— 70880.-* 70360— 70760— 70360— 76760.- 3180— 3210— 3230— 3260.- 494— 502— 490— m- 474*— 482— 470— 473^1 10840— 10920— 11390— 11470.- . 16,30 ty.70 16.30 16.7( ÜL20 leleo «hü ie!« 304700— 306300— 304900— 306500.- 304500— 306100— 304700.- 306JOO.- 3685— 3755.— 3755— 3785- 26400— 26660— 26400— 26609- 3066— 3085— 3065— 3085.- 3035— 3055— 3035— 3065— 817— 823— 807— 813,- 807!- 818— 797— 803- 9310— 9390— 9310— 9390— 13350— 13670— 13530— 13670- 13330— 13470— 13330.— 13470- 292— 296— 204— 298- 282— 286— 284— 288— >8510- 18610— 18500— 18600-, 12540— 12620— 12590— 12670- 9260— 9340— . 9310— 9390— 2072— . 2088.- 20-7— 2093— 2067— 2283.-? 2072— 2088— 34600— 35100— 31600— 35400— 0.81 . 0.87 0,82 0.8t 0.76 0.82 0i75 "ö.y Noten Amerlkan, Noten v. 5 Dollar aulw, _ . » . kleinere . . . Belgische Noten 100 Francs . « Bulgarische Noten su 1000 Leva . » i , 100 W , a » kleinere. . . vSalsche Noten tOQ Kroner . , Deutsche Noten* » » 100 » » » „ » . , kleinere* . . . Bn gl, Noten von 5 Llvrest, aulw, * - kleinere . . . » . Frsnrvslsche Noten 100 Franc? , Holländische Noten 100 Oulden , Italienische Noten v. 100 Lire aulw, . » kleinere . . . <mgo8l. Noten vngest, zu 1000 Dinar « . ■ f ,)00 p „ , kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten . . . . . . » . kleinere** . . . Pumäfllsche Noten ruiooo u. WOLei -W -p kleinere ... Russ. Noten (Roman,) zu 500 Rubel * » »• 100 ■; n , » kleinere . . Schwedische Noten 100 Kronor . Schweizerische Noten 100 Francs, Spanische Noten1100 Pesetas . •, Tschecho-slow. Not, v.1000 aufw, » , kleinere , Tflrjdsche Pfund-Noten» . . . . Ungar. Noten (neue Em.) zu lOQOKr. , . zu 10.000 Kr, , . , . . kleinere . . . . . * Für 1000 Ll.-Mark, ** für 1 Zloty aufwärts. Neues von der Wiener Herbstmesse 1S24. Die Herbstmesse, die vom 7. bis 14. Sopt.'inber d. I. abgchal.sn .roira, verspricht, olle vorangegangenen an Bedeutung zu üöe. tressen. Bedeutend ist auch diesmal die - Terln rhme detz SCiifc. landes. Vierzehn fremde Staaten entsenden 'Aussteller zur . Wiener Meffe, Darunter Wer. zum ersten Male Grie chdn- / l a n. d. Am stäksten -sind wieder die R e 'i ch s'd e u t sch e N als -Aussteller vertreten,nahezu in allen Gruppen,^ Monders' :;tt jener der - Maschinen- und Metallwaren.' Die Tfchecho-Slowakei wirb wieoer mjr den vielfältigen Erzeugnissen der. nordbopmi--- scheu Textiliuduilriepferne-!.' mit'Glas, Porzellan und Gadlonzevwaren verrreten sein. Ungarn und Polen senden Lebensmittel und Maschinen; letzteres auch Textilien und die Bergbarchroduk^ der polnischen Staatsgruben. Jugoslawien bringt Papierwaren, chemische Produkte, Erzoirgnisse der bosnischen Baumwollweberri.' Die französische Republik stellt sich wieder ' mit Textilien, Barfümerien, Lebensmitteln und Autos ein. Bemerkenswert ist die rege Teilnahme Englands, die wohl-aus das Inkrafttreten des neuen englisch-österreichischen^^ Handels- Vertrages zurückzuführen ist. Man wird unter anderem auf der Wiener Herbstmesse Textilien (Manchester), Schreibfedern Copyright Ä-chdruckÜlervoien, jüdischer Verlag, Berlin. 31. Forttztznng. HkWÄsloh Md ZMeWM. Von Sammy Gronemanst. Jnriendienst. Durch/das Lexikon waren wir in dev liebersetzungsstelle ja nun einigermaßen -mit einer Tätigkeit vevfor-gt/die -nicht gerade in Arbeit ausartete. Nebenan, im Muchpvnsinngsamt, boschäftrg-te'mast. sich Hamit/ Bücher zu veMesen.. Das -war nicht immer ganz leicht. Wie sollten etwa'die hebräischen Buchprüfer Heinrich-Auerbach und Leo Deuischländer miliärrsch oder poWsch bedenkliche Stellen, in den ihnen zur Prüfung eingereichten.Büchern anstreichen, wenn ihnen absolut nichts anderes zur Zensur vorgelegt wurde, als Gebetbücher, Bibelausgaben, jalmudische' Schrrftm oder dergleichen. Natürlich nahm es sich sehr stattlich aus, wenn auf ihrem Tisch unendliche Stöße dicker, hebräischer Bücher lagerten; mit einer gewissen Scheu blätterten die Herren Offiziere darin herum, und sprachen ihre Vevwnndevnng darüber aus, daß man .das alles nur lesen könne. Die beiden Herren, die nun seit vierzig Jahren den Inhalt'aller dieser' Bücher genau kannten, ließen' sich die Anerkennung, wie mühevoll ihre Arbeit sei, wohl behagen und es dauerte stets geraume Zeit, bis sie die Bescheinigung ausstellten, daß der Band -Psalmen oder da's Buch Esther militärisch Md poli-. tisch einwandfrei sei. _ l- Aber das Amt war ja nicht zum Genehmigen da, sondern zum Verbieten, und als Leutnant O. energisch verlangte, es müßte endlich auch einmal ein jüdisches Buch verboten werden bei den Polen kämm täglich ein paar Derlbote heraus mußte unter allen Ilmstäuden etwas zum Verbieten gefundey werden. So schrieb man denn nach Wilna, um dort.zü veranlassen, d>aß von einem Verleger' ^irgend ein gefährliches Buch schleunigsteingeveicht wurde. 'In hem alten, und großen Berlagshaus Romm in Wilna Mar -man natürlich zu einer solchen Gefälligkeit .gern.bereit, aber man komrte beim, besten Willen in der ganzen jüdischen Literatur nichtsentdecken, was irgendwie zu Beawstandstng-en Anlaß gehen ikoMte.- .''chWje - da- -- durch, aber erst nach langem Suchenfand man schließlich ein halb 'zerrissenes und vergilbtes Exemplar einer historischen MbhaMung aus dem Jahre 1846,. die natürlich nicht e-ben den Reiz der Mualität für sich hatte und die auch an sich überaus harmlos war, durch deren Verbot aber bestimmt niemand geschädigt werden konnte. Dies Heft wurde notdürftig zusammengebnuden, geplattet, eingereicht, beanstandet und verlboten! So war für diesmal der Staat gerettet, ohne daß es nötig war, eigens ein hoch-; verräterisches Werk zu verfassen und drucken zu lassen. Irgendwie mußte man eben von seiner Machtbefugnis doch Gebrauch machen; unsere Offiziere langweilten sich ohnehin sterblich. Vermutlich war es auch die Langeweile, die sie auf den Gedanken brachte, in unsere literarische und künstlerische Gesellschaft etwas mehr militärifche Zucht zu bringen. Hauptmann Bertkau ordnete wöchentliche Appelle an,,!bei denen unsere unmilitärische Haltung und unser unmilitärischer Aufzug korrigiert werden sollten, und bisweilen zogen wir sogar nach den Wiesen in der Ämgebung, um dort Ehrenbezeigungen zu üben. Ich erinnere mich, daß ich einmal als Unteroffizier vom Dienst die gesamte intelleiktuelle Mannschaft zu solcher Uebung vor die Stadt zu. führen hatte. Ich schlug die erstaunlichsten .Nebenwege ein, um nur nicht durch meine wenig kriegerisch aüssehende Truppe bei der Bevölkerung oder bei Vorgesetzten Anstoß zu erregen. Uns hatte damals der Leutnant G., in seinem Zivstlberuf Referendar, hinausgefprengt, der für kurze Zeit bei uns em Gastspiel absolvierte und diese Zeit offenbar - benützen wollte, um dem alten Schlendrian enevgifch zu Leibe zu gehen. Mchdsm ich 'chm die Pressealbteilung gemeldet hatte, hielt-er uns emo Standpauke über die sittliche und erzicherische .Bedeutung 'des militärischen Grußes./ Nachdem er uns insbesondere klar zu machen versucht hatte, daß jeher deutsche^ Monarch innerhalb seines Laubes durch Frontmachen zu ehren fei, außerhalb seines Landes aber, darauf keinen AmspMch habe, wollte er feststelleu, ob diese Weisheit in unsere Köpfe emgedrungen sei und fragte den Flügelmann: ,-Wenn Sie dem . Großherzog von Hessen. -in Kassel begegnen, was haben Sie da zu tun?" Er erhielt . die Antwort: „Ich Mache -nicht Front, Herr Lentnänt!" Leutimnt G. sah ihn eytrüstet an: „Der Nebenmann!"' -- „Ich mache nicht'Front,-'Herr Leutnant!^ - % schlugverzlvoifeltPie. Hände Über dem' Kopf zusamnttzn,! aber.hie ganz« Reihe hindurch erhielt er dieselbe Antwort. Nun wurde er wütend: „Das wollen nun Intellektuelle sein; . jeder dä-mliche Rekrut würde doch bemerkt haben, Paß, wenn die erste Antwort falsch war, ,Hrontmachen" richtig ist.. Wollen Sie wir mal sagen," wandte er sich wieder an den Flügelmann, „warmr Sie in Kassel vor-dem Großherzog von Hessen Mcht Front machen wollen?" „Weil Kassel in Preußen liegt, Herr Leutnant!" war die Antwort, die. ihn so verblüffte, /daß er die Uebung abbrechen ließ und. fortan auf jegliche Art militärischer Belehrung verzichtete. Herr. v. Wilpert .und einige Herren amüsierten sich wohl innerlich über diese. militärische Belustigungen und« wenn sie gezwungen waren, nächtlicherweile Inspektionen^ in den Quartieren vorzunehmen, trafen'sie' so nmstäMichc BorherestlUNgen, daß die Besuche wenigstens nicht überraschend kawen; auch der Versuch von Leutnant St., wenigstens im DienftgeMude bei uns straffe militärische VMaugssovmen e'mzufü'hren, endete mit einen: für ihn fellbst'sehr peinlichen Erfolg. Sein Herz hing an zwei Gänsen — wirklichen Gänsen übrigens, wie aus der Gefchichte, die ich erzählen will, gleich hervorgehen wird. Im übrigen ist in dem berühmten Giftmovdprozeß V., der in diesam Frühjahr Wien monatelang in Atem hielt, stftgeshellt worden, daß er ein musterhafter. Ehemann war.. Er fütterte aus dem Hof zwei Gänse auf und überzeugte sich täglich mit Wohlgefallen von ihrer zunehmenden Fülle. Diese Gänse hatten nun auch bei anderen Wohlgefallen erregt und eines Tages unternahnien es ein paar Marodoure, sie zu entführen. Irgend einer 'aus der Presseabteilung schöpfte Mßtrauen und stürmte aufgeregt zum Leutnant, um ihn'zu warnen. Leutnant St., sonst ein recht gemütlicher Herr, hatte wohl gerade wegen der laschen H>altuilg feiner Deute einen Anschnauzer bekommen und nahm die Gelegenheit wahr, ein Exempel zu statuieren. Er schrie den Eindringling an, bevor dieser zu Warte konmien konnte, hielt ihm eine große Rede über sein nnnMtärisches Hereinstürmen und, uachdern er chn gehörig abgekai^elt chatte, befahl er ihm, wieder abzutreten, gehörig zu klopfen, das Hereinrüftn Mttwarten und so lange st''-amur ach-'^. Mr zu stehen, bis er gefragt werde. Na, das geschah denn auch alles nach Wunsch, aber als nach langer Pause, der Leutnant dann wohlwollend sagte:„So!- Und nun sagen Sie^ Was.S'w zu melden haben", waren die Gänse iveg — ein Opfer ans dem Altar militärischer Disziplin — hie militärische Zucht hatte die Gänsezucht siegreich geschlagen! (Fortsetzung folg!.) 5988299579685901