Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-07-01 · Heft 1931 (1.7.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1931 (1.7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981014--19525-3006679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

EInzsInnmnierK1200 We n: Zum Abholen in de» Expedition, ILTaborstr.1-3, oder in einer Verschleiaatelle (Trafik) mönatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.6ez^ Wollzeüe 11. Mit Postversand für Wien n» Oesterr. monmtl. K 35.000 Tsehech o-Slowakel: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO, Polen: Mon. 3 */» Zloty, Den fach! and: Mon. Gold mark 4, Franks Sellien: Mon. Frei. 12 HP Naehsahlunfca WW bei PreiierhShun»eii verbebaltnr WERDEN SIE JAHRES' sf'V"."% mm Italien: Monatl. i2 Lire. Romani enMon. 150Lei. Bulgarien Mon.‘80 Laura. Schweiz und das ubrige Ausland monatlich Frei. 4 Redaktion u. Administration Wien, II.. Taborstrasse 1—S Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.21-102.25-282 ^ä^Universitätsstr. 6-l (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar’ kassen»Konto Nr; 150.698 Nr. 1931 Me«. Aemtag. 1. Sali 1924 HT^5'31^Q> 6. gahrgans Mnahme der Kontrolle. — Die GeheinNmbande sind sportliche (Eigendier^t der „Wiener Morgenzeitnng".) Paris, 30. Juni. Der deutsche Botschafter in Paris, v. H o e s ch. hat heute dem Präsidenten der Botschafterfönferenj die Antwort der deutschen Regierung auf die Militärkontrolluote vom 28. Mai und auf das Schreiben H e r r i o t s und Mac Dona ld s vom 24. Juni überreicht. Die Note, die über sechs maschinengeschriebene Seiten Umfaßt, weist nach einer eingehenden Darlegung der Stimmung des deutschen Volkes den Gedanken zurück, daß' Deutschland irgendwie imstande wäre, in Europa bewaffnete Konflikte hervorzuvufen. Die deutsche Regierung sei bereit, die G en e ra l i n-s p e i 1t oit zu zu lasse n. Doch möge diese mit allen Mitteln beschleunigt und bis zum 30. September^beendet werden. Im einzelnen stellt die Rote fest, daß die deutsche Regierung volles Verständnis für den.Wunsch habe, die internationale Lage nicht gerade sin?hem Augenblick zu belasten. wo die Aussicht. auf eine-, schnellere Durchführung des Sachverständigengutachtens die Hoffnung austommen lasst, daß eine endgültige Regelung.der, Reparationsfrage Und-damit izUgleich die 'DMK^P^eriies,-allgjemeine«. und wirklichen -Fritzdsnd HeftrMn°'-töHr8n'--rSnÄ'r.''' " t: . Sie bespricht' sodann , die. zunehmende Aktivität deut-' scher Organisationen, weist aber die Auffassung als i r r ig zurück, daß in Europa dadurch neue bewaffnete Konflikte zu befürchten seien. Diese Organisationen zur körperlichen Ertüchtigung der,deutschen Jugend/Heißt es in der Note, gehen 'davon aus, daß die frühere allgemeine Wehrpflicht nicht nur einen militärischen, sondern auch einen hervorragend erzieherischen^ Eharakter hatte. Tatsächlich ist, so betont die Note, die Erziehung der Ju- ' gend zur Ach tu ng vor den Gesetzen und zur Disziplin wesentlich durch die allgemeine Wehrpflicht befördert worden und manche Erscheinungen der Gegenwart müssen aus das Fehlen dieser Militärischen Erziehung zurückgeführt werden. Die sportlichen und turnerischen Vereinigungen in Verbindung;.zu bringen mit militärischen Vorbereitungen Deutschlands ist nichtberechtigt. Das deutsche Kolk lehnt den Gedanken an Krieg ab und unter allen politischen. Faktoren besteht Einigkeit 'darüber, daß eine heimliche Waffenrüstung als ckbenso unmöglich, nutzlos und gefährlich abzu-lehntzn ist. Die Rei-chsregierung hat sich andererseits ernstlich bemüht, 'st die Entwaffnung gewisser politischer Verbände, die mit turnerischen und sportlichen Bereinigungen nicht verwechselt werden dürfen, rucksichtslos durchzüführen, so daß von einer ernsihästen Bewaffnung dieser Verbände nicht mehr die Rede stin-kann. Tie Note geht alsdann aus-die tiefgehende Erbitterung ein, die gegenwärtig im 'deutschen Volke herrscht, und dst sich in Protesten und Demonstrationen Lust mache. S:e weist auf die Leiden der Nachkriegszeit hin und erklärt, daß diese ganze Bewegung sich niemals so ausgedehnt hätte, wenn -man Deutschland gegenüber von vornherein, eine Politik der Verständitzüng getrieben und ihm die gleichberechtigte Mitarbeit zugestanden hätte. . /Deutschlands technische Mittel und die materielle Stärke seiner Armee sind geringer als diestmgen. auch nur der kleineren Staaten. Deutschland har seit dem Kriege -keine einzige neue K a u o n e hergestellt, und besitzt nicht einmal dasjenige Quantum an Munition, das nach dem Vertrage von Versailles ihm zusteht. Die deutsche Regierung glaubt, daß die gegenwärtige allgemeine Lage durch das Bestreben gekennzeichnet ist, an die Stelle der Gewaltpolitik eine Politik der Verständigung zu setzen. Die schweren Opstr, die die deutsche Regierung -vom deutschen Volke verlangen. muß, um die Gedanken des Sachverständigengutachtens in die Tat umzusetzen, sind, so setzt die Note hinzu, nur in der Ueberzeugung tragbar, daß dem deutschen Volke seine Vertrags- 'mäßigen Rechte wieder gesichert werden und daß somit die Lösung der Retzarationsfrage nicht nur einen finanziellwirtschaftlichen Akt darstelle, sondern eine neue Aera in den Beziehungen der Völker einleiten werde. Für die internationale Versöhnung. Paris, 30. Juni. Molff.) Unter den Auspizien der Vereinigung Trait d'Umon, der Liga derdeutschfranzösischen Annäherung, der deutschen W e l t f r i e d e n s I i g a und der englischen Vereinigung „Nie mehr Krieg!" sowie der holländischen und/belgischen Vereinigung der praktisch e n Jdealist eit findet vom ]27. d. bis, 4. August in Frankreich eine internationale '^>er N8he von- -B-e4c»-7-- saille's statt. 7 Hoesch bei Herriot. (Eigendienst der „Wiener Morq-enzeitun-g".) Paris. 30. Juni. Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, wurde heute um viertel 1 Uhr von Herriot empfangen, mit dem er eine lange Unterredung hatte. Die Note wurde sofort .durch einen Sekretär in die Bo ts cha fte rkonfe re nz gebracht, wo sie Eambon erhielt. Nach Üebergabe der Note dehnte sich die Unterhaltung zwischen dem deutschen Botschafter und Herriot noch geraume Zeit aus. v. Hoesch teilte idem Ministerpräsidenten mit, daß er von der deutschen Regierung beauftragt sei, der französischen Regierung den D a n k s ü r dieBegnadig u n g s m a ß n a h w e n im Rhein- und Ruhrgebiet aüszufpvechen. Der deutsche Botschafter fügte hinzu, daß damit noch nicht alle Wünsche der deutschen Regierung und des deutschen Volkes erfüllt seien, sondern daß man in Deutschland die Hoffnung hege, daß ebenso umfangreiche Begnadigungen auch bezüglich der and e r e n G e sang enen erfolgen würden. Der letzte Teil der Besprechungen bezog sich aus die Erneüerung'der Mieum-Vcrträge, wodurch gewisse Schwierigkeiten verursacht wurden. Die von der deutschen -Regierung ausgegangenen Versuche, zu einer direkten Verhandlung zwischen den Regierungen zu kommen,, sind, wie .man weiß, fehlge schlagen. Es kann aus Grund zuverlässiger Informationen gesagt werden, daß in der heutigen Aussprache erneut der Versuch untern-ommen worden ist, diese Schwierigkeit zu Überdrücken. Die Londoner Konferenz. (Eigendj-enst'der „Wiener Morsteuzeiiung^.) Paris, .30. Juni. Dcr.„Temps" meldet aus London: In Politischen- Kreisen verlautet, daß England bei der interalliierten Konferenz die Frage der militärischen Besetzn n g der Ru h r in ihrem Zusammenhänge mit der finanziellen Seite des Expertenplanes aufwerfm werde. Die Vorbereitungen für die Konferenz, insbesondere hinsichtlich der lln-te-rkunft der Delegierten, die Gäste der englischen Regierung sein werden,. haben bereits begonnen.Es sei noch nicht entschieden,, ob die Konferenz im Foreign Offne ober im St. James-Palast stattfinden werde,, wo die Vollversammlungeir der interMierten Konferenz im Februar und März 1921 abgehalten wurden. j Generalinspizierung. —y. SB i e it, 1. Zull. Die deutsche Antwortnote an die leitendest Minister Englands und Frankreichs ist ein Kompromißprodukt. Die harte Notwendigkeit zwingt zur Annahme der Forderung aus Militärkontrolle; die Rücksicht auf die inneren Verhältnisse veranlaßt ein Hinwegdementieren der Zustände. Die deutsche Regierung hat es sicherlich sehr schwer. Sie muß zwischen Wunsch und. Tatsache balancieren und die berühmte mittlere Linie, suchen. Lehnt sie die Kontrolle ab, wie dies die Rationalisten ihr vorschreiben' möchten, so besteht die Gefahr, daß diese „Generallins-pizierung" ohne ihre Zustimmung vorgenommen wird. Sie nimmt sie also an, versucht aber gleichzeitig ein negatives Resultat zu prophezeien. Ihr könnt suchen, sagt die Rote, aber ihr werdet nichts finden. Die Verbände, die ihr im Auge habt, sind Harm- > lose Turnvereine, die der körperlichen Ertüchtigung — dieses gräßliche Wort bekommt hier die amtliche Punze — der deutschen Jugend dienen. (Genau so hat Herr Vizekanzler Frank im Wiener Nationalrot die Exerzitien der nationalsozialisttschen Schwarmlinien definiert-) Die Turnvereine sind notwendig. Die Jugerid. muß zur Disziplin und zur Achtung vor dem Gesetz erzogen werden; die allgemeine Wehrpflicht, die in' früheren Zeiten diesem löblichen Zwecke gewidmet war,, ist nicht mehr; folglich besorgen diese Aufgabe heutzutage, in der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit die Turn- und. Sportvereine. °; Die Note, die solches besagt, ist u. a. auch an den-, -PremterMnister..Estlands gerichtet, eines - Staates also, der die allgemeine -Mchrpflicht. nur während, des - Krieges kannte und den Mohr wieder wegschMtz, siräH' . dem er seine Schuldigkeit getan. "Was Disziplin und Achtung vor dem Gesetz anbelangt, so kann sich die Erziehung der englischen Jugend schon neben dech deutschen Muster sehen lassen. Die Gewalt des Gesetzes sist vielleicht nirgends, so stark wie in den angelsächsischen Staaten und sie erzwingt sich den notwendigen Respekt nicht durch die Asfichierung der Verbote samt den dazugehörigen Paragraphen des. Strafgesetzes, sondern sie vertraut sich dem Sinn und der Reise des Bürgers an,der, stolz auf seine Freiheit, im Staat sich sellbst und die bürgerliche Gemeinschaft ehrt und -verteidigt. Das Beispiel Englands zeigt sehr -genau, daß ein Staat seine Jugend sehr wohl ohne kasernmäßigen Drill erziehen kann. Jo es zeigt sogar, wovor sich jeder biedere Mitteleuropäer am meisten grault, daß die traditionsmäßige militärische Erziehung nicht einmal, für dey Krieg, notwendig ist. England hat im Weltkrieg eine riesenhafte Armee förmlich aus dem Baden gestampft und dieses Heer war den Scharen Hindenburgs und Ludendorffs'' durchaus gleichwertig, schlug sich mit derselben Tapferkeit und Begeisterung und hatte-redlichen-und blutigen Anteil an dem .StahAad. Neben der englischen war es die amerikanische Armee, die gleichfalls nicht in allgemeiner Wehrpslichttraditi-on organisiert,. auf europäischem Boden erschien und den Krieg radikal beendigte. Es waren Rekruteuheere, die die Niederlage.Ludendorffs vollendeten, während die im zaristischen.Kadavergehorsam erzogenen russischen Massen von den Über- > legenen deutschen Truppen überranrrt wurden, denen sie eben kulturell nicht gewachsen waren. Die rnsiischen Opfer des Krieges kämen aus einem Milieu, in-dem alles vorhanden war, was sich ein gut deutscher Mattn nur wünschen mag: Der Absolutismus, die Peitsche der Polizei, der Pogrom, die Terrorisierung der Arbeiter und der Drill. Das ist das Ziel, dem ein sehr großer, sehr'einflußreicher und sehr mächtiger Teil der deutschen Gesellschaft zustrelbt und für das er die deutsche Jttgend. vorbereiten will. Daß. diese Erziehung von sportlichen Gesichtspunkten ansgeht, kann inan nicht einmal einem Bantu-Neger vormachen, geschweige denn den -Regierungen, die diese Tendenzen aus der nächsten. Mhe beobachten können. Die bewaffneten Verbände'.'sind über das ganze Reich verbreitet und wenn ihre Führer englische Stoffe, Herren* und vsnstniiigM wasche, Leinen, Teppiche, Vorhänge ' etc. BOT billigst ' II. TaborstraBe 48 Tetanhon 4r-l,»79 £n gros detail 5'ir?rsj»,?:v*rrrf-Tswct ->

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.