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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-29 · Heft 1929 (29.6.1924) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1929 (29.6.1924)
Date
1924-06-29
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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'/"GM,/". . tz-NNlag "1" /' NV'S np ' KEREN KAJEMETH LJISRAEL (Jüdischer'Nationalfonds) 33 Ausweis Nr. 20 ' für die Zeit vom 1. bis 18. Juni 1924. Allgemeine Ebenden - . .-.K. 6,664.800 Büchsen (Zahl der geleerten Büchsen 161) 4,304.970 Goldbuch ..„ 2,660.000 Twipelspenden. 1,943.500 Bäumspenden ...„ 1,481.000 Familienfeiern. 676.000 K 17,619.270 Gesamtsumme der bisherigen Eingangsbeträge . . „ 471,304.178 Bersicherung .. 40,000.000 528,923,448 Der Keren Kajemeth l'Jsrael ist in der Lage, mit dem EintangNbetrgg dieses Zeitabschnittes 11 Dunam.zu erwerben und 25 Bäume zu pflanzen. 4,650.860 K. der genannten Summe sind von 17 Selbstkontingentlern aufgebracht worden. Oratulutionen, Kondolenzen usw. Beim Festkommers, von der Z. A. B. Bar Kochbä zu Ehren Hberbaurat Ing. Robert Strickers veranstaltet, spendeten die Gäste 600,000 K., Bruno Schrotter (Baumspende zu Ehren des Herrn Markus Pollak, Bielitz) 81. Die vom Freundeskreis Ing. Lgn. Garfelns (Z. M. V. Hasmonäa) anläßlich von dessen Vermählung aufgebrachte Spende von 1,080.000 wurde, neuerdings auf 1,530,000 erhöht. Die Ortskommission Linz des Keren ft WIEN, II. ZlfttOJSGASSE 33 Telephon 45606 WIEN, II. ZIRKÜSGASSE Telephon 456( mmm Kajemeth l'Jsrael spendet für die Eintragung der Loge „Ehrmann", > Linz, ins Goldene Buch 2,200.000.! Sienkräls: 666, 178,i^Dr.'-Jllsti^ 2>280. Richard Beer 600, Schüler L Cö., Selma UMann je 200, Dr. R. N. Coudenhove-Kalergi. Jak. Slutzki, Wilhelm Eromann, Karl Grün, David Fleischer) Dr. Sieberer, Alex. Fischer, Emil Lautos, Jda Feher je 100, Ehrlich 69, Jda Wolf 60. Bezirke: 1. Bezirk: 1,417, Kultusgemeinder Spitzmann 600, Rinra 847. 2. Bezirk : 653, „Beth Israel" 608, Eisig Neumann 60. Zionistische Sektion Protorr.670, Pint Luwisch 70, Gerstl 50, Golbberg 75, Hermann Pauker 200. KrvvZah Chawerim 272, Büchsen 272. 3. Bezirk: 306, Tempelspende Unt. Viaduktgasse 265, Helene Wolf 50, 4. bis 8. Bezirk; 680, Stella Hochstimm 110, Simche Jakob 94, I. Schlesinger 80, Stella Meier 68. 8. bis 8. Bezirk: 250. Dr. Alfred Fleischner 260. 9. Bezirk : 816, Dr. Ludwig Rieß 630, Sammlung bei Brith Milah Abraham Kleiner 110, Sammlung an N. Jakob Weiner 100, Dr. Goldhammer 176. 12. biS IS. Bezirk: 260, Bethaus 15. Bez. 260. 16. und 17. Bezirk: 260, Thoraspende 260. Sondergruppe und Vereine: Akademischer Lan-esverbün-r I. A. B. Darifsia 221, Metzger 112, E. M. Schwarz 109. I. 81. D. Bor KochSa: 600, Sammlung beim Festkommers: Dr. David Rothblum 200, Dr. Kindler, Dr. Stöckl je 60. g. A. V. Emungh: 111, Bruno Schröder 81. I. A. V. Gamatah: 98, Ing. Fritz Schischa 60. vese- und Nedehalle: 346, S. Weimeb 56. Z. M. B. Äasmonlla: 460, Sammlung bei Hochzeit Ing. Jgn. Garsein 460. g. M. V. Jung Juda 217, Rotier 80. I. M. D. Aehemiar 235, Teilkontigent für Mai 186. „Äechawer" D. z. St. 86. Crez Israel: 140, Rothschild-Spital 110.. Frauen-Organisation 220, Sammlung Frau Dr. Großner 100. Lebensschuß 50, Frau Cilli Kesselbrunner 120. Kitchadpth: .600. LeoBallintöOO. Ahawath Zion: 300, Brüder Schiffmann 300. JugeNdgruppe der Bezirbsssktion Leopoldstobt r 137: Kultursruppe XX: 201. MalMobi IX.: 234. Jeirej Misrachi (Fri,edler): 166. P r ö v i n z: Klosterneuburg r 224, Walter Fischl 224. Liuz r 2,200. G.-B.-Eintragung d. Loge „Ehrmann", Linz 2,200. Salzburg: 1,602, Frau Irene Rosenberg anläßlich Jahreszeit a. N. Emma Hohenberg 60, a. N. Adolf Hohenberg 60, a. N. Simon Rosenberg 60, Büchsen 382, Kaufhaus Schwarz 260, Laudspenbe 280. S e l b st k o n t i a e n t l e r: Markus Benjakob 111, Dora Diamant 175, I. A. Gerstl 70, David Hauser 800. Dr. Leopold Justh 2,260, Dr. Josef Löwenherz 600, Dr. Berisch Mandl 66, Jakob Metzger 112, Dr. Leo Pohorhlles 80, Heinrich Rost 66, Kurt Winternitz 100, Dr. Chaim Tartakower 500. Richtiastellungr Im Answers Nr. 19 soll es unter „Selbstkonttgentler^ statt Georg Teuber richtig GeorgesTouba heißen. 29/ Jutti IM ' Seite W R««eS Ko«tinge«t für die Zeit bis Rosch Hajchanah SK8K. : Nach,,dem{Referat UMischkinA. auf der.-MÄWcheni MMWidie am-K. H/ u-mer hem BsW'M HE« Mer- . rabbindrs Chajes stattgesunden hat, wurde als Kontingent für Oesterreich . 8000 Pfund, das heißt, die dem Betrag entsprechende Flache von 1600 Dmtavr ^rstgestht. FreiwiMge Erhöhung der Kontingente und der SelLstkontingente. ' Die Zionistische Fvauenorgamsation hat ihr bisheriges Kontingent von 10 Millionen aufgebracht, und ihr weiteres für de Zeit bis 3686 um 50 Mllionen erhöht. Erhöht haben ihr Kontingent ferner Herr Josef Boksenbaum von 1 Million auf 4 Millionen; Herr S. A. Gerstl von 1 Million auf 6 Mllionen, . .Herr r. Tartäkower von 2 Millionen auf 16 Pfund Und. Herr Oskar Teller auf 2 Millionen. Nene Selbstkontingente. Zu den 214 Personerl, die bisher Selbstkontingente im Gesamtbetrag von 226 Millionen Kronen übernommen haben,, sind in dieser Ausweisperiode 33 ioeitere mit Kontingenten von im ganzen etwa 48 Mllionen hinzugekommen. Auf«"' gebracht haben davon bisher 76 Personen 601/2 Millionen. Neue Mitarbeiter. Der Jugendbund „Menorah" hat in der letzten. Zeit die K. K. L.-Arbeit zu" leisten begonnen und geht jetzt ernst< lich daran, sie im 6. Bezirk allein durchzuführeN. Gotdenes Buch. .y'v'- Dem Vorsitzenden des' Direktoriums des Keren Kajemeth l'Jsrael, Herrn M. Mi llsfischkin, ist am 23. d..von der Zionistischen Frauenorgamfation in feierlicher Weise ew Go'l'nnes Buch-Diplom^ überreicht worden. Däderpropaganva. Wirschen jetzt daran, in allen iKur-i umd Badeorten Oesterreichs ^während der nächsten Zeit aufs großzügigste für unseren Fonds zu werben; und dr wir wissen, daß wir in unserer Arbeit stets auf die hMgebungsvolle Unterstützung aller Gchnnungsgenossen rechnen dürfen, bitten wir diese, uns >c> bald wie möglich^ Namen und Sommeraufenthaltsort bekamuzugeben. D:eHohe'Verpflichtung, die wir Ussischkin gegenüber auf uns genommen haben, und die ernste Lage in Palästina erheffchen^ gesteigertes Beraniwortlichkeitsgefühl und gr^ steigerte Tatberei'tschaft. * Der nächste Ausweis erscheint Sonntag den 13. Juli. 11600 Personen, Copyright Jßhische« Brplog, Berlin. Nachdruck verböte». 29. Fortletznng. Von Sammy Gronemann. Oh sie viel lvder wenig inr Studium hinter sich bringen, ob -sie ein J'ahr lang über einem Blatt b-rüten oder ob sie in raschem Tempo kursorisch den Talmud bitrd>- ifliegen, ist ihre Sache; kein Mensch wird es sich einfallen lllsscn, sie zu kontrollieren. Ich konnte mich anfangs mit dieser J-nstiwtion wertig befreunden -und nwine Sympathien gingen mit jenen jungen Nationaljuden, die, an der Rückfuhrnng des Volkes Zn produktiver Arbe-it schaffend, mit bitteren: Spott die vssoroh Bätlonim verfolgten. Nationaljude und Zionist, wie ichchin- -kann ich rein vernunftgemäß auch heute noch ureinen jrrngen Freunden nur recht geben. Irr Palästina brauchen wir tüchtige Arbeiter — lucht Batlonim, sondern Lhaluzim, -Pioniere! —, uur sie iverden das Land aufbauen, nur aus chnell. ruht unsere Zukunst — aber doch — aber doch — ganz allmählich, wie ich Tag für Tag zu jeder Stunde diese alten Männer im Lehrhaus betrachtete, wie unaufhörlich sie sich hin;uub her schaukeln und lvie unablässig der Singsang des Talmudistell dort ertönt, hat mir etwas von denu tiefeir Sinn dieser Äurichtung gedämmert. Unaufhörlich seit, Jahrtausenden ertönt diese Melodie in unzähligen Lernstubeil des Orients und des Okzidents. Diese alten Bettler haben jene geistige Atnlosphäre - de's jüdischen Lehrhauses /erhalteil, aus der alle die Juden hervorgegangen finb, deren Gedanken oder Taterr lauf den Entwicklungsgang der Menschheit Einfluß geübt haben. Jene zehn Nichtstuer — die beschäftigtesten und ftmßigsten Nichtstuer der Welt — sind die geistWift/Väter eines Spinoza, eines Mendelssohn und eines Heine nicht nur, sondern letzter Endes auch irnserer jüdischen Politiker und Jndn-striellen, un-serer Warenhausbesitzer itufo Wcltblattredakteure. Sie alle wären nicht denkbar, wenn es nicht ijene's Dehrhaus gäbe, jene Pflanzstätte geistiger Kultur, .jener paradiesische Garten, dessen Wunder man erlebt haben muß, „um etwas Nützliches zu. leisten". Uebrigens, um ganz korrekt zu sein, bisweilen üben die Batlomm doch etwas praktische Tätigkeit aus, sie sind so eine Art Feuerwehr oder Rettuugswache, die Tag urrd Nacht alarmbereit ist. Was ist das Notwendigste, was im Falle «mes ^plötzlichen Unglücks, einer jähen Erkrankung, einer. Mügerechtfertigten Verhaftung zu geschehen hat? Meine Leser werden es nicht alle wissen. Aber im Osten kennt mandas Allheilmittel: Man sagt Psalmen. Wieso gerade die Thillrm, di-e Lieder des königlichen Sängers, in den -Rnf eines -Panazee gekommen-sind, weiß ich nicht; wenn aber in einem jüdischen Hanse des'Ostens etwa, ein Kind erkrankt,' springt.-der' Bote; der zun; Arzt läuft, unterwegs in einigen Bethäusern heran und alarmiert unter Verteilung von Spenden zum Thillimsagen. Pietätvolle Familien setzen ferner besondere - spenden aus, die. am Todestage eines Verstorbenen im Lchrhaus verteilt werden, damit die Batlonim in einem besonderen, vor oder nach dem Lernen eines Abschnittes z,r sprechenden ' Gebet den Namen des Verftorbenen erwähnen und so < ständig rühmend und segnend im Lehrhaus seiner gedacht wird. Aus meiner Jugend erinnere ich mich eines kurioselr Falles, dem ich entnehme, daß früher ein Brauch existiert haben muß, nach den: bei solcher Gelegenheit auch ein Gebet gesprochen ivird, daß der Name irgend eines Missetäters in Israel ansgeloscht werden soll. Ich brachte als. Schüler und Student bisweilen einige Ferienwochen in dam kleinen Städtchen Garz an der Oder bei meinem Stiefgroßvater Rafael Karger zu, von dessen schnurriger Art mein Freund Berl Weinstein irr „Tohuwabohu" einiges erzählt. Der alte Karger hatte in seiner Jugend bei dem berühmten Naübi Elijahn Guttmacher in Grätz gelernt und hatte eine Menge seltsamer Gebräuche übernomtnen. Er pflegte nun täglich vor den: Lernen für eine große Reihe von ihm verehrter Männer und Frauen jerren Segensspruch zu beten. In derr Neunzigerjahren kam nun das sogenannte westfälische Gebetbuch heraus, das auf Veranlassung, einiger Nesormgemeinden Westfalens der Rabbiner Dr. Vogelstein in Stettin verfaßte. In diesem Buch war mit der ganzen Rücksichtslosigkeit und Stillosigkeit der älteren Reform der Text der alten jüdischen Liturgie bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und zusam- Mengeftrichen. Dieses Buch kam -dem alten Karger in die Hände und er entbranto vor Wut besonders gegen Doktor Vogelstein, von dem er durch seinen Söhn, meinen Vater — die beiden Herren waren Studienfrennd'e — viel Gutes gehört hatte. Er beschloß, numnehr täglich auch ein Gebet um Anslöschung >des Namens jenes. Frevlers zu sprechen. Dieses Vorhaben stieß aber auf.eine große Schwierigkeit. Danüt nicht etwa im Himinel -irgendwelche peinlichen , Verwechslungen vorkämen, mußte der genaue Namen, nämlich -der hebräische Namen, mit dem der B-etveffende -im Gotteshails zur Thoraverlesnng gerufen wird, in das Gebet eingefügt werdeir und diesen Namen ^kannte der alte Karger nicht. Er schrieb also an seinen Freund Lehmann in Stettin und bat ihn, die erforderliche Erklrndigung einzuziehen. Lehmann lief fPorGreichs direkt zu. Dr.' Vogelstein und fragte thrr nach seinem Namen.. Der Rabbiner war einigermaßen erstaunt und wurde neugieM —- ihm -schwante wohletwas von-einer hebräischen Adreffe oder einer ähnlichen Ehrenbezeugung — und drang in den Besucher, ihln den Zweck zu verraten. Lehmann wurde sehr verlegen, Dr^ Vogelstein dringender und schließlich Platzt Lehmann damit heraus: „Der alte Karger in Garz wolle ihn verfluchen nnd ließe zu diesem Zweck um den Naw-en bitten." Das Kurioseste für mich an der Geschichte war immer, daß Dr. Vogelstein richtig wütend wurde und Herrn Lehmann abfahren ließ. Ob er nur keinen Sinll für Humor hatte oder doch vielleicht den Wirkungen eines solchen negativen Gebetes nicht recht traute, ist mir rricht klar geworden. Mein Hauptwerk. t Nur die Muße zeitigt schöpferische Gedanken — \i hätte die angestrengte Untätigkeit,' der wir alte in der Presseabt eilu-ng uns mit Ausdauer und innerer .Neigung Hingaben, gewaltige Knlturtaten zeitigell müssen. Ich tvill bescheiden von der Aufzählung aller unserer Nenerfin- -düngen tmb Entdeckungen auf dem Gebiete des höheren Unfugs absehen, aber eines Werkes muß ich doch Erwähnung Um, an dem ich in hohe-nl Grade beteiligt bin. Vielleicht werde -ich durch die Aufklärung, die ich zu gebe:: vernrag, nianch würdiges Philologenhanpt vor -der Gefahr des Verfalles in Tiesstnn beivahrell. Es handelt sich um jenes erstaunliche Lexikon, -das unter dem Namen „S i e b e n - S p r a ch e n - W ö r t e r b u ch" sich ingewissen Gelehrtenkreisen eine Art Berühnrtheit als Philologische Kuriosität erworben hat. Dieses Buch -ist vonmir redigiert, wenn auch auf dem Titelblatt als Herausgeber der Oberbefehlshaber Ost -erscheint. Das war in diesem Falle mein Pseudonym; ich bemerke aber ausdrücklich, daß ich sonst nicht unter diesem Pseudonher gewirkt habe, also weder die Schlacht frei Tannenberg, noch die kriegerischen Taten des Prinzen Leopold von Bayern, der im Osten H-indenburgs Nachfolger wurde, aus mein Konto ko-umcn. Man wird vielleicht diese Verwahrung für überflüssig halten, aber daß sie nicht ganz so überflüssig ist, wie -inan denkt, will ich mit einer kleinen Geschichte belege::, über die wir seinerzeit in Kowno -viel gelacht haben. . Unsere Briefadresse lautete: „Presseabte-ilung beim Stäbe des OberbcfehlLhäbers Ost". N.achdem der Stad zum Teil nach Brest Litowsk verlegt wurde, mußte das Wort „Oberquartiermeifter" hinzugefügt werden. Wir gaben unseren Frauen und Freunden 'entsprechende Weisung. Nun befand sich ein Berliner Kaufmann bei uns, der einen alttestamentarischen Namen, sagen wir ,rLevh" führte. . (Fortsetzung folgt.)

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